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Privatpatienten werden bevorzugt: Ist das wirklich so?

Du hast es bestimmt schon gehört oder selbst erlebt. Der Privatpatient bekommt schneller einen Termin beim Facharzt, sitzt kürzer im Wartezimmer und wird angeblich besser behandelt. Aber stimmt das wirklich, oder handelt es sich um einen hartnäckigen Mythos?

Die Antwort lautet: Ja, Privatpatienten werden bevorzugt. Das ist faktisch korrekt und messbar, allerdings variiert das Ausmaß stark je nach Fachrichtung und Region. Es handelt sich hierbei nicht um eine persönliche Vorliebe der Ärzte, sondern um eine direkte Folge des deutschen Vergütungssystems.

Ein Arzt ist ein Kaufmann und muss betriebswirtschaftlich denken. Privatpatienten bringen ihm den 2,3-fachen Umsatz, während Kassenpatienten durch Budgetdeckel und Quartalspauschalen oft nur die Fixkosten decken. Wir zeigen dir anhand aktueller Studien und konkreter Zahlen, wo du als Privatpatient wirklich bevorzugt wirst, warum das passiert und was du medizinisch tatsächlich für dein Geld bekommst.

Terminvergabe bei Fachärzten: Privatpatienten warten nur halb so lang

Aktuelle Studien von PKV-Welt 2024/2025 und dem RWI Leibniz Institut zeigen klare Unterschiede in der Terminvergabe. Als Privatpatient kommst du doppelt so schnell an einen Facharzttermin wie ein Kassenpatient.

Die konkreten Wartezeiten im Vergleich:

PKV-StatusGKV-StatusVorteil PKV
Terminvergabe Facharzt~12 Tage Wartezeit~25 Tage Wartezeit2x schneller
Wartezeit im Wartezimmer~29 Minuten~36 Minuten7 Minuten weniger
Termin-Chance bei SpezialistenHöhere ChanceOft „Aufnahmestopp“Exklusiver Zugang
HausarztKaum UnterschiedeKaum UnterschiedeNeutral

Bei Orthopäden, Dermatologen und Augenärzten wird es extrem: Hier sprechen wir teilweise von Monaten Unterschied. Bei Orthopäden und Dermatologen liegt der Faktor oft bei 4-fach, also 4 Wochen Wartezeit für Privatpatienten versus 4 Monate für Kassenpatienten.

Du möchtest in die PKV?

Dann bist du hier genau richtig. Auch mit Vorerkrankungen ist ein Weg in die PKV nicht ausgeschlossen. Wenn es einen gibt, finde ich diesen.

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Bei Hausärzten und in der Notfallmedizin im Krankenhaus gibt es hingegen fast keine Unterschiede. Wenn du mit einem Herzinfarkt oder nach einem Unfall in die Notaufnahme kommst, zählt nur die Triage, also medizinische Dringlichkeit. Hier spielt dein Versicherungsstatus null Rolle.

Aufnahmestopp für Kassenpatienten: 7 Prozent höhere Chance auf Termin

In einer Testanruf-Studie mit Mystery Calling hatten Privatversicherte eine 7 Prozent höhere Chance, überhaupt einen Termin zu bekommen. Während es für Kassenpatienten oft hieß „Aufnahmestopp“ oder „Wir nehmen keine neuen Kassenpatienten mehr auf“, bekamen Privatpatienten noch Termine angeboten.

Budget-Deckel und Quartalspauschalen zwingen Ärzte zur Bevorzugung

Du fragst dich vielleicht, warum Ärzte das überhaupt machen dürfen. Die Antwort ist ernüchternd: Sie müssen es tun, um ihre Praxis wirtschaftlich zu führen. Ein Arzt ist ein Kaufmann, und du als Privatpatient bist sein Gewinn.

Kassenpatienten bringen nur Pauschalen: 35 bis 45 Euro pro Quartal

Ein Kassenarzt bekommt pro GKV-Patient eine Quartalspauschale von etwa 35 bis 45 Euro für einen Hausarztbesuch. Dabei ist völlig egal, wie oft der Patient im Quartal kommt. Einmal oder zehnmal, der Arzt bekommt nur die Pauschale.

Ist das Budget der Praxis aufgebraucht, behandelt der Arzt GKV-Patienten am Quartalsende quasi gratis oder mit starken Abschlägen. Das bedeutet: Ab einem bestimmten Punkt im Quartal arbeitet er für Kassenpatienten praktisch umsonst.

