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Beitragsbemessungsgrenze in der PKV: Was zählt zum Einkommen?

Die Frage, welches Einkommen für den Wechsel in die private Krankenversicherung zählt, entscheidet über Versicherungsfreiheit oder Versicherungspflicht. Dabei gilt: Nicht das komplette Bruttogehalt ist maßgeblich, sondern das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt nach § 14 SGB IV.

Diese gesetzliche Definition grenzt klar ab, welche Einkommensbestandteile bei der Berechnung berücksichtigt werden und welche außen vor bleiben.

Familienzuschläge, erfolgsabhängige Boni und unregelmäßige Überstundenvergütungen zählen beispielsweise nicht mit. Dafür fließen der geldwerte Vorteil aus dem Firmenwagen, vermögenswirksame Leistungen und sogar das Einkommen aus einem versicherungspflichtigen Nebenjob in die Berechnung ein.

Die korrekte Ermittlung ist entscheidend, denn Fehler können zu Nachzahlungen von GKV-Beiträgen für Jahre führen.

Was ist der Unterschied zwischen JAEG und BBG?

Bei der Frage nach dem relevanten Einkommen für die private Krankenversicherung müssen zwei zentrale Größen unterschieden werden, die oft verwechselt werden, aber völlig unterschiedliche Funktionen haben.

Jahresarbeitsentgeltgrenze bestimmt den Zugang zur PKV

Die Jahresarbeitsentgeltgrenze, auch Versicherungspflichtgrenze genannt, bestimmt ab welchem Einkommen ein Wechsel in die PKV möglich ist:

  • 2026: 77.400 Euro jährlich (6.450 Euro monatlich)
  • Besondere JAEG für Altfälle seit 31.12.2002: 69.750 Euro jährlich

Nur wer diese Grenze in zwei aufeinanderfolgenden Jahren überschreitet, kann zur privaten Krankenversicherung wechseln. Die JAEG ist damit die Eintrittshürde ins Privatsystem.

Beitragsbemessungsgrenze begrenzt die Beitragshöhe

Die Beitragsbemessungsgrenze bestimmt die maximale Höhe des beitragspflichtigen Einkommens in der GKV und ist relevant für den Arbeitgeberzuschuss zur PKV:

  • 2026: 69.750 Euro jährlich (5.812,50 Euro monatlich)

Die BBG liegt niedriger als die JAEG. Die Differenz beträgt 2026 genau 7.650 Euro. Dies bedeutet: Arbeitnehmer, die zwischen 69.750 und 77.400 Euro verdienen, können in die PKV wechseln, zahlen aber nur bis zur BBG GKV-Beiträge, falls sie in der GKV bleiben.

Beide Grenzen verwenden die gleiche Berechnungsbasis

Für beide Grenzen ist das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt nach § 14 SGB IV maßgeblich. Die Berechnung erfolgt also nach identischen Regeln, nur die Schwellenwerte unterscheiden sich. Diese Systematik stellt sicher, dass für alle versicherungsrechtlichen Fragen dieselbe Einkommensdefinition gilt.

Die Frage, welches Einkommen für den Wechsel in die private Krankenversicherung zählt, entscheidet über Versicherungsfreiheit oder Versicherungspflicht. Dabei gilt: Nicht das komplette Bruttogehalt ist maßgeblich, sondern das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt nach § 14 SGB IV. Diese gesetzliche Definition grenzt klar ab, welche Einkommensbestandteile bei der Berechnung berücksichtigt werden und welche außen vor bleiben.

Familienzuschläge, erfolgsabhängige Boni und unregelmäßige Überstundenvergütungen zählen beispielsweise nicht mit. Dafür fließen der geldwerte Vorteil aus dem Firmenwagen, vermögenswirksame Leistungen und sogar das Einkommen aus einem versicherungspflichtigen Nebenjob in die Berechnung ein.

Die korrekte Ermittlung ist entscheidend, denn Fehler können zu Nachzahlungen von GKV-Beiträgen für Jahre führen.

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Was versteht man unter regelmäßigem Jahresarbeitsentgelt?

Das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt ist der rechtlich maßgebliche Begriff für die Berechnung der Versicherungspflichtgrenze. Es basiert auf § 14 SGB IV und grenzt klar ab, welche Einkommensteile zählen und welche nicht.

