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Vorerkrankungen in der PKV: Wie gehen Versicherer damit um?

Du hast Bluthochdruck, eine ausgeheilte Depression oder einen Bandscheibenvorfall hinter dir und fragst dich, ob die private Krankenversicherung für dich überhaupt noch eine Option ist? Die Antwort lautet: Ja, aber es wird kompliziert. Während die GKV jeden ohne Gesundheitsprüfung aufnimmt, prüft die PKV jeden Antrag individuell auf gesundheitliche Risiken.

Die Reaktion der Versicherer reicht von normaler Annahme über Risikozuschläge und Leistungsausschlüsse bis zur kompletten Ablehnung. Besonders frustrierend: Ein und dieselbe Person mit identischen Gesundheitsangaben kann bei einem Versicherer normal aufgenommen werden, bei einem anderen einen hohen Risikozuschlag erhalten und bei einem dritten komplett abgelehnt werden.

Wir zeigen dir, wie Versicherer mit Vorerkrankungen umgehen, welche Erkrankungen zu welchen Konsequenzen führen und welche PKV-Anbieter sich für Menschen mit Gesundheitseinschränkungen besonders eignen.

Wie geht die PKV mit Vorerkrankungen um?

Die PKV hat vier grundlegende Reaktionsmöglichkeiten auf Vorerkrankungen: normale Annahme ohne Einschränkungen, Annahme mit Risikozuschlag, Annahme mit Leistungsausschluss oder komplette Ablehnung. Die Entscheidung hängt stark von Art und Schweregrad der Vorerkrankung ab.

Normale Annahme: Bei geringfügigen oder ausgeheilten Erkrankungen

Bei geringfügigen oder vollständig ausgeheilten Vorerkrankungen erfolgt eine normale Aufnahme zum Standardbeitrag ohne Zuschläge oder Ausschlüsse. Kleinere Erkrankungen, die vollständig auskuriert sind und keine Folgen hinterlassen haben, stellen oft kein Problem dar.

Risikozuschläge: Lebenslange prozentuale Aufschläge auf den Beitrag

Der Versicherer akzeptiert das Risiko gegen einen prozentualen Beitragszuschlag. Alle Leistungen sind dann versichert, inklusive der Vorerkrankung. Diese Zuschläge werden lebenslang erhoben und steigen bei Beitragsanpassungen prozentual mit.

Die üblichen Zuschlagshöhen nach Schweregrad:

SchweregradTypischer ZuschlagBeispiele
Leichte Vorerkrankungen10-20%Gut eingestellter Bluthochdruck, leichte Allergien
Mittelschwere Erkrankungen20-40%Diabetes Typ 2 nicht insulinpflichtig, Asthma mit regelmäßigem Spray
Schwere chronische Leiden40-50%+Schweres Asthma, multiple Vorerkrankungen

Konkrete Risikozuschläge bei häufigen Vorerkrankungen:

VorerkrankungTypischer ZuschlagDetails
Bluthochdruck (gut eingestellt)10-25%Bei den meisten Versicherern mit Zuschlag möglich
Diabetes Typ 2 (nicht insulinpflichtig)30-50%Insulinpflichtig meist Ablehnung
Asthma mild/selten10-15%Regelmäßiges Spray: 20-30%, schwer/täglich Kortison: 40-50% oder Ablehnung
Hashimoto-Thyreoiditis0-25%Oft sogar ohne Zuschlag bei stabilen Werten
Neurodermitis mild10%Moderat: 20-30%, schwer/großflächig: 40%+ oder Ablehnung
Bandscheibenvorfall ausgeheilt15-40%Je nach Anzahl und Schwere
Übergewicht BMI 30-325-15%BMI 33-34: 20-30%, BMI 35-39: 40-50% oder Ablehnung

Ein konkretes Berechnungsbeispiel zeigt die langfristigen Auswirkungen:

KomponenteBetrag
Monatlicher PKV-Beitrag400 €
Risikozuschlag 20%80 €
Gesamtbeitrag monatlich480 €
Mehrkosten pro Jahr960 €
Mehrkosten über 40 Jahre38.400 €

Bei 30 Prozent Zuschlag über 40 Jahre summieren sich die Mehrkosten sogar auf über 43.000 Euro.

