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Wie lange kann man von 300.000 Euro leben?

Thorsten Schiffgens
Thorsten Schiffgens
Zuletzt aktualisiert: 7. Sep. 2026

300.000 Euro sind für viele das Ergebnis jahrelangen Sparens oder eines Immobilienverkaufs. Es ist ein Betrag, mit dem sich etwas aufbauen lässt, aber kein Betrag, der alleine für immer trägt. Wie lange er reicht, hängt von zwei Dingen ab: was Du monatlich ausgibst und ob das Geld für Dich arbeitet. Wer 300.000 Euro auf dem Girokonto parkt und 2.500 Euro im Monat ausgibt, ist nach zehn Jahren durch. Wer dasselbe Kapital investiert, hat erheblich mehr Zeit.

Und wer eine ewige Rente anstrebt, also das Kapital komplett erhalten will, muss verstehen, wie viel das Depot monatlich tragen kann, ohne aufgezehrt zu werden.

Das Wichtigste in Kürze
  • Wer 2.500 Euro im Monat ausgibt und nichts anlegt, verbraucht 300.000 Euro in genau 10 Jahren.
  • Mit einer konservativen Nettorendite von 3 Prozent verlängert sich das auf 23 Jahre.
  • Mit einem breit gestreuten ETF-Depot (4,89 % netto nach Steuern) reichen 300.000 Euro bei 2.500 Euro monatlich fast 35 Jahre.
  • Eine ewige Rente erzeugt bei 4,89 % nach Steuern monatlich rund 1.223 Euro, ohne das Kapital anzutasten.
  • Was davon zu Dir passt, bestimmt Deine Rentenlücke, nicht eine allgemeine Tabelle.

Wie lange kann man von 300.000 Euro leben?

300.000 Euro sind eine solide Basis für eine Finanzplanung. Aber auch hier gilt: Die einzige Zahl, die wirklich zählt, ist die, die aus Deiner persönlichen Situation entsteht. Wie viel brauchst Du heute, wie viel wirst Du im Alter brauchen, und was kommt sonst noch rein?

Einnahmen und Ausgaben heute realistisch erfassen

Eine realistische Ausgabenanalyse ist der erste Schritt vor jeder Kapitalplanung. Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts erscheint alle fünf Jahre und erfasst Ausgaben, Einkommen und Vermögen von rund 54.000 Haushalten in Deutschland. Die EVS 2023, deren Ergebnisse im Dezember 2025 publiziert wurden, weist für einen Einpersonenhaushalt durchschnittliche Monatsausgaben von 1.918 Euro aus (Quelle: Destatis). Diese Zahl ist ein Ausgangspunkt, kein Urteil. Wer in Frankfurt am Main lebt und gern reist, liegt deutlich darüber. Wer aufs Land gezogen ist und sein Haus abbezahlt hat, liegt darunter.

Nimm Dir die Zeit und rechne zusammen, was Du wirklich ausgibst, inklusive der Dinge, die nicht jeden Monat anfallen:

  • Miete oder laufende Hauskosten und Nebenkosten
  • Lebensmittel, Haushalt, Kleidung
  • Mobilität und Fahrtkosten
  • Urlaub und Freizeit auf Monatsbasis umgerechnet
  • Versicherungen, Gesundheit, Arztkosten
  • Einmalige Ausgaben wie Reparaturen oder Neuanschaffungen

Nur wenn diese Zahl auf dem Tisch liegt, lässt sich sinnvoll planen.

Rentenlücke im Alter berechnen

300.000 Euro als alleinige Einnahme zu sehen wäre ein Denkfehler. Entscheidend ist, was Du zusätzlich erhältst: gesetzliche Rente, Betriebsrente, Mieteinnahmen, andere Anlagen.

Die Rentenlücke ist der monatliche Betrag, den Du aus Deinem Kapital decken musst, weil andere Einnahmen nicht ausreichen. Wer eine gesetzliche Rente von 1.800 Euro erwartet und 2.800 Euro im Monat braucht, hat eine Lücke von 1.000 Euro. Diesen Betrag muss das Kapital liefern, nicht den vollen Bedarf.

