Für Beamtenanwärter ist die PKV keine Selbstverständlichkeit, sondern oft die mit Abstand günstigste Option der Gesundheitsversorgung. Der Grund: Der Dienstherr übernimmt über die Beihilfe einen Teil der Krankheitskosten direkt, sodass die PKV nur den verbleibenden Rest absichern muss.
Das senkt den Monatsbeitrag auf ein Niveau, das für Angestellte unvorstellbar ist. Was Du dabei wissen musst: die Beihilfesätze, die richtigen Tarife, die Fristen – und die typischen Fehler, die Du unbedingt vermeiden solltest.
Das Wichtigste in Kürze:
- Beamtenanwärter zahlen für eine PKV typischerweise nur 70 bis 130 Euro im Monat, weil die Beihilfe 50 Prozent der Kosten übernimmt und die PKV nur den Rest absichert.
- In Sachsen, Hessen und bei Beamten mit zwei oder mehr Kindern steigt der Beihilfesatz auf 70 bis 90 Prozent – die PKV-Beiträge sinken entsprechend auf teils unter 50 Euro.
- Die Öffnungsaktion erlaubt auch Anwärtern mit Vorerkrankungen den PKV-Einstieg, aber nur innerhalb von sechs Monaten nach der Verbeamtung.
- Der Anwärtertarif ist deutlich günstiger als der reguläre Beamtentarif. Der Unterschied: keine Altersrückstellungen. Nach dem Referendariat wechselst Du automatisch ohne neue Gesundheitsprüfung.
Was kostet eine PKV für Beamtenanwärter?
Der monatliche Beitrag liegt bei einem 23-jährigen Anwärter mit 50 Prozent Beihilfe im Bund je nach Anbieter zwischen 70 und 130 Euro. Das ist das günstigste Einstiegsfenster in die PKV, das es in Deutschland gibt. Zum Vergleich: In der GKV als freiwilliges Mitglied ohne Beihilfe zahlst Du als Anwärter bis zu 200 bis 400 Euro monatlich.
Hier siehst Du, was die großen Anbieter für einen 23-jährigen ledigen Bundesbeamtenanwärter (50 Prozent Beihilfe) aktuell verlangen – inklusive der wichtigsten Tarife, damit Du Angebote direkt vergleichen kannst:
| Anbieter | Tarif | Monatsbeitrag ca. |
| HUK-Coburg | B 501 + BE2A | 70 Euro |
| DKV | BeihilfeMed Anwärter | 70 bis 80 Euro |
| Debeka | Anwärtertarif | 85 Euro |
| DBV (AXA) | VisionB Anwärter | 85 bis 100 Euro |
| ARAG | BAB50 + Bausteine | 93 Euro |
| Signal Iduna | EXKLUSIV-B Anwärter | 90 bis 105 Euro |
| Allianz | BH Anwärtertarif | 95 bis 105 Euro |
Alle Beiträge verstehen sich ohne private Pflegepflichtversicherung. Die kostet zusätzlich rund 20 bis 35 Euro im Monat.
Noch ein Maßstab zur Einordnung: Ein Anwärter im gehobenen Dienst verdient ab Mai 2026 im Bund rund 2.029 Euro brutto. Ein PKV-Beitrag von 70 bis 100 Euro entspricht damit etwa 3,5 bis 5 Prozent des Bruttoeinkommens – ein außerordentlich günstiges Verhältnis, das die PKV für Beamtenanwärter zur finanziell überlegenen Wahl macht.
Steigt der Beihilfesatz auf 70 Prozent – etwa in Sachsen, Hessen oder bei zwei oder mehr Kindern – sinken die Beiträge nochmals erheblich. Für einen 25-jährigen Anwärter mit 70 Prozent Beihilfe zahlt man bei HUK-Coburg 50 bis 65 Euro, bei Debeka 60 bis 75 Euro, bei ARAG 65 bis 85 Euro.
Wie funktioniert das System aus Beihilfe und PKV?