Kumulierung bei mehreren Vorerkrankungen: Überproportionale Zuschläge

Versicherer bewerten den Gesundheitszustand als Ganzes. Bei mehreren gleichzeitigen Vorerkrankungen potenzieren sich die Risikozuschläge häufig überproportional.

Beispiel: Leichtes Übergewicht und Bluthochdruck führen jeweils zu etwa 10 Prozent Zuschlag. In Kombination ergibt sich jedoch oft deutlich mehr als 20 Prozent, da beide Faktoren zusammen das kardiovaskuläre Risiko erheblich erhöhen.

Aufhebung von Risikozuschlägen: Nach beschwerdefreier Zeit möglich

Risikozuschläge können nach beschwerdefreier Zeit auf Antrag geprüft und aufgehoben werden. Die PKV hebt Zuschläge niemals von sich aus auf.

Voraussetzungen für die Aufhebung:

  • Beschwerdefreie Zeit: Meist mindestens 3 bis 5 Jahre ohne Behandlung
  • Ärztliches Attest: Aktuelle Bestätigung über vollständige Ausheilung und günstige Prognose
  • Vollständige Dokumentation: Alle Behandlungsunterlagen, die Heilung belegen
  • Schriftlicher Antrag: Detaillierter Antrag an die Vertrags- oder Leistungsabteilung

Der Versicherer kann nach erneuter Risikoprüfung den Zuschlag vollständig streichen, reduzieren oder die Aufhebung ablehnen.

Leistungsausschlüsse: Normale Beiträge, aber keine Erstattung für bestimmte Bereiche

Bei Leistungsausschlüssen werden bestimmte Behandlungen oder Krankheitsbereiche vom Versicherungsschutz ausgenommen. Der Versicherte zahlt den normalen Beitrag ohne Zuschlag, trägt aber alle Kosten für ausgeschlossene Bereiche selbst.

Du möchtest in die PKV?

Dann bist du hier genau richtig. Auch mit Vorerkrankungen ist ein Weg in die PKV nicht ausgeschlossen. Wenn es einen gibt, finde ich diesen.

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Leistungsausschlüsse werden angeboten, wenn das Risiko einer Vorerkrankung nicht kalkulierbar ist und daher kein angemessener Risikozuschlag berechnet werden kann.

Typisch sind sie bei unvorhersehbarem Verlauf wie Multiple Sklerose oder Epilepsie, chronischen Erkrankungen mit potentiell sehr hohen Kosten oder kürzlich behandelten Erkrankungen ohne ausreichende Verlaufsbeobachtung.

Es gibt befristete Leistungsausschlüsse, die für einen festgelegten Zeitraum von meist 2 bis 5 Jahren gelten und automatisch entfallen, wenn keine weiteren Beschwerden auftreten. Unbefristete Leistungsausschlüsse gelten dauerhaft für das gesamte Vertragsleben, können aber nach beschwerdefreier Zeit zur Aufhebung beantragt werden.

Risikozuschlag oder Leistungsausschluss: Die strategische Entscheidung

Einen Risikozuschlag solltest du bevorzugen bei chronischen Erkrankungen mit unvorhersehbarem Verlauf wie Multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis, Erkrankungen mit potentiell sehr hohen Kosten, wenn keine ausreichenden finanziellen Reserven für Selbstzahlung vorhanden sind und bei progressiven Erkrankungen, die sich verschlechtern können.

Ein Leistungsausschluss kann sinnvoll sein bei überschaubaren, stabilen Risiken, vollständig ausgeheilten Erkrankungen mit geringem Rezidivrisiko, wenn Behandlungskosten kalkulierbar und selbst tragbar sind unter 5.000 Euro jährlich und bei befristeten Ausschlüssen mit Aufhebungsoption nach wenigen Jahren.

