Wer das Referendariat beginnt oder in den Vorbereitungsdienst eintritt, fragt sich oft als erstes: Bin ich jetzt automatisch privat versichert? Die Antwort ist nein. Als Beamter auf Widerruf hast du ab dem ersten Tag Beihilfeanspruch und das Recht, in die PKV einzutreten. Aber du musst diesen Schritt aktiv gehen.
Ist man als Beamter auf Widerruf privat versichert?
Mit der Ernennung zum Beamten auf Widerruf bist du nicht automatisch privat versichert, aber du kannst es werden – sofort, ohne Einkommensgrenze, ohne Altersgrenze und seit 2019 auch ohne Gesundheitsprüfung im Rahmen der Öffnungsaktion.
Was automatisch passiert: Du wirst versicherungsfrei in der GKV. Warst du davor Pflichtmitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse, verlässt du sie automatisch mit dem Tag der Verbeamtung.
Eine separate Kündigung ist nicht nötig. Warst du freiwilliges GKV-Mitglied, musst du selbst kündigen, und zwar mit zwei vollen Monaten plus laufendem Monat. Versäumst du das, läuft die freiwillige GKV weiter und du trägst den vollständigen Beitrag ohne jeden Dienstherrenzuschuss allein.
Wer in der Familienversicherung eines Elternteils oder Ehepartners war, verlässt diese ebenfalls mit der Verbeamtung.
Du musst dich also entscheiden: PKV oder freiwillige GKV. Für die übergroße Mehrheit der Beamtenanwärter ist die PKV die ökonomisch überlegene Wahl, und das lässt sich konkret nachrechnen.
Was ist ein Beamter auf Widerruf überhaupt?
Das Beamtenverhältnis auf Widerruf ist die erste Stufe der Beamtenlaufbahn während des Vorbereitungsdienstes. Es endet kraft Gesetzes automatisch, wenn die Abschlussprüfung bestanden oder endgültig nicht bestanden wurde. Der Begriff „auf Widerruf“ bedeutet, dass der Dienstherr das Verhältnis bei Nichtbestehen auch beenden kann.
Zu dieser Gruppe gehören Beamtenanwärter im mittleren und gehobenen Dienst, Lehramtsreferendare in Bundesländern, die Referendare verbeamten, Rechtsreferendare, Anwärter für den Polizei-, Finanz- und Verwaltungsdienst sowie Vorbereitungsdienstler bei Bundesbehörden.
Haben Beamte auf Widerruf Beihilfeanspruch?
Ja, der Beihilfeanspruch besteht ab dem ersten Tag des Beamtenverhältnisses auf Widerruf, unabhängig von Besoldungsgruppe, Laufbahn, Alter und Ausbildungsberuf. Er ergibt sich aus der Fürsorgepflicht des Dienstherrn nach § 78 BBG beziehungsweise den entsprechenden Landesbeamtengesetzen.
Der Beihilfesatz liegt für ledige Beamtenanwärter ohne Kinder in den meisten Bundesländern bei 50 Prozent. Das bedeutet: Dein Dienstherr übernimmt 50 Prozent deiner anerkannten Krankheitskosten direkt, und die PKV sichert die übrigen 50 Prozent als Restkostenversicherung ab.
Hessen ist eine Ausnahme: Dort erhalten Beamtenanwärter generell 70 Prozent Beihilfe, stationäre Behandlungen werden sogar mit 85 Prozent bezuschusst.
Beim Bund, in Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt steigt der Beihilfesatz bereits beim ersten Kind auf 70 Prozent. In den anderen Bundesländern passiert das erst ab dem zweiten Kind.
Was kostet die PKV als Beamter auf Widerruf?
Fast alle PKV-Gesellschaften bieten für Beamtenanwärter sogenannte Anwärtertarife an. Diese sind als Schadentarife ohne oder mit minimalen Altersrückstellungen kalkuliert und damit erheblich günstiger als reguläre Beamtentarife. Typische Beiträge für ledige Anwärter ohne Vorerkrankungen liegen bei 60 bis 180 Euro im Monat.
Zum Vergleich: Wer als Anwärter mit 1.500 Euro Monatsbezügen in der GKV bleibt, zahlt 2026 rund 244 Euro allein für die Krankenversicherung plus 51 Euro für die Pflegeversicherung, also rund 295 Euro monatlich. Und das ohne jeden Zuschuss vom Dienstherrn, weil die individuelle Beihilfe in der GKV nicht greift.
