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Rückwärtsdeckung bei einer D&O-Versicherung für Geschäftsführer

Als Geschäftsführer triffst du täglich Entscheidungen, deren Tragweite sich oft erst Jahre später zeigt.

Eine strategische Investition aus 2022 erweist sich 2026 als Fehlschlag. Ein Vertragsabschluss, der damals sinnvoll erschien, führt plötzlich zu Regressforderungen. Genau hier setzt die Rückwärtsdeckung der D&O-Versicherung an und schließt eine Lücke, die vielen Geschäftsführern gar nicht bewusst ist.

Die Rückwärtsdeckung bedeutet konkreten Versicherungsschutz für Pflichtverletzungen, die zeitlich vor Abschluss deiner D&O-Versicherung liegen, aber erst während der Vertragslaufzeit geltend gemacht werden.

Ohne diese Klausel stündest du für alle Entscheidungen aus der Zeit vor Versicherungsbeginn vollständig allein da, selbst wenn die Inanspruchnahme erst Jahre später erfolgt.

Die meisten modernen D&O-Versicherungen bieten eine zeitlich unbegrenzte Rückwärtsdeckung ohne Mehrbeitrag an.

Was bedeutet Rückwärtsdeckung bei einer D&O-Versicherung?

Die Rückwärtsdeckung, auch retroaktive Deckung genannt, gewährt Versicherungsschutz für Versicherungsfälle, die während der Vertragslaufzeit geltend gemacht werden, aber auf Pflichtverletzungen beruhen, die zeitlich vor dem Versicherungsbeginn liegen. Diese Definition klingt technisch, wird aber im praktischen Beispiel sofort verständlich.

Stell dir vor: Du triffst 2022 als Geschäftsführer eine Entscheidung beim Einkauf von Rohstoffen, die sich später als wirtschaftlich nachteilig herausstellt. Erst 2026 wird gegen dich ein Regressanspruch geltend gemacht. Deine D&O-Versicherung hast du aber erst 2025 abgeschlossen.

  • Ohne Rückwärtsdeckung: Kein Versicherungsschutz, da die Pflichtverletzung vor Vertragsbeginn lag
  • Mit unbegrenzter Rückwärtsdeckung: Voller Versicherungsschutz, sofern die Pflichtverletzung bei Vertragsabschluss 2025 noch nicht bekannt war

Die Rückwärtsdeckung schließt also die zeitliche Lücke zwischen der eigentlichen Handlung und dem Moment, in dem jemand dich dafür zur Verantwortung zieht. Diese Lücke kann Jahre oder sogar Jahrzehnte betragen, denn manche Haftungsfälle werden erst sehr spät erkennbar.

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Unterschied zur Rückwärtsversicherung nach § 2 VVG

Die Rückwärtsdeckungsklausel ist von der echten Rückwärtsversicherung im Sinne von § 2 Abs. 1 VVG zu unterscheiden. Dieser Unterschied mag juristisch wirken, ist aber für dein Verständnis wichtig.

Bei der Rückwärtsdeckung in der D&O-Versicherung:

  • Die Pflichtverletzung liegt vor Vertragsbeginn
  • Der Versicherungsfall (Anspruchserhebung) tritt während der Vertragslaufzeit ein
  • Dies ist rechtlich zulässig und üblich

Bei der echten Rückwärtsversicherung nach § 2 VVG:

  • Der komplette Versicherungsfall ist bereits vor Vertragsabschluss eingetreten
  • Diese Form ist im deutschen Recht grundsätzlich nicht zulässig
  • Sie würde bedeuten, dass auch die Anspruchserhebung bereits erfolgt ist

Die Rückwärtsdeckung in der D&O-Versicherung bewegt sich also im rechtlich erlaubten Rahmen, da sie sich auf den Zeitpunkt der Anspruchserhebung bezieht und nicht auf den Zeitpunkt des Schadens selbst. Der eigentliche Versicherungsfall entsteht erst, wenn jemand einen Anspruch gegen dich geltend macht, nicht schon bei der Pflichtverletzung selbst.

Warum ist die Rückwärtsdeckung so wichtig?

