„Als Mieter brauch ich doch keine Versicherungen, das ist alles Sache des Vermieters.“
Das denkst du vielleicht, aber das ist ein gefährlicher Irrtum, der dich teuer zu stehen kommen kann. Als Mieter brauchst du zwar andere Versicherungen als Hausbesitzer, aber manche sind genauso existenziell wichtig für deine finanzielle Sicherheit.
Welche Versicherungen sind für Mieter notwendig?
Als Mieter hast du andere Risiken als Hausbesitzer, aber einige können dich genauso finanziell ruinieren, weshalb bestimmte Versicherungen auch in der Mietwohnung unverzichtbar sind.
Die Wohngebäudeversicherung ist zwar Sache des Vermieters, aber deren Kosten werden oft über die Betriebskostenabrechnung auf dich umgelegt, während du für andere Schäden selbst aufkommen musst.
Entscheidend für dich als Mieter sind der Schutz vor Haftungsrisiken in der Mietwohnung, die Absicherung deines eigenen Hausrats und die Sicherung deiner Arbeitskraft, denn ohne Einkommen kannst du dir die Miete nicht mehr leisten.
Private Haftpflichtversicherung
Die private Haftpflichtversicherung ist laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft „ein Muss in der Mietwohnung“, weil du als Mieter für alle Schäden haftest, die du an der Wohnung oder am Gebäude verursachst. Jeder Zehnte in Deutschland ist nicht privat haftpflichtversichert und lebt damit extrem gefährlich.
Besonders wichtig für Mieter ist, dass die Haftpflicht Mietsachschäden übernimmt, also Schäden an fest eingebauten Gegenständen der Mietwohnung wie Fenster, Türen, Böden und fest verlegte Teppiche. Bei einem schuldhaft verursachten Wasserschaden, wenn zum Beispiel die Badewanne überläuft, kann der Schaden am gesamten Gebäude schnell mehrere Zehntausend Euro betragen.
Besonders wichtig für Mieter ist auch der Schutz bei Schlüsselverlust, weil der Austausch einer kompletten Schließanlage im Mehrfamilienhaus extrem teuer werden kann. Schäden an geliehenen oder gemieteten Sachen sind je nach Tarif ebenfalls mitversichert, was gerade in WGs oder bei häufigem Ausleihen von Gegenständen wichtig werden kann.
Die Deckungssumme sollte mindestens 10 Millionen Euro betragen, für Mietsachschäden sollten mindestens 1 Million Euro für unbewegliche Sachen und 50.000 Euro für bewegliche Sachen versichert sein.
Berufsunfähigkeitsversicherung
Wer von seinem Einkommen lebt und davon die Miete bezahlt, braucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil etwa jeder Vierte vor dem Renteneintritt berufsunfähig wird und die Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung bei weitem nicht ausreicht, um die laufenden Kosten inklusive Miete zu decken.
67 Prozent der Berufstätigen haben laut Verbraucherzentralen-Umfrage keine BU-Absicherung, was ein riesiges finanzielles Risiko darstellt. Als Mieter hast du im Gegensatz zum Hausbesitzer nicht die Option, im Notfall das Eigenheim zu verkaufen oder zu verkleinern, sondern musst die Miete weiter bezahlen oder eine günstigere Wohnung suchen.
Prüf auch, was dein Arbeitgeber anbietet, bevor du teure Zusatzversicherungen abschließt. Viele Unternehmen bieten mittlerweile eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) an, die nicht nur dich, sondern oft auch deine Familie mit besseren Leistungen versorgt, ohne dass ihr extra zahlen müsst.
Hausratversicherung
Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft kommen Mieter, die ihr Inventar in der Mietwohnung schützen möchten, um eine Hausratversicherung nicht herum, weil jeden Tag in Deutschland durchschnittlich 300 Wohnungen ausgeraubt und rund 630 Wohnungen durch Brände beschädigt werden.
