Beim Versicherungsmakler fällt meist keine Rechnung an. Das Geld kommt vom Versicherer, nicht vom Kunden. Trotzdem ist die Beratung nicht kostenlos, denn die Vertriebskosten stecken im Bruttotarif und werden über den Beitrag mitfinanziert. Wer den identischen Tarif beim selben Versicherer direkt abschließt, zahlt deshalb nicht weniger. Der Unterschied entsteht nicht beim Vermittlungsweg, sondern bei der Frage, welcher Vertrag am Ende gewählt wird.
- Ein Versicherungsmakler stellt Privatkunden bei klassischer Provisionsberatung keine separate Rechnung.
- Die Courtage bezahlt der Versicherer, sie ist wirtschaftlich im Bruttotarif einkalkuliert.
- Beim identischen Tarif wird die Versicherung durch den Makler nicht teurer.
- Wer eine strikt provisionsfreie Beratung will, braucht einen Versicherungsberater nach § 34d Abs. 2 GewO, mit Stundensätzen zwischen 120 und 240 Euro.
- Am 1. Juli im Jahr 2026 waren 47.244 Versicherungsmakler im Register, aber nur 338 Versicherungsberater registriert.
Was ist der Unterschied zwischen Makler, Vertreter und Berater?
„Versicherungsvermittler“ ist der rechtliche Oberbegriff, der sehr unterschiedliche Rollen umfasst. Wer diese Unterschiede nicht kennt, kann nicht beurteilen, auf wessen Seite sein Ansprechpartner eigentlich steht.
Der gebundene Vertreter vermittelt im Auftrag eines Versicherers, also dessen verlängerter Arm. Der Mehrfachvertreter arbeitet für mehrere Versicherer, ist aber ebenfalls von diesen beauftragt. Der Versicherungsmakler hat dagegen keinen Auftrag vom Versicherer, sondern vertritt rechtlich den Kunden. Und der Versicherungsberater nach § 34d Abs. 2 GewO darf keinerlei Versichererzuwendungen annehmen.
Er wird ausschließlich vom Auftraggeber bezahlt.
| Status | Rechtliche Stellung | Typische Auswahl | Typische Vergütung | Direkte Rechnung |
| Gebundener Vertreter | Im Auftrag eines Versicherers | Produkte eines Versicherers | Provision vom Versicherer | Normalerweise nein |
| Mehrfachvertreter | Im Auftrag mehrerer Versicherer | Vertraglich angebundene Versicherer | Provision vom jeweiligen Versicherer | Normalerweise nein |
| Versicherungsmakler | Im Auftrag des Kunden | Hinreichende Zahl geeigneter Marktangebote | Meist Courtage vom Versicherer | Nur bei gesonderter Vereinbarung |
| Versicherungsberater | Ausschließlich vom Auftraggeber vergütet | Provisionsunabhängige Beratung | Stunden-, Pauschal- oder Projekthonorar | Ja |
| Vergleichsportal | Je nach Geschäftsmodell häufig Makler | Nur angebundene Anbieter | Courtage oder Leadvergütung | Meist nein |
Makler und Versicherungsberater benötigen eine IHK-Erlaubnis und eine Registrierung. Das öffentliche Vermittlerregister unter vermittlerregister.info erlaubt die Überprüfung des Status. Das ist die erste Sache, die jeder vor einer Beauftragung prüfen sollte.
Wie wird ein Versicherungsmakler von wem bezahlt?
Die Vergütung eines Versicherungsmaklers kommt fast immer vom Versicherer, nicht vom Kunden. Für Privatkunden fällt in der Regel keine separate Rechnung an. Die Kosten stecken im Bruttotarif und sind damit bereits in der Prämie einkalkuliert.
Im Detail unterscheiden sich drei Vergütungsarten, die je nach Sparte und Vertrag unterschiedlich kombiniert werden:
- Abschlusscourtage: Entsteht durch die erfolgreiche Vermittlung eines neuen Vertrags. Bei Personenversicherungen wie PKV oder BU wird sie häufig als Vielfaches des Monatsbeitrags berechnet, bei Sachversicherungen als Prozentsatz der Jahresnettoprämie.
- Bestandscourtage: Fließt regelmäßig, solange der Vertrag besteht und der Makler als Betreuer hinterlegt ist. Sie soll Vertragsverwaltung, Änderungsservice und Schadenunterstützung finanzieren, wobei der tatsächliche Umfang dieser Leistungen vom Maklervertrag abhängt.