Die kritische Kostenfalle bei Leistungsausschlüssen: Die zukünftige Entwicklung einer Erkrankung ist nicht vorhersehbar. Selbst bei aktuell stabilen Befunden können durch berufliche oder private Ereignisse Rückfälle auftreten. Die Kosten sind dann vollständig selbst zu tragen und können schnell fünfstellige Beträge erreichen.

Komplette Ablehnung: K.O.-Kriterien schließen PKV-Zugang aus

Bei sehr hohen, unkalkulierbaren Risiken lehnt der Versicherer komplett ab. Die häufigsten K.O.-Kriterien in der Übersicht:

Krebserkrankungen:

ErkrankungAblehnungsstatusMögliche Aufnahme
Aktive Tumorerkrankung100% AblehnungKeine
Krebsbehandlung < 5 JahreFast immer AblehnungSelten
Leukämie/LymphomeAblehnung auch nach BehandlungErst nach 10+ Jahren Remission eventuell
Metastasierte TumorenDauerhaft nicht versicherbarKeine
Hautkrebs (Basaliom)Nach 5+ Jahren Rezidivfreiheit10-30% Zuschlag möglich
MelanomNach 10 Jahren Rezidivfreiheit30-50%+ Zuschlag

HIV/AIDS:

HIV-positiv (symptomatisch) bedeutet komplette Ablehnung. Nur der Basistarif mit Kontrahierungszwang ist möglich.

Autoimmunerkrankungen:

ErkrankungAblehnungsrateAlternativen
Diabetes Typ 180% der AnbieterEinige nehmen mit 40-100% Zuschlag auf
Multiple SkleroseK.O.-KriteriumFast immer Ablehnung
Morbus CrohnK.O.-KriteriumPraktisch nicht versicherbar
Colitis ulcerosaÜber 90%Gilt als nicht versicherbares Risiko
Rheumatoide ArthritisMeist AblehnungGenerell K.O.-Kriterium

Herz-Kreislauf-Erkrankungen:

Herzinfarkt in der Vorgeschichte, Schlaganfall mit Folgeschäden, schwere koronare Herzerkrankung und Herzinsuffizienz sind allesamt K.O.-Kriterien mit praktisch keiner Aufnahmechance.

Psychische Erkrankungen:

SituationAblehnungsrateDetails
Aktuelle Psychotherapie100% während BehandlungAbsolutes Ausschlusskriterium
Schwere Depression/Angststörung80-90%Sehr hohe Ablehnungsquote
Depression mit Rückfällen40-50% Zuschlag oder AblehnungSchwierig
Psychosen100%Ablehnung
Burnout mit stationärem AufenthaltHochHohe Ablehnungswahrscheinlichkeit
Suchterkrankungen (Alkohol/Drogen)100%K.O.-Kriterium

Wichtig: Abgeschlossene Psychotherapie mit mehrjähriger Beschwerdefreiheit von 3 bis 10 Jahren je nach Versicherer kann zu Aufnahme mit Zuschlag führen.

Adipositas nach BMI:

BMI-BereichAdipositas-GradAblehnungsrateMögliche Konditionen
30-34Grad IModerat20-30% Zuschlag möglich
35-39Grad IISehr hoch40-50% Zuschlag oder Ablehnung
40+Grad III85%Praktisch nicht versicherbar

Grenzfälle: Zwischen Zuschlag und Ablehnung

Einige Erkrankungen bewegen sich im Grenzbereich zwischen Aufnahme mit Zuschlag und Ablehnung:

Epilepsie nach Anfallsfreiheit:

Anfallsfrei seitReaktionKonditionen
Unter 1 JahrMeist AblehnungZu hohes Risiko
1-2 JahreHohe Zuschläge oder AusschlüsseSchwierig
2-5 JahreModerate Zuschläge30-60%
5+ JahreGute Chancen10-30% Zuschlag

Diabetes mellitus Typ 2:

  • Insulinpflichtig oder mit Folgeschäden: meist Ablehnung
  • Tabletten-eingestellt, gut kontrolliert: Zuschlag oder Ausschluss möglich
  • Frisch diagnostiziert: schwierig

Psychische Erkrankungen (abgeschlossen):