Privatpatienten zahlen jede Leistung einzeln nach GOÄ: 40 bis 80 Euro pro Gespräch

Bei dir als Privatpatient rechnet er jede Leistung einzeln nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab. Für ein Gespräch, das bei der Kasse pauschal mit etwa 10 Euro abgegolten ist, kann er bei dir je nach Dauer und Schwierigkeit mit Faktor 2,3 oder 3,5 deutlich mehr abrechnen, also 40 bis 80 Euro.

Es gibt keine Mengenbegrenzung. Er kann dich so oft behandeln, wie es medizinisch nötig ist, ohne dass ihm jemand das Honorar kürzt.

Ohne Privatpatienten fehlen 74.000 Euro Gewinn pro Jahr

Das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) und das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) liefern hierzu klare Zahlen. Ein Arzt verdient an dir als Privatpatient mehr als das Doppelte für die gleiche Leistung.

PKV-PatientGKV-PatientFaktor
Umsatz pro Kopfca. 73.839 € pro Jahr MehrumsatzPauschalbudgetErheblich mehr
Vergütungs-Faktor2,3-facher Satz (Standard)1,0-facher Satz (EBM)x 2,3
BudgetierungKeine (Open End)Strikt (Deckelung)Unbegrenzt vs begrenzt

Das bedeutet: Ohne Privatpatienten würde einer durchschnittlichen Praxis fast 74.000 Euro Gewinn fehlen. Das ist keine Kleinigkeit, sondern existenziell für viele Praxen.

Der GKV-Patient deckt Fixkosten wie Miete, Strom und Personal. Der PKV-Patient ist reiner Gewinn. Deshalb müssen Ärzte dich bevorzugen, um wirtschaftlich zu überleben.

MRT-Termin sofort versus 6 Wochen Wartezeit: Beispiel aus der Radiologie

Warum bekommt der Privatpatient das MRT sofort, der Kassenpatient erst in 6 Wochen? Hier ist die Kalkulation eines Radiologen:

LeistungGKV-Vergütung (EBM)PKV-Vergütung (GOÄ)
MRT Knieca. 125 bis 140 € (Pauschal)ca. 250 bis 580 € (je nach Faktor 1,8x bis 3,5x)
ZeitlimitQuartalsbudget begrenztUnbegrenzt

Das MRT-Gerät kostet Millionen. Um es zu amortisieren, braucht der Radiologe einen Mischkalkulations-Satz von etwa 200 Euro pro Untersuchung. Der Kassenpatient drückt mit seinen 125 bis 140 Euro den Schnitt, der Privatpatient hebt ihn mit bis zu 580 Euro.

Die Folge: Es werden Slots für Selbstzahler und PKV freigehalten, weil diese die Maschine finanzieren. Ohne diese lukrativen Privatpatienten-Termine wäre das teure Gerät wirtschaftlich nicht darstellbar.

Behandlungsqualität: Service ja, medizinische Kunst nein

Hier musst du zwischen Service und Medizin unterscheiden. Die wichtigste Erkenntnis gleich vorweg: Ein guter Arzt operiert einen Kassenpatienten nicht schlechter als einen Privatpatienten.

Medizinische Qualität bleibt gleich: Leitliniengerechte Therapie für alle

Die leitliniengerechte Therapie ist für beide gleich. Ein Herzchirurg führt die gleiche Bypass-Operation durch, egal ob du privat oder gesetzlich versichert bist. Die rein medizinische Handwerkskunst unterscheidet sich in Deutschland kaum.

Innovations-Zugang macht den Unterschied: Neue Therapien für Privatpatienten zuerst

Wo die Bevorzugung 2025 massiv wird, ist der Zugang zu neuen Therapien, die noch nicht im EBM (Einheitlicher Bewertungsmaßstab der Kassen) stehen. Neue Behandlungsmethoden wie bestimmte Laser-OPs am Auge oder innovative Krebstherapien bekommen Kassenpatienten oft gar nicht oder nur auf Antrag. Als Privatpatient erhältst du diese oft sofort, weil die GOÄ hier flexibler ist durch Analogabrechnung.