- Honorar: Kommt vor allem beim Versicherungsberater vor, kann aber auch von einem Makler für klar definierte Leistungen vereinbart werden, die nicht durch die Courtage abgegolten sind.
Steuerlich gilt: Klassische Versicherungsvermittlung ist nach § 4 Nr. 11 UStG umsatzsteuerfrei. Separat erbrachte Beratungsleistungen können dagegen 19 Prozent Umsatzsteuer auslösen. Das ist ein häufig übersehener Unterschied, der bei Honorarvereinbarungen vorab geklärt sein sollte.
Wie hoch sind die Provisionen für Versicherungsmakler?
Diese Werte sind Marktspannen, keine gesetzlichen Einheitssätze. Pool, Vertriebsorganisation, Stornohaftung und Produktionsvolumen können den tatsächlich beim Makler ankommenden Betrag erheblich verändern.
| Sparte | Vergütungsbasis | Veröffentlichte Größenordnung |
| Privathaftpflicht, Hausrat, Wohngebäude | Jahresnettoprämie | ca. 15 bis 25 Prozent laufend |
| Kfz-Versicherung | Jahresnettoprämie | ca. 5 bis 10 Prozent laufend |
| Private Krankenversicherung | Monatsbeitrag | häufig 6 bis 8 Monatsbeiträge, gesetzlich bis 9 Monatsbeiträge bzw. 3 Prozent der 25-jährigen Bruttobeitragssumme |
| Lebens- und Rentenversicherung | Beitragssumme | häufig ca. 2,5 bis 3,5 Prozent |
| Berufsunfähigkeitsversicherung | Beitragssumme | gesellschafts- und vertriebsabhängig, häufig promillebasiert |
| Gewerbeversicherung | Jahresnettoprämie oder individuell | stark sparten- und risikobezogen |
Praxisbeispiel: So berechnt man die Courtage je Sparte
Vier Fallkonstellationen zeigen, wie die Provisionsrechnung in der Praxis aussieht, und wie weit Courtage und tatsächlicher Gewinn auseinanderliegen können.
Privathaftpflicht: Bei 69 Euro Nettoprämie jährlich und 20 Prozent Courtage fließen 13,80 Euro pro Jahr. Bei 25 Prozent wären es 17,25 Euro. Von dieser Einnahme müssen Personal, IT, Dokumentation, Datenschutz, Haftpflicht, Fortbildung und Bürokosten bezahlt werden. Der Abstand zwischen Courtage und Gewinn ist erheblich.
Kfz-Versicherung: Bei 800 Euro Jahresnettoprämie und 7 Prozent Courtage kommen 56 Euro an. Wenige Telefonate, ein Fahrzeugwechsel oder eine Schadenbegleitung reichen aus, um diesen Betrag aufzuzehren.
Private Krankenversicherung: Bei 700 Euro Monatsbeitrag sieht die Rechnung so aus:
| Courtagefaktor | Rechnung | Bruttocourtage |
| 6 Monatsbeiträge | 700 Euro × 6 | 4.200 Euro |
| 7 Monatsbeiträge | 700 Euro × 7 | 4.900 Euro |
| 8 Monatsbeiträge | 700 Euro × 8 | 5.600 Euro |
| 9 Monatsbeiträge | 700 Euro × 9 | 6.300 Euro |
Diese Courtage ist wirtschaftlich nicht sofort endgültig verdient. § 49 VAG schreibt für die ersten fünf Jahre eine ratierliche Stornohaftung vor: Endet der Vertrag früher, darf der Vermittler nur den zeitanteilig verdienten Teil behalten. Bei 5.600 Euro Abschlusscourtage und Vertragsende nach 24 von 60 Monaten wären 2.240 Euro verdient und 3.360 Euro zurückzahlungspflichtig.
Private Rentenversicherung: Bei 200 Euro Monatsbeitrag, 30 Jahren Laufzeit und damit 72.000 Euro Beitragssumme ergeben sich 1.800 Euro bei 2,5 Prozent, 2.160 Euro bei 3,0 Prozent und 2.520 Euro bei 3,5 Prozent. § 4 DeckRV begrenzt den zillmerfähigen Ansatz auf 2,5 Prozent der Beitragssumme. Das ist aber nicht automatisch identisch mit der persönlichen Auszahlung an den Vermittler, weil ausgewiesene Abschluss- und Vertriebskosten weitere Bestandteile enthalten können.
Was bleibt einem Versicherungsmakler nach Kosten und Stornos?
