Mehr wissen.
Mehr COVAGO.

Inhaltsverzeichnis

Kostenfreie, individuelle Beratung mit unserem Experten.
Wir helfen dir gern persönlich weiter.
100% kostenlos & unverbindlich

Krankenkassenbeitrag bei Auszahlung einer Lebensversicherung: Wann wird es teuer?

Du erhältst eine Auszahlung aus deiner Lebensversicherung und fragst dich, ob die Krankenkasse auch hier zulangt?

Die Antwort hängt entscheidend von deinem Versicherungsstatus ab. Während PKV-Versicherte und die meisten Pflichtversicherten ihre Auszahlung komplett behalten dürfen, müssen freiwillig GKV-Versicherte oft hohe Krankenversicherungsbeiträge zahlen.

Das deutsche System behandelt Lebensversicherungsauszahlungen je nach Versicherungsstatus völlig unterschiedlich, was zu erheblichen finanziellen Überraschungen führen kann.

Das Wichtigste in Kürze:

  • PKV-Versicherte zahlen keine Beiträge auf Lebensversicherungsauszahlungen
  • Pflichtversicherte Angestellte und KVdR-Rentner meist beitragsfrei bei privaten Lebensversicherungen
  • Freiwillig GKV-Versicherte zahlen oft auf den Kapitalertrag der Auszahlung
  • Betriebliche Direktversicherungen unterliegen der 1/120-Regel über 120 Monate
  • Beitragssatz liegt bei etwa 17,5 Prozent plus Pflegeversicherung

Muss ich Krankenkassenbeitrag bei Auszahlung einer Lebensversicherung zahlen?

Ob du bei Auszahlung einer Lebensversicherung Krankenkassenbeiträge zahlen musst, hängt fast ausschließlich von deinem Versicherungsstatus und der Art des Vertrags ab. Das deutsche System kennt hier deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Versichertengruppen.

Fälle ohne Beitragspflicht

In mehreren Konstellationen bleiben Lebensversicherungsauszahlungen von Krankenversicherungsbeiträgen verschont:

  • Privat krankenversicherte (PKV): Auf Auszahlungen aus einer privaten Lebensversicherung fallen keine PKV-Beiträge an, weil die Beiträge nicht einkommensabhängig bemessen werden. Die PKV kennt kein einkommensabhängiges Beitragssystem.
  • Pflichtversicherter Arbeitnehmer in der GKV: Beiträge werden nur auf Arbeitsentgelt und bestimmte Lohnersatzleistungen erhoben. Private Lebensversicherungsleistungen gehören nicht zu den beitragspflichtigen Einnahmen, solange du unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegst.
  • Pflichtversicherter Rentner in der KVdR: In der Krankenversicherung der Rentner sind hauptsächlich gesetzliche Renten und betriebliche Versorgungsbezüge beitragspflichtig. Eine rein privat abgeschlossene Kapitallebensversicherung ohne betrieblichen Bezug ist bei Auszahlung in der Regel nicht beitragspflichtig.

Diese Befreiungen gelten jedoch nur bei rein privaten Lebensversicherungen ohne betrieblichen Bezug.

Fälle mit Beitragspflicht

In bestimmten Konstellationen musst du hingegen mit erheblichen Krankenversicherungsbeiträgen auf deine Auszahlung rechnen:

  • Freiwillig gesetzlich Krankenversicherte: Nach § 240 SGB V und den „Einheitlichen Grundsätzen zur Beitragsbemessung freiwilliger Mitglieder“ des GKV-Spitzenverbands werden alle Einnahmen zur Beitragsbemessung herangezogen, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bestimmen. Das schließt Kapitalleistungen aus Lebensversicherungen ausdrücklich ein.
  • Betriebliche Direktversicherungen: Kapitalleistungen, die der Alters- oder Hinterbliebenenversorgung dienen und einen betrieblichen Bezug haben (zum Beispiel Direktversicherung im Rahmen der Entgeltumwandlung), gelten als Versorgungsbezüge. Seit dem GMG werden solche Kapitalleistungen in der GKV beitragspflichtig behandelt.

Bei privaten Kapitallebensversicherungen wird regelmäßig der Kapitalertrag (Auszahlung minus eigene Beiträge) als beitragspflichtige Einnahme angesetzt. Dieser Kapitalertrag wird typischerweise zeitlich verteilt, zum Beispiel über 12 Monate oder bei Versorgungscharakter über 120 Monate.

Bei betrieblichen Direktversicherungen gilt die 1/120-Regel: Ein Hundertzwanzigstel der Kapitalleistung gilt monatlich über 120 Monate als beitragspflichtige Einnahme.

Gesetzlich krankenversichert? Mach jetzt den Kassen-Check.

Vergleiche Beitragssatz und Bonusleistungen deiner Krankenkasse. Oft sind teurere Kassen dank hoher Bonuszahlungen die bessere Wahl. Jetzt prüfen und deinen Vorteil sichern!

100% kostenfrei & unverbindlich

Übersicht: Wann fallen Krankenkassenbeiträge an?

Die folgende Tabelle zeigt, in welchen Konstellationen Krankenkassenbeiträge auf Lebensversicherungsauszahlungen anfallen und welche Bemessungsgrundlage dabei verwendet wird:

Versicherungsstatus / VertragstypBeitrag auf Auszahlung?BemessungsgrundlageRechtsgrundlage
PKV, rein private KapitallebensversicherungNeinKeine BerücksichtigungPKV nicht einkommensabhängig
GKV, pflichtversicherter Arbeitnehmer, private LVIn der Regel neinKeine beitragspflichtige EinnahmeNur Arbeitsentgelt beitragspflichtig
KVdR-Rentner, rein private LV (kein Betriebsbezug)In der Regel neinNur Rente und VersorgungsbezügeKVdR-Regelungen
GKV, betriebliche Direktversicherung / bAVJa1/120 der Kapitalleistung über 120 MonateGMG-Regelung
Freiwillig GKV, rein private KapitallebensversicherungMeist jaKapitalertrag verteilt über 12-120 Monate§ 240 SGB V + GKV-Grundsätze

Diese unterschiedliche Behandlung kann dazu führen, dass zwei Personen mit identischen Auszahlungen völlig verschiedene Krankenversicherungsbelastungen haben.

