„Endlich Rente, endlich weniger Sorgen. Oder etwa doch nicht?“
Viele Menschen denken, dass sie im Ruhestand weniger Versicherungen brauchen, aber das stimmt nur teilweise. Einige Policen werden tatsächlich überflüssig, andere werden sogar wichtiger als früher, und wieder andere müssen an die neue Lebenssituation angepasst werden.
Welche Versicherungen sind für Rentner notwendig?
Mit dem Eintritt in den Ruhestand ändert sich dein Versicherungsbedarf deutlich, weil sich deine Risiken verschieben und manche Gefahren größer werden, während andere wegfallen.
Du hast kein Arbeitseinkommen mehr, das abgesichert werden muss, aber dafür steigen andere Risiken wie Pflegebedürftigkeit, Sturzgefahr oder Demenz, und du hast oft mehr Zeit zum Reisen.
Die wichtigsten Versicherungen bleiben die, die dich vor finanziellen Katastrophen schützen, aber manche brauchen spezielle Klauseln für Senioren oder müssen an deine neue Situation angepasst werden.
Private Haftpflichtversicherung
Die private Haftpflichtversicherung bleibt auch im Alter unverzichtbar, wird aber sogar noch wichtiger, weil die Risiken steigen und spezielle Gefahren dazukommen. Alle Verbraucherschützer werten die private Haftpflicht als in jedem Lebensabschnitt unverzichtbar, ausdrücklich auch im Ruhestand, weil wer anderen schuldhaft einen Schaden zufügt, unbegrenzt mit seinem gesamten Vermögen haftet.
Besonders wichtig für Rentner sind moderne Tarife mit Deliktunfähigkeits- oder Demenz-Klausel, weil diese auch für Schäden zahlen, die durch demenzbedingte Deliktunfähigkeit verursacht wurden. Die Deckungssumme sollte mindestens 10 Millionen Euro betragen, besser mehr, und eine Forderungsausfalldeckung sollte eingeschlossen sein, die einspringt, wenn ein Schädiger selbst keine Haftpflichtversicherung hat.
Nach dem Renteneintritt solltest du den Tarif an deine neue Situation anpassen: Wechsel vom Familientarif in den Single- oder Partnertarif, wenn die Kinder ausgezogen sind, und prüfe, ob Ehrenamt und eventuelle Haustiere abgesichert sind. Finanztip weist darauf hin, dass einige Versicherer für über 55-Jährige günstigere Spezialtarife mit gutem Leistungsumfang anbieten.
Krankenversicherung
Die Krankenversicherung bleibt gesetzlich vorgeschrieben, auch für Rentner, aber für die meisten Menschen ist die gesetzliche Krankenversicherung im Alter sinnvoller als die private, weil die Beiträge einkommensabhängig sind und bei kleiner Rente entsprechend sinken.
Wer in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens überwiegend gesetzlich versichert war, kann in die Krankenversicherung der Rentner wechseln und zahlt auf die gesetzliche Rente nur den reduzierten Beitragssatz, wobei die Deutsche Rentenversicherung die Beiträge direkt an die Kasse überweist. Privatversicherte haben im Alter dagegen häufig stark steigende Beiträge und nur begrenzte Möglichkeiten, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren.
Prüf auch, was du eventuell noch über eine betriebliche Krankenversicherung bekommen kannst, denn manche Unternehmen lassen ehemalige Mitarbeiter in der betrieblichen Krankenversicherung (bKV), was gerade bei kleiner Rente eine willkommene Entlastung sein kann und bessere Leistungen bietet als die normale gesetzliche Versicherung.
Pflegezusatzversicherung
Die Pflegezusatzversicherung wird im Alter immer wichtiger, weil die gesetzliche Pflegeversicherung die tatsächlichen Pflegekosten meist nur teilweise deckt und Eigenanteile in stationären Einrichtungen mehrere tausend Euro pro Monat betragen können. Eine private Pflegezusatzversicherung kann diese Lücke schließen und ist sinnvoll, wenn sie langfristig finanzierbar ist und keine ausreichenden Rücklagen für den Pflegefall vorhanden sind.
Der Abschluss in höherem Alter ist allerdings wegen Gesundheitsprüfung und stark steigender Prämien schwierig und teuer, weshalb Finanztip empfiehlt, bestehende Pflegezusatzverträge im Ruhestand möglichst weiterzuführen, da ein Neuabschluss oft kaum noch möglich oder wirtschaftlich ist.
Auslandsreise-Krankenversicherung
Da viele Rentner mehr reisen als während der Arbeitszeit, ist eine Auslandsreise-Krankenversicherung besonders wichtig geworden. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt im Ausland oft nur einen Teil der Kosten, in vielen Nicht-EU-Ländern gar nichts und nie den medizinisch notwendigen Rücktransport nach Deutschland.
Eine Jahrespolice gibt es oft bereits ab etwa 10 Euro, allerdings mit altersabhängigen Zuschlägen, denn einige Anbieter verteuern ab 50, andere erst ab 70 Jahren. Der Rücktransport allein kann fünfstellige Beträge erreichen, weshalb diese Versicherung bei allen Reisen ins Ausland sinnvoll ist, auch innerhalb der EU.
