„Brauchen wir das wirklich oder will uns wieder jemand was verkaufen?“ Diese Frage stellst du dir zu Recht, wenn das Thema Versicherungen aufkommt, besonders als Familie mit knappem Budget.
Über 2.000 Euro geben deutsche Familien im Schnitt pro Jahr für Versicherungen aus, aber viele sind trotzdem nicht richtig gegen die wirklich gefährlichen Risiken abgesichert.
Welche Versicherungen sind als Familie notwendig?
Als Familie musst du dich gegen Risiken absichern, die euch finanziell ruinieren könnten, während du auf Versicherungen verzichten kannst, die nur kleinere Ärgernisse abdecken.
Die wirklich notwendigen Versicherungen sind die, ohne die ein einziger Schadensfall eure Existenz bedrohen würde oder die gesetzlich vorgeschrieben sind.
Private Haftpflichtversicherung
Die private Haftpflichtversicherung ist für Familien die wichtigste Versicherung überhaupt, weil ein einziger Moment der Unachtsamkeit Millionen kosten kann und du mit deinem gesamten Vermögen haftest. Als Familie mit Kindern ist das Risiko besonders hoch: Kinder können beim Spielen riesige Schäden verursachen, für die du als Elternteil aufkommen musst, auch wenn die Kleinen unter sieben Jahren eigentlich nicht deliktfähig sind.
Ein Familientarif kostet etwa 80 bis 120 Euro im Jahr und versichert alle Familienmitglieder mit einer Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro. Wichtig ist, dass der Tarif auch deliktunfähige Kinder mitversichert, denn auch wenn sie rechtlich nicht haften, können die Eltern trotzdem zur Verantwortung gezogen werden.
Der Familientarif deckt ab:
- Alle im Haushalt lebenden Kinder (auch Stief-, Adoptiv- und Pflegekinder)
- Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner
- Kinder bis zur ersten abgeschlossenen Berufsausbildung
- Sogar Haushalts- und Gartenhilfen sowie Babysitter bei ihrer Tätigkeit
Berufsunfähigkeitsversicherung
Etwa jeder vierte Berufstätige wird vor dem Rentenalter berufsunfähig, meist durch psychische Erkrankungen oder Rückenprobleme, und die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht bei weitem nicht aus, um eine Familie zu versorgen. Als Familie ist das Risiko noch größer, weil nicht nur dein Lebensunterhalt davon abhängt, sondern auch der deiner Kinder.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung sollten idealerweise beide Elternteile haben, nicht nur der Hauptverdiener, weil auch der Partner, der sich hauptsächlich um die Kinder kümmert, im Ernstfall Geld verdienen muss. Je früher du die Versicherung abschließt, desto günstiger wird sie und desto einfacher ist die Gesundheitsprüfung.
Risikolebensversicherung
Wenn du Hauptverdiener bist, ein Haus abbezahlst oder deine Familie auf dein Einkommen angewiesen ist, dann ist die Risikolebensversicherung ein Muss, weil sie deine Hinterbliebenen finanziell absichert, falls dir etwas passiert. Alleinerziehend zu sein gehört zu den größten Armutsrisiken in Deutschland, und unverheiratete Partner haben nicht mal Anspruch auf Witwenrente.
Die Versicherungssumme sollte das Drei- bis Fünffache deines Jahreseinkommens betragen, bei Familien mit kleinen Kindern empfiehlt die Verbraucherzentrale das Vierfache des Jahres-Nettoeinkommens. Die Laufzeit sollte idealerweise bis zu dem Zeitpunkt gehen, an dem die Kinder finanziell auf eigenen Füßen stehen.
Krankenversicherung
Die Krankenversicherung ist zwar gesetzlich vorgeschrieben, aber trotzdem wichtig zu erwähnen, weil Familien hier besondere Möglichkeiten haben. In der gesetzlichen Krankenversicherung können Kinder und nicht berufstätige Ehepartner kostenlos in der Familienversicherung mitversichert werden, was im Vergleich zur privaten Krankenversicherung, wo jedes Kind einen eigenen Beitrag kostet, richtig viel Geld spart.
Prüf auch, was dein Arbeitgeber anbietet, bevor du teure Zusatzversicherungen abschließt. Viele Unternehmen bieten mittlerweile eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) an, die nicht nur dich, sondern oft auch deine Familie mit besseren Leistungen versorgt, ohne dass ihr extra zahlen müsst.