  • Leichte Anpassungsstörung (abgeschlossen): 10-20% Zuschlag
  • Einmalige Depression (leicht, abgeschlossen): 20-30% Zuschlag
  • Burnout (abgeschlossen, Jahre stabil): 25-40% Zuschlag
  • Depression mit Rückfällen: 40-50% oder Ablehnung

Zeiträume der Gesundheitsprüfung: 3 bis 10 Jahre rückwirkend

Die abgefragten Zeiträume unterscheiden sich erheblich zwischen Versicherern:

Art der BehandlungZeitraumVersicherer
Ambulante Behandlungen3 JahreAllianz, AXA, Continentale, DKV, Gothaer, HanseMerkur, Münchener Verein
Stationäre Aufenthalte5 JahreÜberwiegend, bei Hallesche bis 10 Jahre
Psychische Erkrankungen5 JahreAllianz, AXA, Continentale, DKV, Gothaer, HanseMerkur, teilweise 10 Jahre
Chronische ErkrankungenUnbegrenztDauerhaft behandlungsbedürftig
Schwere Erkrankungen (Krebs, Herzinfarkt)Bis zu 10 JahreRückwirkend

Öffnungsaktion für Beamte: Garantierte Aufnahme mit maximal 30 Prozent Zuschlag

Beamte und Beamtenanwärter haben über die Öffnungsaktion einen Sonderweg mit garantierter Aufnahme auch bei schwersten Vorerkrankungen. Die Kernregelungen:

  • Keine Ablehnung möglich: Aufnahmegarantie auch bei K.O.-Kriterien
  • Risikozuschlag maximal 30 Prozent des Beitrags begrenzt
  • Keine Leistungsausschlüsse zulässig: Alle Leistungen müssen abgedeckt sein
  • Frist: Antrag innerhalb von 6 Monaten nach Verbeamtung

Berechtigte sind Beamtenanwärter, Beamte auf Probe unter bestimmten Bedingungen, Beamte auf Lebenszeit und berücksichtigungsfähige Angehörige.

Die kritischen Nachteile der Öffnungsaktion:

NachteilAuswirkung
Zuschlag lebenslangSteigt bei Beitragsanpassungen prozentual mit
Langfristige KostenBei 30% Zuschlag über 40 Jahre: über 43.000 € Mehrkosten
Begrenzte TarifauswahlKeine Komforttarife verfügbar

Strategische Empfehlung: Nur bei wirklich schweren Vorerkrankungen nutzen. Gesunde Beamte sollten zunächst den regulären Zugang prüfen, da sie dort oft günstigere Konditionen ohne dauerhaften Zuschlag erhalten können.

Basistarif: Letzte Option bei kompletter Ablehnung

Der Basistarif bietet bei kompletter Ablehnung eine Alternative mit Kontrahierungszwang: Versicherer müssen aufnehmen, Ablehnung ist nicht möglich.

Die Konditionen des Basistarifs:

  • Leistungen wie GKV, keine Extras
  • Beitrag entspricht GKV-Höchstbeitrag von etwa 1.000 Euro plus monatlich
  • Keine Risikozuschläge im Basistarif
  • Keine Leistungsausschlüsse trotz Vorerkrankungen

Voraussetzungen für den Basistarif: Kein GKV-Zugang möglich über JAEG oder als Selbstständiger, freiwillig GKV-versichert und weniger als 6 Monate dabei oder bereits privat versichert mit Vertrag nach 31.12.2008.

Wahrheitspflicht: Falsche Angaben können katastrophale Folgen haben

Alle Gesundheitsfragen müssen wahrheitsgemäß und vollständig beantwortet werden. Falsche oder unvollständige Angaben stellen eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung dar.

Konsequenzen bei Falschangaben:

  • Anfechtung des Vertrags auch Jahre später noch möglich
  • Verlust des Versicherungsschutzes im Leistungsfall
  • Selbstzahlung aller Behandlungskosten auch bei schweren Erkrankungen
  • HIS-Eintrag bei Rücktritt, erschwert zukünftige PKV-Aufnahme massiv

Welche ist die beste PKV für Menschen mit Vorerkrankungen?

