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Welche Versicherungen sind für Kinder notwendig?

„Mein Kind braucht doch alle möglichen Versicherungen, damit es rundum geschützt ist.“

Das denken viele Eltern und werden mit teuren Kinderpolicen und Ausbildungsversicherungen bombardiert, aber die Wahrheit ist viel einfacher.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bringt es auf den Punkt: „Drei private Absicherungen sind für Kinder wichtig: Eine für den Fall, dass sie etwas anstellen, und zwei für den Fall, dass sie infolge einer Krankheit oder eines Unfalls invalide werden.“

Welche Versicherungen sind für Kinder notwendig?

Bevor du überhaupt über Kinderversicherungen nachdenkst, müssen zuerst die Eltern selbst ausreichend abgesichert sein, denn ein unversicherter Elternteil ist das größte finanzielle Risiko für jedes Kind. Der Bund der Versicherten betont, dass der eigene Versicherungsschutz der Eltern die zentrale Rolle für die Absicherung von Kindern spielt.

Die wirklich notwendigen Versicherungen für Kinder sind überschaubar, aber dafür umso wichtiger, weil sie vor existenziellen Risiken schützen, während die meisten beworbenen „Kinderpolicen“ überteuer und völlig unnötig sind.

Eltern zuerst absichern

Folgende Eltern-Versicherungen sind absolute Voraussetzung, bevor du dir Gedanken über Kinder-Policen machst: private Haftpflichtversicherung im Familientarif, Berufsunfähigkeitsversicherung für beide Elternteile zur Sicherung des Familieneinkommens, Risikolebensversicherung zum Schutz der Kinder bei Tod eines Elternteils und natürlich die gesetzlich vorgeschriebene Krankenversicherung.

Prüf auch, was du über deinen Arbeitgeber bekommen kannst, bevor du teure Zusatzversicherungen abschließt. Viele Unternehmen bieten mittlerweile eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) an, die nicht nur dich, sondern oft auch deine Familie mit besseren Leistungen versorgt, ohne dass ihr extra zahlen müsst, was gerade bei Familien mit Kindern eine erhebliche finanzielle Entlastung bedeutet.

Erst wenn diese Basisversicherungen der Eltern stehen, solltest du dich den kinderspezifischen Versicherungen widmen, denn das beste Geschenk für ein Kind ist abgesicherte Eltern.

Private Haftpflichtversicherung im Familientarif

Kinder sind über die Familienhaftpflicht der Eltern mitversichert, solange sie minderjährig sind, zur Schule gehen, sich in der ersten Berufsausbildung befinden oder sich in Wartezeiten zwischen Ausbildungsabschnitten befinden. Der Versicherungsschutz endet, wenn das Kind heiratet oder die erste Ausbildung abschließt und eine eigene Wohnung bezieht.

Besonders wichtig bei Kindern ist die Deliktunfähigkeits-Klausel, weil Kinder unter 7 Jahren rechtlich nicht haftbar gemacht werden können und im Straßenverkehr sogar bis zum 10. Geburtstag deliktunfähig sind. Verursacht ein 5-Jähriger einen Schaden, müssen die Eltern nur haften, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

Der Bund der Versicherten empfiehlt unbedingt einen Tarif, der auch Schäden durch deliktunfähige Kinder abdeckt, mindestens bis 20.000 Euro, wobei viele gute Tarife 50.000 Euro oder mehr bieten. Die Deckungssumme insgesamt sollte mindestens 15 Millionen Euro pauschal betragen.

Wichtig ist, dass in vielen Singletarifen Kinder nicht automatisch mitversichert sind, dafür brauchst du einen Familientarif, weshalb du die Vertragsbedingungen vor der Geburt prüfen und gegebenenfalls umstellen solltest.

Krankenversicherung

In der gesetzlichen Krankenversicherung sind Kinder über die beitragsfreie Familienversicherung mitversichert, vorausgesetzt mindestens ein Elternteil ist gesetzlich versichert, das Kind hat kein eigenes Einkommen über der Geringfügigkeitsgrenze und ist bis 18 Jahre familienversichert, bei Ausbildung oder Studium sogar bis 25 Jahre.

In der privaten Krankenversicherung gibt es dagegen keine beitragsfreie Familienversicherung, jedes Kind braucht einen eigenen Vertrag mit eigenem Beitrag, unabhängig davon, ob ein oder beide Elternteile privat versichert sind, was für Familien schnell richtig teuer werden kann.

Kinderinvaliditätsversicherung

Die Kinderinvaliditätsversicherung wird von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz als eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt bezeichnet, weil in Deutschland rund 200.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit einer Schwerbehinderung leben und dabei Krankheiten in der überwiegenden Mehrheit der Fälle Auslöser sind, während auf Unfälle laut Stiftung Warentest nur ein Bruchteil der Fälle zurückgeht.