Courtageumsatz ist nicht persönliches Nettoeinkommen. Ein selbstständiger Maklerbetrieb trägt alle Betriebskosten und das Unternehmerrisiko. Pool- und Verbundkosten sowie Aufteilungen mit Untervermittlern reduzieren den tatsächlichen Zufluss zusätzlich.
Aktuelle Strukturdaten aus einer im Jahr 2026 veröffentlichten BVK-Auswertung zeigen eine breite Streuung:
| Wert | Einschränkung | |
| Angestellten-Median | 5.951 Euro brutto/Monat | Sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung, kein Unternehmergewinn |
| Häufigstes Umsatzband selbstständiger Betriebe | 100.000 bis 249.999 Euro/Jahr | Umsatz vor Kosten und Steuern; gilt für 42,5 Prozent der Maklerbetriebe |
| Älterer Durchschnittsumsatz | ca. 298.300 Euro/Jahr | Befragungsdaten, nicht repräsentativ |
| Älterer Durchschnittsgewinn | ca. 93.400 Euro/Jahr | Vor Einkommensteuer und Vorsorge |
| Anteil unter 50.000 Euro Gewinn | ca. 31 Prozent | Zeigt die starke Streuung nach unten |
29 Prozent der Maklerbetriebe lagen beim Jahresumsatz unter 100.000 Euro. Nur 5,5 Prozent überschritten eine Million Euro.
Wird die Versicherung durch einen Makler teurer?
Beim identischen Tarif desselben Versicherers mit identischen Merkmalen ist der Beitrag üblicherweise gleich, egal ob über einen Makler, Vertreter, ein Portal oder direkt. Der Versicherer kalkuliert Abschluss- und Vertriebskosten in den Bruttotarif ein; ein Direktabschluss verschafft keinen individuellen Provisionsrabatt.
Der teuerste Makler ist der, der Dir den falschen Vertrag verkauft. Beim identischen Tarif kostet Dich der Vermittlungsweg selbst keinen Cent extra.
Das bedeutet aber nicht, dass jeder Vertriebsweg dieselben Tarife anbietet. Direktversicherer, exklusive Onlineprodukte und nicht mit dem Makler kooperierende Versicherer können zu anderen Preisen führen. Entscheidend ist, welcher Markt tatsächlich verglichen wird.
Ein Makler kann die Gesamtkosten mittelbar erhöhen, wenn er:
- einen unnötigen Vertrag vermittelt
- Deckungsumfang oder Versicherungssumme über den Bedarf hinaus auswählt
- einen Anbieter wegen höherer Courtage bevorzugt
- günstige Direkt- oder Nettotarife nicht berücksichtigt
- bestehende Verträge ohne belastbaren Mehrwert ersetzt
- bei Altersvorsorgeprodukten unnötig hohe Beitragssummen oder Laufzeiten empfiehlt
In diesen Fällen entsteht der Schaden nicht durch den Vermittlungsweg selbst, sondern durch die Empfehlung. Das ist schwerer zu erkennen und verdient deshalb mehr Aufmerksamkeit.
Provisionen schaffen einen strukturellen Interessenkonflikt, weil die Vergütung meist erst bei Abschluss entsteht. Das Recht adressiert das: Vertriebsvergütungen dürfen keine Anreize schaffen, ein Produkt zu empfehlen, obwohl ein anderes den Kundenbedürfnissen besser entspricht.
Was kostet ein Versicherungsberater?
Wer eine strikt provisionsfreie Analyse will, braucht einen Versicherungsberater nach § 34d Abs. 2 GewO. Dieser darf keine Zuwendungen von Versicherern annehmen und rechnet ausschließlich mit dem Auftraggeber ab. Das Honorar fällt auch dann an, wenn die fachlich richtige Empfehlung lautet, gar keinen Vertrag abzuschließen.
Veröffentlichte Stundensätze liegen zwischen 120 und 240 Euro. Bei einem Satz von 150 Euro netto ergeben sich:
| Aufwand | Nettohonorar | Mit 19 Prozent USt, falls steuerpflichtig |
| 2 Stunden | 300 Euro | 357 Euro |
| 4 Stunden | 600 Euro | 714 Euro |
| 8 Stunden | 1.200 Euro | 1.428 Euro |
| 12 Stunden | 1.800 Euro | 2.142 Euro |
Bei einem Marktband von 120 bis 240 Euro kosten fünf Beratungsstunden 600 bis 1.200 Euro vor gegebenenfalls anfallender Umsatzsteuer.
