Schuppenflechte ist kein automatisches Ausschlusskriterium für die private Krankenversicherung. Private Kassen sehen Psoriatiker zwar nicht gern, das bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass eine Ablehnung automatisch folgt. Entscheidend ist der Einzelfall: Wie schwer ist die Psoriasis, welche Körperregionen sind betroffen, liegt eine Gelenkbeteiligung vor und wie intensiv ist die Behandlung? Wer diese Parameter kennt und den Antrag richtig vorbereitet, erhöht seine Chancen auf versicherbare Konditionen erheblich.
- Leichte Psoriasis mit PASI unter 10 führt bei über 80 Prozent der Fälle zur Aufnahme, typisch mit 10 bis 30 Prozent Zuschlag.
- Mittelschwere bis schwere Psoriasis zieht Zuschläge von 30 bis 80 Prozent nach sich, teils Ablehnung.
- Psoriasis-Arthritis mit Gelenkbeteiligung gilt bei den meisten Versicherern als Ausschlusskriterium und führt fast immer zur Ablehnung.
- Biologika-Therapie signalisiert einen schweren, chronischen Verlauf und wird sehr restriktiv bewertet, Jahrestherapiekosten können bei rund 20.000 Euro liegen.
- Wer bei allen privaten Anbietern abgelehnt wird, hat über den gesetzlichen Basistarif mit Kontrahierungszwang eine garantierte, zuschlagsfreie Aufnahme.
- Bei Beamten schützt die Öffnungsaktion: garantierte Aufnahme, Zuschlag maximal 30 Prozent.
Kann man trotz Schuppenflechte in der PKV aufgenommen werden?
Ja, in vielen Fällen, aber die Bandbreite ist bei Psoriasis größer als bei den meisten anderen Erkrankungen. Zuschläge zwischen 30 und 80 Prozent sind bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis üblich, während der allgemeine Marktdurchschnitt für Vorerkrankungen typisch bei 10 bis 20 Prozent liegt. Die Psoriasis liegt also strukturell am oberen Ende des Markts.
Was beim Antrag gilt: Zur objektiven Einschätzung des Schweregrads nutzen Dermatologen den PASI-Score (Psoriasis Area and Severity Index), der auf einer Skala von 0 bis maximal 72 Punkten sowohl den prozentualen Anteil der betroffenen Körperoberfläche (BSA) als auch die Symptomstärke, also Rötung, Dicke der Plaques und Schuppung, berücksichtigt. Ergänzend dient der DLQI (Dermatology Life Quality Index), der die Lebensqualitätsbeeinträchtigung misst. Nach medizinischer Leitlinie gilt eine Psoriasis bereits dann als mittelschwer bis schwer, wenn BSA oder PASI über 10 liegen oder der DLQI über 10 liegt.
Besonders relevant sind die sogenannten Upgrade-Kriterien, die auch bei geringer Flächenausdehnung eine Höherstufung in die mittelschwere bis schwere Kategorie bewirken können. Wer eines dieser Merkmale aufweist, wird trotz niedrigem PASI-Gesamtwert strenger eingestuft:
- Ausgeprägte Erkrankung sichtbarer Areale wie Gesicht oder Hände
- Kopfhautbefall
- Genitalbereichsbefall
- Handflächen- oder Fußsohlenbefall
- Nagelbeteiligung an mindestens zwei Fingern
- Starker Juckreiz mit Kratzspuren
- Therapieresistente Plaques
Ein OLG-Hamburg-Urteil bestätigt die rechtliche Grundlage für diese Praxis: Hauterkrankungen wie Psoriasis müssen nach Schweregrad des Erscheinungsbilds bewertet werden, nicht nach bloßem Diagnosenamen.