Damit ein Einkommensbestandteil zum regelmäßigen Jahresarbeitsentgelt zählt, müssen beide Kriterien gleichzeitig erfüllt sein:

  • Kriterium 1 ist die Regelmäßigkeit. Einkünfte müssen mit hinreichender Sicherheit zu erwarten sein und regelmäßig wiederkehrend auftreten, mindestens einmal jährlich. Ein vertraglicher oder betriebsüblicher Anspruch muss bestehen. Einmalige Sonderzahlungen ohne Wiederholungscharakter fallen damit heraus.
  • Kriterium 2 ist die Eigenschaft als Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung. Es muss sich um sozialversicherungspflichtiges Arbeitsentgelt handeln. Steuerfreie und pauschal versteuerte Bezüge zählen grundsätzlich nicht dazu, auch wenn sie wirtschaftlich einen Vorteil darstellen.

Wie wird das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt berechnet?

Das folgende Schema ist die fachlich korrekte Berechnungsmethode nach SGB IV:

Summe aller Bezüge aus der Beschäftigung

  • abzüglich Einkünfte, die kein Arbeitsentgelt sind
  • abzüglich unregelmäßiges Arbeitsentgelt
  • abzüglich Familienzuschläge

= Regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt

Diese Berechnungsformel ist gesetzlich vorgeschrieben und lässt keinen Interpretationsspielraum. Sie stellt sicher, dass nur das verlässliche, planbare Einkommen zur Grundlage der Versicherungspflicht wird.

Welche Einkommensbestandteile zählen zum regelmäßigen Jahresarbeitsentgelt?

Die folgende Übersicht zeigt detailliert, welche Bezüge in die Berechnung einfließen und welche explizit ausgeschlossen sind. Diese Aufstellung basiert auf offizieller Rechtsprechung und den Quellen des Bundesarbeitsministeriums.

EntgeltartAnrechenbarNicht anrechenbar
Grundvergütung
Monatliches Bruttogehalt × 12
Monatlicher Bruttolohn × 12
Sonderzahlungen
Weihnachtsgeld (vertraglich/tariflich)
Urlaubsgeld (vertraglich/tariflich)
13. Monatsgehalt
Urlaubsabgeltung (bei Beendigung)
Geldwerte Vorteile
Firmenwagen (1%-Regelung)
Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte (0,03%)
Sachbezüge (regelmäßig, gleiche Höhe)
Sachbezüge bis 50 € monatlich (steuerfrei)
Zulagen und Zuschläge
Schichtzulagen
Erschwerniszuschläge (regelmäßig)
Funktions- und Leitungszulagen
Ortszuschlag (Ledige)
Familienzuschläge
Kinderzulagen
Verheiratetenzuschlag
Überstunden
Überstundenvergütung (pauschal, gleichbleibend)
Überstundenvergütung (regelmäßig, schwankend)
Überstundenvergütung (unregelmäßig)
Bereitschaftsdienste
Bereitschaftsdienst (pauschaliert, gleichbleibend)
Bereitschaftsdienst (nicht pauschaliert)
Variable Vergütungen
Provisionen (monatlich, individuell-leistungsbezogen)
Provisionen/Tantiemen (einmalig, erfolgsbezogen)
Tantiemen (unternehmenserfolgsbezogen)
Jahresprämie (Höhe im Voraus bestimmt)
Jahresprämie (erfolgsabhängig, nicht garantiert)
Gewinnbeteiligungen (unternehmenserfolgsbezogen)
Boni (erfolgsabhängig)
Sonstige Bezüge
Vermögenswirksame Leistungen
Jubiläumsprämien
Prämien für betriebliche Verbesserungsvorschläge
Erholungsbeihilfen
Fahrtkostenersatz (pauschal versteuert)
Zukunftssicherungsleistungen (pauschal versteuert)
Mehrfachbeschäftigung
Entgelt aus Hauptbeschäftigung
Entgelt aus Nebenbeschäftigung (versicherungspflichtig)
Entgelt aus Minijob (als Nebenjob)
Betriebliche Altersvorsorge
Entgeltumwandlung (bis 4% BBG RV)Reduziert Einkommen
Zusätzliche AG-Leistung zur bAV
Temporäre Bezüge
Zulagen für vorübergehende Tätigkeiten
Zusagen auf künftige Gehaltserhöhungen

Grundvergütung zählt immer vollständig

Das monatliche Bruttogehalt multipliziert mit 12 Monaten bildet die Basis jeder Berechnung. Dazu kommen alle tariflich oder vertraglich zugesicherten Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld. Auch ein garantiertes 13. Monatsgehalt fließt vollständig in die Berechnung ein.

