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Spezieller Medizinertarif oder normaler PKV-Tarif als Medizinstudent?

Du stehst vor der PKV-Entscheidung im Medizinstudium und fragst dich, ob du einen speziellen Medizinertarif oder einen normalen Hochleistungstarif wählen sollst? Die Unterschiede sind größer als du denkst.

Spezielle Medizinertarife locken mit günstigen Ausbildungskonditionen, können aber später zu teuren Überraschungen führen. Normale Hochleistungstarife kosten mehr, bieten dafür aber oft solidere Langzeitperspektiven.

Die Entscheidung prägt nicht nur dein Studium, sondern deine gesamte Arztlaufbahn – und lässt sich später nur schwer korrigieren.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Spezielle Medizinertarife sind im Studium 50-150 Euro günstiger als Normaltarife
  • Ausbildungstarife beinhalten oft automatische Umstellung auf Ärztetarife ohne Gesundheitsprüfung
  • Normale Hochleistungstarife bieten vollständige Bedingungen ohne Berufsgruppen-Sonderlogik
  • Billigtarife können in wichtigen Bereichen schlechter sein als die GKV
  • Medizinertarife bergen Risiko von Beitragssprüngen bei Tarifwechsel
  • Normale Tarife sind transparenter und langfristig planbarer

Was sind spezielle Medizinertarife für Studenten?

Spezielle Medizinertarife sind PKV-Produkte, die ausschließlich für Medizinstudenten und Ärzte in Ausbildung entwickelt wurden. Sie unterscheiden sich fundamental von normalen PKV-Tarifen durch ihre Zielgruppen-spezifische Ausrichtung und besonderen Konditionen.

Welche Versicherer bieten Medizinertarife an?

Die meisten großen PKV-Anbieter haben eigene Medizinerlinien entwickelt, die sich an angehende Ärzte richten. Diese Tarife tragen oft spezielle Namen und Bezeichnungen, die ihre Zielgruppe klar erkennbar machen.

Die wichtigsten Anbieter mit Medizinertarifen umfassen folgende Versicherer:

  • Allianz mit MedizinerPlus-Tarifen speziell für Ausbildung und Arztpraxis
  • Continentale mit COMFORT-MED und PREMIUM-MED für verschiedene Karrierestufen
  • Inter mit JAZ-Tarifen (Jung-Arzt-Zusatz) für Studium und Weiterbildung
  • Barmenia mit VHV-Ausbildungstarifen für Medizinstudenten
  • AXA mit spezialisierten Ärztetarifen und Ausbildungskonditionen

Diese Tarife sind nicht einfach umbenannte Normaltarife, sondern eigenständige Produktlinien mit spezieller Kalkulation und Zielgruppenausrichtung.

Wie funktioniert das Ausbildungskonzept?

Das Grundprinzip spezieller Medizinertarife basiert auf der Lebensphasen-Orientierung angehender Ärzte. Die Versicherer kalkulieren bewusst mit der späteren Einkommensentwicklung und den veränderten Risikostrukturen der Zielgruppe.

Typische Merkmale des Ausbildungskonzepts sind deutlich reduzierte Beiträge während Studium und Weiterbildungszeit, automatische Umstellungsoptionen in reguläre Ärztetarife ohne neue Gesundheitsprüfung sowie oft bereits eingebaute Zusatzbausteine wie Krankentagegeld oder Praxisausfallversicherung.

Viele Tarife funktionieren als „Durchlaufposten“ – du zahlst zunächst wenig, wechselst aber automatisch in teurere Ärztetarife, sobald du den Beruf ausübst oder bestimmte Altersgrenzen erreichst.

Was sind die Vor- und Nachteile von Medizinertarifen für Studenten?

Medizinertarife haben spezifische Stärken und Schwächen, die du genau kennen solltest. Sie sind weder automatisch besser noch schlechter als normale Tarife, sondern haben eine andere Risikostruktur.

Welche Vorteile bieten spezielle Medizinertarife?

Die Vorteile spezieller Medizinertarife können für die richtige Zielgruppe durchaus überzeugend sein. Sie richten sich gezielt an die besonderen Bedürfnisse angehender Ärzte und deren Karriereverläufe.

Die wichtigsten Vorteile umfassen folgende Aspekte:

  • Deutliche Beitragsvorteile in der Ausbildung: 50 bis 150 Euro weniger pro Monat gegenüber vergleichbaren Normaltarifen
  • Gesundheitszustand „einfrieren“: Spätere Umstellung auf Ärztetarife ohne neue Gesundheitsprüfung, auch bei zwischenzeitlichen Erkrankungen
  • Arztspezifische Leistungsausrichtung: Oft bereits im Studium Chefarztbehandlung, Zweibettzimmer und hohe Zahnleistungen
  • Niedrigeres Eintrittsalter sichern: Früher Einstieg führt zu dauerhaft günstigeren Beiträgen in der späteren Arztlaufbahn
  • Optionstarife inklusive: Möglichkeit zur späteren Leistungsaufstockung ohne erneute Risikoprüfung

Besonders der Aspekt des „eingefrorenen“ Gesundheitszustands kann von unschätzbarem Wert sein, wenn du während des Studiums gesundheitliche Probleme entwickelst.

