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Was ist eine Restkostenversicherung für Beamte?

Als Beamter trägst du einen Teil deiner Krankheitskosten selbst. Nicht weil das System so unpraktisch wäre, sondern weil es genau so gedacht ist: Die Beihilfe deines Dienstherrn übernimmt einen festgelegten Anteil, und eine private Krankenversicherung deckt den Rest. Diese PKV nennt sich Restkostenversicherung.

Was ist eine Restkostenversicherung für Beamte?

Eine Restkostenversicherung, oft auch Beihilfeergänzungstarif genannt, ist eine private Krankenversicherung, die nur den Anteil absichert, den die Beihilfe deines Dienstherrn nicht übernimmt. Als Beamter bekommst du Beihilfe auf anerkannte Krankheitskosten, je nach Bundesland und Familiensituation zwischen 50 und 90 Prozent. Die Restkostenversicherung deckt die übrigen Prozent.

Das ist der grundlegende Unterschied zu einer normalen PKV-Vollversicherung: Ein Angestellter ohne Beihilfe braucht einen Tarif, der 100 Prozent seiner Kosten trägt. Du als Beamter brauchst nur die Lücke zu füllen. Mit 50 Prozent Beihilfe schließt du einen 50-Prozent-Tarif ab, mit 70 Prozent Beihilfe einen 30-Prozent-Tarif. Das hält die Beiträge deutlich niedriger.

Wie hängen Beihilfe und Restkostenversicherung zusammen?

Stell dir eine Arztrechnung über 1.000 Euro vor. Als Beamter ohne Kinder liegt dein Beihilfesatz in den meisten Bundesländern bei 50 Prozent. Dein Dienstherr erstattet also 500 Euro direkt. Die Restkostenversicherung übernimmt die anderen 500 Euro. Du selbst zahlst nichts aus eigener Tasche.

Beihilfe und Restkostenversicherung müssen zusammen immer 100 Prozent der beihilfefähigen Aufwendungen abdecken. Das ist keine Empfehlung, sondern das Grundprinzip des Systems. Wichtig dabei: Die Beihilfe erkennt nicht alle Kosten an. Wenn ein Arzt über dem 3,5-fachen GOÄ-Satz abrechnet, deckt die Beihilfe den darüber liegenden Teil nicht. Genau dafür braucht es einen sogenannten Beihilfeergänzungstarif, der diese Lücke schließt.

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Wie hoch ist dein Beihilfesatz?

Der Beihilfesatz hängt von deinem Bundesland, deiner Lebenssituation und deinem Beamtenstatus ab. Das ist keine einheitliche Regelung, sondern jedes Bundesland hat seine eigene Beihilfeverordnung.

In den meisten Bundesländern gilt für aktive Beamte als Ausgangspunkt 50 Prozent. Sobald du Angehörige hast, die bei der Beihilfe berücksichtigungsfähig sind, ändert sich das. Schauen wir uns die häufigsten Konstellationen an:

SituationBeihilfesatz ambulantPKV-Anteil (Restkostenanteil)
Aktiver Beamter, ledig, keine Kinder50 %50 %
Aktiver Beamter, verheiratet, ein Kind70 %30 %
Aktiver Beamter, verheiratet, zwei Kinder70 %30 %
Beamtenanwärter70 % ambulant30 %
Versorgungsempfänger, ledig70 %30 %
Sachsen, Beamter mit zwei oder mehr Kindern90 %10 %

In Hessen funktioniert das System anders als in den meisten anderen Bundesländern. Dort steigt der Beihilfesatz für jeden berücksichtigungsfähigen Angehörigen um je 5 Prozentpunkte, ausgehend von 50 Prozent. Ein hessischer Beamter mit Ehepartner und einem Kind kommt also auf 60 Prozent, mit zwei Kindern auf 65 Prozent. Sachsen ist bundesweit der Ausreißer nach oben: Seit Januar 2024 erhalten Beamte mit mindestens zwei Kindern und ihre Angehörigen 90 Prozent Beihilfe.

Bei stationären Behandlungen liegt der Satz in vielen Bundesländern höher als bei ambulanten. In Hessen beispielsweise immer 15 Prozentpunkte mehr.

Was kostet eine Restkostenversicherung?

Das hängt davon ab, wie viel die PKV absichern muss. Wer 70 Prozent Beihilfe hat, zahlt für einen 30-Prozent-Tarif erheblich weniger als jemand mit 50 Prozent Beihilfe und einem 50-Prozent-Tarif. Dazu kommen Eintrittsalter, Gesundheitszustand und der gewählte Leistungsumfang.

Als grobe Orientierung für junge, gesunde Beamtenanwärter liegen die Beiträge im Anwärtertarif typischerweise zwischen 100 und 120 Euro im Monat. Für einen 26-jährigen vollverbeamteten Lehrer ohne Vorerkrankungen in NRW mit 50-Prozent-Tarif, Einbettzimmer und Chefarzt lagen die Marktbeiträge im April 2026 zwischen 302 und 444 Euro je nach Anbieter. Mit steigendem Beihilfesatz durch Kinder und Familie sinkt der PKV-Anteil und damit der Beitrag deutlich.

Was deckt eine Restkostenversicherung ab?