Beamtenanwärter sind in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht versicherungspflichtig. Stattdessen übernimmt der Dienstherr über die Beihilfe einen festen Prozentsatz der tatsächlich anfallenden Krankheitskosten direkt. Die PKV sichert den verbleibenden Eigenanteil ab. Zusammen müssen Beihilfe und PKV exakt 100 Prozent der beihilfefähigen Aufwendungen ergeben – diese sogenannte 100-Prozent-Grenze ist der Kern des Systems.
Ein einfaches Beispiel: Arztrechnung 200 Euro. Beihilfe zahlt 100 Euro. PKV zahlt 100 Euro. Eigenanteil: 0 Euro.
Weil die PKV nicht die vollen 100 Prozent der Kosten absichern muss, sondern nur den Restanteil, sind die Beiträge für Beamte massiv niedriger als für Selbstständige oder Angestellte ohne Arbeitgeberzuschuss.
Warum ist der Anwärtertarif so viel günstiger als der spätere Beamtentarif?
Anwärtertarife sind günstig, weil in dieser Phase keine Altersrückstellungen aufgebaut werden. Die Anwärterzeit dauert typischerweise 18 bis 36 Monate – in dieser kurzen Spanne lohnt der Aufbau von Kapitalreserven rechnerisch nicht. Der Beitrag deckt deshalb nur die tatsächlichen Leistungskosten plus Verwaltung.
Die Unterschiede zwischen Anwärter- und Beamtentarif sind erheblich:
| Merkmal | Anwärtertarif | Regulärer Beamtentarif |
| Altersrückstellungen | Keine | 30 bis 50 Prozent des Beitrags |
| Monatsbeitrag | 70 bis 180 Euro | 250 bis 500 Euro |
| Laufzeit | 18 bis 36 Monate | Gesamte Laufbahn |
| Beitragsanpassungen | Häufiger, da kein Puffer | Durch Rückstellungen gedämpft |
| Übergang zum Beamtentarif | Automatisch, ohne Gesundheitsprüfung | — |
| Beitragsrückerstattung | Oft bis zu 6 Monatsbeiträge | Üblich 1 bis 3 Monatsbeiträge |
Nach dem Referendariat wechselst Du automatisch in den regulären Beamtentarif beim gleichen Versicherer – ohne neue Gesundheitsprüfung. Der Beitrag steigt dann auf 250 bis 350 Euro im Monat, da jetzt Altersrückstellungen aufgebaut werden. Wichtig: Schließe daher nie direkt den teureren Beamtentarif ab, solange Du noch Anwärter bist.
Wie hoch sind die Beihilfesätze in den einzelnen Bundesländern?
Der Beihilfesatz bestimmt, wie viel der Dienstherr übernimmt – und damit direkt, wie viel Du für die PKV zahlst. Die Sätze hängen von Bundesland, Familienstand und Anzahl der Kinder ab.
Standardregelung in 14 Bundesländern
Folgende Sätze gelten für den Bund sowie Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen und im Wesentlichen auch Baden-Württemberg:
| Personengruppe | Beihilfesatz | PKV-Eigenanteil |
| Aktive Beamte ohne Kind oder mit 1 Kind | 50 % | 50 % |
| Aktive Beamte mit 2 oder mehr Kindern | 70 % | 30 % |
| Ehegatten und Lebenspartner unter Einkommensgrenze | 70 % | 30 % |
| Berücksichtigungsfähige Kinder | 80 % | 20 % |
| Versorgungsempfänger (Pensionäre) | 70 % | 30 % |
In einigen Bundesländern erhöht sich der Beihilfesatz bereits ab dem ersten Kind und während der Elternzeit auf 70 Prozent: Das gilt beim Bund sowie in Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.
Für Ehegatten gilt die erhöhte Beihilfe nur unterhalb bestimmter Einkommensgrenzen. Die Grenzen variieren je nach Dienstherr – beim Bund liegt sie ab 2026 bei 23.861 Euro, in Bremen bei nur 12.000 Euro, in Rheinland-Pfalz bei 20.000 Euro.