Die Bedeutung der Rückwärtsdeckung ergibt sich aus dem in D&O-Versicherungen üblichen Claims-made-Prinzip, auch Anspruchserhebungsprinzip genannt. Dabei ist nicht der Zeitpunkt der Pflichtverletzung entscheidend, sondern der Zeitpunkt, zu dem der Anspruch gegen dich als versicherte Person geltend gemacht wird.

Risiko ohne Rückwärtsdeckung

Ein konkretes Szenario verdeutlicht die Tragweite: Ein neu eingetretener Geschäftsführer schließt 2023 für sein Unternehmen erstmals eine D&O-Versicherung ab. Sein Vorgänger, der 2020 ausgeschieden ist, hatte während seiner Amtszeit mehrere strategische Entscheidungen getroffen. Im Jahr 2025 stellt sich heraus, dass eine dieser Entscheidungen aus 2019 einen Schaden von 500.000 Euro verursacht hat. Die Gesellschaft nimmt den ehemaligen Geschäftsführer in Regress.

Ohne Rückwärtsdeckung:

  • Der ausgeschiedene Geschäftsführer ist vollständig schutzlos
  • Die Pflichtverletzung lag vor Versicherungsbeginn
  • Er muss Abwehrkosten und Schadensersatz aus eigener Tasche zahlen
  • Potenzielle Privatinsolvenz droht

Mit unbegrenzter Rückwärtsdeckung:

  • Die D&O-Versicherung übernimmt die Abwehrkosten
  • Gegebenenfalls erfolgt die Freistellung vom Schadensersatz
  • Voraussetzung: Die Pflichtverletzung war 2023 beim Vertragsabschluss nicht bekannt
  • Der ausgeschiedene Geschäftsführer ist geschützt

Versichererwechsel ohne Rückwärtsdeckung ist gefährlich

Besonders kritisch wird es bei Umdeckungen zwischen verschiedenen Versicherern. Ein Unternehmen wechselt 2023 von Versicherer A zu Versicherer B, um Prämien zu sparen. Im Jahr 2025 wird ein Vorstandsmitglied für eine Pflichtverletzung aus 2021 in Anspruch genommen. Der alte Vertrag bei Versicherer A endete bereits 2022.

Die neue D&O-Versicherung bei Versicherer B greift nur aufgrund der unbegrenzten Rückwärtsdeckung. Wichtig ist dabei die Kontinuitätsgarantie beziehungsweise das Kontinuitätsdatum, um Umdeckungslücken zu vermeiden. Ohne diese Regelungen entstehen gefährliche Deckungslücken genau beim Versichererwechsel, den viele Unternehmen aus Kostengründen vornehmen.

Zusammenspiel von Claims-made-Prinzip und Rückwärtsdeckung

Das folgende Schema zeigt, wie beide Komponenten zusammenwirken:

ZeitpunktEreignisOhne RückwärtsdeckungMit Rückwärtsdeckung
2022Pflichtverletzung durch Geschäftsführer
2025Abschluss D&O-VersicherungVersicherungsbeginnVersicherungsbeginn
2026Anspruch wird geltend gemachtKein SchutzVoller Schutz

Die Rückwärtsdeckung ist die logische Ergänzung zum Claims-made-Prinzip. Zusammen bieten sie vollständigen Schutz für alle Pflichtverletzungen, solange der Anspruch während der Vertragslaufzeit geltend gemacht wird.

Arten der Rückwärtsdeckung

Die Ausgestaltung der Rückwärtsdeckung unterscheidet sich erheblich zwischen verschiedenen Anbietern und Tarifen. Du solltest genau verstehen, welche Variante deine Police bietet, denn die Unterschiede haben massive Auswirkungen auf deinen tatsächlichen Schutz.

Unbegrenzte Rückwärtsdeckung als Goldstandard

Die meisten modernen D&O-Versicherungen bieten eine zeitlich unbegrenzte Rückwärtsdeckung an. Das bedeutet, dass Pflichtverletzungen aus der gesamten Vergangenheit versichert sind, egal wie lange sie zurückliegen.

Vorteile der unbegrenzten Rückwärtsdeckung:

  • Umfassendster Schutz für Führungskräfte
  • Besonders wichtig bei Versichererwechsel
  • Schützt auch bei lang zurückliegenden Entscheidungen
  • Meist ohne Mehrbeitrag erhältlich

Diese unbegrenzte Variante bietet den umfassendsten Schutz für dich als Führungskraft. Ob die kritische Entscheidung vor einem Jahr, fünf Jahren oder sogar zehn Jahren getroffen wurde, spielt keine Rolle. Die gute Nachricht: Die meisten Versicherer bieten die unbegrenzte Rückwärtsdeckung mittlerweile ohne Mehrbeitrag an, sie gehört zum Standard guter Tarife.