Wohngebäudeversicherung
Für Rentner, die im eigenen Haus wohnen, ändert sich am Bedarf für die Wohngebäudeversicherung nichts: Sie bleibt unverzichtbar gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, und empfohlen wird eine Erweiterung um Elementarschäden gegen Hochwasser, Starkregen und Erdrutsch.
Wer barrierefreie Umbauten oder Anbauten wie einen Wintergarten vornimmt, sollte die Versicherungssumme anpassen, um Unterversicherung zu vermeiden. Gerade Rentner investieren oft noch mal richtig in ihr Eigenheim, um es altersgerecht zu gestalten, und diese Investitionen müssen entsprechend versichert werden.
Hausratversicherung
Eine Hausratversicherung bleibt im Alter sinnvoll, insbesondere wenn der Hausstand über die Jahre an Wert gewonnen hat, denn sie ersetzt den Neuwert von Möbeln, Kleidung und Elektrogeräten nach Feuer, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl oder Sturm und Hagel.
Wichtig ist ein vertraglicher Unterversicherungsverzicht, damit der Versicherer im Schadenfall nicht wegen zu niedriger Versicherungssumme kürzt. Nach einem Umzug in eine kleinere Wohnung oder deutlicher Reduzierung des Hausrats solltest du die Versicherungssumme anpassen, um Beiträge zu sparen, aber auch den Elementarschadenbaustein prüfen, gerade in hochwassergefährdeten Regionen.
Private Unfallversicherung
Mit zunehmendem Alter steigt die Sturz- und Unfallgefahr, gleichzeitig endet für Rentner der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung aus dem Arbeitsverhältnis, weshalb eine private Unfallversicherung Kosten für Umbauten, Hilfsmittel oder einmalige Kapitalleistungen bei unfallbedingter Invalidität übernehmen kann.
Die Einschränkungen sind aber erheblich:
- Viele Unfallversicherungen reduzieren ab etwa 75 Jahren die Leistungen massiv oder beenden den Vertrag automatisch
- Häufig sind krankheitsbedingte Unfälle wie Schlaganfall mit Sturzfolge ausgeschlossen
- Spezielle Senioren-Unfallversicherungen mit Assistance-Leistungen sind oft teuer und nur für Menschen ohne eigene finanzielle Reserven sinnvoll
Für Rentner mit riskanten Hobbys oder erhöhtem Sturzrisiko kann eine gut gestaltete Unfallversicherung trotzdem sinnvoll sein, sollte aber immer nach Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten geprüft werden.
Kfz-Haftpflichtversicherung
Wer im Alter noch ein Auto besitzt, braucht weiterhin eine Kfz-Haftpflichtversicherung, das ist gesetzlich vorgeschrieben, aber ab etwa Mitte 60 steigen die Prämien bei vielen Anbietern wieder deutlich, weil Versicherer für Senioren höhere Unfallrisiken ansetzen.
Du solltest aber auch prüfen, ob du deine Fahrleistung reduzieren kannst, weil viele Rentner deutlich weniger fahren als früher, und eine geringere Kilometerzahl kann die Beiträge senken. Voll- und Teilkasko bleiben freiwillig, können aber bei älteren Autos weggelassen werden.
Welche Versicherungen ändern sich oder werden angepasst?
Manche Versicherungen bleiben wichtig, müssen aber an die neue Lebenssituation angepasst werden oder bekommen andere Schwerpunkte als früher.
Rechtsschutzversicherung
Eine Rechtsschutzversicherung kann auch im Alter nützlich sein, etwa bei Streit mit Vermieter, Nachbarn, Ärzten oder bei Verkehrsdelikten, aber nach dem Renteneintritt solltest du den Berufsrechtsschutz-Baustein kündigen, weil du ihn nicht mehr brauchst.
Viele mietrechtliche Auseinandersetzungen lassen sich günstiger über eine Mitgliedschaft im Mieterverein abdecken, die auch eine Prozesskostenversicherung beinhaltet. Verkehrsrechtsschutz bleibt sinnvoll, wenn du weiterhin Auto fährst, aber auch hier solltest du prüfen, ob der Beitrag an deine reduzierte Fahrleistung angepasst werden kann.
Zahnzusatzversicherung
Eine Zahnzusatzversicherung kann bei häufigem oder teurem Zahnersatz entlasten, aber diese Verträge werden mit steigendem Alter schnell sehr teuer, und häufig lehnen Versicherer ältere Kunden mit umfangreichen Vorerkrankungen ab.
Finanztip kommt daher zum Ergebnis, dass sich für viele Rentner ein Neuabschluss eher nicht lohnt, insbesondere wenn bereits größere Zahnersatzmaßnahmen angeraten oder begonnen wurden. Bestehende Verträge kannst du aber meist weiterlaufen lassen, wenn sie noch bezahlbar sind.