Sachsen: die höchsten Beihilfesätze bundesweit
Sachsen bietet seit dem 1. Januar 2024 die familienfreundlichsten Beihilfesätze in ganz Deutschland. Was das in der Praxis bedeutet: Bei 90 Prozent Beihilfe muss die PKV nur noch 10 Prozent der Kosten absichern – die monatlichen Beiträge sinken auf 25 bis 50 Euro für Anwärter.
| Personengruppe | Beihilfesatz Sachsen |
| Aktive Beamte ohne Kind | 50 % |
| Aktive Beamte mit 1 Kind | 70 % |
| Aktive Beamte mit 2 oder mehr Kindern | 90 % |
| Ehegatten und Kinder | 90 % |
| Versorgungsempfänger | 70 bis 90 % |
Hessen: Sonderregelung speziell für Anwärter
Hessen hat eine Sonderregelung, die bundesweit einzigartig ist: Beamtenanwärter erhalten unabhängig vom Familienstand 70 Prozent Beihilfe für ambulante und zahnärztliche Leistungen sowie 85 Prozent für stationäre Leistungen inklusive privatärztlicher Behandlung und Zweibettzimmer.
Für reguläre Beamte in Hessen gilt ein Stufenmodell, bei dem der Beihilfesatz mit jeder weiteren beihilfeberechtigten Person um 5 Prozentpunkte steigt:
| Familienkonstellation | Beihilfesatz ambulant | Beihilfesatz stationär |
| Alleinstehend | 50 % | 65 % |
| Verheiratet | 55 % | 70 % |
| Plus 1 Kind | 60 % | 75 % |
| Plus 2 Kinder | 65 % | 80 % |
| Plus 3 Kinder | 70 % | 85 % |
Versorgungsempfänger in Hessen beginnen bei 60 Prozent ambulant und steigen mit jeder weiteren Person, maximal 80 Prozent ambulant und 85 Prozent stationär. Wichtig: In Hessen wird Beihilfe nur gewährt, wenn die beihilfefähigen Aufwendungen 250 Euro pro Antrag übersteigen.
Bremen: Familienbeihilfe auch für aktive Beamte
Bremen nutzt das Staffelmodell für aktive Beamte, nicht nur für Pensionäre:
| Aktive Beamte Bremen | Beihilfesatz |
| Alleinstehend | 50 % |
| Plus 1 beihilfeberechtigte Person (Ehegatte) | 55 % |
| Plus 2 Personen | 60 % |
| Plus 3 Personen | 65 % |
| Maximum | 70 % |
Im Ruhestand beginnt der Satz in Bremen bei 60 Prozent, steigt je weiterer Person um 5 Prozentpunkte auf maximal 80 Prozent. Die Einkommensgrenze für Ehegatten liegt in Bremen bei nur 12.000 Euro jährlich – deutlich strenger als beim Bund.
Thüringen: höchster Pensionssatz bundesweit
Thüringen ist das einzige Bundesland, in dem Versorgungsempfänger 75 Prozent Beihilfe erhalten – statt der bundesweit üblichen 70 Prozent. Das senkt den PKV-Eigenanteil im Ruhestand auf nur 25 Prozent.
Schleswig-Holstein: 90 Prozent ab dem dritten Kind
In Schleswig-Holstein erhalten Kinder 90 Prozent Beihilfe, wenn drei oder mehr berücksichtigungsfähige Kinder vorhanden sind. Bei berücksichtigungsfähigen Ehepartnern mit zwei oder mehr Kindern gilt für den Ehepartner ebenfalls 90 Prozent.
