„Ein Café ist doch ein entspanntes Geschäft, da kann nicht viel schiefgehen.“
Das ist ein Irrtum, der schon viele Gastronomen in den Ruin getrieben hat.
Ein Café vereint besonders viele Risiken an einem Ort: Kunden halten sich lange auf, es wird mit heißen Getränken, Lebensmitteln und offenen Flammen gearbeitet, teures Equipment steht in der Küche, und bei einer Lebensmittelvergiftung können dutzende Gäste gleichzeitig betroffen sein.
Welcher Versicherungsschutz ist für dein Café wichtig?
Als Café-Betreiber hast du ein besonders breites Risikospektrum, weil du gleichzeitig mit Lebensmitteln hantierst, Gäste bewirtest, teure Technik verwendest und dabei noch für die Sicherheit aller Menschen in deinen Räumen verantwortlich bist. Die IHK Hochrhein-Bodensee empfiehlt jedem Gastronomen daher einen umfassenden, auf die Branche zugeschnittenen Versicherungsschutz.
Die einzige echte gesetzliche Pflicht ist die Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherung bei Mitarbeitern, aber die wirklich wichtigen Versicherungen sind freiwillig und können über Existenz oder Ruin deines Cafés entscheiden.
Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherung
Jeder Gastronomiebetrieb mit Mitarbeitern muss bei der zuständigen Berufsgenossenschaft BGN (Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe) angemeldet sein. Diese Pflichtversicherung deckt Arbeitsunfälle am Arbeitsplatz, Wegeunfälle auf dem Weg zur oder von der Arbeit sowie Berufskrankheiten wie Hauterkrankungen durch häufigen Kontakt mit Reinigungsmitteln ab.
Der Beitrag richtet sich nach der Lohnsumme und der Gefahrklasse des Betriebs, für dich als Inhaber ist die BG-Versicherung freiwillig, aber empfehlenswert, weil sie dich bei Arbeitsunfällen in deinem eigenen Betrieb schützt.
Betriebshaftpflichtversicherung
Die Betriebshaftpflicht ist laut IHK, für-gründer.de, DISH und allen Branchenexperten die wichtigste freiwillige Versicherung für jeden Gastronomiebetrieb. Zwar besteht keine gesetzliche Pflicht, aber ohne sie riskierst du die Existenz deines Unternehmens, weil die Schadensfälle in der Gastronomie besonders teuer werden können.
Typische Schadensfälle im Café mit ihren Kostenrisiken:
| Schadensart | Beispiel | Kostenrisiko |
|---|---|---|
| Personenschaden | Gast rutscht auf nassem Boden aus und bricht sich den Arm | Arztkosten, Schmerzensgeld, Verdienstausfall → schnell fünfstellig |
| Lebensmittelvergiftung | Verdorbene Milch im Kaffee, Salmonellen im Kuchen → mehrere Gäste erkranken | Behandlungskosten aller Betroffenen, Schmerzensgeld, Verdienstausfall → sechsstellig möglich |
| Sachschaden | Mitarbeiter verschüttet Kaffee auf Laptop/Kleidung eines Gastes | Reparatur/Ersatz → hunderte bis tausende Euro |
| Vermögensfolgeschaden | Gast fällt wegen Verletzung im Café beruflich aus | Verdienstausfall → potenziell sehr hoch |
| Mietsachschaden | Wasserschaden in gemieteten Räumlichkeiten | Sanierung → tausende Euro |
| Schlüsselverlust | Mitarbeiter verliert Schlüssel zum Mietobjekt → neue Schließanlage | Mehrere tausend Euro |
Die Betriebshaftpflicht für Cafés deckt ab:
- Personenschäden durch Sturz, Verbrennung oder Lebensmittelvergiftung
- Sachschäden am Eigentum Dritter
- Vermögensfolgeschäden
- Mietsachschäden an gemieteten Räumlichkeiten
- Garderobe und Gäste-Pkw bei Bewachungshaftung
- Gewässerschadenhaftpflicht bei Öl- oder Fettabscheider
- Passiven Rechtsschutz zur Abwehr unberechtigter Forderungen
- Schäden durch Mitarbeiter im Rahmen der Betriebstätigkeit
- Grobe Fahrlässigkeit, die unbedingt eingeschlossen sein sollte
Die empfohlene Deckungssumme liegt bei mindestens 5 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden, besser sind 10 Millionen Euro, für Mietsachschäden sollten 500.000 bis 1 Million Euro versichert sein. Die Kosten beginnen ab etwa 84 Euro jährlich im Basistarif für kleine Cafés bis etwa 50.000 Euro Umsatz.
