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Warum lohnt sich das Altersvorsorgedepot gerade ab 55 Jahren?

Thorsten Schiffgens
Thorsten Schiffgens
Zuletzt aktualisiert: 30. Sep. 2026

Mit 55 noch in die geförderte Altersvorsorge einsteigen, das klingt für viele nach einem Zug, der schon abgefahren ist. Das ist er nicht. Wer mit 55 startet und mit 67 in Rente geht, hat zwölf Jahre Ansparzeit vor sich. Wer die Auszahlung auf 70 verschiebt, kommt sogar auf 15 Jahre. In dieser Zeit arbeiten staatliche Zulagen, mögliche Steuervorteile und Zinseszins gleichzeitig.

Eines vorab: Wer mit 25 anfängt, baut bei gleicher Sparrate absolut deutlich mehr Vermögen auf. Der Zinseszinseffekt braucht Zeit. Richtig ist aber auch: Die staatliche Zulage fließt unabhängig vom Alter. Und wegen der kürzeren Laufzeit macht die Zulage einen größeren prozentualen Anteil des aufgebauten Kapitals aus als bei einem 30-jährigen Sparer. Genau das ist der besondere Charakter des Späteinstiegs.

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027. Neuabschlüsse sind vorher nicht möglich.
  • Mit 55 bleiben 12 bis 15 Ansparjahre, je nach Auszahlungsbeginn zwischen 65 und 70.
  • Die Grundzulage ist altersunabhängig: bis zu 540 Euro jährlich auf 1.800 Euro Eigenbeitrag.
  • Die Zulage macht bei kurzer Laufzeit einen größeren relativen Anteil am Endkapital aus als bei langer Laufzeit.
  • Auf Kursgewinne und Erträge fällt in der Ansparphase keine Steuer an, keine Vorabpauschale, kein Kapitalertragsteuerabzug.
  • Wer Geld vor 65 bis 70 brauchen könnte, für den gehört das Altersvorsorgedepot nicht in die Planung.
  • Ein bestehender Riester-Vertrag sollte nicht allein wegen der neuen Produktwelt aufgegeben werden.

Was läuft im Altersvorsorgedepot mit 55 anders als mit 30?

Der größte Unterschied ist nicht die Förderung, sondern die Zeit. Wer 30 Jahre spart, lässt Zinseszins auf Zinseszins aufbauen. Wer 12 Jahre spart, hat diesen Hebel schwächer. Die Förderung dagegen ist dieselbe, und gerade deshalb fällt sie relativ stärker ins Gewicht. Vier Faktoren wirken beim Einstieg mit 55 gleichzeitig:

  • Sofortige, altersunabhängige Grundzulage: 50 Cent je Euro auf die ersten 360 Euro, 25 Cent auf weitere bis 1.800 Euro, maximal 540 Euro. Das gilt mit 55 genauso wie mit 30. Wer Kinder mit Kindergeldanspruch hat, bekommt bis zu 300 Euro je Kind zusätzlich.
  • Steuerstundung in der Ansparphase: Statt jährlicher Abgeltungssteuer und Vorabpauschale bleiben diese Beträge im Depot investiert. Versteuert wird erst in der Auszahlungsphase mit dem dann geltenden Satz.
  • Sonderausgabenabzug über die Günstigerprüfung: Für Menschen mit noch hohem Grenzsteuersatz im Erwerbsleben kann das einen relevanten Vorteil bringen.
  • Kürzere Kapitalbindung: Mit 67 sind es zwölf Jahre Bindung statt Jahrzehnten. Trotzdem gilt: Eine vorzeitige Entnahme ist in der Regel förderschädlich.

Wie hoch ist die staatliche Grundzulage beim Altersvorsorgedepot ab 55?

Die Grundzulage hängt ausschließlich vom Eigenbeitrag ab, nicht vom Alter. Ein 55-Jähriger bekommt auf denselben Eigenbeitrag genau dieselbe Zulage wie ein 30-Jähriger. Diese Übersicht zeigt, was jährlich ins Depot fließt und welchen Anteil die Zulage am Gesamtzufluss ausmacht:

Eigenbeitrag pro JahrGrundzulageZufluss ins DepotZulage bezogen auf Eigenbeitrag
120 Euro60 Euro180 Euro50 %
360 Euro180 Euro540 Euro50 %
1.200 Euro390 Euro1.590 Euro32,5 %
1.800 Euro540 Euro2.340 Euro30 %

Wer 360 Euro oder weniger im Jahr einzahlt, bekommt immer 50 Prozent obendrauf, das ist die höchste marginale Förderquote. Für Späteinsteiger, die nicht viel einzahlen wollen, ist der Einstiegsbetrag von 30 Euro monatlich am effizientesten. Wichtig: Die Förderquote ist kein Renditeversprechen. Auf alle späteren Leistungen fällt Einkommensteuer an, Kosten und Kursschwankungen mindern das Ergebnis. Was am Ende netto zusammenkommt, zeigt der Altersvorsorgedepot-Förderrechner für Deine Sparrate.

Fallbeispiel: 55 Jahre, volle Grundzulage

Einstieg mit 55, Auszahlung mit 67, zwölf Beitragsjahre, 1.800 Euro Eigenbeitrag jährlich, 540 Euro Grundzulage, 3 Prozent modellierte Nettorendite:

PositionBetrag
Eigener Beitrag pro Jahr1.800 Euro
Grundzulage pro Jahr540 Euro
Eigene Beiträge in zwölf Jahren21.600 Euro
Grundzulagen in zwölf Jahren6.480 Euro
Modelliertes Kapital mit 67rund 33.209 Euro

Ohne Rendite lägen nach zwölf Jahren 28.080 Euro im Vertrag, davon 6.480 Euro aus Zulagen. Bei 3 Prozent modellierter Nettorendite steigt das auf rund 33.209 Euro. Steuern in der Auszahlungsphase sind darin noch nicht abgezogen.