Welche Nachteile bergen Medizinertarife?

Die Nachteile von Medizinertarifen werden oft unterschätzt und können später zu erheblichen Problemen führen. Viele dieser Risiken zeigen sich erst Jahre nach Vertragsabschluss.

Die kritischen Punkte solltest du besonders ernst nehmen:

  • Leistungsbegrenzungen bei Ärztetarifen: Manche Medizinertarife erstatten nur bis Regelhöchstsatz GOÄ oder haben andere Ärzte-spezifische Einschränkungen
  • Fehlende Alterungsrückstellungen: Viele Ausbildungstarife bilden keine oder nur geringe Rückstellungen, was zu dramatischen Beitragssprüngen beim Tarifwechsel führt
  • Kleine Tarifkollektive: Reine Mediziner-Gruppen können überdurchschnittlich altern und zu höherer Beitragsdynamik führen
  • Komplexe Umstellungsregeln: Altersgrenzen, Zeitfristen und Tarifwechsel-Automatik können schwer durchschaubar sein
  • Berufsbindung: Tarife sind oft nur sinnvoll, wenn du tatsächlich als gutverdienender Arzt arbeitest

Der wichtigste Risikofaktor liegt in der oft unklaren Langzeitentwicklung: Was heute günstig erscheint, kann durch Tarifwechsel und fehlende Rückstellungen später sehr teuer werden.

Wie groß sind die Leistungsunterschiede zwischen GKV und PKV als Medizinstudent wirklich?

Die Leistungsunterschiede zwischen GKV und PKV sind bei Medizinstudenten oft geringer als vermutet, während die Kostenunterschiede erheblich sein können. Eine ehrliche Bestandsaufnahme zeigt sowohl Vor- als auch Nachteile beider Systeme.

Wo bietet die PKV als Medizinstudent echte Vorteile?

Die private Krankenversicherung kann bereits im Studium spürbare Leistungsvorteile bieten, die über das GKV-Niveau hinausgehen. Diese Vorteile werden oft unterschätzt, sind aber real vorhanden.

In folgenden Bereichen ist die PKV meist überlegen:

  • Arzttermine und Wartezeiten: Als Privatpatient bekommst du oft schnellere Termine und wirst bevorzugt behandelt
  • Freie Arztwahl: Keine Einschränkung auf Kassenärzte, du kannst auch reine Privatärzte aufsuchen
  • Krankenhaus-Wahlleistungen: Chefarztbehandlung und bessere Zimmer bereits im Studium verfügbar
  • Zahnbehandlung: Höhere Erstattungssätze bei Zahnersatz und oft Kostenübernahme für professionelle Zahnreinigung
  • Naturheilkunde: Viele Tarife erstatten Heilpraktiker, Homöopathie und alternative Behandlungsmethoden

Gerade als angehender Arzt kannst du von der besseren Behandlung und den Kontakten zu Kollegen profitieren, die durch den Privatpatientenstatus entstehen.

Wo ist die GKV überraschend stark aufgestellt?

Die gesetzliche Krankenversicherung hat in wichtigen Bereichen Leistungsvorteile gegenüber vielen PKV-Tarifen. Diese Stärken werden oft übersehen, sind aber gerade für junge Menschen relevant.

Die GKV punktet besonders in diesen Bereichen:

  • Psychotherapie: Bis zu 300 Sitzungen pro Behandlung möglich, während viele PKV-Tarife bei 25-50 Sitzungen pro Jahr deckeln
  • Rehabilitation: Umfassende Reha-Ansprüche ohne zeitliche oder finanzielle Begrenzungen
  • Palliativversorgung: Vollständige Abdeckung der Versorgung am Lebensende
  • Digitale Gesundheitsanwendungen: Apps auf Rezept werden systematisch übernommen
  • Prävention: Kostenlose Vorsorgeuntersuchungen ohne Selbstbeteiligung

Besonders bei psychischen Problemen, die bei Medizinstudenten nicht selten sind, kann die GKV deutlich besser absichern als manche PKV-Tarife.

Was decken beide Systeme gleich gut ab?

In vielen Grundbereichen der medizinischen Versorgung sind die Unterschiede zwischen GKV und PKV geringer als oft behauptet. Beide Systeme decken die wichtigsten Behandlungen ab.

Ähnlich gut funktionieren beide Systeme bei ambulanten Behandlungen (Hausarzt, Facharzt), Notfallversorgung, Standard-Medikamenten sowie der Grundversorgung im Krankenhaus. Die Behandlungsqualität hängt oft mehr vom jeweiligen Arzt oder Krankenhaus ab als vom Versicherungsstatus.

Was ist die Gefahr bei Billigtarifen in der PKV für Medizinstudenten?

Billigtarife in der PKV können für Medizinstudenten zur Kostenfalle werden und in wichtigen Bereichen schlechter abschneiden als die GKV. Ein konkretes Beispiel zeigt, wo die Probleme liegen.