Geschäftsinhaltsversicherung
Die Inhaltsversicherung deckt das gesamte bewegliche Betriebsinventar deines Cafés ab: Küchen- und Barausstattung wie Kaffeemaschinen, Backöfen, Kühlschränke, Spülmaschinen und Mixer, sämtliches Mobiliar wie Tische, Stühle, Theke und Dekoration, Kassensystem und IT wie Computer und Buchungssoftware, alle Vorräte und Waren wie Kaffee, Milch, Kuchen, Getränke und Einwegmaterial sowie wertvolle Einzelgegenstände wie eine hochwertige Espressomaschine, die schnell 5.000 bis 20.000 Euro kostet.
Versicherte Gefahren sind:
- Feuer, Blitzschlag, Explosion, weil der Küchenbrand laut Foodsurance das größte Einzelrisiko in der Gastronomie ist
- Leitungswasser durch Rohrbruch oder Rückstau
- Sturm und Hagel
- Einbruchdiebstahl und Vandalismus
- Optional Elementarschäden wie Hochwasser oder Starkregen
Die IHK Hochrhein-Bodensee empfiehlt die Feuerversicherung innerhalb der Betriebsversicherung als „unbedingt empfehlenswert“, weil Fettbrand, Kurzschluss oder ein defektes Gerät innerhalb von Minuten das gesamte Inventar zerstören können.
Betriebsunterbrechungsversicherung
Wenn nach einem Brand, Wasserschaden oder behördlich angeordneter Schließung das Café wochen- oder monatelang geschlossen bleiben muss, laufen alle Kosten wie Miete, Personalkosten, Leasingraten für Kaffeemaschine und Küchengeräte, Versicherungsbeiträge und Kreditraten weiter, aber die Einnahmen fehlen komplett.
Die Betriebsunterbrechungsversicherung gleicht diesen Ertragsausfall aus, indem sie den entgangenen Gewinn und alle laufenden Fixkosten übernimmt. Die IHK betont: „Je nach Personalstärke und Höhe der laufenden Kosten ist diese Versicherung durchaus zu empfehlen.“
Es gibt verschiedene Varianten: die kleine Betriebsunterbrechung als Zusatzbaustein zur Inhaltsversicherung mit denselben Gefahren wie Feuer, Wasser, Sturm und Einbruch oder die große Betriebsunterbrechung als eigenständige Police mit erweitertem Schutz.
Betriebsschließungsversicherung
Die Betriebsschließungsversicherung ist die Lehre aus Corona und greift, wenn das Café auf behördliche Anordnung geschlossen werden muss, was passieren kann bei meldepflichtigen Krankheiten im Betrieb wie Salmonellen, Norovirus oder Hepatitis A, bei Gesundheitsamt-Anordnung nach Hygienemängeln oder bei Seuchenschutzmaßnahmen.
Die Versicherung erstattet den entgangenen Gewinn, übernimmt laufende Fixkosten und zahlt Verderb-Entschädigung für verderbliche Waren. Nach den Erfahrungen aus der Corona-Pandemie haben allerdings viele Versicherer die Bedingungen verschärft, und Pandemien sind in vielen neuen Tarifen explizit ausgeschlossen, weshalb bestehende Tarife genau geprüft werden sollten.
Persönliche Absicherung des Café-Inhabers
Als selbstständiger Café-Betreiber musst du dich auch persönlich absichern, weil du keinen Arbeitgeber hast, der bei Krankheit, Unfall oder Berufsunfähigkeit für dich einspringt. Die Krankenversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben, wobei du als Selbstständiger wählen kannst, ob du dich freiwillig gesetzlich oder privat krankenversicherst.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist unverzichtbar, weil körperliche Arbeit mit ständigem Stehen, Tragen und Hitze ein hohes BU-Risiko bedeutet und die Arbeitskraft dein wichtigstes Kapital ist. Das Krankentagegeld ist sehr wichtig, weil du als Selbstständiger keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung hast und längere Ausfälle schnell existenzbedrohend werden.
Eine private Unfallversicherung ergänzt die freiwillige BG-Versicherung für dich als Inhaber, eine Risikolebensversicherung ist unverzichtbar bei Geschäftskredit oder Familie, und für die private Altersvorsorge sind Rürup-Rente oder ETF-Sparplan deutlich besser geeignet als die gesetzliche Rentenversicherung allein.
Prüf auch, was du für deine Mitarbeiter anbieten kannst, denn eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist nicht nur ein attraktiver Benefit zur Mitarbeitergewinnung in einer Branche mit hoher Fluktuation, sondern auch steuerlich als Sachbezug bis 50 Euro monatlich absetzbar und kann den entscheidenden Unterschied bei der Personalsuche machen.