Mit 55 ist es nicht zu spät, aber es ist auch kein Selbstläufer. Der Zinseszins fehlt, dafür wiegt die sofortige Zulage schwerer. Wer sauber rechnet und die Liquidität außerhalb sichert, für den ist das Depot auch spät noch ein ernsthaftes Instrument.

Thorsten Schiffgens, COVAGO
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Wann lohnt sich das Altersvorsorgedepot ab 55 und wann nicht?

Kein einzelner Punkt reicht allein für ein Urteil, aber wer die Mehrheit auf sich zutreffen sieht, hat gute Voraussetzungen. Das Depot passt mit 55 gut, wenn:

  • Zulagenberechtigung besteht und mindestens 120 Euro jährlich dauerhaft eingezahlt werden können
  • Das Geld vor 65 bis 70 voraussichtlich nicht gebraucht wird
  • Eine ausreichende liquide Reserve außerhalb des Depots besteht
  • Kursschwankungen akzeptiert oder durch eine defensivere Fondsauswahl begrenzt werden
  • Die Produktkosten niedrig und transparent ausgewiesen sind
  • Ein heutiger Steuervorteil realistisch ist, insbesondere bei noch hohem Grenzsteuersatz

Eher nicht oder nur als kleiner Baustein passt es, wenn das Geld vor 65 gebraucht werden könnte, keine Notfallreserve außerhalb besteht, Kursverluste kurz vor der Rente nicht tragbar wären, hohe Kosten die Förderung aufzehren oder ein bestehender Riester-Vertrag starke Garantien bietet. Welche Effektivkosten die künftigen Anbieter ausweisen, ordnet der Anbieter-Vergleich zum Altersvorsorgedepot ein.

Was passiert mit einem bestehenden Riester-Vertrag, wenn Du ab 55 wechselst?

Wer mit 55 über das Altersvorsorgedepot nachdenkt und einen Riester-Vertrag hat, sollte beides strikt trennen. Ein Altvertrag ist kein automatischer Wechselkandidat. Diese Merkmale können ihn weiterhin wertvoll machen: bereits bezahlte Abschlusskosten, eine hohe garantierte Rente oder ein günstiger Rentenfaktor, eine vollständige Beitragserhaltungsgarantie, hohe Kinderzulagen bei sehr niedrigem Eigenbeitrag. Vor einem Wechsel müssen Vertragsguthaben, garantierte Leistung, Rentenfaktor, Effektivkosten, Übertragungswert und steuerliche Folgen gegenübergestellt werden. Ob sich ein Wechsel rechnet, hängt am konkreten Altvertrag, die grundsätzliche Entscheidung erklärt der Beitrag Altersvorsorgedepot oder Riester-Rente.

Erst die Rentenlücke, dann der Vertrag

Wer mit 55 seriös prüfen will, ermittelt zuerst die eigene Rentenlücke aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Vorsorge und Vermögen, sichert dann eine ausreichende Liquiditätsreserve und bespart das Altersvorsorgedepot erst danach. Die Aktienquote gehört nicht nach maximaler historischer Rendite gewählt, sondern nach Restlaufzeit und Verlusttragfähigkeit, mit der Option, den Auszahlungsbeginn bei Bedarf bis 70 zu verschieben.

Häufige Fragen

Ist es mit 55 nicht zu spät für die geförderte Altersvorsorge?

Nein. Zwölf bis fünfzehn Jahre Ansparzeit reichen, damit Zulagen, Steuerstundung und Zinseszins wirken. Absolut baust Du weniger auf als ein Früheinsteiger, aber die sofortige Zulage wiegt bei kurzer Laufzeit relativ schwerer.

Bekomme ich mit 55 weniger Zulage als ein 30-Jähriger?

Nein. Die Grundzulage hängt nur vom Eigenbeitrag ab, nicht vom Alter. Auf denselben Beitrag fließt dieselbe Zulage, bis zu 540 Euro im Jahr plus bis zu 300 Euro je Kind.

Kann ich das Geld im Notfall vor 65 entnehmen?

In der Regel nicht ohne Nachteil. Eine vorzeitige Entnahme des geförderten Kapitals ist förderschädlich und führt zur Rückzahlung erhaltener Zulagen und Steuervorteile. Deshalb gehört ein Notgroschen außerhalb des Depots, zum Beispiel auf ein Tagesgeldkonto oder in ein freies ETF-Depot.

Lohnt sich das Depot noch, wenn ich in fünf Jahren in Rente gehe?

Bei sehr kurzer Restlaufzeit sinkt der Zinseszinsvorteil, und Kursverluste kurz vor der Auszahlung lassen sich kaum ausgleichen. Dann sollte die Aktienquote defensiv sein oder der Auszahlungsbeginn nach hinten verschoben werden. Die reine Zulage bleibt aber auch dann ein Vorteil.

Weißt Du, wie hoch Deine monatliche Rentenlücke nach heutigem Stand tatsächlich ist, und hast Du dabei Kapitalerträge, betriebliche Rente und Mieteinnahmen eingerechnet?

Thorsten Schiffgens
Thorsten Schiffgens
Geschäftsführer

Thorsten Schiffgens ist Geschäftsführer und Mitgründer von COVAGO und unser Experte für Managerhaftung, D&O und Cyberversicherung. Er sichert Unternehmen und ihre Geschäftsführer gegen finanzielle Schäden und digitale Risiken ab und begleitet sie von der Analyse bis zum passenden Vertrag.

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