Begrenzte Rückwärtsdeckung birgt erhebliche Risiken

Einige Tarife, vor allem ältere oder günstigere Policen, beschränken die Rückwärtsdeckung zeitlich. Die folgende Tabelle zeigt typische Ausgestaltungen:

VarianteZeitliche BegrenzungPrämienersparnisRisikobewertung
Sehr begrenzt1 Jahrca. 20-30%Sehr hohes Risiko
Begrenzt3 Jahreca. 15-20%Hohes Risiko
Moderat begrenzt5 Jahreca. 10-15%Mittleres Risiko
UnbegrenztKeine BegrenzungStandardEmpfohlen

Bei begrenzter Rückwärtsdeckung können gravierende Schutzlücken entstehen, da Schadenersatzansprüche oft erst Jahre nach der eigentlichen Pflichtverletzung geltend gemacht werden. Ein Beispiel verdeutlicht das Risiko: Deine D&O-Versicherung mit 3-jähriger Rückwärtsdeckung beginnt am 1. Januar 2023. Eine Pflichtverletzung vom 15. Dezember 2019 wäre damit nicht gedeckt, selbst wenn der Anspruch erst 2026 geltend gemacht wird.

Gerade in Branchen mit langen Entwicklungszyklen wie der Pharma- oder Bauindustrie können zwischen Entscheidung und Schadenersatzforderung problemlos fünf oder mehr Jahre liegen. Eine auf drei Jahre begrenzte Rückwärtsdeckung hilft dir in solchen Fällen nicht weiter.

Retroactive Date schränkt den Schutz zusätzlich ein

Manche Versicherungen arbeiten mit einem Retroactive Date, einem festen Rückwärts-Stichtag, ab dem Rückwärtsdeckung besteht. Ansprüche aus Pflichtverletzungen vor diesem Datum sind generell nicht versichert, unabhängig davon, wann sie geltend gemacht werden.

Funktionsweise des Retroactive Date:

Beispiel: Retroactive Date: 1. Januar 2020

Pflichtverletzung vom 15. Dezember 2019
→ Nicht gedeckt, liegt vor dem Stichtag

Pflichtverletzung vom 15. Januar 2020
→ Potenziell gedeckt, liegt nach dem Stichtag

Akzeptiere einen Retroactive Date nur in absoluten Ausnahmefällen und nur dann, wenn du dir absolut sicher bist, dass vor diesem Datum keine relevanten Pflichtverletzungen begangen wurden. Diese Sicherheit zu haben, ist allerdings praktisch unmöglich.

Zentrale Voraussetzung: Unkenntnis der Pflichtverletzung

Die wichtigste Einschränkung der Rückwärtsdeckung ist der Kenntnisausschluss, auch Vorkenntnisausschluss genannt. Versicherungsschutz besteht nur für Pflichtverletzungen, die bei Vertragsabschluss weder dir als versicherter Person noch der Versicherungsnehmerin, also dem Unternehmen, bekannt waren.

Was bedeutet „bekannt“ rechtlich genau?

Die rechtliche Definition des Kenntnistatbestands ist entscheidend für deinen Schutz. Die folgende Übersicht zeigt, was als Kenntnis gilt und was nicht:

Positive Kenntnis (schadet):

  • Tatsächliche, bewusste Kenntnis der Pflichtverletzung
  • Das Verhalten wurde als möglicherweise pflichtwidrig erkannt
  • Eine anwaltliche Prüfung wurde erwogen oder durchgeführt
  • Intern wurde über mögliche Haftungsrisiken diskutiert

Keine positive Kenntnis (schadet nicht):

  • Bloßes Kennenmüssen ohne tatsächliche Kenntnis
  • Grob fahrlässige Unkenntnis
  • Hätte-wissen-können bei sorgfältiger Prüfung
  • Nachträgliche Erkenntnis der Problematik

Die Beweislast trägt der Versicherer. Er muss nachweisen, dass du bei Vertragsabschluss positive Kenntnis von der Pflichtverletzung hattest. Das ist in der Praxis oft schwierig nachzuweisen, weshalb diese Regelung grundsätzlich zu deinen Gunsten wirkt.