Geldwerte Vorteile erhöhen das anrechenbare Einkommen

Der Firmenwagen wird mit der 1%-Regelung bewertet, also 1 Prozent des Bruttolistenpreises monatlich. Zusätzlich werden Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer angerechnet. Bei einem Dienstwagen mit 45.000 Euro Listenpreis und 25 Kilometern Entfernung kommen so monatlich 787,50 Euro zum anrechenbaren Einkommen hinzu.

Familienbezogene Zuschläge bleiben außen vor

Kinderzulagen, Familienzuschläge oder Verheiratetenzuschläge zählen explizit nicht zum regelmäßigen Jahresarbeitsentgelt. Die rechtliche Grundlage findet sich in § 6 Abs. 1 Satz 1 SGB V: Zuschläge, die mit Rücksicht auf den Familienstand gezahlt werden, bleiben außer Betracht. Diese Regelung schützt Familien vor einer höheren Einkommensanrechnung.

Variable Vergütungen nur unter bestimmten Bedingungen

Provisionen zählen nur dann zum regelmäßigen Einkommen, wenn sie monatlich gezahlt werden und individuell-leistungsbezogen sind. Dabei erfolgt die Bewertung im Wege einer vorausschauenden Schätzung, meist basierend auf dem Durchschnitt der letzten 12 Monate. Erfolgsabhängige Boni, Tantiemen oder Gewinnbeteiligungen bleiben hingegen unberücksichtigt, da sie keine hinreichende Sicherheit bieten.

Überstunden nur als Pauschale anrechenbar

Pauschal vergütete Überstunden mit festem monatlichem Betrag zählen zum regelmäßigen Einkommen. Tatsächlich geleistete, nicht pauschalierte Überstunden bleiben dagegen außen vor, selbst wenn sie regelmäßig anfallen. Der Grund: Die Höhe schwankt und ist nicht mit hinreichender Sicherheit vorhersehbar.

Mehrfachbeschäftigung wird zusammengerechnet

Alle versicherungspflichtigen Beschäftigungen werden addiert. Auch ein geringfügig entlohnter Minijob als Nebenjob wird zur Hauptbeschäftigung hinzugerechnet. Diese Regelung verhindert, dass Arbeitnehmer durch Aufteilung ihrer Tätigkeit auf mehrere Arbeitgeber die JAEG künstlich unterschreiten.

Entgeltumwandlung reduziert das anrechenbare Einkommen

Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung mindern das sozialversicherungspflichtige Einkommen. Für 2026 gilt ein steuerfreier Höchstbetrag von 4.056 Euro jährlich, das entspricht 338 Euro monatlich oder 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze Rentenversicherung. Zusätzliche Arbeitgeberleistungen zur bAV sind hingegen anrechenbar.

Wie funktioniert die Berechnung in der Praxis?

Ein ausführliches Beispiel zeigt, wie komplex die Ermittlung des regelmäßigen Jahresarbeitsentgelts sein kann und welche Fallstricke lauern.

Ausgangssituation: Frau Müller und ihr Einkommen

Frau Müller, 35 Jahre, verheiratet, 2 Kinder, arbeitet als Senior Sales Managerin bei einem mittelständischen Unternehmen in Frankfurt. Sie möchte wissen, ob sie 2026 in die PKV wechseln kann und wie ihr regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt berechnet wird.