Die Hausratversicherung ist zwar nicht ganz so existenziell wie die Haftpflicht, aber trotzdem sehr wichtig, weil viele Menschen den Wert ihres angesammelten Hausrats erheblich unterschätzen. Wenn du dir den Totalverlust deines gesamten Hausrats durch Brand oder Einbruch nicht aus eigener Tasche leisten kannst, solltest du eine Hausratversicherung abschließen.
Versichert sind alle beweglichen Gegenstände im Haushalt gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Einbruchdiebstahl und Vandalismus. Die Erstattung erfolgt zum Neuwert, und auch außerhalb der Wohnung besteht Schutz, zum Beispiel bei einem Einbruch im Hotelzimmer im Urlaub oder bei Raub auf offener Straße.
Der Gesamtverband empfiehlt, neuere Policen unbedingt um eine Elementarschadenversicherung zu ergänzen wegen zunehmender Extremwetterlagen, denn auch Mieter können von Starkregen und Überschwemmungen betroffen sein.
Auslandsreise-Krankenversicherung
Wer ins Ausland reist, auch innerhalb der EU, sollte eine Auslandsreise-Krankenversicherung haben, weil sie nur etwa 10 Euro pro Jahr kostet und den Rücktransport übernimmt, der schnell mehrere tausend Euro kosten kann. Die gesetzliche Krankenversicherung leistet im Ausland nur eingeschränkt und übernimmt nie den Rücktransport nach Deutschland.
Als Mieter bist du oft flexibler beim Reisen als Hausbesitzer, die sich Sorgen um ihr Eigentum machen müssen, weshalb eine gute Auslandsreiseversicherung umso wichtiger wird.
Risikolebensversicherung
Mieter mit Familie und Kindern brauchen eine Risikolebensversicherung, wenn ein Partner der Hauptverdiener ist, weil im Todesfall der hinterbliebene Partner die Miete und den Lebensunterhalt allein tragen muss. Unverheiratete Partner haben zudem keinen Anspruch auf Witwenrente, sind also noch schlechter abgesichert.
Die empfohlene Versicherungssumme liegt beim Drei- bis Fünffachen des Jahres-Nettoeinkommens, je nachdem wie lange die Kinder noch versorgt werden müssen und wie hoch die laufenden Kosten sind.
Mietrechtsschutzversicherung
Zwischen Mieter und Vermieter lauert laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft „jede Menge juristisches Konfliktpotenzial“, von der Eigenbedarfskündigung bis zur Schönheitsreparatur. Die Mietrechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten für Anwälte, Gericht und Sachverständige.
Der Mietrechtsschutz ist kein Bestandteil einer normalen Privatrechtsschutzversicherung, sondern muss als separater Baustein hinzugebucht werden. Es gilt eine Wartezeit von 3 Monaten, der Vertrag muss also rechtzeitig abgeschlossen werden, bevor ein Streit eskaliert.
Eine günstige Alternative ist die Mitgliedschaft im Mieterverein für etwa 50 bis 100 Euro pro Jahr, die Rechtsberatung, Prüfung von Nebenkostenabrechnungen und häufig eine integrierte Prozesskostenversicherung für Mietstreitigkeiten bietet.
Kinderinvaliditätsversicherung
Wenn du Kinder hast, ist die Kinderinvaliditätsversicherung eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt, weil 99 Prozent der Invalidität bei Kindern krankheitsbedingt und nicht unfallbedingt ist. Die Verbraucherzentrale stuft diese Versicherung als genauso wichtig ein wie die BU für Erwachsene.
Als Mieter hast du oft weniger finanzielle Reserven als Hausbesitzer, weshalb der Ausfall der späteren Arbeitskraft eines Kindes noch dramatischere Folgen haben kann.
Welche Versicherungen zahlt der Vermieter?