Kinder haben keine Ansprüche gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung bei Erwerbsminderung, weshalb ohne Kinderinvaliditätsversicherung bei schwerer Invalidität durch Krankheit keinerlei finanzielle Absicherung besteht. Die Versicherung leistet eine lebenslange monatliche Rente von meist 1.000 Euro oder eine einmalige Kapitalleistung von zum Beispiel 100.000 Euro, wenn das Kind durch Unfall oder Krankheit schwerbehindert wird.

Die empfohlenen Eckdaten sind:

  • Monatliche Rente von mindestens 1.000 Euro
  • Absicherung gegen Invalidität durch Unfall und Krankheit
  • Abschluss ab dem ersten Geburtstag möglich, teilweise ab 6 Wochen nach Geburt
  • Je früher der Abschluss, desto weniger Vorerkrankungen und günstigere Beiträge
  • Ideal ist eine Wechseloption in eine BU ohne Gesundheitsprüfung nach Ablauf

Die Kosten liegen zwischen 100 und 500 Euro pro Jahr je nach Leistungsumfang und sind deutlich teurer als eine reine Unfallversicherung, aber der Schutz ist erheblich umfassender. Bekannte Anbieter sind Barmenia (KISS), CosmosDirekt (Kinderschutz-Plan), ERGO (kidZ), WGV (KIZ), Allianz (KIS) und DEVK (Junior Plus).

Berufsunfähigkeitsversicherung für Kinder

Finanztip empfiehlt den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ab etwa 10 Jahren, weil je jünger und gesünder das Kind ist, desto günstiger sind die Beiträge und desto einfacher die Gesundheitsprüfung. Ein konkretes Beispiel macht das deutlich: Ein 16-jähriger Realschüler bekommt eine BU mit 1.000 Euro Rente ab 37 Euro monatlich, ein 17-jähriger Maurer-Azubi zahlt bereits mindestens 95 Euro monatlich.

Die Vorteile des frühen Abschlusses sind:

  • Niedrigere Beiträge, die oft über Jahre stabil bleiben
  • Bessere Konditionen, weil Kinder meist noch keine Vorerkrankungen haben
  • Spätere Erhöhung der BU-Rente meist ohne neue Gesundheitsprüfung möglich
  • Bei Wechsel der Schulform kann der Schutz angepasst werden
  • Im Kindesalter springt die BU bei dauerhafter Schulunfähigkeit ein

Finanztip sieht die Kinder-BU als sinnvolle Ergänzung, insbesondere wenn das Kind voraussichtlich einen risikoreichen Beruf erlernen wird, weil ein früher Abschluss langfristig erheblich spart.

Zahnzusatzversicherung für Kinder

Laut Robert Koch-Institut braucht jedes vierte Kind eine Zahnspange mit Kosten zwischen 2.500 und 7.500 Euro. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt bei schweren Fehlstellungen (KIG 3–5) die Grundversorgung, bei leichteren Fehlstellungen (KIG 1–2) gar nichts.

Der Abschluss ist ab etwa 3 Jahren sinnvoll, bevor eine Kieferfehlstellung diagnostiziert wird, weil eine bereits diagnostizierte Fehlstellung nachträglich nicht mehr versichert werden kann. Stiftung Warentest Testsieger ist DFV-ZahnSchutz Exklusiv mit Note 0,5 „sehr gut“, die Europa Zahnzusatzversicherung bietet bis zu 2.000 Euro für Kieferorthopädie bei Kosten von etwa 10 bis 25 Euro monatlich je nach Tarif.

Krankenzusatzversicherung für Kinder

Die Krankenzusatzversicherung ergänzt die gesetzliche Krankenversicherung um Leistungen, die sonst selbst bezahlt werden müssen: Brillen und Kontaktlinsen, weil die GKV nur einen kleinen Zuschuss für Gläser zahlt, Naturheilverfahren und Osteopathie, erweiterte Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen sowie Chefarztbehandlung und Einbettzimmer im Krankenhaus.

Die Kosten beginnen ab etwa 15 Euro monatlich als Kombipaket, bei der HUK-COBURG zum Beispiel 15,23 Euro monatlich für Kinder von 0 bis 21 Jahren.

Auslandsreise-Krankenversicherung

Kinder sind in der Regel über die Auslandsreise-Krankenversicherung der Eltern im Familientarif mitversichert, die Kosten beginnen ab etwa 10 Euro pro Jahr für die ganze Familie und sind damit ein absolutes Schnäppchen für den gebotenen Schutz.

Welche Versicherungen brauchen Kinder nicht?

Viele Versicherungen werden speziell für Kinder beworben, sind aber völlig überflüssig oder sogar schädlich, weil sie entweder viel zu teuer sind, kaum Leistung bieten oder nur Risiken absichern, die praktisch nicht relevant sind.