Das ändert die Rechnung erheblich. Bei einer Lücke von 1.000 Euro monatlich reichen 300.000 Euro mit einer Rendite von 4,89 Prozent netto rechnerisch über 60 Jahre. Bei einer Lücke von 2.500 Euro monatlich sind es knapp 35 Jahre. Dazwischen liegt die individuelle Wahrheit.

Über die Laufzeit entscheidet Deine Rentenlücke. Genau den Betrag, den sie Monat für Monat offen lässt, muss das Kapital schließen.

Kapitalverzehr oder ewige Rente: zwei grundlegend verschiedene Strategien

Mit 300.000 Euro wird der Unterschied zwischen beiden Strategien deutlich spürbarer als bei kleineren Summen. Beim Kapitalverzehr bestimmst Du die Laufzeit. Bei der ewigen Rente bestimmst Du die monatliche Entnahmehöhe.

Die ewige Rente aus 300.000 Euro bei 4,89 Prozent Nettorendite liefert rund 1.223 Euro monatlich, ohne das Kapital anzutasten. Das deckt in vielen Lebenslagen eine Rentenlücke vollständig oder schließt sie zumindest substanziell. Wer weniger braucht, hat zusätzliche Sicherheit. Wer mehr braucht, muss das Kapital zumindest teilweise verzehren.

Wie lange reichen 300.000 Euro bei Kapitalverzehr?

Wie lange 300.000 Euro reichen, hängt entscheidend von der Anlagerendite und der monatlichen Entnahme ab. Zwei Szenarien bilden den relevanten Bereich ab: ein konservatives mit 3 Prozent Nettorendite, das einer sicheren Anlage in Tagesgeld oder kurzlaufenden Anleihen entspricht, und ein ausgewogenes Depot-Szenario mit 4,89 Prozent nach Abgeltungsteuer und Soli. Bei Letzterem ist die 30-prozentige Teilfreistellung für Aktien-ETFs berücksichtigt, die die effektive Steuerrate auf 18,46 Prozent senkt. Die Inflationsrate von 2,2 Prozent ist bei den realen Werten abgezogen.

Hier sind die Laufzeiten für die relevantesten Entnahmeniveaus:

Monatliche EntnahmeOhne Anlage3 % netto (nominal)4,89 % netto (nominal)
1.500 Euro16,7 Jahre23,1 Jahre34,6 Jahre
2.000 Euro12,5 Jahre15,7 Jahre19,4 Jahre
2.500 Euro10,0 Jahre11,9 Jahre13,8 Jahre
3.000 Euro8,3 Jahre9,6 Jahre10,7 Jahre
3.500 Euro7,1 Jahre8,0 Jahre8,8 Jahre

Der Unterschied zwischen 3 Prozent und 4,89 Prozent Nettorendite ist bei dieser Summe bereits erheblich. Bei 1.500 Euro monatlicher Entnahme sind das 11 Jahre Unterschied in der Laufzeit.

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Wie lange reichen 300.000 Euro bei ewiger Rente?

Die ewige Rente aus 300.000 Euro liefert monatlich den Betrag, den das Depot dauerhaft erwirtschaftet, ohne das Kapital selbst anzugreifen.

Bei 4,89 Prozent Nettorendite nach Steuern sind das rund 1.223 Euro monatlich. Real, also nach Abzug der Inflation von 2,2 Prozent, liegt die Kaufkraft bei gut 650 Euro in heutigen Preisen. Wer Inflation langfristig berücksichtigen will, muss entweder mit einem Teil des Depotwachstums thesaurieren oder eine höhere Anfangsrendite anstreben.

Die 1.223 Euro reichen nicht, um in Deutschland einen durchschnittlichen Lebensstandard alleine zu finanzieren. Sie können aber eine wichtige Lücke schließen, die gesetzliche Rente ergänzen oder eine feste monatliche Last wie die PKV-Prämie oder die Miete abdecken. In der Gesamtstrategie eines Finanzplans ist das oft genau die Rolle, die dieser Kapitalblock übernehmen soll.