Die Annahmepraxis variiert extrem stark zwischen den Gesellschaften. Ein und dieselbe Person mit identischen Gesundheitsangaben kann bei einem Versicherer normal aufgenommen werden, bei einem anderen einen hohen Risikozuschlag erhalten und bei einem dritten komplett abgelehnt werden.

Es gibt keine pauschale „beste PKV“ für Vorerkrankte, sondern verschiedene Versicherer haben unterschiedliche Spezialisierungen.

Unterschiedliche Spezialisierungen: Versicherer mit besonderen Stärken

Die Versicherer haben unterschiedliche Risikobereitschaften und Spezialisierungen:

SpezialisierungStärkeBeispiel
Diabetes-ExpertenBestimmte Versicherer auf Diabetiker spezialisiertFaire Konditionen statt Ablehnung
Psyche-VerständnisProgressive Anbieter bewerten differenzierterAbgeschlossene Therapien heute besser bewertet
Orthopädie-KulanzRückenprobleme unterschiedlich bewertetErfolgsquote bei Vermittlung etwa 95%
Herz-Kreislauf-KompetenzBluthochdruck meist gut versicherbarMit moderaten Zuschlägen 10-25%

Konkrete Beispiele für unterschiedliche Bewertungen derselben Erkrankung:

VorerkrankungVersichererKonditionen
ZöliakieBarmenia15% Zuschlag
ZöliakieBBKK Versicherungskammer23 € monatlich
ZöliakieHallescheBis zu 80% Zuschlag

Diese enormen Unterschiede zeigen: Ohne Marktvergleich verschenkst du bares Geld oder riskierst eine Ablehnung, die andere Versicherer akzeptiert hätten.

Anonyme Risikovoranfrage: Unverzichtbar bei Vorerkrankungen

Bei Vorerkrankungen ist eine anonyme Risikovoranfrage dringend empfohlen. Diese schützt vor gravierenden Nachteilen.

Schutz vor HIS-Eintrag: Einmal abgelehnt, überall verbrannt

Wird ein „scharfer“ Antrag abgelehnt, landet dies in der Hinweis- und Informationssystem-Datenbank (HIS). Alle anderen Versicherer können diese Ablehnung sehen, was weitere Aufnahmen extrem erschwert. Die Regel lautet: Einmal abgelehnt, überall verbrannt.

Marktvergleich ohne Risiko: Parallel bei mehreren Versicherern testen

Die anonyme Voranfrage ermöglicht es, parallel bei mehreren Versicherern zu testen, wie diese deine Gesundheitssituation bewerten würden, ohne dass eine Ablehnung in deiner Akte landet.

Der Ablauf der anonymen Risikovoranfrage:

  1. Detaillierte Erfassung aller Gesundheitsangaben durch spezialisierten Makler
  2. Pseudonymisierte Übermittlung an ausgewählte Versicherer ohne Name und Adresse
  3. Prüfung durch die Gesellschaften innerhalb von 2 bis 14 Tagen
  4. Erhalt verbindlicher Voten: normale Annahme, Zuschlag, Ausschluss oder Ablehnung
  5. Auswahl des besten Angebots und erst dann Stellung des echten Antrags

Wichtig: Alle Gesundheitsangaben müssen auch in der Voranfrage vollständig und wahrheitsgemäß erfolgen, da die Ergebnisse sonst wertlos sind.

