„Seit wir das Haus haben, machen wir uns ständig Sorgen über alles Mögliche.
Was ist, wenn es brennt oder ein Sturm das Dach abdeckt?“ Diese Gedanken kennst du sicher auch, wenn du gerade ein Eigenheim gekauft hast oder darüber nachdenkst. Plötzlich bist du nicht mehr nur Mieter, sondern hast einen riesigen Vermögenswert, den es zu schützen gilt.
Welche Versicherungen sind für Hausbesitzer notwendig?
Als Hausbesitzer trägst du die volle Verantwortung für dein Eigentum und haftest für alles, was damit zusammenhängt, weshalb sich das Versicherungsthema komplett ändert im Vergleich zum Mieterdasein. Laut Verbraucherzentrale ist fast jeder Eigenheimbesitzer in Deutschland falsch versichert, entweder mit zu wenigen oder mit überflüssigen Policen.
Die wirklich notwendigen Versicherungen sind die, die dich vor dem finanziellen Ruin bewahren, wenn etwas Größeres passiert, denn die Immobilie ist für die meisten Familien der größte Vermögenswert und ein Brand oder eine Überschwemmung kann existenzbedrohend sein.
Wohngebäudeversicherung
Die Wohngebäudeversicherung ist für jeden Hausbesitzer die allerwichtigste Versicherung, weil sie einspringt, wenn dein Haus beschädigt oder komplett zerstört wird durch Feuer, Leitungswasser, Sturm oder Hagel.
Ohne diese Versicherung stehst du nach einem Totalschaden vor dem Nichts und müsstest den Wiederaufbau komplett aus eigener Tasche finanzieren.
Wichtig ist, dass du immer eine gleitende Neuwertversicherung abschließt, damit sich die Versicherungssumme automatisch an steigende Baukosten anpasst, und einen Tarif mit Verzicht auf Einrede bei grober Fahrlässigkeit wählst, sonst kürzt der Versicherer die Leistung, wenn du mal eine Kerze vergessen hast oder fahrlässig gehandelt hast.
Die Grunddeckung umfasst:
- Feuer (Brand, Blitzschlag, Explosion)
- Leitungswasser (Rohrbruch, auslaufende Waschmaschine)
- Sturm und Hagel (ab Windstärke 8)
Stiftung Warentest hat 2025 insgesamt 196 Tarife von 74 Anbietern geprüft: 101 erhielten ein „sehr gut“, aber 68 wurden mit „mangelhaft“ bewertet, hauptsächlich wegen fehlender Leistung bei grober Fahrlässigkeit.
Banken verlangen bei Immobilienfinanzierungen übrigens den Nachweis einer Wohngebäudeversicherung, weil sie ihr Darlehen absichern wollen, aber auch wenn das Haus abbezahlt ist, brauchst du diese Versicherung unbedingt.
Elementarschadenversicherung
Die Elementarschadenversicherung ergänzt die Wohngebäudeversicherung um Schutz gegen Überschwemmung, Rückstau, Schneedruck, Erdrutsch, Erdbeben und andere Naturgefahren, die durch den Klimawandel immer häufiger werden. Nur etwa 57 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland haben eine Elementarschadenversicherung, obwohl sich die Klimaschäden seit 1980 verfünffacht haben.
Diese Versicherung wird immer wichtiger, weil extreme Wetterereignisse zunehmen und auch Häuser betreffen, die früher als sicher galten. Eine geplante Gesetzesänderung sieht vor, dass Wohngebäudeversicherungen künftig nur noch mit Elementarschadenabsicherung angeboten werden sollen, und wer dann keinen Elementarschutz hat, soll im Schadensfall keine staatliche Hilfe mehr bekommen.
Für Hausbesitzer in unkritischen Lagen kostet der Elementarschutz meist 100 bis 500 Euro pro Jahr zusätzlich, in Hochrisikolagen kann es deutlich teurer werden, aber das ist immer noch günstiger als ein zerstörtes Haus aus eigener Tasche zu bezahlen.
Private Haftpflichtversicherung
Auch als Hausbesitzer bleibt die private Haftpflichtversicherung unverzichtbar, weil sie dich vor Schadenersatzforderungen Dritter schützt, die durch dein Haus oder Grundstück entstehen können. Bei selbstgenutztem Eigentum sind Gefahren aus dem Haus und Grundstück normalerweise über die private Haftpflicht mitversichert, die Deckungssumme sollte aber mindestens 10 Millionen Euro betragen.
Prüf auch, was dein Arbeitgeber anbietet, bevor du teure Zusatzversicherungen abschließt. Viele Unternehmen bieten mittlerweile eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) an, die nicht nur dich, sondern oft auch deine Familie mit besseren Leistungen versorgt, ohne dass ihr extra zahlen müsst, was gerade bei teureren Immobilienkrediten eine willkommene Entlastung sein kann.
Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht
Diese Versicherung brauchst du zusätzlich zur privaten Haftpflicht, wenn du Teile deines Hauses vermietest, unbebaute Grundstücke besitzt oder eine Eigentumswohnung hast, weil du als Grundstücks- und Hauseigentümer verpflichtet bist, dein Eigentum in einem verkehrssicheren Zustand zu halten.
Bei Vernachlässigung wie herabfallende Ziegel, Glatteis auf dem Gehweg oder andere Gefahren haftest du unbegrenzt und lebenslang, und die normale private Haftpflichtversicherung greift bei vermieteten Immobilien und bei Risiken aus dem Gemeinschaftseigentum einer Eigentümergemeinschaft nicht.
Die Kosten sind aber überschaubar und beginnen bereits ab etwa 3 bis 6 Euro monatlich für ein Ein- oder Zweifamilienhaus.
Gewässerschadenhaftpflicht
Wenn du eine Ölheizung mit Öltank betreibst, ist die Gewässerschadenhaftpflicht dringend empfohlen, weil bereits ein Liter ausgelaufenes Öl bis zu eine Million Liter Wasser verseuchen kann. Der Inhaber eines Öltanks haftet im Schadensfall ohne Verschulden in unbegrenzter Höhe, und die Kosten für die Reinigung von kontaminiertem Erdreich können schnell 30.000 Euro und mehr betragen.
Einige Privathaftpflichtversicherungen schließen Heizöltanks bereits im erweiterten Tarif ein, deshalb solltest du unbedingt prüfen, ob du schon abgesichert bist oder eine separate Gewässerschadenhaftpflicht brauchst.
Hausratversicherung
Als Hausbesitzer hast du in der Regel deutlich mehr Hausrat als früher als Mieter, weshalb eine Hausratversicherung sinnvoll ist, damit du nach einem Brand oder Einbruch nicht deine Ersparnisse für neue Möbel und Elektronik aufbrauchen musst.
Sie kommt für Schäden an den beweglichen Gegenständen im Haus auf und erstattet im Schadensfall den Neuwert.
Die Versicherungssumme sollte nach einem festen Betrag pro Quadratmeter Wohnfläche bestimmt werden, um eine Unterversicherung zu vermeiden, denn gerade in größeren Häusern sammelt sich über die Jahre richtig viel wertvoller Hausrat an.
Risikolebensversicherung
Wenn du noch einen Immobilienkredit abbezahlst, ist die Risikolebensversicherung ein absolutes Muss, weil sie im Todesfall deine Hinterbliebenen davor schützt, das Eigenheim zu verlieren. Ohne diese Absicherung müsste deine Familie das Haus verkaufen, wenn sie die Kreditraten nicht allein stemmen kann.
Die Versicherungssumme sollte parallel zur Kredittilgung sinken, um Beiträge zu sparen, aber hoch genug sein, um die Restschuld zu decken und der Familie eine Übergangszeit zu ermöglichen. Auch wenn das Haus abbezahlt ist, kann eine Risikolebensversicherung sinnvoll bleiben, um der Familie den Unterhalt des Hauses zu ermöglichen.
Berufsunfähigkeitsversicherung
Wenn du berufsunfähig wirst, kannst du nicht nur dein normales Leben nicht mehr finanzieren, sondern auch die Kreditraten für das Haus nicht mehr bedienen, weshalb die Berufsunfähigkeitsversicherung als Hausbesitzer noch wichtiger wird.
Die BU-Höhe sollte so gewählt werden, dass sie im Ernstfall auch die Kreditraten und die laufenden Kosten für das Haus abdeckt.
Photovoltaikversicherung
Wenn du eine Solaranlage auf dem Dach hast, solltest du über eine Photovoltaikversicherung oder einen entsprechenden Zusatzbaustein zur Wohngebäudeversicherung nachdenken.
Die normale Wohngebäudeversicherung deckt zwar Schäden durch Brand, Hagel oder Schnee an der PV-Anlage ab, aber nur wenn die Anlage dem Versicherer gemeldet wurde, und sie schützt nicht vor Diebstahl, Vandalismus, Bedienungsfehlern oder Ertragsausfällen.
Ein Zusatzbaustein zur Wohngebäudeversicherung gibt es ab 35 Euro pro Jahr, eine separate PV-Versicherung kostet zwischen 65 und 107 Euro jährlich. Stiftung Warentest empfiehlt, den Schutz nach Möglichkeit in die Wohngebäudeversicherung zu integrieren, um Streitigkeiten bei der Schadensabwicklung zu vermeiden.
Welche Versicherungen sind für bestimmte Situationen wichtig?
Manche Versicherungen brauchst du nur in besonderen Situationen oder Lebensphasen, aber dann sind sie wirklich wichtig und sollten nicht vergessen werden.
Versicherungen für Vermieter
Wenn du Teile deines Hauses vermietest oder eine Eigentumswohnung besitzt, brauchst du zusätzlichen Schutz. Die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht haben wir schon erwähnt, aber auch ein spezieller Vermieterrechtsschutz kann sinnvoll sein, weil er nicht nur Streitigkeiten mit Mietern abdeckt, sondern auch Auseinandersetzungen mit Gemeinden und Ämtern.