Wie sich die Beiträge nach Eintrittsalter unterscheiden:
| Eintrittsalter | Anwärtertarif | Regulärer Beamtentarif ab Probe |
| 20 Jahre | 60 bis 100 Euro | 130 bis 190 Euro |
| 25 Jahre | 80 bis 130 Euro | 160 bis 230 Euro |
| 28 Jahre | 90 bis 150 Euro | 185 bis 260 Euro |
| 30 Jahre | 120 bis 170 Euro | 200 bis 290 Euro |
Der Anwärtertarif gilt bis zur Verbeamtung auf Probe oder maximal 18 Monate, je nach Anbieter. Danach erfolgt eine automatische Umstellung auf den regulären Beamtentarif mit Altersrückstellungen, der Beitrag steigt entsprechend.
Was ist die Öffnungsaktion und wann ist sie relevant?
Seit dem 1. Januar 2019 gilt die PKV-Öffnungsaktion auch für Beamte auf Widerruf. Vorher war sie auf Beamte auf Probe und Lebenszeit beschränkt. Die Öffnungsaktion garantiert:
- Keine Ablehnung wegen Vorerkrankungen oder Behinderungen
- Keine Leistungsausschlüsse für bestehende Erkrankungen
- Risikozuschläge maximal 30 Prozent des tariflichen Beitrags, statt bis zu 100 Prozent im Regelfall
- Kein gesundheitsabhängiger Zuschlag bei der Pflegeversicherung
Die Frist beträgt sechs Monate ab Begründung des Beamtenverhältnisses auf Widerruf. Wer diese Frist verpasst, verliert diesen Schutz dauerhaft für die Widerruf-Phase.
Die Öffnungsaktion kann nur einmal genutzt werden, entweder bei der Verbeamtung auf Widerruf oder bei der späteren Verbeamtung auf Probe. Wer als Anwärter in der GKV geblieben ist, darf sie bei der Probe-Verbeamtung erneut nutzen. Die Öffnungsaktion gilt auch für berücksichtigungsfähige Angehörige, also Ehepartner und Kinder, wenn sie erstmals beihilfefähig werden.
Welche Konsequenz hat die Entscheidung PKV oder GKV?
Die Entscheidung am Beginn des Vorbereitungsdienstes ist eine der weitreichendsten Versicherungsentscheidungen des Lebens. Wer sich für die PKV entscheidet, kommt in der Regel nicht mehr in die GKV zurück. Ein Wechsel zurück ist für aktive Beamte strukturell blockiert.
Umgekehrt gilt: Wer in der GKV bleibt, kann jederzeit in die PKV wechseln. Das macht die GKV zur reversiblen Option. Wer sich für die PKV entscheidet, wählt eine Einbahnstraße.
Dazu kommt die langfristige Beitragsdynamik. Das Eintrittsalter beeinflusst den PKV-Beitrag dauerhaft. Wer mit 22 einsteigt, zahlt über die gesamte Laufbahn weniger als jemand, der mit 30 beginnt. Die Differenz beträgt über dreißig Jahre oft fünfstellige Beträge.
Was passiert mit der PKV, wenn man nicht übernommen wird?
Wer nach dem Vorbereitungsdienst keine Planstelle bekommt und als Angestellter im öffentlichen Dienst weiterarbeitet, verliert den Beamtenstatus und wird GKV-versicherungspflichtig, sofern das Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze von 77.400 Euro jährlich liegt.
In diesem Fall gibt es drei sinnvolle Strategien:
- Anwartschaftsversicherung bei der bisherigen PKV abschließen, anstatt zu kündigen. Das friert den Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Verbeamtung ein. Bei späterer erneuter Verbeamtung kehrt man ohne neue Gesundheitsprüfung in denselben Tarif zurück.
- Bei Arbeitslosigkeit nach dem Referendariat: Übergangstarif der PKV oder Mitversicherung beim GKV-versicherten Ehepartner.
- Vollständige Kündigung der PKV als letzte Option, die man vermeiden sollte. Jede neue Erkrankung zwischen Kündigung und späterer Wiederaufnahme muss dann bei der Gesundheitsprüfung angegeben werden.