Wissenszurechnung im Unternehmen kann problematisch werden

Bei der D&O-Versicherung wird das Wissen von Organmitgliedern und verfassungsmäßig berufenen Vertretern der Gesellschaft zugerechnet:

PersonWissen wird zugerechnet anKonsequenz
Geschäftsführer GmbHDie GmbH als VersicherungsnehmerinKenntnis gilt für gesamte GmbH
Vorstandsmitglied AGDie AG als VersicherungsnehmerinKenntnis gilt für gesamte AG
ProkuristGrundsätzlich keine ZurechnungKenntnis bleibt isoliert

Diese Wissenszurechnung kann sich negativ auf die Rückwärtsdeckung auch für unwissende andere versicherte Personen auswirken. Ein konkretes Szenario: Geschäftsführer A kennt eine Pflichtverletzung bei Vertragsabschluss, Geschäftsführer B weiß nichts davon. Durch die Wissenszurechnung könnte auch Geschäftsführer B den Versicherungsschutz verlieren, obwohl er persönlich keine Kenntnis hatte.

Severability-Klauseln schützen unwissende Organmitglieder

Viele moderne D&O-Bedingungen enthalten sogenannte Severability-Klauseln, die regeln, dass die Kenntnis einer versicherten Person nicht anderen versicherten Personen zugerechnet wird. Diese Klauseln sind für dich als Geschäftsführer extrem wichtig, insbesondere wenn mehrere Geschäftsführer oder Vorstände im Unternehmen tätig sind.

Ohne Severability-Klausel:

  • Kenntnis eines Organmitglieds wird allen zugerechnet
  • Unwissende Geschäftsführer verlieren ebenfalls Schutz
  • Gemeinsame Haftung für Kenntnis Einzelner

Mit Severability-Klausel:

  • Kenntnis wird individuell betrachtet
  • Unwissende Organmitglieder bleiben geschützt
  • Gerechte Risikoverteilung

Praxisbeispiele zur Rückwärtsdeckung

Konkrete Fälle aus der Praxis verdeutlichen, wann und wie die Rückwärtsdeckung greift und welche Fallstricke lauern.

Beispiel 1: Geschäftsführerwechsel mit Altlasten

Ein Geschäftsführer einer GmbH trifft 2020 eine unternehmerische Entscheidung beim Einkauf von Rohstoffen, die sich als wirtschaftlich nachteilig herausstellt. Im Jahr 2022 scheidet er aus dem Amt aus. Ein neuer Geschäftsführer übernimmt und schließt erstmals eine D&O-Versicherung ab. Im Jahr 2024 stellt die Gesellschaft fest, dass durch die Entscheidung von 2020 ein Schaden von 500.000 Euro entstanden ist und nimmt den ehemaligen Geschäftsführer in Regress.

Zeitstrahl:

  • 2020: Pflichtverletzung durch Einkaufsentscheidung
  • 2022: Geschäftsführerwechsel, Abschluss D&O-Versicherung
  • 2024: Schadenfeststellung
  • 2025: Inanspruchnahme des ehemaligen Geschäftsführers

Lösung:

Dank der unbegrenzten Rückwärtsdeckung ist die Pflichtverletzung aus 2020 versichert, da sie bei Abschluss der Versicherung 2022 weder dem neuen Geschäftsführer noch dem ausgeschiedenen Geschäftsführer als schadensträchtig bekannt war. Die D&O-Versicherung übernimmt die Abwehrkosten und gegebenenfalls die Freistellung.

Beispiel 2: Umdeckung zwischen Versicherern

Ein Unternehmen wechselt 2023 von Versicherer A zu Versicherer B, um Prämien zu sparen. Im Jahr 2025 wird ein Vorstandsmitglied für eine Pflichtverletzung aus 2021 in Anspruch genommen. Der alte Vertrag bei Versicherer A endete bereits 2022.