Praktische Strategien für höhere Aufnahmechancen

  • Aktuelle ärztliche Atteste beibringen: Wenn Vorerkrankungen gut eingestellt sind, helfen aktuelle Befunde. Bei Diabetes zum Beispiel ein aktueller HbA1c-Wert im Normalbereich, um den Versicherer zu beruhigen.
  • Heilungsnachweise dokumentieren: Nach erfolgreicher Behandlung psychischer Erkrankungen aktuelle Bestätigungen vom Hausarzt über Symptomfreiheit einholen.
  • Check-up vor Antragstellung: Einen gründlichen Gesundheits-Check beim Hausarzt durchführen lassen. Frische Belege für guten Allgemeinzustand stärken die Position.
  • Zeitpunkt abwägen: Bei älteren, ausgeheilten Erkrankungen prüfen, ob diese außerhalb der Fragezeiträume liegen. Liegt eine Vorerkrankung außerhalb der zeitlich begrenzten Frage, muss sie nicht angegeben werden.
  • Spezialisierten Makler einschalten: Makler mit PKV-Expertise kennen die Annahmepraxis der verschiedenen Gesellschaften und können gezielt diejenigen Versicherer identifizieren, die für dein spezifisches Risikoprofil am besten geeignet sind.
  • Mehrere Voranfragen parallel stellen: Bei verschiedenen Versicherern gleichzeitig anfragen, um das beste Angebot zu identifizieren.

Vermeidbare Fehler: Diese Kardinalfehler kosten dich den PKV-Zugang

  • Direktantrag ohne Voranfrage bei Vorerkrankungen: Dies ist hochriskant und kann zu HIS-Einträgen führen, die den PKV-Zugang dauerhaft versperren.
  • Unvollständige oder verharmlosende Angaben: Führt zu Anfechtbarkeit des Vertrags und kann im Leistungsfall katastrophale finanzielle Folgen haben.
  • Fokus nur auf den Preis: Der billigste Tarif ist bei Vorerkrankungen oft nicht der beste. Entscheidend sind Aufnahmewahrscheinlichkeit und langfristige Konditionen.
  • Öffnungsaktion ohne Prüfung regulärer Zugang: Gesunde Beamte sollten nicht automatisch die Öffnungsaktion nutzen, da der 30 Prozent Zuschlag lebenslang bleibt.

Fazit: Vorerkrankungen sind kein automatisches Aus für die PKV

„Der Zugang zur PKV mit Vorerkrankungen ist definitiv möglich, erfordert aber strategisches Vorgehen. Die enormen Unterschiede zwischen den Versicherern machen eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Gesellschaften unverzichtbar. Spezialisierte Makler mit Kenntnis der unterschiedlichen Annahmerichtlinien können den Unterschied zwischen Ablehnung und Normalaufnahme bedeuten.“

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Vier mögliche Reaktionen: Normale Annahme, Risikozuschlag (10-50%), Leistungsausschluss oder Ablehnung
  • K.O.-Kriterien: Krebs unter 5 Jahren, HIV, Diabetes Typ 1 (80%), schwere Autoimmunerkrankungen, Herzinfarkt, aktive Psychosen
  • Extreme Unterschiede: Zöliakie führt bei Barmenia zu 15% Zuschlag, bei Hallesche zu 80% Zuschlag
  • Anonyme Risikovoranfrage: Schutz vor HIS-Eintrag, Marktvergleich ohne Risiko
  • Öffnungsaktion für Beamte: Garantierte Aufnahme mit maximal 30% Zuschlag, aber lebenslang
  • Wahrheitspflicht absolut: Falsche Angaben können zum kompletten Verlust des Versicherungsschutzes führen

Für Beamte bietet die Öffnungsaktion eine Absicherung gegen komplette Ablehnung, sollte aber nur bei tatsächlich schweren Vorerkrankungen genutzt werden.

Die wahrheitsgemäße und vollständige Beantwortung aller Gesundheitsfragen ist absolut essentiell. Jeder Versuch der Verschleierung kann dramatische finanzielle Konsequenzen haben, wenn im Leistungsfall der Versicherer den Vertrag anficht und du auf sechsstelligen Behandlungskosten sitzen bleibst.

Schiffgens Thorsten
Thorsten Schiffgens
Experte für Versicherungen
Über den Autor

Als geschäftsführender Gesellschafter von COVAGO berate ich seit über 20 Jahren Unternehmen und Privatkunden in allen Versicherungsfragen – unabhängig, ganzheitlich und immer am echten Bedarf orientiert. Mir geht es nicht um Produktverkauf, sondern um Lösungen, die wirklich passen. Ob im persönlichen Gespräch oder digital: Partnerschaftliche Beratung auf Augenhöhe ist für mich keine Floskel, sondern Arbeitsweise.

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