Die vier grundsätzlichen Reaktionsmöglichkeiten eines Versicherers auf eine Psoriasis-Diagnose, nach Schweregrad:
| PASI-Wert oder Ausprägung | Schweregrad | Typischer PKV-Zuschlag | Aufnahmechance |
|---|---|---|---|
| PASI unter 10, kleine Herde, lange keine Schübe | Leichte Psoriasis | 10 bis 30 Prozent | Über 80 Prozent |
| PASI 10 bis 20, mehrere Areale, regelmäßige Schübe | Mittelschwere Psoriasis | 30 bis 50 Prozent, teils bis 80 Prozent | 40 bis 60 Prozent |
| PASI über 20, großflächig, therapieresistent | Schwere Psoriasis | 50 bis 80 Prozent oder Ablehnung | Unter 30 Prozent |
| Biologika-Therapie | Schwer, oft chronisch | Sehr hohe Zuschläge oder Ablehnung | Unter 20 Prozent |
| Psoriasis-Arthritis, Gelenkbeteiligung | Komplikation | Meist Ausschlusskriterium | Fast immer Ablehnung |
Wie hoch ist der Risikozuschlag mit Schuppenflechte in der PKV?
Ein Risikozuschlag ist ein prozentualer Aufschlag auf den regulären PKV-Beitrag. Bei Psoriasis werden zunächst Diagnose, Schweregrad, Verlauf und Prognose ausgewertet; dieser Prozentsatz wird dann auf den betroffenen Tarifbaustein angewendet, nicht zwingend auf den Gesamtbeitrag. Was bei Psoriasis besonders auffällt: Die typischen Zuschläge liegen mit 30 bis 80 Prozent deutlich über dem allgemeinen Branchendurchschnitt von 10 bis 20 Prozent.
Ein einmal vereinbarter Risikozuschlag kann während der Vertragslaufzeit nicht nachträglich erhöht werden, selbst wenn neue Erkrankungen hinzukommen. Beitragsanpassungen laufen ausschließlich kollektiv für alle Versicherten im selben Tarif.
Aus der Praxis dokumentierte Anbieterwerte zeigen die Bandbreite:
| Versicherer | Risikozuschlag | Anmerkung |
|---|---|---|
| AXA | 30 Prozent | In Kombination mit Übergewicht |
| Marktdurchschnitt allgemein | 30 bis 80 Prozent variabel | Abhängig von Anzahl, Sitz und Ausbreitung der Herde |
| Beamten-Öffnungsaktion | Maximal 30 Prozent | Garantierte Aufnahme unabhängig vom Schweregrad |
Risikozuschläge zwischen 20 und 50 Prozent gelten bei chronischen Hauterkrankungen wie Psoriasis als üblich, höhere Werte kommen aber vor. Wer durch Übergewicht oder andere Begleiterkrankungen zusätzliche Risikofaktoren mitbringt, trägt die Begleiterkrankungen separat in den Antrag ein und muss mit Kombinationszuschlägen rechnen.
Kann man den Risikozuschlag wegen Schuppenflechte in der PKV loswerden?
Ja, der gesetzliche Hebel nach § 41 VVG greift auch hier. Sind die gefahrerhöhenden Umstände dauerhaft weggefallen, kann der Versicherungsnehmer eine Herabsetzung verlangen. Bei Psoriasis ist das potenzielle Einsparpotenzial bei erfolgreicher Herabsetzung besonders groß, weil die Ausgangszuschläge mit 30 bis 80 Prozent überdurchschnittlich hoch sind.
Was die Praxis zeigt und was aus einem Amtsgericht-München-Urteil klar wird: Einzelne verbesserte Messwerte reichen nicht aus. Ein einzelner niedriger PASI-Wert während einer laufenden Biologika-Therapie gilt nicht als Nachweis für einen dauerhaften Risikowegfall. Versicherer und Gerichte verlangen den Nachweis, dass die Verbesserung auch ohne intensive Dauertherapie stabil anhält.
Das praktische Vorgehen zur Beantragung der Herabsetzung:
- Lückenlose dermatologische Verlaufsdokumentation über einen längeren Zeitraum sammeln, die eine deutliche und stabile Verbesserung des PASI-Werts zeigt
- Aktuelles fachärztliches Attest einholen, das dauerhafte Verbesserung und das Fehlen einer Gelenkbeteiligung explizit bestätigt
- Schriftlichen Antrag auf Herabsetzung mit exakter Angabe der PASI-Werte vor und nach der Verbesserung sowie des Stabilitätszeitraums stellen
- Gezielt nachfragen, welche Unterlagen der Versicherer für seine Entscheidung benötigt
- Bei Ablehnung eine Klage nach § 41 VVG in Betracht ziehen, wobei das LG München I im März 2023 (Az. 12 S 12059/22) bestätigte, dass Versicherer ihre Kalkulationsgrundlage für den Zuschlag offenlegen müssen
Wann wird man wegen Schuppenflechte von der PKV abgelehnt?