Konstellation:

  • Versicherer A: Vertrag 2019-2022
  • Versicherungslücke: 2022-2023
  • Versicherer B: Vertrag ab 2023
  • Pflichtverletzung: 2021
  • Inanspruchnahme: 2025

Lösung:

Die neue D&O-Versicherung bei Versicherer B greift aufgrund der unbegrenzten Rückwärtsdeckung, sofern die Pflichtverletzung bei Vertragsabschluss 2023 nicht bekannt war. Wichtig ist hier die Kontinuitätsgarantie beziehungsweise das Kontinuitätsdatum, um Umdeckungslücken zu vermeiden. Dieses Beispiel zeigt, warum Versichererwechsel sorgfältig geplant werden müssen und die Rückwärtsdeckung beim neuen Versicherer explizit vereinbart werden sollte.

Beispiel 3: Insolvenzverschleppung als kritischer Sonderfall

Eine GmbH gerät 2024 in wirtschaftliche Schieflage. Die Insolvenzreife tritt im März 2024 ein, aber der Geschäftsführer stellt den Insolvenzantrag erst im September 2024. In der Zwischenzeit führt er noch Zahlungen in Höhe von 200.000 Euro aus. Nach Insolvenzeröffnung nimmt der Insolvenzverwalter den Geschäftsführer wegen dieser Zahlungen in Anspruch.

Achtung: Deckungslücke bei klassischen D&O-Versicherungen

Hier liegt eine Deckungslücke in vielen klassischen D&O-Versicherungen vor. Das OLG Düsseldorf hat entschieden, dass Ansprüche nach § 15b InsO, also verbotene Zahlungen nach Insolvenzreife, keine Schadensersatzansprüche im versicherungsrechtlichen Sinne sind, sondern Ausgleichsansprüche. Daher werden sie oft nicht von der D&O-Versicherung gedeckt.

Lösung:

Neuere D&O-Verträge enthalten mittlerweile oft explizite Deckungserweiterungen für Insolvenzfälle. Du solltest deine Police unbedingt darauf prüfen lassen, denn gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist dieser Schutz existenziell wichtig. Die Rückwärtsdeckung allein hilft dir hier nicht, wenn der Versicherungsschutz für Insolvenzansprüche grundsätzlich ausgeschlossen ist.

Ausschlüsse und Einschränkungen der Rückwärtsdeckung

Die Rückwärtsdeckung ist nicht grenzenlos. Mehrere Ausschlüsse und Einschränkungen können deinen Versicherungsschutz gefährden, auch wenn grundsätzlich eine unbegrenzte Rückwärtsdeckung vereinbart ist.

Bekannte Pflichtverletzungen sind generell ausgeschlossen

Die folgende Übersicht zeigt, welche Pflichtverletzungen vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind:

Ausgeschlossen (kein Versicherungsschutz):

  • Bei Vertragsabschluss bekannte Pflichtverletzungen
  • Bereits laufende gerichtliche Verfahren
  • Behördliche Verfahren, die bereits eingeleitet wurden
  • Umstände, über die bereits anwaltliche Beratung eingeholt wurde
  • Intern als problematisch erkannte Vorgänge

Versichert (Versicherungsschutz besteht):

  • Unbekannte Pflichtverletzungen aus der Vergangenheit
  • Grob fahrlässig nicht erkannte Risiken
  • Vorgänge, die erst nachträglich als problematisch erkannt werden
  • Entscheidungen, die nach bestem Wissen getroffen wurden

Diese Regel gilt für alle D&O-Versicherungen und ist nicht verhandelbar. Was du bei Vertragsabschluss als mögliche Pflichtverletzung erkannt hast, ist nicht versichert.

Wissentliche Pflichtverletzungen bleiben außen vor

Viele D&O-Bedingungen schließen wissentliche oder vorsätzliche Pflichtverletzungen generell aus, unabhängig von der Rückwärtsdeckung. Dieser Ausschluss bezieht sich auf den dolus directus, also die bewusste und gewollte Pflichtverletzung.

BGH-Rechtsprechung vom November 2025:

Der Bundesgerichtshof hat klargestellt, dass bei einer Inanspruchnahme wegen verbotener Zahlungen nach § 15b InsO nicht automatisch auf eine wissentliche Verletzung der Insolvenzantragspflicht geschlossen werden darf. Der Versicherer muss die Wissentlichkeit der konkret gerügten Pflichtverletzung beweisen. Diese Rechtsprechung stärkt deine Position erheblich, denn pauschale Verweise auf wissentliche Pflichtverletzungen reichen nicht mehr aus.