Baden-Württemberg: Kostendämpfungspauschale beachten
Baden-Württemberg folgt der Standardregelung für Aktive, erhebt aber eine Kostendämpfungspauschale, die die jährlichen Beihilfeleistungen kürzt. Beamtenanwärter auf Widerruf im Vorbereitungsdienst sind davon befreit. Für reguläre Beamte gilt je nach Besoldungsgruppe:
| Besoldungsgruppe | Aktive (Euro/Jahr) | Pensionäre (Euro/Jahr) |
| A 8 bis A 9 | 100 | 85 |
| A 10 bis A 11 | 115 | 105 |
| A 12, C 1–3 | 150 | 125 |
| A 13 bis A 14, R 1, W 1 | 180 | 140 |
| A 15 bis A 16, R 2, C 4, W 2 | 225 | 175 |
| B 1 bis B 2, W 3 | 275 | 210 |
| B 3 bis B 5, R 3–5 | 340 | 240 |
| B 6 bis B 8, R 6–8 | 400 | 300 |
| Höhere Besoldung | 480 | 330 |
Kostendämpfungspauschalen: welche Länder erheben sie noch?
Beamtenanwärter im Vorbereitungsdienst sind generell von der Kostendämpfungspauschale befreit. Für reguläre Beamte gilt:
| Bundesland | Kostendämpfungspauschale |
| Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, NRW, Niedersachsen, Thüringen | Nein – abgeschafft |
| Baden-Württemberg | Ja – 100 bis 480 Euro je nach Besoldungsgruppe |
| Rheinland-Pfalz | Ja – 150 bis 750 Euro je nach Besoldungsgruppe |
| Sachsen | Ja – ca. 1 Prozent des jährlichen Grundgehalts |
| Brandenburg, Saarland, MV, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt | Länderspezifisch, meist 90 bis 400 Euro |
Vollständige Übersicht aller 16 Bundesländer
So sehen die Beihilfesätze 2026 im direkten Überblick aus:
| Bundesland | Aktiv (0–1 Kind) | Aktiv (≥ 2 Kinder) | Ehegatte | Kinder | Pension | Besonderheit |
| Bund | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Elternzeit: 70 % ab 1. Kind |
| Bayern | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Restriktiv bei Heilpraktikern |
| Berlin | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Pauschale Beihilfe möglich |
| Brandenburg | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Pauschale Beihilfe möglich |
| Bremen | Staffel 50–70 % | Staffel | Staffel | 80 % | 60–80 % | Familienbeihilfe aktiv + Pension |
| Hamburg | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Pauschale Beihilfe möglich |
| Hessen | Staffel 50–70 % | Staffel | Staffel | 80 % | Staffel 60–80 % | Anwärter: 70 % ambulant, 85 % stationär |
| Mecklenburg-Vorpommern | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Elternzeit: 70 % ab 1. Kind |
| Niedersachsen | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Pauschale Beihilfe möglich |
| NRW | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Keine Kostendämpfungspauschale mehr |
| Rheinland-Pfalz | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Kostendämpfungspauschale vorhanden |
| Saarland | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Standard |
| Sachsen | 50 % | 90 % | 90 % | 90 % | 70–90 % | Höchste Sätze bundesweit |
| Sachsen-Anhalt | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Gilt Bundesregelung |
| Schleswig-Holstein | 50 % | 70 % | 70 % | 80–90 % | 70 % | 90 % Kinder/Ehegatte ab 3 Kindern |
| Thüringen | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 75 % | Höchster Pensionssatz bundesweit |
| Baden-Württemberg | 50 % | 70 % | 70 % | 80 % | 70 % | Kostendämpfungspauschale + pauschale Beihilfe möglich |
Was kosten PKV-Beiträge nach Personengruppe und Familienstand?