Als Mieter zahlst du indirekt bereits für bestimmte Versicherungen über die Betriebskostenabrechnung, weshalb du nicht nochmal extra dafür zahlen musst. Gemäß Betriebskostenverordnung darf der Vermieter folgende Versicherungskosten auf dich umlegen: Wohngebäudeversicherung, Elementarschadenversicherung, Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht, Glasversicherung für das Gebäude und Aufzugversicherung, falls vorhanden.
Nicht umlagefähig sind Versicherungen, die ausschließlich dem Vermieter dienen wie seine Rechtsschutzversicherung, Mietausfallversicherung oder private Haftpflicht. Du hast als Mieter Anspruch auf Einsicht in die Versicherungsunterlagen, um zu prüfen, ob das Wirtschaftlichkeitsgebot eingehalten wird, und bei überhöhten Kosten kannst du innerhalb von 12 Monaten Widerspruch einlegen.
Welche Versicherungen brauchen Mieter nicht?
Viele Versicherungen werden speziell an Mieter verkauft, sind aber völlig überflüssig oder sogar schädlich für deine Finanzen. Die Verbraucherzentralen, Stiftung Warentest und der Bund der Versicherten raten von diesen Policen ab.
Diese Versicherungen sind überflüssig oder schädlich:
- Wohngebäudeversicherung (ist Sache des Eigentümers, du zahlst anteilig über Nebenkosten mit)
- Mietkautionsversicherung (Stiftung Warentest rät ab: du zahlst jährlich Gebühren bis 100 Euro, bekommst das Geld nicht zurück, und der Versicherer holt sich im Schadensfall alles von dir zurück)
- Kapitallebensversicherung (intransparent, hohe Kosten, schlechte Rendite)
- Handyversicherung (hohe Selbstbeteiligung, viele Ausschlüsse)
- Brillenversicherung (Schaden selbst tragbar)
Die Mietkautionsversicherung ist besonders problematisch, weil sie zunächst verlockend klingt, aber am Ende teurer ist als eine normale Kaution und dir trotzdem keine Sicherheit bietet, da der Versicherer sich alle Kosten von dir zurückholt.
Auch diese sind meist Geldverschwendung:
- Geräteversicherung für Laptop oder Waschmaschine (zu teuer, viele Ausschlüsse)
- Restschuldversicherung (extrem hohe Kosten)
- Private Unfallversicherung als alleiniger Schutz (nur 2% der Schwerbehinderungen sind unfallbedingt)
- Reisegepäckversicherung (Hausratversicherung leistet über Außenversicherung bereits bei Einbruchdiebstahl)
Wichtige Spartipps für Mieter
Achte bei der Haftpflicht auf ausreichende Deckung für Mietsachschäden, Schlüsselverlust und deliktunfähige Kinder, gute Tarife gibt es ab etwa 50 bis 80 Euro pro Jahr. Eine Mitgliedschaft im Mieterverein ist oft günstiger als eine separate Rechtsschutzpolice und bietet zusätzlich Beratung und Nebenkostenprüfung.
Prüf deine Nebenkostenabrechnung genau, weil du über die Nebenkosten bereits anteilig für Gebäudeversicherung, Elementarschutz und Haus-/Grundbesitzerhaftpflicht zahlst. Dir steht Einsicht in die Versicherungsunterlagen zu, um zu prüfen, ob die Kosten angemessen sind.
Viele ältere Hausratpolicen enthalten keinen Elementarschutz, dieser sollte angesichts zunehmender Starkregenereignisse nachträglich hinzugefügt werden. Prüf auch, ob dein Vermieter bereits eine Glasversicherung hat, bevor du selbst eine abschließt, um Doppelversicherungen zu vermeiden.
Die Grundregel für Mieter ist dieselbe wie für alle anderen: Versichere nur Risiken, die dich finanziell ruinieren könnten, und spare das Geld für alles andere lieber selbst an. Versicherungen, die nur kleine Schäden absichern, sind fast immer überflüssig.
Welche Versicherungen hast du als Mieter und wo bist du dir unsicher, was wirklich nötig ist?