Welche Versicherungen brauchen Rentner nicht mehr?
Mit dem Renteneintritt fallen manche Risiken weg, wodurch bestimmte Versicherungen überflüssig werden und aktiv gekündigt werden sollten, um Geld zu sparen.
Berufsunfähigkeitsversicherung
Mit dem Renteneintritt entfällt das klassische Berufsunfähigkeitsrisiko, weil es kein zu sicherndes Erwerbseinkommen mehr gibt, weshalb die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht mehr benötigt wird. BU-Verträge laufen aber nicht automatisch aus, sie müssen aktiv gekündigt werden, wenn der Endtermin nicht ohnehin vor dem regulären Renteneintritt liegt.
Spätestens mit Erreichen der vereinbarten Versicherungsdauer, oft 65 bis 67 Jahre, endet die BU von selbst, aber darüber hinaus weiterzuführen wäre sinnlos und teuer.
Krankentagegeldversicherung
Krankentagegeld dient dazu, Einkommensausfälle bei längerer Arbeitsunfähigkeit zu kompensieren, aber im Rentenalter gibt es kein Arbeitsentgelt mehr, weshalb Krankentagegeldversicherungen zu den Policen gehören, die bei Renteneintritt nicht mehr benötigt werden.
Diese Versicherungen sollten aktiv beendet werden, sofern sie vertraglich weiterlaufen, weil sie nur unnötige Kosten verursachen ohne jeden Nutzen.
Kapitalbildende Lebensversicherungen
Für die Altersvorsorge sind klassische kapitalbildende Lebens- und private Rentenversicherungen laut Verbraucherzentrale und Finanztip grundsätzlich problematisch wegen hoher Kosten, geringer Flexibilität und oft niedriger Rendite.
Ein Neuabschluss im Rentenalter ist definitiv nicht sinnvoll, weil die Laufzeit zu kurz und der Kostenanteil zu hoch ist. Bestehende Verträge solltest du im Einzelfall prüfen, denn je nach Rückkaufswert kann Weitersparen oder Beitragsfreistellung sinnvoller sein als eine Kündigung.
Sterbegeldversicherung
Die Sterbegeldversicherung ist eine kapitalbildende Lebensversicherung mit kleinem Leistungsumfang, bei der Versicherte über die Jahre häufig mehr Beiträge einzahlen, als später an Hinterbliebene ausgezahlt wird. Der Bund der Versicherten rät eher dazu, Geld zweckgebunden für Bestattungskosten anzusparen, statt diese teuren Verträge abzuschließen.
Überflüssige Kleinpolicen
Für Rentner gelten die gleichen Warnungen wie für andere Verbraucher bei überflüssigen Kleinversicherungen. Handy- und Geräteversicherungen sind teuer und haben viele Ausschlüsse, wobei die Hausratversicherung oft schon vieles abdeckt. Brillen- und Gepäckversicherungen decken nur überschaubare Schadenssummen ab, bei denen der Beitrag in keinem Verhältnis steht.
Diese Versicherungen sind überflüssig:
- Insassenunfallversicherung (Kfz-Haftpflicht deckt Mitfahrer bereits ab)
- Reiserücktrittsversicherung (nur bei sehr teuren, früh gebuchten Reisen sinnvoll)
- Handyversicherung (teuer, viele Ausschlüsse)
- Brillenversicherung (Schaden selbst tragbar)
Was sollten Rentner beim Übergang beachten?
Mach eine komplette Bestandsaufnahme aller deiner Policen und liste Art, Versicherer, Beitrag und Laufzeit auf. Markiere die Pflicht- und Muss-Versicherungen wie Kranken- und Pflegeversicherung, Kfz-Haftpflicht, private Haftpflicht und gegebenenfalls Wohngebäude- und Hausratversicherung.
Identifiziere überflüssige Verträge wie BU, Krankentagegeld, eventuell Sterbegeld und Kleinpolicen, die du kündigen kannst. Passe die Tarife an deine neue Lebenssituation an: Kinder aus dem Haus bedeutet Umstellung auf Single- oder Partnertarif, geringere Fahrleistung beim Auto angeben, Hausrat- und Wohngebäudeversicherungssummen nach Umzug oder Umbau aktualisieren.
Rechne den möglichen Pflegefall durch: voraussichtliche Eigenanteile, vorhandene Renten und Vermögen, Bedarf an Pflegezusatzversicherung oder Rücklagenbildung prüfen. Führe Preis-Leistungs-Vergleiche durch, denn besonders bei Haftpflicht, Hausrat, Kfz und Auslands-Krankenversicherung lohnt sich ein Anbieterwechsel häufig auch im Alter.
Die Rente ist eine große Lebensveränderung, und deine Versicherungen sollten sich entsprechend anpassen, damit du weder über- noch unterversichert bist und dein Geld für die wichtigen Dinge im Ruhestand zur Verfügung hast.
Welche Versicherungen hast du bereits angepasst oder welche Fragen sind bei dir noch offen zum Thema Versicherungen im Ruhestand?