Der Anwärtertarif ist der günstigste Einstieg – aber was kommt danach? Und was kostet es, wenn die Familie wächst? Hier ein vollständiger Überblick aller relevanten Profile:
| Profil | Beihilfesatz | PKV-Beitrag Marktspanne |
| Anwärter, 22 J., ledig, Bund | 50 % | 70 bis 130 Euro |
| Anwärter, 22 J., ledig, Hessen | 70 % ambulant | 50 bis 90 Euro |
| Anwärter, 22 J., Sachsen, 2 Kinder | 90 % | 25 bis 50 Euro |
| Beamter, 30 J., ledig, Bund | 50 % | 250 bis 350 Euro |
| Beamter, 30 J., verheiratet, kein Kind | 50 % | 270 bis 370 Euro |
| Beamter, 35 J., verheiratet, 2 Kinder | 70 % eigener Anteil | 200 bis 280 Euro |
| Beamter, 45 J., ledig | 50 % | 340 bis 500 Euro |
| Pensionär, 63 bis 70 J. | 70 % | 200 bis 230 Euro |
| Beamtenkind | 80 % | 30 bis 70 Euro |
Damit Du siehst, was die Anbieter konkret verlangen: Ein 30-jähriger lediger Bundesbeamter mit 50 Prozent Beihilfe zahlt je nach Anbieter aktuell folgende Beiträge:
| Anbieter | Tarif | Monatsbeitrag |
| DKV | BeihilfeMed BK30 | 290 bis 330 Euro |
| Debeka | B 20K, B 30, WL 20K | 280 bis 320 Euro |
| HUK-Coburg | B 501 + BE2 | 293 Euro |
| ARAG | BHB30 + Bausteine | 308 Euro |
| Signal Iduna | BK, BKX20, PIT, BS, BSX20 | 321 Euro |
| Allianz | BHA51, BHK51, BHZ51 | 320 bis 360 Euro |
Ein 35-jähriger verheirateter Bundesbeamter mit zwei Kindern und 70 Prozent Beihilfe zahlt bei HUK-Coburg als Gesamtbeitrag für die Familie rund 330 Euro – ein günstiger Wert, weil Kinder mit 80 Prozent Beihilfe nur 20 bis 40 Euro PKV-Anteil kosten.
Welche Anbieter sind für Beamtenanwärter besonders empfehlenswert?
HUK-Coburg
Mit 70 Euro monatlich für einen 23-jährigen Bundesbeamtenanwärter ist HUK-Coburg der günstigste Anbieter am Markt. Die Beitragsrückerstattung greift ab dem ersten leistungsfreien Jahr, sogar wenn Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen wurden. Im regulären Beamtentarif liegt HUK-Coburg für einen 30-Jährigen bei 293 Euro monatlich. Der Tarif ist auf den 3,5-fachen GOÄ-Satz begrenzt; eine Chipkarte für direkte Abrechnung gibt es nicht. Die Beitragserhöhung für Anwärter fiel 2025 mit plus 25 Prozent überproportional stark aus. Öffnungsaktion: Ja.
Tarife: B 501 (Grundtarif), BE2 (Ergänzungstarif), BE2A (Anwärterergänzung), BEWL (Wahlleistungen).
Debeka
Debeka ist der größte PKV-Anbieter Deutschlands und bei Vorerkrankungen die erste Adresse – die Öffnungsaktion wird hier am liberalsten gehandhabt. Die Beitragsrückerstattung beträgt bis zu sechs Monatsbeiträge, die Beitragserhöhung 2026 fiel mit rund 6,5 Prozent als stabilste am Markt aus. Nachteil: Die Erhöhung 2025 war mit plus 26 Prozent sehr stark. Für Anwärter mit Heilfürsorge, etwa bei der Bundespolizei, bietet Debeka mit dem Tarif B-Easy ein spezielles Ergänzungsprodukt ab rund 44 Euro monatlich. Öffnungsaktion: Ja.
Tarife: B-Easy (Einsteiger), Tarif B (Vollschutz mit Wahlleistungsbaustein).
DKV
DKV bietet nach HUK-Coburg den günstigsten Anwärterbeitrag und hat gemeinsam mit Debeka das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im regulären Beamtentarif. Die Beitragserhöhungen fallen bei DKV traditionell moderat aus. Öffnungsaktion: Ja.
Tarife: BeihilfeMed BK30, BeihilfeMed BKF20, BeihilfeMed BKH2 30.