Ihre Einkommensbestandteile laut Arbeitsvertrag und Gehaltsabrechnung:

  • Monatliches Bruttogehalt: 5.200 Euro
  • Weihnachtsgeld: 5.200 Euro (vertraglich garantiert, einmalig im November)
  • Urlaubsgeld: 2.600 Euro (halbes Monatsgehalt, vertraglich garantiert, Zahlung im Juni)
  • Funktionszulage als Teamleiterin: 400 Euro monatlich
  • Firmenwagen (Bruttolistenpreis: 45.000 Euro) mit privater Nutzung
  • Entfernung Wohnung-Arbeit: 25 Kilometer
  • Provisionen aus Verkaufsabschlüssen: Durchschnittlich 800 Euro monatlich
  • Jahresbonus (erfolgsabhängig): 8.000 Euro im Vorjahr
  • Familienzuschlag: 200 Euro monatlich für 2 Kinder
  • Vermögenswirksame Leistungen: 40 Euro monatlich
  • Überstundenvergütung: Ca. 2.400 Euro im Jahr 2025
  • Sachbezüge: Gutschein für Fitnessstudio im Wert von 50 Euro monatlich (steuerfrei)
  • Nebenjob als Trainerin: 400 Euro monatlich (versicherungspflichtige Nebenbeschäftigung)
  • Entgeltumwandlung zur betrieblichen Altersvorsorge: 250 Euro monatlich

Schritt 1: Alle Bezüge auflisten

BerechnungBetrag jährlich
Monatliches Bruttogehalt5.200 € × 1262.400 €
WeihnachtsgeldEinmalig5.200 €
UrlaubsgeldEinmalig2.600 €
Funktionszulage400 € × 124.800 €
Firmenwagen (1%-Regelung)450 € × 125.400 €
Fahrten Wohnung-Arbeit (0,03%)337,50 € × 124.050 €
Provisionen (monatlich)800 € × 129.600 €
Jahresbonus (erfolgsabhängig)Variable Zahlung8.000 €
Familienzuschlag200 € × 122.400 €
Vermögenswirksame Leistungen40 € × 12480 €
ÜberstundenvergütungSchwankend2.400 €
Sachbezüge (Fitnessstudio)50 € × 12600 €
Nebenjob (Trainerin)400 € × 124.800 €
Entgeltumwandlung bAV250 € × 123.000 €
Summe aller Bezüge115.730 €

Schritt 2: Nicht anrechenbare Bestandteile abziehen

GrundAbzug
Jahresbonus (erfolgsabhängig)Unternehmenserfolgsbezogen, keine hinreichende Sicherheit8.000 €
FamilienzuschlagMit Rücksicht auf Familienstand gezahlt (§ 6 Abs. 1 S. 1 SGB V)2.400 €
ÜberstundenvergütungNicht pauschaliert, schwankend2.400 €
Sachbezüge (Fitnessstudio)Steuerfrei nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG, bis 50 € monatlich600 €
Entgeltumwandlung bAVReduziert das sozialversicherungspflichtige Einkommen3.000 €
Summe Abzüge16.400 €

Schritt 3: Regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt ermitteln

Summe aller Bezüge: 115.730 €

  • abzüglich nicht anrechenbare Bezüge: 16.400 €

= Regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt: 99.330 €

Monatliches regelmäßiges Arbeitsentgelt: 8.277,50 Euro

Bewertung für den PKV-Wechsel

Das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt von 99.330 Euro liegt deutlich über der JAEG 2026 von 77.400 Euro. Frau Müller erfüllt damit eine zentrale Voraussetzung für den PKV-Wechsel.

Voraussetzungen für PKV-Wechsel sind erfüllt:

  • Das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt 2026 überschreitet die JAEG 2026 (99.330 > 77.400)
  • Das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt muss auch 2027 voraussichtlich über der JAEG 2027 liegen
  • Bei prognostizierter JAEG 2027 von ca. 80.000 bis 80.600 Euro liegt Frau Müller weiterhin darüber

Wechsel in die PKV ist möglich ab 1. Januar 2027, wenn beide Jahre über der Grenze liegen.

Arbeitgeberzuschuss zur PKV 2026

Der maximale Arbeitgeberzuschuss berechnet sich wie folgt:

  • Berechnung: (BBG monatlich × (14,6% + 2,9% Zusatzbeitrag)) ÷ 2
  • Berechnung: (5.812,50 € × 17,5%) ÷ 2 = 508,59 € monatlich (nur Krankenversicherung)
  • Plus Pflegeversicherung: 104,63 € monatlich

Maximaler Gesamtzuschuss: 613,22 € monatlich

Wichtige Erkenntnisse aus diesem Fall

Mehrfachbeschäftigung erhöht das Jahresarbeitsentgelt: Der Nebenjob mit 4.800 Euro wird zur Hauptbeschäftigung hinzugerechnet. Dies bringt Frau Müller deutlich über die JAEG.