Wie schaffen Billigtarife echte Leistungslücken?

Stiftung Warentest hat 1.245 PKV-Tarifkombinationen untersucht und dabei festgestellt, dass zwei Drittel der Tarife nicht einmal das GKV-Niveau erreichen. Diese Tarife haben systematische Leistungslücken in wichtigen Bereichen.

Ein konkretes Beispiel ist der HanseMerkur Start Fit/KVS-Tarif, der zeigt, wie Billigtarife funktionieren. Dieser Einsteigertarif bietet zwar „private“ Absicherung, liegt aber in wichtigen Bereichen unter GKV-Standard.

Was macht der HanseMerkur Start Fit konkret schlechter als die GKV?

Der Vergleich zwischen HanseMerkur Start Fit und der GKV zeigt exemplarisch, wo Billigtarife versagen. Die Unterschiede sind nicht theoretisch, sondern treffen dich bei konkreten Behandlungen.

  • Psychotherapie: Der HanseMerkur-Tarif erstattet nur 70 Prozent und maximal 50 Sitzungen pro Jahr. Die GKV übernimmt dagegen genehmigte Langzeittherapien mit 160 bis 300 Sitzungen pro Behandlung. Bei einer schweren Depression mit 100 benötigten Therapiesitzungen zahlst du im Billigtarif ab der 51. Sitzung alles selbst.
  • Zahnersatz: Der Tarif erstattet 80 Prozent, aber nur bis 5.000 Euro Rechnungsbetrag pro Jahr. Darüber hinaus zahlst du nichts mehr erstattet. Die GKV hat keine solche starre Jahresgrenze, sondern arbeitet mit Festzuschüssen je Befund. Bei einer Implantatversorgung über 7.000 Euro erhältst du maximal 4.000 Euro (80 Prozent von 5.000 Euro), den Rest zahlst du komplett selbst.
  • Ambulante Behandlung: Du trägst einen Selbstbehalt von 500 bis 1.000 Euro pro Jahr, bevor überhaupt Erstattung fließt. In der GKV zahlst du nur Zuzahlungen ohne solche „Franchise“. Ein Jahr mit normalem Behandlungsbedarf kann dich im Billigtarif 500 bis 1.000 Euro mehr kosten als in der GKV.

Warum sind Billigtarife für Medizinstudenten besonders problematisch?

Medizinstudenten haben oft hohen Leistungsbedarf in genau den Bereichen, wo Billigtarife schwächeln. Stress, Prüfungsangst und hohe Anforderungen können zu psychischen Problemen führen, die in Billigtarifen schlecht abgesichert sind.

Gleichzeitig bist du durch die unwiderrufliche Befreiung von der GKV-Pflicht für das gesamte Studium an den Tarif gebunden. Ein Wechsel zurück in die bessere GKV-Absicherung ist nicht möglich, auch wenn du merkst, dass der Tarif unzureichend ist.

Die vermeintliche Ersparnis von 50 bis 100 Euro monatlich kann schnell durch schlechtere Leistungen und hohe Selbstbehalte aufgefressen werden. Dann zahlst du weniger Beitrag, aber mehr für deine Behandlungen.

Fazit

„Spezielle Medizinertarife sind nicht automatisch besser als normale Hochleistungstarife – sie sind anders kalkuliert und bergen andere Risiken. Die vermeintlichen Vorteile können sich später als teure Nachteile entpuppen, wenn die Ausbildungskonditionen enden und die echten Kosten sichtbar werden.“

Die Entscheidung zwischen speziellen Medizinertarifen und normalen Hochleistungstarifen hängt von deiner Risikobereitschaft ab. Wenn du maximale Transparenz und langfristige Planbarkeit bevorzugst, sind normale Tarife oft die bessere Wahl. Sie kosten heute mehr, bieten aber solidere Langzeitperspektiven ohne Tarifwechsel-Überraschungen.

Spezielle Medizinertarife können sinnvoll sein, wenn du die Risiken kennst und bewusst eingehst. Du solltest dann aber unbedingt die Tarifbedingungen im Detail prüfen: Wie hoch sind die Alterungsrückstellungen? Welche Leistungsbegrenzungen gibt es? Wann und wie erfolgt die Umstellung auf Ärztetarife?

Finger weg solltest du von allen Billigtarifen lassen, die in wichtigen Bereichen unter GKV-Niveau liegen. Als angehender Arzt brauchst du eine solide Absicherung, nicht den günstigsten Beitrag. Eine schlechte PKV ist schlimmer als eine gute GKV – und deutlich schwerer zu korrigieren.

Lutz Gottschlich
Experte für Versicherungen
Über den Autor
Lutz Gottschlich ist Sales Expert und Teamleiter Arbeitskraftsicherung bei der COVAGO Versicherungsmakler GmbH. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der Beratung zu Berufsunfähigkeit, Lebens- und Krankenversicherung ist er interner Ansprechpartner für Kollegen und Kunden gleichermaßen. Bekannt ist er für seine ruhige, unaufgeregte Art und die Fähigkeit, auch komplexe Versicherungsthemen verständlich auf den Punkt zu bringen.
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