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Wie funktioniert die Beihilfe für Beamte in Bayern?

Viele Beamte, die frisch nach Bayern wechseln oder dort ihre erste Stelle antreten, kennen das Beihilfesystem zwar dem Grundprinzip nach.

Was Bayern aber von den meisten anderen Bundesländern unterscheidet, erfährt man oft erst dann, wenn man einen Antrag stellt oder mit einem Kollegen aus einem anderen Bundesland vergleicht. Drei Jahre Antragsfrist statt einem, keine Kostendämpfungspauschale, Zahnersatz auch für Anwärter: Das sind keine Kleinigkeiten, sondern echte finanzielle Unterschiede.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bayern erstattet Dir 50 Prozent Deiner Krankheitskosten als aktiver Beamter ohne oder mit einem Kind, 70 Prozent ab zwei Kindern.
  • Die Antragsfrist beträgt drei Jahre nach Entstehung der Aufwendungen, was deutlich großzügiger ist als in den meisten anderen Bundesländern.
  • Bayern erhebt keine Kostendämpfungspauschale. Eigenbehalte gibt es nur bei Arzneimitteln und stationären Wahlleistungen.
  • Stationäre Wahlleistungen sind ohne monatlichen Zusatzbeitrag beihilfefähig, anders als in Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz.

Wie funktioniert die Beihilfe für Beamte in Bayern?

Die Bayerische Beihilfeverordnung (BayBhV) regelt, wer wie viel zurückbekommt. Zuständig für alle bayerischen Staatsbeamten, Richter und Versorgungsempfänger ist das Landesamt für Finanzen (LfF) mit Dienststelle in Ansbach.

Du bezahlst Arzt- und Zahnarztrechungen zunächst selbst, reichst sie dann beim LfF ein und bekommst Deinen Beihilfeanteil überwiesen. Den Restanteil, also die 50 Prozent, die die Beihilfe nicht abdeckt, trägt Deine private Krankenversicherung als Restkostenversicherung.

Die Antragsfrist in Bayern beträgt drei Jahre nach Entstehung der Aufwendungen.

Das ist einer der großzügigsten Werte in ganz Deutschland. Die meisten anderen Bundesländer gewähren nur ein Jahr. Der Mindestbetrag pro Antrag liegt bei 200 Euro, alternativ kannst Du ab 15 Euro nach zehn Monaten Wartezeit einreichen. Rechnungen kann man digital über BeihilfeOnline einreichen.

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Wie hoch ist der Beihilfesatz in Bayern?

50 Prozent für aktive Beamte ohne Kind oder mit einem Kind, 70 Prozent ab zwei berücksichtigungsfähigen Kindern. Was Bayern gegenüber vielen anderen Bundesländern auszeichnet: In der Elternzeit steigt der Satz bereits beim ersten Kind auf 70 Prozent. Das senkt den PKV-Beitrag während der Elternzeit spürbar, ohne dass zwei Kinder vorhanden sein müssen.

PersonengruppeBeihilfesatzPKV-Anteil
Aktiver Beamter, kein oder ein Kind50 %50 %
Aktiver Beamter in Elternzeit70 %30 %
Aktiver Beamter, zwei oder mehr Kinder70 %30 %
Berücksichtigungsfähiger Ehepartner70 %30 %
Versorgungsempfänger / Pensionäre70 %30 %
Berücksichtigungsfähige Kinder80 %20 %

Die Einkommensgrenze für Ehepartner liegt in Bayern bei 22.648 Euro pro Jahr und wird jährlich dynamisch angepasst. Das ist einer der höchsten Werte in Deutschland und schützt auch Ehepartner mit kleinen Nebeneinkünften.

Was zahlt die Beihilfe in Bayern?

Keine Kostendämpfungspauschale. Das ist einer der attraktivsten Unterschiede Bayerns gegenüber Bundesländern wie Rheinland-Pfalz (bis zu 750 Euro pro Jahr) oder Baden-Württemberg. In Bayern greift die Beihilfe, ohne dass vorher ein fixer Betrag abgezogen wird.