Konkrete Beispiele für unterschiedlichen Zugang:

GKV-LeistungPKV-Leistung
AugenheilkundeStandard-Linse bei KataraktFemto-LASIK oder spezielle Premium-Linsen
Krebs-ScreeningPET-CT nur bei spezifischen IndikationenPET-CT schon bei Verdacht für frühere Diagnose
Laser-BehandlungenOft nur auf AntragSofort verfügbar

Bei der Augenheilkunde zahlt die GKV oft nur Standard, die PKV zahlt High-Tech. Beim PET-CT, einem sehr genauen Bildgebungsverfahren, zahlt die GKV dies oft nur bei ganz spezifischen Indikationen wie Lungenkarzinom. Die PKV zahlt es oft schon bei Verdacht, was eine viel frühere Diagnose ermöglicht.

Zeit-Faktor bringt genauere Diagnosen: Arzt wird für deine Zeit bezahlt

Da der Arzt für deine Zeit bezahlt wird und nicht pauschal, nimmt er sich faktisch mehr Zeit für die Anamnese. Das kann zu genaueren Diagnosen führen, weil du schlicht mehr erzählen kannst. Bei einem Kassenpatienten muss er nach 10 Minuten zum nächsten, bei dir kann er sich 20 oder 30 Minuten nehmen.

Chefarztbehandlung nur mit richtigem Tarif: Mythos Automatik-Zugang

Ein häufiger Irrtum: Viele denken, als Privatpatient bekommt man automatisch den Chefarzt. Das stimmt nur bedingt. Du bekommst nur dann Chefarzt, wenn du das im Tarif versichert hast.

Viele moderne PKV-Tarife und auch GKV-Zusatzversicherungen decken das ab. Ohne diesen Baustein siehst auch du als Privatpatient nur den Assistenzarzt. Der Versicherungsstatus allein garantiert keine Chefarztbehandlung, sondern nur der entsprechende Tarifbaustein.

Notfallbehandlung ohne Bevorzugung: Versicherungsstatus spielt keine Rolle

Im Notfall wirst du nicht schneller behandelt. Bei Herzinfarkt oder Unfall zählt nur die Triage, also medizinische Dringlichkeit. Hier spielt der Versicherungsstatus null Rolle. Ein Kassenpatient mit Herzinfarkt kommt vor einem Privatpatienten mit Schnittwunde, Punkt.

Fazit: Bevorzugung ist systemimmanent, nicht persönliche Vorliebe

„Die Bevorzugung ist kein Mythos, sondern systemimmanent. Du bringst dem Arzt den 2,3-fachen Umsatz, bekommst Termine doppelt so schnell und ohne dich wären viele Facharztpraxen insolvenzgefährdet, da die GKV-Sätze allein oft kaum die Kosten decken.“

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Doppelt so schnelle Termine: 12 Tage Wartezeit bei PKV versus 25 Tage bei GKV, bei Orthopäden oft 4-fach längere Wartezeit
  • 2,3-facher Umsatz: Arzt verdient an Privatpatienten mehr als das Doppelte für gleiche Leistung
  • 74.000 Euro Mehrumsatz pro Jahr: Ohne Privatpatienten fehlt dieses Geld als reiner Gewinn
  • Budget-Deckel bei Kassen: Ab Quartalsende behandeln Ärzte GKV-Patienten quasi gratis
  • Medizinische Qualität gleich: OP-Qualität unterscheidet sich nicht, aber Zugang zu Innovationen deutlich besser
  • Zeit-Faktor: Längere Gespräche führen zu genaueren Diagnosen
  • Notfall neutral: Bei akuten Notfällen spielt Versicherungsstatus keine Rolle

Als Unternehmer weißt du: Wer den Gewinn bringt, bekommt den Service. Das deutsche Gesundheitssystem hat dieses Prinzip implementiert. Du erkaufst dir mit der PKV primär Zeit durch schnellere Termine und längere Gespräche sowie Zugang zu Spezialisten, die gar keine Kassenpatienten mehr nehmen.

Die rein medizinische Handwerkskunst unterscheidet sich kaum, aber der Weg dorthin ist als Privatpatient deutlich komfortabler gepflastert.

Schiffgens Thorsten
Thorsten Schiffgens
Experte für Versicherungen
Über den Autor

Als geschäftsführender Gesellschafter von COVAGO berate ich seit über 20 Jahren Unternehmen und Privatkunden in allen Versicherungsfragen – unabhängig, ganzheitlich und immer am echten Bedarf orientiert. Mir geht es nicht um Produktverkauf, sondern um Lösungen, die wirklich passen. Ob im persönlichen Gespräch oder digital: Partnerschaftliche Beratung auf Augenhöhe ist für mich keine Floskel, sondern Arbeitsweise.

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