Wie hoch ist der Krankenkassenbeitrag bei Auszahlung einer Lebensversicherung?

Wenn Beitragspflicht besteht, gilt derselbe Beitragssatz wie auf andere beitragspflichtige Einnahmen in der GKV. Die Höhe hängt von der Art der Versicherung und der Verteilung des Kapitalertrags ab.

Es wird derselbe Satz angewendet wie auf andere beitragspflichtige Einnahmen. Die Berechnung erfolgt auf Basis der folgenden Komponenten:

  • Der allgemeine GKV-Beitragssatz liegt bei 14,6 Prozent
  • Hinzu kommt ein kassenindividueller Zusatzbeitrag (im Durchschnitt etwa 2,9 Prozent)
  • Effektiv ergibt sich ein Gesamtbeitragssatz von etwa 17,5 Prozent
  • Die Pflegeversicherung schlägt zusätzlich mit etwa 3,4 Prozent zu Buche
  • Insgesamt entstehen Belastungen von über 20 Prozent auf den relevanten Anteil

Die Berechnung erfolgt auf die maßgebliche monatliche Bemessungsgrundlage, begrenzt durch die Beitragsbemessungsgrenze.

Beispielrechnung: Private Kapitallebensversicherung

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die finanzielle Belastung für freiwillig GKV-Versicherte:

Ausgangssituation: Du bist freiwillig GKV-versichert und erhältst eine Auszahlung aus deiner privaten Kapitallebensversicherung.

Zahlen im Detail:

  • Auszahlung 60.000 Euro
  • Eingezahlte Beiträge 40.000 Euro
  • Kapitalertrag somit 20.000 Euro

Beitragsberechnung:

  • Der Kapitalertrag von 20.000 Euro wird über 12 Monate verteilt
  • Das ergibt 1.667 Euro pro Monat als beitragspflichtige Einnahme
  • Bei 17,5 Prozent Krankenversicherungsbeitrag: 292 Euro pro Monat
  • Über 12 Monate insgesamt: 3.500 Euro Krankenversicherungsbeitrag
  • Pflegeversicherung zusätzlich: etwa 680 Euro
  • Gesamtbelastung: rund 4.180 Euro

Beispielrechnung: Betriebliche Direktversicherung

Bei betrieblichen Verträgen fällt die Belastung noch höher aus, verteilt sich aber über einen längeren Zeitraum:

Ausgangssituation: Du erhältst eine Kapitalauszahlung aus einer betrieblichen Direktversicherung.

Zahlen im Detail:

  • Kapitalauszahlung 120.000 Euro
  • 1/120-Regel: 1.000 Euro pro Monat über 120 Monate

Beitragsberechnung über die gesamte Laufzeit:

  • Monatliche beitragspflichtige Einnahme: 1.000 Euro
  • Krankenversicherungsbeitrag pro Monat: 175 Euro
  • Über 120 Monate insgesamt: 21.000 Euro
  • Pflegeversicherung zusätzlich: etwa 4.080 Euro
  • Gesamtbelastung: rund 25.000 Euro

Diese Beispiele verdeutlichen, dass die Krankenversicherungsbeiträge einen erheblichen Teil der Lebensversicherungsauszahlung aufzehren können, insbesondere bei betrieblichen Verträgen mit der 120-Monats-Regelung.

Fazit

Die Beitragspflicht auf Lebensversicherungsauszahlungen zeigt erneut die enormen Unterschiede zwischen den Krankenversicherungssystemen auf. Während PKV-Versicherte und die meisten Pflichtversicherten ihre Auszahlungen vollständig behalten dürfen, können freiwillig GKV-Versicherte mit Belastungen von 20 Prozent oder mehr konfrontiert werden.

Besonders tückisch ist die 1/120-Regelung bei betrieblichen Direktversicherungen, die über zehn Jahre hinweg monatliche Krankenversicherungsbeiträge zur Folge hat. Bei größeren Auszahlungen können so fünfstellige Beträge für die Krankenversicherung anfallen.

Vor Abschluss einer Lebensversicherung solltest du daher unbedingt die späteren Auswirkungen auf die Krankenversicherung berücksichtigen. Insbesondere bei geplanten größeren Auszahlungen kann die Wahl des Krankenversicherungssystems erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Eine frühzeitige Beratung und gegebenenfalls eine schriftliche Auskunft deiner Krankenkasse können böse Überraschungen bei der Auszahlung vermeiden.

Schiffgens Thorsten
Thorsten Schiffgens
Experte für Versicherungen
Über den Autor

Als geschäftsführender Gesellschafter von COVAGO berate ich seit über 20 Jahren Unternehmen und Privatkunden in allen Versicherungsfragen – unabhängig, ganzheitlich und immer am echten Bedarf orientiert. Mir geht es nicht um Produktverkauf, sondern um Lösungen, die wirklich passen. Ob im persönlichen Gespräch oder digital: Partnerschaftliche Beratung auf Augenhöhe ist für mich keine Floskel, sondern Arbeitsweise.

Fragen​
zum Thema?
Wir helfen dir gern persönlich weiter.