ARAG
ARAG hat die tiefste Leistungsabdeckung im Markt – Zahnersatz, Sehhilfen, Einzelzimmer, dazu einen Elternzeit-Bonus von sechs Monaten Beitragsbefreiung pro Kind und ein DFSI-Rating „Exzellent“. Der Beitrag liegt mit 93 Euro für Anwärter etwas über HUK und DKV. Kritisch: ARAG nimmt nicht an der Öffnungsaktion teil. Das bedeutet: vollständige Gesundheitsprüfung für alle, keine Aufnahmegarantie bei Vorerkrankungen. Öffnungsaktion: Nein.
Tarife: BAB50, BAB30 (Anwärter), BHB30, BHB20T, BH1, BHK20T (Beamte).
DBV (Deutsche Beamtenversicherung / AXA-Konzern)
DBV ist eine der bekanntesten Adressen für Beamte. Die Beitragserhöhungen 2026 fielen für reguläre Beamte mit plus 14 bis 17 Prozent deutlich aus. Einzelne Bestandstarife wie VisionB stiegen um 15 bis 30 Prozent – konkret stieg bei einem 52-jährigen Beamten im Tarif VB50T der Beitrag von 254 auf 305 Euro. Öffnungsaktion: Ja.
Tarife: VisionB (Einsteiger), BS (Standard), BSG (Grundschutz).
Allianz
Allianz hat die höchste Finanzstärke am Markt (S&P: AA, DFSI 1,0), ist aber auch der teuerste Anbieter unter den großen Anbietern. Das Preis-Leistungs-Verhältnis liegt unter dem Niveau von HUK, DKV und Debeka. Öffnungsaktion: Ja.
Tarife: BHA51, BHK51, BHZ51, BHE1K.
Signal Iduna
Signal Iduna hat mit einem Monatsbeitrag von 321 Euro für einen 30-jährigen ledigen Bundesbeamten im Handelsblatt-Test 2026 die beste Leistungsbewertung in dieser Kategorie erhalten. Die Beitragserhöhungen 2026 fielen für Bestandstarife mit plus 16 bis 19 Prozent sehr stark aus. Öffnungsaktion: Ja.
Hallesche
Die Hallesche bietet mit dem Tarif BKTO einen Spezialtarif für Beamtenanwärter. Die Beitragserhöhungen 2026 lagen im Schnitt bei plus 11 Prozent, die Spanne reichte je nach Tarif von 0 bis 43 Prozent. Öffnungsaktion: Ja.
Barmenia
Barmenia ist seit 2026 aus der Öffnungsaktion ausgestiegen und damit für Anwärter mit Vorerkrankungen keine Option mehr. Die Beitragserhöhung 2026 betrug für Beamte rund 15 Prozent. Ein Versicherter berichtete einen Anstieg von 287 auf 475 Euro monatlich. Öffnungsaktion: Seit 2026 nein.
Welche Beitragserhöhungen kamen 2025 und 2026?
Der PKV-Verband prognostizierte für 2026 Erhöhungen bei rund 60 Prozent der Privatversicherten, im Schnitt plus 13 Prozent. Für Beamtenanwärter sieht die Lage nach Anbieter so aus:
| Anbieter | Beamte 2026 | Anwärter 2026 | Besonderheit |
| Debeka | ca. +6,5 % | moderat | Stabilster Anstieg am Markt |
| HUK-Coburg | ca. +8 % | +25 % (schon 2025) | Anwärter überproportional betroffen |
| ARAG | +7 bis 9 % | +9 bis 11 % | Branchendurchschnitt |
| DBV (AXA) | +14 bis 17 % | +9 bis 11 % | VisionB teils bis +30 % |
| Barmenia | +15 % | +9 % | Öffnungsaktion eingestellt |
| Hallesche | +11 % Ø | — | Spanne 0 bis 43 % je Tarif |
| Signal Iduna | +16 bis 19 % | — | Bestandstarife stark betroffen |
| DKV | moderat | moderat | Stabilste Option neben Debeka |
Was ist die Öffnungsaktion – und welche Frist gilt?