Wohngebäudeversicherung
Sobald du ein Haus besitzt, ist die Wohngebäudeversicherung absolut notwendig, weil ein Brand oder Sturm das Haus völlig zerstören kann und du dann auf den Kosten sitzen bleibst. Die Versicherung deckt Schäden durch Leitungswasser, Feuer, Sturm und Hagel ab, und du solltest unbedingt auch eine Elementarschadenversicherung dazunehmen, die gegen Hochwasser und andere Naturgefahren schützt.
Auslandsreise-Krankenversicherung
Diese Versicherung brauchst du, sobald du mit der Familie Deutschland verlässt, auch bei Reisen innerhalb der EU, weil die gesetzliche Krankenversicherung im Ausland nur Grundleistungen übernimmt und nie den Rücktransport, der schnell mehrere tausend Euro kosten kann. Eine Familien-Auslandsreise-Krankenversicherung gibt es bereits ab etwa 20 Euro pro Jahr und ist damit ein absolutes Schnäppchen für den gebotenen Schutz.
Kinderinvaliditätsversicherung
Die Kinderinvaliditätsversicherung wird oft übersehen, ist aber eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt, weil Kinder keine Ansprüche gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung bei Erwerbsminderung haben. 99 Prozent der Invalidität bei Kindern ist krankheitsbedingt, nicht unfallbedingt, weshalb eine reine Kinderunfallversicherung nicht reicht.
Die monatliche Rente sollte mindestens 1.000 Euro betragen und sowohl Invalidität durch Unfall als auch durch Krankheit absichern. Der Abschluss ist ab dem ersten Geburtstag möglich, manchmal sogar ab sechs Wochen nach der Geburt, und kostet je nach Leistung zwischen 100 und 500 Euro pro Jahr.
Hausratversicherung
Wenn du als Familie viel Geld in Möbel, Elektronik und andere Gegenstände investiert hast, ist eine Hausratversicherung sinnvoll, damit du nach einem Wohnungsbrand oder Einbruch nicht deine Ersparnisse aufbrauchen musst. Familien haben in der Regel deutlich mehr Hausrat als Singles, weshalb der Neukauf nach einem Totalschaden richtig teuer werden kann.
Welche Versicherungen braucht man als Familie nicht?
Viele Versicherungen werden als wichtig verkauft, sind aber völlig überflüssig oder viel zu teuer für den gebotenen Schutz. Der Bund der Versicherten und die Verbraucherzentralen raten von diesen Versicherungen ab, weil sie entweder nur sehr begrenzt schützen oder das Geld anderweitig besser angelegt ist.
Diese Versicherungen sind überflüssig:
- Kapitallebensversicherung (intransparent und teuer, als Altersvorsorge ungeeignet)
- Sterbegeldversicherung (teurer Sparvertrag, einfach Geld zurücklegen ist besser)
- Handyversicherung (hohe Selbstbeteiligung, viele Ausschlüsse)
- Brillenversicherung (Schaden überschaubar, besser sparen)
- Geräteversicherung (zu teuer im Verhältnis, Hausrat deckt oft schon ab)
- Ausbildungsversicherung (schlechte Rendite, ETF-Sparplan ist besser)
- Reisegepäckversicherung (begrenzte Erstattung, viele Ausschlüsse)
Die Grundregel ist einfach: Versichere nur Risiken, die dich finanziell ruinieren könnten, und spare das Geld für alles andere lieber selbst an. Eine gute Faustregel ist, dass der mögliche Schaden mindestens das Zehnfache der jährlichen Versicherungsprämie betragen sollte, damit sich die Versicherung lohnt.
Auch diese sind meist nicht nötig:
- Private Unfallversicherung (nur 2% der Schwerbehinderungen durch Unfall)
- Insassenunfallversicherung (Kfz-Haftpflicht kommt bereits für Mitfahrende auf)
- Krankenhaustagegeldversicherung (für Familien meist überflüssig)
- Glasbruchversicherung (Schäden oft schon über andere Versicherungen gedeckt)
Als Familie solltest du dich auf die wirklich wichtigen Versicherungen konzentrieren und das gesparte Geld lieber für die Zukunft der Kinder anlegen oder in die Altersvorsorge stecken. Eine gute Finanzplanung bedeutet nicht, sich gegen jedes erdenkliche Risiko zu versichern, sondern die Balance zwischen Schutz und Kosten zu finden.
Welche Versicherungen habt ihr als Familie und wie habt ihr entschieden, welche wirklich nötig sind?