Eine Restkostenversicherung deckt den Prozentanteil der Kosten, den die Beihilfe nicht übernimmt. Für alle Leistungsbereiche, die die Beihilfe grundsätzlich anerkennt, trägt die PKV ihren Restkostenanteil. Die wichtigsten Bereiche:

  • Ambulante Arztbesuche nach GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte)
  • Stationäre Krankenhausaufenthalte inklusive Operationen
  • Zahnbehandlungen und Zahnersatz nach GOZ
  • Heilmittel wie Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie
  • Arznei- und Verbandmittel auf Rezept
  • Hilfsmittel wie Brillen, Hörgeräte und orthopädische Einlagen

Was viele unterschätzen: Die Beihilfe erstattet ärztliche Leistungen nur bis zum 3,5-fachen GOÄ-Satz. Viele Fachärzte, Spezialisten und Privatkliniken rechnen darüber hinaus ab. Genau dafür braucht es einen Beihilfeergänzungstarif als zusätzlichen Baustein. Ohne ihn zahlt man bei solchen Rechnungen die Differenz selbst, und das können im Einzelfall mehrere Hundert bis über tausend Euro sein.

Was ist ein Beihilfeergänzungstarif?

Ein Beihilfeergänzungstarif ist ein separater Baustein, der Kosten abdeckt, die weder die Beihilfe noch der Restkostentarif erstattet. Dazu gehören ärztliche Liquidationen über dem 3,5-fachen GOÄ-Satz, Wahlleistungen im Krankenhaus in Bundesländern mit besonderen Regelungen sowie weitere Lücken zwischen dem, was die Beihilfe als beihilfefähig anerkennt, und dem, was Ärzte tatsächlich berechnen.

In der Praxis bezeichnen viele PKV-Anbieter ihren Beihilfetarif als Kombination aus Restkostentarif und Beihilfeergänzungstarif in einem. Andere bieten beides als separate Bausteine an. Wer einen seriösen Tarif abschließt, sollte darauf achten, dass dieser Ergänzungsschutz enthalten ist, denn ohne ihn entstehen im Alltag regelmäßig ungedeckte Lücken.

Wie passt sich die Restkostenversicherung an, wenn sich der Beihilfesatz ändert?

Der Beihilfesatz ändert sich im Laufe einer Beamtenkarriere mehrfach. Die häufigsten Auslöser sind:

  • Verbeamtung auf Probe oder Lebenszeit (Anwärtertarif läuft aus)
  • Heirat mit einem berücksichtigungsfähigen Ehepartner
  • Geburt von Kindern, besonders das zweite Kind
  • Eintritt in die Pension (Satz steigt in den meisten Bundesländern auf 70 Prozent)
  • Wegfall von Angehörigen aus der Beihilfe, etwa wenn Kinder 25 werden

Jedes Mal ändert sich, wie viel Prozent die PKV noch abdecken muss.

Das ist ein entscheidender Grund, warum eine modulare Tarifarchitektur so viel sinnvoller ist als ein monolithischer Tarif. Wer heute einen 50-Prozent-Tarif hat und nach der Geburt des zweiten Kindes auf 70 Prozent Beihilfe kommt, braucht nur noch einen 30-Prozent-Tarif. Bei einem modularen Aufbau aus einem 30-Prozent- und einem 20-Prozent-Baustein lässt sich der 20-Prozent-Baustein einfach abschalten. Kein neues Eintrittsdatum, keine neue Gesundheitsprüfung.

Wer dagegen einen monolithischen 50-Prozent-Block hat, muss den gesamten Tarif wechseln. Das bedeutet ein neues Eintrittsdatum mit höherem Beitrag. Dieser Unterschied summiert sich über Jahrzehnte auf erhebliche Summen.

Alle Tarifanpassungen bei Beihilfesatzänderungen müssen innerhalb von sechs Monaten nach dem auslösenden Ereignis beantragt werden. Wer diese Frist einhält, hat Anspruch auf die Umstellung ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Welche Fehler passieren bei der Restkostenversicherung häufig?

Aus der Beratungspraxis begegnen mir immer wieder dieselben vermeidbaren Fehler. Die meisten davon sind im Nachhinein teuer oder gar nicht mehr korrigierbar:

  • Günstigster Einstiegsbeitrag statt Beitragshistorie: Ein Tarif mit 189 Euro heute, der jährlich fünf Prozent steigt, kostet nach fünfzehn Jahren knapp 400 Euro. Ein Tarif mit 214 Euro und nur zwei Prozent jährlicher Steigerung kostet dann 310 Euro. Über dreißig Jahre summiert sich der Unterschied auf fünfstellige Beträge.
  • Kein Beihilfeergänzungstarif: Wer diesen Baustein weglässt, spart anfangs 20 bis 40 Euro im Monat und zahlt bei Facharztrechnungen über dem 3,5-fachen GOÄ-Satz mehrfach pro Jahr drauf.
  • Öffnungsaktion verpasst: Wer den Antrag nicht innerhalb von sechs Monaten nach der Verbeamtung stellt, verliert die Aufnahmegarantie mit maximal 30 Prozent Risikozuschlag. Danach gilt die reguläre Gesundheitsprüfung ohne Garantien.
  • Monolithischer Tarif statt Bausteinlösung: Bei jeder Beihilfesatzänderung ist ein kompletter Tarifwechsel nötig, neues Eintrittsdatum inklusive.

Wenn du wissen möchtest, welcher Tarif zu deiner Situation passt und wie sich die Beiträge bis in die Pension entwickeln, vereinbare ein unverbindliches Beratungsgespräch. 

Wir schauen uns gemeinsam deine Familiensituation, deinen Beihilfesatz und die Tarifarchitektur an, damit du langfristig gut aufgestellt bist.

Lutz Gottschlich
Experte für Versicherungen
Über den Autor
Lutz Gottschlich ist Sales Expert und Teamleiter Arbeitskraftsicherung bei der COVAGO Versicherungsmakler GmbH. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der Beratung zu Berufsunfähigkeit, Lebens- und Krankenversicherung ist er interner Ansprechpartner für Kollegen und Kunden gleichermaßen. Bekannt ist er für seine ruhige, unaufgeregte Art und die Fähigkeit, auch komplexe Versicherungsthemen verständlich auf den Punkt zu bringen.
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