Falsche Angaben bei Vertragsabschluss gefährden alles

Bei Vertragsabschluss musst du als Antragsteller, meist der Geschäftsführer, Fragen nach bekannten Pflichtverletzungen oder Umständen, die zu einem Schadenfall führen können, wahrheitsgemäß beantworten.

Konsequenzen falscher Angaben:

RechtsgrundlageFolgeAuswirkung
§ 123 BGBAnfechtung des VertragsVertrag wird rückabgewickelt
§ 19 VVGLeistungsfreiheitVersicherer zahlt nicht
KollektiveffektVerlust für alleAuch unwissende Personen verlieren Schutz

Die Antragsstellung erfordert daher höchste Sorgfalt. Beantworte alle Fragen vollständig und wahrheitsgemäß, auch wenn du befürchtest, dass dies zu höheren Prämien oder Ausschlüssen führen könnte. Falsche Angaben gefährden den gesamten Versicherungsschutz.

Worauf solltest du bei der Rückwärtsdeckung achten?

Mehrere Punkte entscheiden darüber, ob deine Rückwärtsdeckung im Ernstfall wirklich greift oder ob gefährliche Lücken klaffen. Die folgende Checkliste hilft dir bei der Prüfung deiner D&O-Versicherung.

Checkliste beim Abschluss einer D&O-Versicherung

Rückwärtsdeckung:

  • ✓ Unbegrenzte zeitliche Rückwärtsdeckung vereinbart
  • ✓ Kein Retroactive Date (fester Rückwärts-Stichtag)
  • ✓ Rückwärtsdeckung gilt auch für ausgeschiedene Organmitglieder
  • ✓ Keine zeitliche Begrenzung auf 1, 3 oder 5 Jahre

Schutzklauseln:

  • ✓ Severability-Klausel vorhanden (Kenntnis wird nicht zugerechnet)
  • ✓ Wissentlichkeits-Verzicht bis Rechtskraft vereinbart
  • ✓ Keine Kündigung im Schadenfall durch Versicherer
  • ✓ Subsidiäre Rückwärtsdeckung bei Versichererwechsel

Nachmeldefrist:

  • ✓ Mindestens 36 Monate Nachmeldefrist
  • ✓ Besser 60 bis 120 Monate
  • ✓ Unverfallbare Nachmeldefrist für ausgeschiedene Personen
  • ✓ Nachmeldefrist auch bei Insolvenz des Unternehmens

Bei Versichererwechsel zusätzlich:

  • ✓ Kontinuitätsgarantie vereinbart
  • ✓ Kontinuitätsdatum entspricht erstem Vertragsabschluss
  • ✓ Besitzstandswahrung (keine Verschlechterung gegenüber Altvertrag)
  • ✓ Keine Umdeckungslücken zwischen alter und neuer Police

Unbegrenzte zeitliche Rückwärtsdeckung als Mindeststandard

Dies ist der Goldstandard moderner D&O-Versicherungen. Akzeptiere eine begrenzte Rückwärtsdeckung nur in absoluten Ausnahmefällen, wenn besondere Gründe dafür sprechen. Die unbegrenzte Variante ist mittlerweile bei den meisten Versicherern Standard und verursacht keinen Mehrbeitrag.

Die folgende Tabelle zeigt typische Prämienunterschiede:

UmsatzDeckungssummeJahresprämie netto (unbegrenzte Rückwärtsdeckung)
500.000 €250.000 €ca. 350-450 €
2 Mio. €1 Mio. €ca. 740-950 €
5 Mio. €2,5 Mio. €ca. 1.400-1.800 €
10 Mio. €5 Mio. €ca. 3.500 €

Achte darauf, dass kein Retroactive Date vereinbart ist, der Altfälle pauschal ausschließt. Ein fester Rückwärts-Stichtag beschränkt deinen Schutz erheblich und ist in den meisten Fällen unnötig.

Kontinuitätsgarantie bei Versichererwechsel vereinbaren

Beim Wechsel zu einem neuen Versicherer ist Sorgfalt geboten. Der neue Versicherer sollte das ursprüngliche Rückwärtsdatum des ersten Vertrags übernehmen, das sogenannte Kontinuitätsdatum.