Der gleiche Mechanismus gilt für jede Kapitalgröße, allein die Beträge verschieben sich. Zum Vergleich lohnt der Blick darauf, wie lange 200.000 Euro reichen, und darauf, wie weit 500.000 Euro tragen.

Einfluss von Steuern, Inflation und Börse auf Deinen Finanzplan

Drei Faktoren formen das Ergebnis jeder Kapitalplanung so stark wie kein anderer Einzelaspekt. Wer sie ignoriert, rechnet an der Realität vorbei, auch wenn alle anderen Annahmen stimmen.

Steuern auf Kapitalerträge drücken die Nettorendite direkt

Wer in Deutschland Kapitalerträge erzielt, zahlt darauf pauschal 25 Prozent Abgeltungssteuer, zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf diese Steuer, was zu einer Gesamtbelastung von 26,375 Prozent führt. Bei Aktien-ETFs mit mindestens 51 Prozent Aktienquote greift die 30-prozentige Teilfreistellung, die die effektive Steuerrate auf 18,46 Prozent der Bruttorendite senkt. Der jährliche Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 Euro pro Person und 2.000 Euro für Verheiratete und Lebenspartner (Quelle: Finanztip). Bei einem Depot von 300.000 Euro und 6 Prozent Bruttoperformance macht dieser Freibetrag in der Entnahmephase einen Steuervorteil von rund 263,75 Euro jährlich.

Inflation nagt still an der Kaufkraft jedes Depots

Aktuelle Prognosen gehen für Deutschland im Jahr 2026 von einer Inflationsrate um die 2,2 Prozent aus. Was heute 2.500 Euro kostet, kostet in 15 Jahren bei dieser Rate etwa 3.380 Euro, in 25 Jahren rund 4.173 Euro. Wer das in der Planung ignoriert, plant faktisch mit einem schleichend sinkenden Lebensstandard, ohne es zu merken. Die Tabellen in diesem Artikel zeigen nominale Laufzeiten; die reale, kaufkraftbereinigte Laufzeit liegt jeweils kürzer.

Börsenschwankungen gefährden die geplante Laufzeit

Ein Depot mit globalen Aktien-ETFs kann in einzelnen Jahren 20 bis 30 Prozent verlieren, sich aber langfristig deutlich erholen. Das Risiko liegt nicht im Verlust selbst, sondern in der Kombination aus Verlust und gleichzeitiger hoher Entnahme. Wer in einer schlechten Phase viel entnehmen muss, verkauft mehr Anteile als nötig und hat weniger Kapital für die Erholung. Dieses Sequence-of-Returns-Risk lässt sich mit einem separaten Liquiditätspuffer aus sicheren Anlagen für 12 bis 24 Monate Ausgaben wirksam entschärfen.

Unser Tipp: Versteh Deine Finanzen, bevor Du anfängst in ETFs & Co. zu investieren

Die Frage „Wie lange reichen 300.000 Euro?“ ist die falsche Einstiegsfrage. Die richtige lautet: Was fehlt mir im Alter, und welche Rolle soll dieses Kapital dabei spielen?

Wer das weiß, kann entscheiden, ob er Kapital verzehren oder erhalten will, wie viel Risiko er dafür eingehen kann und ob es Optimierungspotenzial bei laufenden Kosten oder anderen Vorsorgeprodukten gibt. Ein Selbstständiger ohne betriebliche Altersvorsorge braucht eine ganz andere Strategie als ein Beamter mit Pension und Beihilfe.

Genau das besprechen wir bei COVAGO mit unseren Kunden: nicht das Produkt zuerst, sondern das Bild zuerst. Dann ergibt sich, was passt.

Thorsten Schiffgens
Thorsten Schiffgens
Geschäftsführer

Thorsten Schiffgens ist Geschäftsführer und Mitgründer von COVAGO und unser Experte für Managerhaftung, D&O und Cyberversicherung. Er sichert Unternehmen und ihre Geschäftsführer gegen finanzielle Schäden und digitale Risiken ab und begleitet sie von der Analyse bis zum passenden Vertrag.

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