Die Öffnungsaktion ist eine branchenweite Vereinbarung aller teilnehmenden PKV-Unternehmen. Sie garantiert Beamtenanwärtern den PKV-Zugang trotz Vorerkrankungen oder Behinderungen zu folgenden Konditionen:
- Kein Aufnahmehöchstalter
- Keine Leistungsausschlüsse, auch bei schweren Vorerkrankungen
- Risikozuschlag maximal 30 Prozent des tariflichen Beitrags
- Frist: sechs Monate ab Beginn des Beamtenverhältnisses
Zur Frist: Sie beginnt am Tag der offiziellen Verbeamtung laut Ernennungsurkunde, nicht am ersten Tag des Vorbereitungsdienstes. Für Beamte auf Probe gilt die Frist erneut, wenn sie zuvor als Beamte auf Widerruf in der GKV versichert waren. Wer vor dem 31. Dezember 2004 bereits freiwillig gesetzlich versichert war und Vorerkrankungen hat, kann die Öffnungsaktion jederzeit nutzen. Die Öffnungsaktion kann insgesamt nur einmal genutzt werden.
Welche Versicherer nehmen teil und welche nicht – das ist vor dem Antrag das Wichtigste zu klären:
| Versicherer | Öffnungsaktion | Besonderheit |
| Debeka | Ja | Liberalste Handhabung bundesweit |
| HUK-Coburg | Ja | Standardkonditionen |
| Hallesche | Ja | — |
| Allianz | Ja | — |
| Signal Iduna | Ja | — |
| DKV | Ja | — |
| DBV (AXA) | Ja | — |
| Münchener Verein | Ja | — |
| ARAG | Nein | Nur für gesunde Anwärter geeignet |
| Barmenia | Nein | Seit 2026 ausgestiegen |
| Continentale | Nein | — |
Wer mit Vorerkrankungen direkt bei einem Nicht-Teilnehmer anfragt und abgelehnt wird, riskiert, dass diese Ablehnung gespeichert wird und spätere Aufnahmen erschwert. Immer erst prüfen, dann anonyme Voranfrage stellen.
Was ist die pauschale Beihilfe – und lohnt sie sich für Beamtenanwärter?
Bei der pauschalen Beihilfe übernimmt der Dienstherr 50 Prozent der monatlichen Beiträge zu einer gesetzlichen oder privaten Krankenvollversicherung. Beamte können damit auch in der GKV bleiben – die PKV ist dann nicht mehr zwingend.
Diese Option ist nicht in allen Bundesländern verfügbar:
| Bundesland | Pauschale Beihilfe möglich? |
| Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg | Ja |
| Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein (eingeschränkt), Thüringen | Ja |
| Bayern, NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland | Nein |
| Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Bund (Bundesbeamte) | Nein |
Ein Rechenbeispiel für einen ledigen Anwärter in Hamburg mit pauschaler Beihilfe und GKV: Der GKV-Beitrag auf den Anwärtergrundbetrag liegt bei rund 265 bis 280 Euro. Die pauschale Beihilfe übernimmt 50 Prozent, der Eigenanteil beträgt 130 bis 140 Euro. In der PKV mit 50 Prozent individueller Beihilfe wären es dagegen nur 70 bis 100 Euro. Die PKV bleibt also auch bei pauschaler Beihilfeoption meist günstiger.
Wichtige Warnung: Die Wahl der pauschalen Beihilfe ist in den meisten Ländern unwiderruflich. Im Ruhestand entfällt außerdem der Vorteil der höheren individuellen Beihilfe von 70 Prozent – die pauschale Beihilfe deckt unabhängig vom Status immer nur 50 Prozent der Beitragskosten.
Was gilt für die freie Heilfürsorge – brauche ich dann noch eine PKV?