Ablauf beim Versichererwechsel:

  1. Alter Vertrag endet: 31. Dezember 2025
  2. Neuer Vertrag beginnt: 1. Januar 2026
  3. Kontinuitätsdatum: Datum des ersten D&O-Vertrags (z.B. 1. Januar 2018)
  4. Rückwärtsdeckung ab: 1. Januar 2018, nicht erst ab 1. Januar 2026

Prüfe das Warranty Statement bei der Antragsstellung genau. Du musst eine Erklärung abgeben, dass keine bekannten Umstände vorliegen, die zu einem Anspruch führen könnten. Diese Erklärung bezieht sich auf den Zeitpunkt des ersten Vertragsabschlusses, nicht des Wechsels.

Dokumentation und Compliance im laufenden Betrieb

Um die Rückwärtsdeckung nicht zu gefährden, solltest du folgende Maßnahmen ergreifen:

Sofortmaßnahmen:

  • Sorgfältige Antragstellung mit wahrheitsgemäßen Angaben
  • Dokumentation wichtiger unternehmerischer Entscheidungen
  • Protokollierung von Vorstandssitzungen und Geschäftsführerbeschlüssen
  • Einholung rechtlicher Beratung bei kritischen Entscheidungen

Laufende Maßnahmen:

  • Keine voreilige Schadenmeldung bei bloßen Vermutungen
  • Regelmäßige Policen-Überprüfung (jährlich)
  • Anpassung des Versicherungsschutzes bei Unternehmensänderungen
  • Schulung der Organmitglieder zu D&O-relevanten Themen

Marktübersicht: Anbieter mit starker Rückwärtsdeckung

Am Markt existieren erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Anbietern. Die folgende Übersicht zeigt die Top-Anbieter mit umfassender Rückwärtsdeckung.

AnbieterRückwärtsdeckungNachmeldefristBesonderheitenPreisniveau
MarkelUnbegrenzt36-60 MonateWissentlichkeits-Verzicht bis Rechtskraft, keine Kündigung im SchadenfallMittel-Hoch
HiscoxUnbegrenzt36 MonateModern, gut für Startups und digitale GeschäftsmodelleMittel
exaliUnbegrenzt120 MonateUnverfallbare Nachmeldefrist für ausgeschiedene PersonenMittel
R+VUnbegrenztUnbegrenztVerstoß-Prinzip statt Claims-made, eigene Deckungskapazität pro JahrMittel-Hoch
VOVUnbegrenzt60 MonateSpezialist für Top-Management, DAX-ErfahrungHoch

Markel mit Bestnoten im Gesamtpaket

Markel bietet unbegrenzte Rückwärtsdeckung, Wissentlichkeits-Verzicht bis Rechtskraft und keine Kündigung im Schadenfall. Diese Kombination führt zur besten Gesamtbewertung im Marktvergleich. Markel verzichtet darauf, den Vertrag im Schadenfall zu kündigen, was dir als Geschäftsführer zusätzliche Sicherheit gibt.

Stärken:

  • Umfassender Versicherungsschutz ohne Lücken
  • Faire Schadenregulierung
  • Erfahrung mit komplexen Fällen
  • Internationale Ausrichtung bei globalen Geschäften

Für wen geeignet:

  • Mittelständische Unternehmen mit Wachstumsambitionen
  • Unternehmen mit internationaler Ausrichtung
  • Geschäftsführer, die Wert auf Rechtssicherheit legen

Hiscox als Spezialist für moderne Geschäftsmodelle

Hiscox bietet unbegrenzte Rückwärtsdeckung als Standard nach dem Claims-made-Prinzip mit modernem Bedingungswerk. Der Anbieter ist besonders für Startups und digitale Geschäftsmodelle geeignet, da er flexible Lösungen für schnell wachsende Unternehmen anbietet.

Stärken:

  • Unkomplizierter Abschluss auch online möglich
  • Schnelle Bearbeitung von Anfragen
  • Verständnis für digitale Geschäftsmodelle
  • Flexible Deckungssummen

Für wen geeignet:

  • Startups und Scaleups
  • Tech-Unternehmen
  • Digitale Geschäftsmodelle
  • Unternehmen bis 10 Millionen Euro Umsatz

exali mit langer Nachmeldefrist

exali bietet unbegrenzte Rückwärtsdeckung kombiniert mit 120 Monate Nachmeldefrist, was 10 Jahren entspricht. Die unverfallbare Schadennachmeldefrist für ausgeschiedene Personen ist besonders wichtig, wenn du das Unternehmen verlässt.