Entgeltumwandlung reduziert das anrechenbare Einkommen: Die 3.000 Euro bAV mindern das Jahresarbeitsentgelt um diesen Betrag. Ohne Entgeltumwandlung läge ihr Jahresarbeitsentgelt sogar bei 102.330 Euro.

Provisionen zählen mit: Da diese monatlich gezahlt werden und individuell-leistungsbezogen sind, nicht unternehmenserfolgsbezogen, zählen sie zum regelmäßigen Einkommen. Die 9.600 Euro jährlich machen einen erheblichen Teil aus.

Familienzuschlag bleibt außen vor: Die 2.400 Euro für die beiden Kinder werden explizit nicht angerechnet. Dies ist ein erheblicher Vorteil bei der JAEG-Berechnung und schützt Familien.

Firmenwagen erhöht deutlich: Der geldwerte Vorteil aus dem Dienstwagen bringt 9.450 Euro jährlich (5.400 Euro private Nutzung plus 4.050 Euro Fahrten Wohnung-Arbeit). Dieser Betrag ist nicht zu unterschätzen.

Welche Praxishinweise sollten Sie beachten?

Die korrekte Berechnung des regelmäßigen Jahresarbeitsentgelts erfordert Sorgfalt und Weitsicht. Mehrere Aspekte verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Wann wird das Jahresarbeitsentgelt berechnet?

Die JAEG-Prüfung erfolgt zu drei Zeitpunkten:

  • Bei Beschäftigungsbeginn erfolgt eine vorausschauende Prognose für die kommenden 12 Monate
  • Bei jeder Entgeltänderung ist eine Neuberechnung erforderlich
  • Bei Änderung der JAEG zum Jahreswechsel findet eine jährliche Prüfung statt

Diese regelmäßige Überprüfung stellt sicher, dass der Versicherungsstatus immer korrekt ist. Arbeitgeber sind verpflichtet, diese Prüfungen durchzuführen und bei Änderungen zu reagieren.

Vorausschauende Betrachtung ist entscheidend

Die Berechnung basiert nicht auf vergangenen Werten, sondern auf einer Prognose der zu erwartenden Einkommensverhältnisse:

  • Bei Beschäftigungsbeginn wird das voraussichtliche Jahreseinkommen geschätzt
  • Bei laufender Beschäftigung werden die aktuellen Bezüge auf 12 Monate hochgerechnet
  • Variable Bestandteile wie Provisionen werden als Durchschnitt der letzten 12 Monate angesetzt

Diese Zukunftsorientierung führt dazu, dass bereits bei Vertragsunterzeichnung klar sein sollte, ob die JAEG überschritten wird oder nicht.

Was passiert bei Überschreiten der JAEG während des Jahres?

Steigt das Gehalt während des Jahres erstmals über die JAEG, greift die Versicherungsfreiheit nicht sofort. Stattdessen gelten folgende Regeln:

  • Die Versicherungspflicht endet erst zum Jahresende
  • Voraussetzung ist, dass auch die JAEG des Folgejahres voraussichtlich überschritten wird
  • Die Krankenversicherungsfreiheit beginnt dann am 1. Januar des Folgejahres

Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer erhält im Juli 2026 eine Gehaltserhöhung, die ihn über die JAEG 2026 bringt. Dennoch bleibt er bis 31. Dezember 2026 in der GKV versicherungspflichtig. Erst ab 1. Januar 2027 kann er zur PKV wechseln.

Unterschreiten der JAEG führt zu sofortiger Versicherungspflicht

Sinkt das Gehalt unter die JAEG oder steigt die JAEG über das Gehalt, entstehen unmittelbare Konsequenzen:

  • Sofortige Versicherungspflicht zur GKV tritt ein
  • Sonderkündigungsrecht bei der PKV besteht (fristlos, rückwirkend bis zu 3 Monate)
  • Der Arbeitgeber muss innerhalb von 2 Wochen eine GKV-Mitgliedschaft ermöglichen

Dieses Sonderkündigungsrecht schützt Betroffene vor doppelten Beitragszahlungen. Sie können ihre PKV-Mitgliedschaft sofort beenden, auch wenn sie eigentlich noch an eine längere Kündigungsfrist gebunden wären.