Die vollständige Ablehnung droht vor allem bei extrem ausgeprägter, unkontrollierter Psoriasis mit dauerhaft großflächigen Herden, schweren Schüben und aufwändiger Therapie. Wenn der Versicherer ein kalkulatorisch sehr hohes Krankheitsrisiko vermutet, das selbst ein hoher Zuschlag nicht mehr abdecken kann, folgt die Ablehnung.
Der kritischste Einzelfaktor ist die Psoriasis-Arthritis. Selbst wenn der Antragsteller nur die Hautform der Schuppenflechte angibt, macht bereits der Verdacht auf Gelenkbeteiligung die PKV sehr skeptisch. Psoriasis-Arthritis führt bei den meisten Versicherern als absolutes Ausschlusskriterium fast immer zur Ablehnung.
Weitere häufige Ablehnungsgründe bei Psoriasis:
- Biologika-Therapie als Zeichen eines schweren, therapieresistenten Verlaufs, bei dem Jahrestherapiekosten von rund 20.000 Euro anfallen können
- Seltene Komplikationen wie Nierenbeteiligung
- Kombination mit weiteren Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bluthochdruck
- Fehlende Dokumentation zu Verlauf und Schweregrad, was Risikoprüfer zur pessimistischsten Annahme zwingt
Wie bereite ich meinen PKV-Antrag mit Schuppenflechte vor?
Die wichtigste Regel ist dieselbe wie bei jeder anderen Vorerkrankung: Niemals direkt einen offiziellen Antrag stellen. Eine Ablehnung landet im HIS und muss bei jedem späteren Antrag offenbart werden. Die anonyme Risikovoranfrage schützt davor vollständig.
Nach einer Ablehnung gilt: keinesfalls bei einem anderen Versicherer die Erkrankung verschweigen, sondern anonym bei geeigneteren Anbietern voranfragen. Eine Ablehnung bedeutet außerdem nicht das Ende der PKV-Möglichkeiten insgesamt. Bei nachlassenden Beschwerden kann später ein neuer Antrag gestellt werden. Alternativ gibt es den Basistarif als gesetzliche Auffanglösung.
Der empfohlene Ablauf für den Antrag mit Psoriasis:
- Vollständige dermatologische Dokumentation des aktuellen PASI-Werts, BSA-Prozentsatzes und DLQI-Werts einholen, um den Schweregrad objektiv zu belegen
- Klären, ob eine Gelenkbeteiligung vorliegt oder der Verdacht darauf besteht, da das die gesamte Strategie verändert
- Gezielte anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern parallel stellen, um Anbieterunterschiede sichtbar zu machen
- Bei mehreren Angeboten das günstigste mit der besten Kombination aus Zuschlag ohne Leistungsausschluss wählen
- Bei Ablehnung bei allen Anbietern: Basistarif prüfen, der Kontrahierungszwang garantiert die Aufnahme ohne Zuschlag
- Als Beamter oder Referendar: die Öffnungsaktion nutzen, die einen garantierten Annahmeanspruch mit maximal 30 Prozent Zuschlag bietet
Die Bearbeitungsdauer einer anonymen Risikovoranfrage liegt typisch bei 5 bis 10 Werktagen. Der Prozess ist für den Antragsteller kostenfrei.