Ein Versicherungsberater ist besonders sinnvoll bei der Prüfung eines bestehenden Portfolios, bei komplexen Leistungs- oder Deckungsfragen und überall dort, wo die Abschlusscourtage besonders hoch ist und ein Interessenkonflikt minimiert werden soll.
Was sollte man den Makler fragen?
Beim ersten Kontakt muss der Vermittler Status, Registrierungsnummer, Art der Vergütung und zuständige Schlichtungsstelle mitteilen. Die konkrete Höhe der Vergütung in Euro muss er nicht von sich aus offenlegen, auf Nachfrage aber benennen können.
Wer seriös arbeitet, beantwortet diese Fragen ohne Zögern. Wer ausweicht oder mit Zeitdruck reagiert, liefert damit bereits die wichtigste Antwort.
Diese Fragen lohnen sich beim Erstkontakt:
- Welcher Status steht im DIHK-Vermittlerregister?
- Erfolgt die Vergütung als Courtage, Honorar, Servicepauschale oder Kombination?
- Wie hoch ist die Abschluss- und laufende Vergütung in Euro?
- Werden bei einem Anbieterwechsel oder einer Umdeckung erneut Abschlusskosten ausgelöst?
- Welche Versicherer und Tarife wurden tatsächlich untersucht?
- Welche relevanten Direktversicherer, Nettotarife oder nicht kooperierenden Anbieter fehlen?
- Erhält der Betrieb Zusatzvergütungen, Produktionsboni oder Pool-Overheads?
- Welche Leistungen umfasst die laufende Betreuung?
- Entstehen bei Kündigung des Maklervertrags oder Bestandsübertragung Gebühren?
Die Erstinformation ist gesetzlich vorgeschrieben wer sie beim ersten Kontakt nicht aktiv mitteilt, verstößt bereits gegen seine Pflichten.
Woran erkennt man einen seriösen Makler?
Ein seriöser Makler nennt seinen Rechtsstatus und seine Vergütungsart vorab, behauptet keine vollständige Marktdeckung, wenn wichtige Anbieter fehlen, dokumentiert Wünsche und Bedarf, vergleicht Bedingungen und nicht nur Preise und erklärt auf Nachfrage seine Vergütung in Euro.
Warnsignale sind:
- Zeitdruck beim Abschluss
- Pauschale Aussagen wie „komplett kostenlos“ oder „100 Prozent unabhängig“
- Fehlende Erstinformation bei Erstkontakt
- Empfehlung, bestehende Langfristverträge ohne Kostenvergleich zu kündigen
- Routinemäßige Verzichtserklärung auf Beratung oder Dokumentation
- Fokus auf Steuerersparnis statt auf Bedarf
Wer mehrere dieser Signale gleichzeitig wahrnimmt, sollte die Beauftragung nochmals überdenken, auch wenn der Beitrag im ersten Angebot überzeugend aussieht.
Der Makler gilt nach der BGH-Rechtsprechung als treuhänderähnlicher Sachwalter des Kunden. Sein Pflichtenumfang bezieht sich aber nur auf den übernommenen Auftragsbereich. Nicht automatisch auf jede Versicherung des Kunden.
Häufige Fragen
Bekomme ich als Privatkunde eine Rechnung vom Makler?
Bei klassischer Provisionsberatung nicht. Der Versicherer zahlt die Courtage, sie steckt bereits im Bruttotarif. Eine Rechnung entsteht nur, wenn Du ausdrücklich ein Honorar vereinbarst.
Zahle ich über einen Makler mehr als beim Direktabschluss?
Beim identischen Tarif desselben Versicherers nicht. Der Beitrag ist gleich, weil die Vertriebskosten ohnehin einkalkuliert sind. Teurer wird es erst, wenn ein zu großer oder unpassender Vertrag empfohlen wird.
Was passiert mit der Courtage, wenn ich früh kündige?
In den ersten fünf Jahren haftet der Vermittler anteilig nach § 49 VAG. Kündigst Du vorzeitig, muss er den noch nicht verdienten Teil der Abschlusscourtage zurückzahlen. An Deinem Beitrag ändert das nichts.
Wann lohnt sich ein Honorar statt einer Provision?
Ein Honorar nach § 34d Abs. 2 GewO lohnt sich, wenn Du eine streng zuwendungsfreie Prüfung willst, etwa für ein bestehendes Portfolio oder bei besonders hohen Abschlusscourtagen. Bei einem einfachen Standardvertrag ist die Provisionsberatung meist günstiger.
Hast Du schon nachgeschaut, welchen Status Dein aktueller Berater im Vermittlerregister hat?


