Eine Abfindung kann beitragsfrei sein oder mehrere tausend Euro GKV-Beiträge auslösen. Was davon eintritt, hängt fast vollständig davon ab, wie das Arbeitsverhältnis beendet wurde und ob die ordentliche Kündigungsfrist eingehalten wurde. Wer das nicht weiß, unterschreibt einen Aufhebungsvertrag und merkt sechs Monate später, warum die Kasse einen hohen Nachzahlungsbescheid schickt.
- Eine echte Abfindung bei eingehaltener Kündigungsfrist ist in der GKV beitragsfrei, auch bei freiwilligen Mitgliedern.
- Endet das Arbeitsverhältnis vor Ablauf der Kündigungsfrist und ruht das ALG I nach § 158 SGB III, können auf den entsprechenden Anteil der Abfindung Beiträge fällig werden.
- Der beitragspflichtige Anteil bewegt sich typischerweise zwischen 25 und 60 Prozent der Abfindungssumme, abhängig von Alter und Betriebszugehörigkeit.
- Monatlich ratierlich gezahlte Abfindungen werden im Zahlmonat als beitragspflichtige Einnahme gewertet.
- PKV-Versicherte zahlen auf Abfindungen keinen Mehrbeitrag. Die Prämie bleibt gleich.
Muss man auf eine Abfindung Krankenversicherungsbeiträge zahlen?
Das kommt auf den Einzelfall an. Die AOK und die Mobil Krankenkasse stellen ausdrücklich fest: Eine echte einmalige Abfindung als Entschädigung für den Jobverlust ist kein laufendes Arbeitsentgelt und bleibt bei normaler, fristgerechter Beendigung sozialversicherungsfrei.
Kritisch wird es, wenn das Arbeitsverhältnis vor Ablauf der ordentlichen Arbeitgeber-Kündigungsfrist endet. In diesem Fall kann nach § 158 SGB III der Anspruch auf Arbeitslosengeld I ruhen. Genau in diesem Zeitraum besteht für viele Betroffene eine freiwillige GKV-Mitgliedschaft, und für diese Phase kann die Kasse einen Teil der Abfindung als beitragspflichtiges Einkommen ansetzen.
Sperrzeit und Ruhenszeitraum sind dabei zwei verschiedene Dinge. Eine Sperrzeit nach § 159 SGB III wegen selbst verursachter Arbeitslosigkeit führt nicht automatisch zu einer beitragspflichtigen Abfindung. Das Ruhen nach § 158 SGB III wegen zu kurzer Kündigungsfrist ist der eigentliche Auslöser für das Beitragsrisiko.
Der Zeitraum, für den die Kasse die Abfindung ansetzen kann, endet beim ersten dieser drei Ereignisse: Die rechnerisch beitragspflichtige Abfindung ist verbraucht. Die Arbeitgeber-Kündigungsfrist wäre abgelaufen. Oder zwölf Monate sind seit dem Ausscheiden vergangen.
Wie hoch sind die Krankenversicherungsbeiträge bei einer Abfindung?
Im Ruhensfall wird die monatliche Bemessungsgrundlage nach dem früheren Arbeitsentgelt bestimmt, bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 Euro monatlich. Der anzusetzende Abfindungsanteil hängt von Alter und Betriebszugehörigkeit ab.
Im Ruhensfall gilt das frühere Arbeitsentgelt als Bemessungsgrundlage. Das zieht den allgemeinen KV-Satz nach sich. In 2026 rechnen die vier Kassen so:
| Kasse | Allgemeiner KV-Satz | Pflegebeitrag kinderlos | Gesamtsatz kinderlos |
|---|---|---|---|
| hkk | 17,19 % | 4,20 % | 21,39 % |
| TK | 17,29 % | 4,20 % | 21,49 % |
| AOK Hessen | 17,58 % | 4,20 % | 21,78 % |
| BARMER | 17,89 % | 4,20 % | 22,09 % |
Fallbeispiel: Krankenversicherungsbeiträge bei einer Abfindung
Sachverhalt: Ein 55-jähriger Arbeitnehmer, kinderlos, freiwillig bei der TK versichert, schließt einen Aufhebungsvertrag über eine Abfindung von 120.000 Euro. Das Arbeitsverhältnis endet sechs Monate vor dem Ende der ordentlichen Arbeitgeber-Kündigungsfrist. Das ALG I ruht für diesen Zeitraum. Als beitragspflichtiger Anteil werden 25 Prozent angesetzt: 30.000 Euro. Das letzte Monatsbrutto betrug 5.000 Euro. Die TK setzt 5.000 Euro monatlich für sechs Monate an.
| Kasse | KV + PV pro Monat | Anzahl Monate | Gesamtbeitrag im Modell |
|---|---|---|---|
| hkk | 1.069,50 € | 6 | 6.417,00 € |
| TK | 1.074,50 € | 6 | 6.447,00 € |
| AOK Hessen | 1.089,00 € | 6 | 6.534,00 € |
| BARMER | 1.104,50 € | 6 | 6.627,00 € |
| Allianz PKV (Modell) | 0 € Mehrbeitrag | – | 0 € Mehrbeitrag |
Das Allianz-PKV-Modell bleibt bei 763,81 Euro monatlich, vollständig unberührt von der Abfindung.
Was viele nicht einkalkulieren: Wäre das Arbeitsverhältnis bis zum Ende der ordentlichen Kündigungsfrist gelaufen und danach dieselbe Einmalsumme als echte Abfindung geflossen, wären im Modell 0 Euro GKV-Beiträge auf die Abfindung angefallen. Die 6.447 Euro Mehrbelastung bei der TK entstehen nicht aus der Abfindungshöhe allein, sondern ausschließlich aus der Unterschreitung der Kündigungsfrist.
Wer einen Aufhebungsvertrag unterschreiben soll, sollte die konkrete Kündigungsfrist aus Arbeitsvertrag, Tarifvertrag und Gesetz kennen, bevor er zustimmt. Und er sollte die Kasse schriftlich fragen, welche Konsequenzen das geplante Datum hat, bevor der Notartermin stattfindet.