Fehlerhafte Berechnung hat schwere Folgen

Bei falscher JAEG-Berechnung drohen erhebliche Konsequenzen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber:

  • Nachzahlung GKV-Beiträge für den gesamten Zeitraum der fehlerhaften Einstufung
  • PKV-Beiträge können meist nicht rückabgewickelt werden
  • Doppelbelastung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber über Monate oder Jahre
  • Nettohochrechnung erforderlich, was teuer für Arbeitgeber wird
  • Steuernachteile bei fälschlich steuerfrei gezahlten Arbeitgeberzuschüssen

Diese Konsequenzen können existenzbedrohend sein. Eine sorgfältige Prüfung vor dem PKV-Wechsel ist daher unerlässlich. Im Zweifelsfall sollte eine fachkundige Beratung hinzugezogen werden.

Besondere JAEG bietet Bestandsschutz

Für Arbeitnehmer, die am 31. Dezember 2002 bereits versicherungsfrei und privat vollversichert waren, gilt lebenslang die besondere JAEG:

  • 2026: 69.750 Euro (entspricht der Beitragsbemessungsgrenze)

Diese Personen können auch bei niedrigerem Einkommen PKV-versichert bleiben. Der Bestandsschutz verhindert, dass langjährig Privatversicherte bei steigender allgemeiner JAEG plötzlich wieder versicherungspflichtig werden. Diese Regelung ist wichtig für die Altersvorsorge-Planung.

Fazit: Korrekte Berechnung entscheidet über Versicherungsstatus

Das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt nach § 14 SGB IV ist die maßgebliche Größe für Versicherungsfreiheit und Arbeitgeberzuschuss. Die Berechnung folgt klaren gesetzlichen Regeln, erfordert aber Detailkenntnis und Sorgfalt:

  • Das monatliche Bruttogehalt × 12 bildet die Basis
  • Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und garantierte Sonderzahlungen zählen vollständig
  • Geldwerte Vorteile wie Firmenwagen erhöhen das anrechenbare Einkommen erheblich
  • Familienzuschläge, Kinderzulagen und Verheiratetenzuschläge bleiben außen vor (§ 6 Abs. 1 S. 1 SGB V)
  • Erfolgsabhängige Boni und Gewinnbeteiligungen zählen nicht, da keine hinreichende Sicherheit
  • Überstunden nur als Pauschale anrechenbar, nicht bei schwankender Höhe
  • Provisionen zählen mit, wenn monatlich und individuell-leistungsbezogen
  • Entgelt aus versicherungspflichtigen Nebenjobs wird zur Hauptbeschäftigung addiert
  • Entgeltumwandlung zur bAV reduziert das anrechenbare Einkommen (bis 4.056 Euro jährlich 2026)

Die JAEG 2026 liegt bei 77.400 Euro, die BBG bei 69.750 Euro. Wer beide Jahre in Folge über der JAEG verdient, kann zur PKV wechseln. Der maximale Arbeitgeberzuschuss beträgt 2026 insgesamt 613,22 Euro monatlich inklusive Pflegeversicherung.

Fehler bei der Berechnung können zu jahrelangen Nachzahlungen von GKV-Beiträgen führen, während gezahlte PKV-Beiträge meist nicht erstattet werden. Eine vorausschauende Prognose ist entscheidend, da nicht vergangene Werte, sondern zu erwartende Einkünfte maßgeblich sind.

Bei komplexen Einkommensverhältnissen mit variablen Bestandteilen, Firmenwagen oder Mehrfachbeschäftigung empfiehlt sich eine fachkundige Prüfung vor dem PKV-Wechsel.

Schiffgens Thorsten
Thorsten Schiffgens
Experte für Versicherungen
Über den Autor

Als geschäftsführender Gesellschafter von COVAGO berate ich seit über 20 Jahren Unternehmen und Privatkunden in allen Versicherungsfragen – unabhängig, ganzheitlich und immer am echten Bedarf orientiert. Mir geht es nicht um Produktverkauf, sondern um Lösungen, die wirklich passen. Ob im persönlichen Gespräch oder digital: Partnerschaftliche Beratung auf Augenhöhe ist für mich keine Floskel, sondern Arbeitsweise.

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