Weitere empfehlenswerte Versicherungen
Die Gewerbe-Rechtsschutzversicherung gehört laut Lightspeed zu den drei unverzichtbaren Versicherungen für Gastronomen, weil typische Streitfälle in arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern, Streit mit dem Vermieter über Gewerberäume, Streit mit Lieferanten, Ordnungswidrigkeiten oder steuerrechtlichen Auseinandersetzungen schnell teuer werden können.
Bei Eigentum am Gebäude ist eine Wohngebäudeversicherung mit Elementarschutz unverzichtbar, bei gemieteten Räumen ist dies Sache des Vermieters und die Kosten werden über die Nebenkosten umgelegt. Richtet das Café regelmäßig größere Veranstaltungen aus, sollte vorab geprüft werden, ob diese über die Betriebshaftpflicht abgedeckt sind oder eine separate Veranstalterhaftpflicht nötig ist.
Weitere situationsabhängige Versicherungen:
- Cyberversicherung bei digitaler Kundenverwaltung, Online-Bestellsystem und bargeldlosem Bezahlen
- Elektronikversicherung für teure elektronische Geräte wie Kassensystem oder Kaffeevollautomat auch gegen Bedienungsfehler und Kurzschluss
Welche Versicherungen brauchen Cafés nicht?
Viele Versicherungen werden speziell an Gastronomen verkauft, sind aber völlig überflüssig oder sogar schädlich, weil sie entweder bereits durch andere Versicherungen abgedeckt sind oder viel zu teuer für den gebotenen Schutz sind.
Separate Glasversicherung
Glasschäden an der Ladenfront sind über die Gebäudeversicherung des Vermieters abgedeckt, Glasschäden am Inventar über die Inhaltsversicherung, weshalb eine separate Glasversicherung nur doppelte Kosten verursacht.
Kapitallebensversicherung als Altersvorsorge
Die Kapitallebensversicherung als Altersvorsorge hat hohe Kosten und niedrige Rendite, weshalb Rürup oder ETF-Sparplan für Selbstständige deutlich besser geeignet sind und mehr für deine Zukunft bringen.
Restschuldversicherung bei Geschäftskredit
Die Restschuldversicherung bei Geschäftskrediten ist extrem teuer und lässt sich viel günstiger durch eine Risikolebensversicherung plus Berufsunfähigkeitsversicherung abdecken, die besseren Schutz bietet.
Weitere überflüssige Versicherungen:
- Transportversicherung ohne Lieferservice, nur nötig bei regelmäßigem Warentransport oder Catering
- Maschinenversicherung bei bestehender Elektronikpolice, weil das Doppelversicherung bedeutet
- D&O-Versicherung bei Einzelunternehmen oder GbR, nur nötig bei GmbH/UG mit Fremdgeschäftsführer
- Überdimensionierte Pakete, bei denen viele Bausteine nicht zur Geschäftstätigkeit passen
Zum Schluss: Wichtige Tipps für Café-Betreiber
Schließe die Betriebshaftpflicht sofort ab, noch vor der Eröffnung, weil bei einer Lebensmittelvergiftung mit mehreren Betroffenen die Kosten sechsstellig werden können.
Die Feuerversicherung ist Pflichtprogramm und wird von der IHK als „unbedingt empfehlenswert“ eingestuft, weil Küchenbrand das häufigste Großschadensereignis in der Gastronomie ist.
Die Betriebsschließung solltest du nicht vergessen, weil eine behördliche Schließung wegen Hygienemängeln oder Infektionskrankheiten jederzeit passieren kann und ohne Versicherung alle Kosten weiterlaufen bei null Einnahmen.
Weitere wichtige Punkte:
- Versicherungssumme der Inhaltsversicherung realistisch kalkulieren, weil Gastronomie-Equipment teuer ist
- Alle Versicherungen sind Betriebsausgaben und mindern den steuerlichen Gewinn
- Regelmäßig überprüfen bei neuen Geräten, Terrassenerweiterung oder zusätzlichem Lieferservice
- Vermieter-Gebäudeversicherung in den Nebenkosten prüfen, diese sollte auch Elementarschäden einschließen
Die Grundregel für Café-Betreiber ist dieselbe wie für alle anderen Gewerbetreibenden: Versichere die großen Risiken, die dich finanziell ruinieren können, und spare das Geld für kleinere Ärgernisse lieber selbst an. Eine Lebensmittelvergiftung mit Gerichtsverfahren oder ein Küchenbrand kann dein Café vernichten, eine kaputte Kaffeemaschine ist ärgerlich, aber verkraftbar.
Welche Versicherungen hast du für dein Café bereits abgeschlossen und wo siehst du noch die größten Risiken für deinen Betrieb?