Es gibt aber Eigenbehalte in einzelnen Bereichen:

  • Arzneimittel: 3 Euro pauschal pro Verordnung, maximal in Höhe der gewährten Beihilfe. Anwärter, Kinder und Waisen sind befreit.
  • Chefarztbehandlung stationär: 25 Euro pro Tag, maximal 30 Tage im Jahr.
  • Zweibettzimmer stationär: 7,50 Euro pro Tag, maximal 30 Tage im Jahr.
  • Belastungsgrenze: 2 Prozent des Jahresdiensteinkommens, für chronisch Kranke 1 Prozent.

Stationäre Wahlleistungen sind in Bayern ohne monatlichen Zusatzbeitrag beihilfefähig. Chefarztbehandlung wird bis zum 3,5-fachen GOÄ-Satz erstattet, das Zweibettzimmer mit dem genannten Eigenbehalt. Das Einbettzimmer ist nicht beihilfefähig. Damit unterscheidet sich Bayern deutlich von Baden-Württemberg, wo 22 Euro monatlich eingezahlt werden müssen, und von Niedersachsen oder Berlin, die keine Wahlleistungen erstatten.

Beim Zahnarzt erstattet Bayern das Honorar bis zum 2,3-fachen GOZ-Satz, mit schriftlicher Begründung bis zum 3,5-fachen Satz. Material- und Laborkosten werden zu 60 Prozent erstattet, 40 Prozent trägst Du selbst. Eine Bayern-Besonderheit: Zahnersatz ist auch für Anwärter während des Vorbereitungsdienstes beihilfefähig. In Niedersachsen zum Beispiel gilt das nicht.

Bei Zahnimplantaten gelten strenge Indikationspflichten. Ohne medizinische Sonderindikation erstattet die Beihilfe maximal für zwei Implantate pro Kieferhälfte. Größere Kieferdefekte nach Unfall oder Operation werden gesondert bewertet. Wer mehr als zwei Implantate je Kieferhälfte plant, sollte das vorab klären und einen soliden Zahnzusatztarif in der PKV haben.

Heilpraktiker sind beihilfefähig nach Anlage 1 der BayBhV bis zu den dort genannten Höchstbeträgen. Wissenschaftlich nicht anerkannte Methoden sind in Anlage 2 gelistet und ausgeschlossen.

Welche PKV-Bausteine braucht ein Beamter in Bayern?

Wer in Bayern als Beamter gut aufgestellt sein möchte, sollte diese Bausteine prüfen:

  • 50-Prozent-Restkostentarif: Grundlage der Absicherung für alle aktiven Beamten ohne zwei Kinder.
  • Zahnzusatztarif: Wegen des 40-prozentigen Selbstbehalts bei Material und Labor und der engen Implantatgrenzen in Bayern.
  • Stationärer Baustein für Eigenbehalte: 25 Euro täglich für Chefarzt und 7,50 Euro für Zweibettzimmer können sich über einen längeren Krankenhausaufenthalt summieren.

Ein vollständiger Wahlleistungsbaustein wie in Niedersachsen oder Berlin ist in Bayern nicht erforderlich, da die Beihilfe Chefarzt und Zweibettzimmer grundsätzlich mitträgt.

Wer ist für die Beihilfe in Bayern zuständig?

Für bayerische Staatsbeamte, Richter und Versorgungsempfänger ist das Landesamt für Finanzen (LfF), Dienststelle Ansbach zuständig. Kommunale Beamte wenden sich an die jeweiligen kommunalen Stellen. Die digitale Einreichung läuft über BeihilfeOnline unter lff.bayern.de.

Wenn Du wissen möchtest, welcher PKV-Tarif optimal zur bayerischen Beihilfe passt und wie sich Deine Beiträge über die gesamte Karriere entwickeln, komm gerne auf mich zu. Welche PKV für Beamte am besten passt, hängt dabei immer von Deiner persönlichen Situation ab.

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Lutz Gottschlich
Experte für Versicherungen
Über den Autor
Lutz Gottschlich ist Sales Expert und Teamleiter Arbeitskraftsicherung bei der COVAGO Versicherungsmakler GmbH. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der Beratung zu Berufsunfähigkeit, Lebens- und Krankenversicherung ist er interner Ansprechpartner für Kollegen und Kunden gleichermaßen. Bekannt ist er für seine ruhige, unaufgeregte Art und die Fähigkeit, auch komplexe Versicherungsthemen verständlich auf den Punkt zu bringen.
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