Bestimmte Beamtengruppen erhalten statt Beihilfe die freie Heilfürsorge. Der Dienstherr übernimmt dabei 100 Prozent der Kosten direkt – eine PKV ist während der aktiven Dienstzeit nicht erforderlich.
| Beamtengruppe | Heilfürsorge? | Besonderheit |
| Bundespolizei (aktiv) | Ja | Seit 1.11.2025: Krankenhauswahlleistungen nicht mehr inkludiert |
| Bundeswehr und Zeitsoldaten (aktiv) | Ja | Bis zur Pensionierung |
| Landespolizei Bayern | Nein | PKV erforderlich |
| Zoll | Nein | PKV von Beginn an nötig |
| Alle Heilfürsorgeberechtigten im Ruhestand | Nein | Heilfürsorge endet mit Pensionierung |
Seit dem 1. November 2025 deckt die Heilfürsorge der Bundespolizei keine Krankenhauswahlleistungen mehr ab – Chefarztbehandlung, Ein- oder Zweibettzimmer und Privatkliniken sind seitdem nicht mehr enthalten. Bundespolizisten brauchen dafür einen separaten Krankenhauswahlleistungstarif.
Wer Heilfürsorge bezieht, sollte außerdem eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Diese sichert den späteren PKV-Zugang im Ruhestand ohne neue Gesundheitsprüfung – denn mit der Pensionierung endet die Heilfürsorge. Für Ehegatten und Kinder von Heilfürsorgeberechtigten gelten weiterhin die normalen Beihilfevorschriften, sie brauchen eine eigene Restkostenversicherung.
Was müssen Beamtenanwärter beim Beihilfe-Ergänzungstarif beachten?
Beihilfe deckt nicht alle Kosten vollständig. Bestimmte Leistungsbereiche werden von der Beihilfe nur anteilig oder gar nicht erstattet – dort entsteht eine Lücke, die ein Ergänzungstarif schließt:
| Leistungsbereich | Typische Beihilfekürzung | Ergänzungstarif sinnvoll? |
| Material- und Laborkosten bei Zahnersatz | Häufig nur anteilig erstattet | Ja |
| Einbettzimmer im Krankenhaus | Meist nicht beihilfefähig | Ja |
| Sehhilfen, Brillen, Kontaktlinsen | Begrenzt oder gar nicht | Ja |
| Wahlleistungen: Chefarzt, Zweibettzimmer | Länderspezifisch nicht immer inkludiert | Ja |
| Heilpraktiker | Bayern sehr restriktiv | Bundeslandabhängig |
| Auslandsrücktransport | Oft nicht durch Beihilfe gedeckt | Ja |
Welche typischen Fehler solltest Du als Beamtenanwärter unbedingt vermeiden?
Die Sechs-Monats-Frist der Öffnungsaktion verpassen. Sie läuft exakt sechs Monate ab dem Datum der Ernennungsurkunde. Wer die Frist überschreitet, unterliegt der vollen Gesundheitsprüfung und kann abgelehnt werden – ohne Ausnahme.
Nur den Anwärter-Beitrag vergleichen. Der günstige Beitrag von 70 bis 100 Euro als Anwärter sagt nichts über den späteren Beamtenbeitrag von 250 bis 370 Euro aus. Immer beide Phasen vergleichen.
Vorantrag bei einem Nicht-Öffnungsaktions-Anbieter stellen. Wer mit Vorerkrankungen direkt bei ARAG oder Barmenia anfragt und abgelehnt wird, riskiert, dass diese Ablehnung gespeichert wird. Immer erst prüfen, dann anonyme Voranfrage.
Beihilfeerhöhung bei Familienzuwachs ignorieren. Bei Geburt des zweiten Kindes steigt der Beihilfesatz von 50 auf 70 Prozent. Innerhalb von sechs Monaten kann der Tarif ohne Gesundheitsprüfung angepasst werden. Wer das verpasst, zahlt zu viel.
Pauschale Beihilfe voreilig wählen. Diese Entscheidung ist in den meisten Ländern unwiderruflich. Im Ruhestand verlierst Du den Anstieg auf 70 Prozent individuelle Beihilfe.
Direkt den regulären Beamtentarif abschließen. In der Anwärterphase gibt es immer den günstigeren Anwärtertarif. Den regulären Tarif direkt abzuschließen kostet unnötig Geld.