Versicherungen in der Bauphase
Falls du gerade baust oder umfangreich renovierst, brauchst du temporäre Versicherungen für diese Zeit. Die Bauherrenhaftpflicht schützt vor Schäden an Dritten durch die Baustelle, wobei die Deckungssumme laut Stiftung Warentest mindestens 3 Millionen Euro betragen sollte.
Weitere wichtige Bauversicherungen sind:
- Feuerrohbauversicherung (Brand oder Blitzschlag am Rohbau)
- Bauleistungsversicherung (Schäden durch höhere Gewalt oder Baumängel)
- Bauhelferversicherung (Unfallschutz für Freunde und Familie, die beim Bau helfen)
Die Feuerrohbauversicherung bekommst du oft kostenlos, wenn du die spätere Wohngebäudeversicherung beim gleichen Anbieter abschließt, und sie wird nach Fertigstellung automatisch in die normale Wohngebäudeversicherung umgewandelt.
Welche Versicherungen brauchen Hausbesitzer nicht?
Viele Versicherungen werden speziell an Hausbesitzer verkauft, sind aber völlig überflüssig oder viel zu teuer für den gebotenen Schutz. Die Verbraucherzentralen und der Bund der Versicherten raten von diesen Policen ab, weil das Geld anderweitig besser angelegt ist.
Diese Versicherungen sind überflüssig:
- Glasbruchversicherung (Sturmschäden an Fenstern sind bereits über die Wohngebäudeversicherung abgedeckt)
- Restschuldversicherung (sehr hohe Kosten, Risikolebensversicherung plus BU ist günstiger)
- Kapitallebensversicherung zur Hausfinanzierung (schlechte Rendite, Risikolebensversicherung plus ETF-Depot ist besser)
- Sterbegeldversicherung (teurer Sparvertrag, einfach Geld zurücklegen ist günstiger)
- Kunstversicherung bei normalem Hausrat (nur bei sehr wertvollen Sammlungen nötig)
Die Glasbruchversicherung ist ein besonders beliebter Verkaufstrick, aber der Ersatz einer einzelnen Fensterscheibe ist aus eigener Tasche tragbar und Sturmschäden sind sowieso schon über die Wohngebäudeversicherung abgedeckt. Nur bei großen Wintergärten oder Gewächshäusern kann sie sinnvoll sein.
Die Restschuldversicherung ist besonders problematisch, weil die sehr hohen Kosten über die Darlehenssumme mitfinanziert werden und du am Ende viel mehr zahlst als für eine Kombination aus Risikolebensversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung, die besseren Schutz bietet.
Auch diese sind meist Geldverschwendung:
- Separate Glasversicherung als Zusatz (Doppelversicherung, wenn schon in anderen Policen enthalten)
- Reisegepäckversicherung (Hausratversicherung leistet bereits bei Einbruchdiebstahl)
- Insassenunfallversicherung (Kfz-Haftpflicht kommt schon für Mitfahrende auf)
Worauf sollten Hausbesitzer besonders achten?
Als Hausbesitzer solltest du bestehende Verträge regelmäßig überprüfen, weil sich deine Situation ändert und auch die Versicherungsbedingungen sich weiterentwickeln. Mindestens einmal jährlich solltest du alle Policen auf den aktuellen Stand bringen und schauen, ob sie noch zu deiner Lebenssituation passen.
Die Versicherungssumme der Wohngebäudeversicherung sollte den Wiederaufbauwert, nicht den Marktwert abdecken, weil es viel teurer ist, ein Haus neu zu bauen, als es zu verkaufen. Wenn du eine PV-Anlage installierst, musst du sie unbedingt deinem Versicherer melden, sonst zahlt die Wohngebäudeversicherung im Schadensfall möglicherweise nicht.
Besonders wichtig ist:
- Elementarschutz jetzt prüfen, bevor er verpflichtend wird und teurer werden könnte
- Grobe Fahrlässigkeit unbedingt absichern, weil Tarife ohne diesen Schutz als mangelhaft gelten
- Unabhängige Beratung nutzen, weil Versicherungsmakler auf Honorarbasis nicht an Provisionen verdienen
Die Grundregel bleibt auch für Hausbesitzer: Versichere nur Risiken, die dich finanziell ruinieren könnten, und spare das Geld für alles andere lieber selbst an. Als Hausbesitzer hast du schon genug Fixkosten, da musst du nicht auch noch überflüssige Versicherungsprämien bezahlen.
Das gesparte Geld kannst du besser für die Instandhaltung des Hauses verwenden oder für Notfälle zurücklegen, denn als Hausbesitzer kommen immer wieder unvorhergesehene Reparaturen auf dich zu, die du sofort aus eigener Tasche bezahlen musst.
Welche Erfahrungen hast du als Hausbesitzer mit Versicherungen gemacht und wo bist du dir unsicher, was wirklich nötig ist?