Ausbildungsversicherung

Die Ausbildungsversicherung ist eine teure, unlukrative Kapitallebensversicherung, bei der die hohen Kosten die Rendite auffressen. Der Bund der Versicherten warnt: „Von eingezahlten 100 Euro bleiben oft weniger als 50 Euro zum Sparen.“ Viel besser ist ein ETF-Sparplan oder Minderjährigen-Depot, das deutlich mehr Rendite bringt und flexibler ist.

Kidspolice oder Kinderpolice

Diese fondsgebundenen Rentenversicherungen hat der Bund der Versicherten sogar zum „Versicherungskäse des Jahres“ gekürt, weil die garantierte Altersrente nur 9,53 Euro monatlich beträgt bei 25 Euro monatlichem Beitrag über 58 Jahre. Diese Produkte sind intransparent, haben hohe Kosten und sind völlig unflexibel.

Reine Kinderunfallversicherung

Nur 0,45 Prozent der Schwerbehinderungen bei Kindern sind auf einen Unfall zurückzuführen, weshalb eine reine Kinderunfallversicherung ohne Invaliditätsklausel nahezu wertlosen Schutz bietet. Finanztip rät von reinen Kinderunfallversicherungen ab, weil der Schutz viel zu begrenzt ist.

Kompaktpolicen und Rundum-sorglos-Pakete

Stiftung Warentest nennt diese „ein richtiges Ärgernis“, weil viele Bausteine überflüssig sind und die Deckungssummen dagegen zu niedrig, während du für Leistungen zahlst, die dein Kind gar nicht braucht.

Weitere überflüssige Versicherungen für Kinder:

  • Kapitallebensversicherung für Kinder (niedrige Rendite, hohe Kosten, wenig Flexibilität)
  • Sterbegeldversicherung (teurer Sparvertrag, besser Geld zurücklegen)
  • Handyversicherung (nur Zeitwert, hohe Selbstbeteiligung, viele Ausschlüsse)
  • Schulunfähigkeitsversicherung als Einzelprodukt (KIV bietet deutlich besseren Schutz)

Wichtige Übergänge und Stichtage beachten

Mit dem 18. Geburtstag ändern sich viele Versicherungen, weshalb du vor diesem Stichtag folgende Punkte prüfen solltest: Bei der Haftpflichtversicherung bleibt das Kind meist über den Familientarif versichert, solange es in der ersten Ausbildung ist und nicht zusammenzieht, aber die genauen Bedingungen variieren je nach Anbieter.

Die gesetzliche Krankenversicherung im Familientarif gilt weiter bis 25 bei Ausbildung oder Studium, bei der Hausratversicherung ist das Kind mitversichert, solange es im elterlichen Haushalt lebt, braucht aber bei Auszug eine eigene Police. Beim Führerschein mit 17 solltest du prüfen, ob das Kind als Fahrer im elterlichen Kfz-Vertrag eingeschlossen ist.

Der ideale Übergang von KIV zur BU funktioniert über eine Kinderinvaliditätsversicherung mit Wechseloption in eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung, so ist das Kind durchgängig geschützt, erst gegen Invalidität durch Krankheit oder Unfall, später gegen Berufsunfähigkeit.

Sparen statt versichern ist oft besser

Die Verbraucherzentrale Hamburg und der Bund der Versicherten empfehlen statt teurer Ausbildungs- oder Kinderpolicen einen ETF-Sparplan oder ein Minderjährigen-Depot für langfristigen Vermögensaufbau und ein Tagesgeldkonto für kurzfristiges Sparen.

Ab 2026 gibt es die Frühstart-Rente, bei der der Staat 10 Euro monatlich für die Altersvorsorge von Schulkindern in ein staatlich gefördertes Depot zahlt, was eine viel bessere Alternative zu teuren Versicherungssparprodukten darstellt.

Die Grundregel für Kinderversicherungen ist dieselbe wie für Erwachsene: Versichere nur die großen Risiken, die die Familie finanziell ruinieren könnten, und spare das Geld für kleinere Risiken lieber selbst an. Eine schwere Invalidität des Kindes kann die Familie in den Ruin treiben, ein kaputter Gameboy ist ärgerlich, aber verkraftbar.

Welche Versicherungen hast du für deine Kinder bereits abgeschlossen und welche Fragen sind bei dir noch offen?

Schiffgens Thorsten
Thorsten Schiffgens
Experte für Versicherungen
Über den Autor

Als geschäftsführender Gesellschafter von COVAGO berate ich seit über 20 Jahren Unternehmen und Privatkunden in allen Versicherungsfragen – unabhängig, ganzheitlich und immer am echten Bedarf orientiert. Mir geht es nicht um Produktverkauf, sondern um Lösungen, die wirklich passen. Ob im persönlichen Gespräch oder digital: Partnerschaftliche Beratung auf Augenhöhe ist für mich keine Floskel, sondern Arbeitsweise.

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