Stärken:

  • Längste Nachmeldefrist am Markt (10 Jahre)
  • Spezialisierung auf Mittelstand
  • Transparente Bedingungswerke
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Für wen geeignet:

  • Geschäftsführer, die mittelfristig ausscheiden planen
  • Unternehmen mit häufigem Organwechsel
  • Mittelständische Unternehmen

R+V mit dem besonderen Verstoß-Prinzip

R+V arbeitet mit dem Verstoß-Prinzip statt dem Claims-made-Prinzip, was eine echte Besonderheit am Markt darstellt. Hier ist der Zeitpunkt der Pflichtverletzung entscheidend, nicht der Anspruchserhebung.

Stärken:

  • Echte Rückwärtsversicherung mit separater Deckungskapazität
  • Unbegrenzte Nachmeldefrist
  • Unabhängig vom Zeitpunkt der Anspruchserhebung
  • Besonders geeignet für lang laufende Projekte

Für wen geeignet:

  • Bauträger und Bauunternehmen
  • Pharma- und Medizintechnikunternehmen
  • Unternehmen mit langen Produktlebenszyklen

Budget-Tarife bergen erhebliche Risiken

Standard-Versicherer und Budget-Tarife haben oft Lücken bei der Rückwärtsdeckung:

Typische Schwachstellen:

  • Begrenzung auf 1 bis 3 Jahre statt unbegrenzt
  • Strikte Auslegung des Kenntnistatbestands zulasten der Versicherten
  • Keine Kontinuitätsgarantien bei Versichererwechsel
  • Eingeschränkte Nachmeldefristen (oft nur 12 Monate)
  • Keine Severability-Klauseln
  • Wissentlichkeitsausschluss ohne Verzicht bis Rechtskraft

Die niedrigere Prämie mag verlockend wirken, doch die Deckungslücken können im Schadensfall existenzbedrohend werden. Spare nicht an der falschen Stelle bei deiner D&O-Versicherung, denn hier geht es um dein persönliches Vermögen und deine wirtschaftliche Existenz.

Fazit: Unbegrenzte Rückwärtsdeckung ist unverzichtbar

Die Rückwärtsdeckung schließt die zeitliche Lücke zwischen Pflichtverletzung und späterer Inanspruchnahme.

Ohne sie hättest du für alle Entscheidungen vor Versicherungsbeginn keinen Schutz, selbst wenn die Regressforderung erst Jahre später kommt. Akzeptiere ausschließlich eine unbegrenzte zeitliche Rückwärtsdeckung, denn zeitliche Begrenzungen schaffen gefährliche Schutzlücken.

Die zentrale Voraussetzung ist die Unkenntnis der Pflichtverletzung bei Vertragsabschluss. Nur positive Kenntnis schadet, grob fahrlässige Unkenntnis reicht nicht aus. Severability-Klauseln verhindern, dass die Kenntnis eines Organmitglieds anderen zugerechnet wird. Bei Versichererwechseln ist die Kontinuitätsgarantie entscheidend, um Umdeckungslücken zu vermeiden.

Die Kosten für unbegrenzte Rückwärtsdeckung sind moderat, meist ohne Mehrbeitrag erhältlich. Top-Anbieter wie Markel, Hiscox und exali bieten umfassenden Schutz. Zusammen mit einer ausreichenden Nachmeldefrist von mindestens 36 Monaten entsteht ein zeitlich lückenloser Schutz auch für ausgeschiedene Organmitglieder.

Schiffgens Thorsten
Thorsten Schiffgens
Experte für Versicherungen
Über den Autor

Als geschäftsführender Gesellschafter von COVAGO berate ich seit über 20 Jahren Unternehmen und Privatkunden in allen Versicherungsfragen – unabhängig, ganzheitlich und immer am echten Bedarf orientiert. Mir geht es nicht um Produktverkauf, sondern um Lösungen, die wirklich passen. Ob im persönlichen Gespräch oder digital: Partnerschaftliche Beratung auf Augenhöhe ist für mich keine Floskel, sondern Arbeitsweise.

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