Die Anwartschaftsversicherung kostet typischerweise 10 bis 30 Prozent des regulären Monatsbeitrags. Das ist günstig für das, was sie sichert.
Was ändert sich bei der Verbeamtung auf Probe?
Der Übergang vom Beamtenstatus auf Widerruf zur Probe ist ein neues Beamtenverhältnis. Aus Versicherungssicht hat das zwei wichtige Konsequenzen.
Die bestehende PKV läuft weiter, aber der Anwärtertarif wird auf einen regulären Beamtentarif mit Altersrückstellungen umgestellt. Durch diese Beitragserhöhung entsteht ein Sonderkündigungsrecht. Du kannst innerhalb der Wechselfrist zu einem anderen PKV-Anbieter wechseln, aber dann ist eine neue Gesundheitsprüfung erforderlich.
Wer als Anwärter noch in der GKV verblieben ist, hat jetzt erneut die Chance, die Öffnungsaktion zu nutzen, diesmal für das Probe-Beamtenverhältnis. Auch für berücksichtigungsfähige Angehörige gilt die sechsmonatige Frist neu.
Wie sichert man Ehepartner und Kinder als Beamter auf Widerruf ab?
Kinder können innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt ohne Gesundheitsprüfung und Wartezeiten in der PKV versichert werden, wenn mindestens ein Elternteil bereits seit drei Monaten privat versichert ist. Diese Frist gilt auch für Kinder von Beamten auf Widerruf.
Kinder von Beamten haben bundesweit einen Beihilfeanspruch von 80 Prozent. Die PKV sichert nur 20 Prozent ab, was zu Monatsbeiträgen von typischerweise 30 bis 60 Euro führt.
Für den Ehepartner gilt: Ist er berücksichtigungsfähig, also mit Einkommen unter rund 23.800 Euro jährlich, besteht ein Beihilfeanspruch von 70 Prozent. Der PKV-Tarif des Ehepartners sichert nur noch 30 Prozent ab. Heiratet ein Beamter auf Widerruf einen GKV-versicherten Partner, ändert das nichts an seiner eigenen PKV-Pflicht. Beide bleiben in ihrer jeweiligen Versicherung.
Gibt es Beamtenanwärter, die keine PKV brauchen?
Ja. Polizeianwärter in bestimmten Bundesländern erhalten Heilfürsorge statt Beihilfe. Die Heilfürsorge deckt 100 Prozent der Krankheitskosten ab. Eine PKV ist in diesem Fall weder notwendig noch sinnvoll. Betroffen sind Polizeianwärter beim Bund, in Bayern, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.
In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland erhalten Polizeianwärter dagegen Beihilfe und brauchen eine PKV wie alle anderen Beamtenanwärter.
Wer Heilfürsorge erhält und später pensioniert wird, bekommt dann erstmals Beihilfeanspruch. Für diese Gruppe empfiehlt sich eine Anwartschaftsversicherung während der aktiven Zeit, um bei der Pensionierung ohne neue Gesundheitsprüfung in die PKV eintreten zu können.
Was gilt es vor der Verbeamtung auf Widerruf zu tun?
Wer in wenigen Wochen verbeamtet wird, sollte diese Schritte rechtzeitig erledigen:
- GKV-Status klären: Pflichtversicherung, freiwillig oder Familienversicherung?
- Bei Pflichtversicherung oder Familienversicherung: keine separate Kündigung nötig, PKV-Antrag rechtzeitig stellen
- Bei freiwilliger GKV: Kündigungsfrist einhalten, zwei volle Monate plus laufenden Monat
- Anwärtertarife vergleichen und Gesundheitsfragen sorgfältig ausfüllen
- Bei Vorerkrankungen: Öffnungsaktion innerhalb von sechs Monaten nach Verbeamtung nutzen
- Versicherungsbestätigung der neuen PKV an die GKV weiterleiten
- Beihilfestelle über PKV-Mitgliedschaft informieren
Wenn du wissen möchtest, welcher Tarif zu deiner Situation passt und ob die Öffnungsaktion für dich relevant ist, vereinbare ein unverbindliches Beratungsgespräch. Wir schauen uns gemeinsam deinen Beamtenstatus, dein Bundesland und deinen Gesundheitszustand an.