Wichtige Unterlagen für den PKV-Antrag mit Schuppenflechte
Ein vollständiges, dermatologisch fundiertes Unterlagenpaket ist der entscheidende Hebel, um einen moderaten Zuschlag statt eines Leistungsausschlusses oder einer Ablehnung zu erreichen. Was besonders wirksam ist:
- Aktueller dermatologischer Befundbericht mit exaktem PASI-Wert, BSA-Prozentsatz und DLQI-Wert
- Explizite fachärztliche Bestätigung, dass keine Gelenkbeteiligung vorliegt, da das der kritischste Einzelfaktor für eine Ablehnung ist
- Vollständige Auflistung der aktuellen Behandlungsmethoden: topische Cremes vs. systemische Medikation vs. Biologika-Therapie
- Verlaufsdokumentation über einen längeren Zeitraum mit mehreren PASI-Werten, die Stabilität oder Verbesserung zeigen
- Bei Biologika-Therapie: Nachweis über das Therapieansprechen, ob ein PASI-75-Ansprechen (75-prozentige Verbesserung) erreicht wurde, als Zeichen einer gut kontrollierbaren Erkrankung
- Separate Dokumentation von Begleiterkrankungen, weil Kombinationen wie Psoriasis plus Übergewicht zu höheren Gesamtzuschlägen führen
Risikovoranfrage mit Schuppenflechte
Zur Vorbereitung muss der Krankheitsverlauf vollständig dokumentiert sein: aktueller PASI-Wert, betroffene Körperregionen, ausdrücklicher Ausschluss einer Gelenkbeteiligung und aktuelle Therapie. Lücken in der Beschreibung zwingen Risikoprüfer zur pessimistischsten Annahme und können Zuschläge unnötig erhöhen.
Basistarif als gesetzliche Auffanglösung
Wer aufgrund schwerer Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis bei allen gängigen privaten Versicherern auf Ablehnung stößt, hat eine garantierte Alternative: den gesetzlichen Basistarif mit Kontrahierungszwang.
Seit dem Jahr 2009 sind private Versicherer gesetzlich verpflichtet, den Basistarif für alle Antragstellenden zu öffnen, die schon einmal privat versichert waren oder unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen wechseln können. Im Basistarif gilt die Aufnahmepflicht unabhängig vom Gesundheitszustand. Risikozuschläge und Leistungsausschlüsse sind ausdrücklich ausgeschlossen. Der Leistungsumfang orientiert sich am Umfang der gesetzlichen Krankenversicherung. Selbst bei therapieresistenter Psoriasis-Arthritis mit Biologika-Bedarf darf der Versicherer die Aufnahme nicht verweigern.
Zwei wichtige Einschränkungen: Wer von einer PKV wegen einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung gekündigt wurde, genießt beim selben Versicherer keine Basistarif-Aufnahmepflicht. Außerdem muss auch im Basistarif eine Gesundheitsprüfung durchlaufen werden, auch wenn sich deren Ergebnis weder auf den Versicherungsschutz noch auf den Beitrag auswirkt.
Sonderfall: Beamte mit Schuppenflechte in der PKV
Für verbeamtete Lehrer, Beamtenanwärter und alle anderen Beamtengruppen gilt eine grundlegend andere Logik als für Angestellte. Die Öffnungsaktion schützt auch bei schwerer Psoriasis vollständig.
Wer innerhalb von sechs Monaten nach der erstmaligen Verbeamtung einen PKV-Antrag stellt, wird aufgenommen:
- Ohne Ablehnung aus gesundheitlichen Gründen, auch bei hohem PASI-Wert oder aktiver Behandlung
- Ohne Leistungsausschlüsse für Psoriasis oder Begleiterkrankungen
- Mit einem Risikozuschlag von maximal 30 Prozent des tariflichen Beitrags
- Ohne Risikozuschlag auf die Pflegepflichtversicherung
Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber dem freien Markt: Was dort zu 80 Prozent Zuschlag oder Ablehnung führt, wird über die Öffnungsaktion mit maximal 30 Prozent aufgenommen. Auch innerhalb der Öffnungsaktion variiert der Zuschlag zwischen den teilnehmenden Versicherern. Wer anonym bei mehreren Anbietern voranfragt, findet den Einstieg mit dem niedrigsten Zuschlag innerhalb des 30-Prozent-Deckels.
Weißt Du schon, ob Du die Öffnungsaktionsfrist noch nutzen kannst, oder ist eine anonyme Risikovoranfrage Dein nächster Schritt?

