Nicht jede Lebensversicherungsauszahlung löst GKV-Beiträge aus, und nicht jeder Beitragsrisiko-Fall ist derselbe. Ob Du auf die Auszahlung Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlst, hängt davon ab, wer die Police abgeschlossen hat, ob Dein Arbeitgeber beteiligt war und welchen Versicherungsstatus Du zum Zeitpunkt der Auszahlung hast.
- Pflichtversicherte Arbeitnehmer und KVdR-Rentner zahlen auf Auszahlungen aus privat abgeschlossenen Kapitallebensversicherungen keine GKV-Beiträge.
- Freiwillig GKV-Versicherte zahlen auf den Kapitalertrag, also Auszahlung minus eingezahlte Beiträge. Nur der Zinsgewinn, nicht die gesamte Auszahlung ist beitragspflichtig.
- Eine betriebliche Direktversicherung ist ein Versorgungsbezug. Einmalauszahlungen werden durch 120 geteilt und über zehn Jahre verbeitragt.
- PKV-Versicherte zahlen keinen einkommensabhängigen Mehrbeitrag, egal wie hoch die Auszahlung ist.
- Der Zeitpunkt und die Vertragsstruktur sind entscheidend. Wer den Vertrag nach dem Ausscheiden beim Arbeitgeber privat weitergeführt hat, kann den privat eingezahlten Anteil aus der Beitragspflicht herausnehmen.
Muss man auf eine Lebensversicherungsauszahlung Krankenversicherungsbeiträge zahlen?
Das ist keine Ja-Nein-Frage. Mindestens drei Falltypen müssen unterschieden werden.
Rein private Kapitallebensversicherung: Du hast die Police selbst abgeschlossen und selbst bezahlt, ohne Arbeitgeberbeteiligung. Bei Pflichtversicherten und KVdR-Rentnern fällt keine GKV-Belastung an. Bei freiwillig GKV-Versicherten ist nach dem Beitragsverfahren der Kapitalertrag beitragspflichtig, also die Auszahlung abzüglich aller selbst eingezahlten Beiträge. Diese einmalige Einnahme wird typischerweise mit 1/12 für zwölf Monate zugeordnet.
Betriebliche Direktversicherung: Dein Arbeitgeber hat die Police für Dich als Direktversicherung abgeschlossen, auch wenn Du später eigene Beiträge eingezahlt hast. Diese Auszahlung ist ein Versorgungsbezug nach § 229 SGB V, unabhängig vom Versicherungsstatus. Eine Einmalauszahlung wird durch 120 geteilt und 120 Monate lang als monatlicher Versorgungsbezug verbeitragt. Bei KVdR-Pflichtversicherten gilt der Freibetrag von 197,75 Euro monatlich in der KV, nicht aber in der PV. Bei freiwillig Versicherten entfällt der Freibetrag.
Privat fortgeführte Direktversicherung: Du hast nach dem Jobwechsel den Vertrag auf eigene Rechnung weitergeführt und alle Beiträge selbst gezahlt. Den privat aufgebauten Anteil kann man aus der Versorgungsbezugs-Berechnung herausnehmen, wenn Versicherungsnehmerstellung, Beitragszahlung und Vertragsphasen lückenlos dokumentiert sind.
Wie hoch sind die Krankenversicherungsbeiträge bei einer Lebensversicherungsauszahlung?
Kapitalerträge aus privaten Policen werden mit dem ermäßigten KV-Satz belastet. Versorgungsbezüge aus Direktversicherungen mit dem allgemeinen Satz.
Private Kapitalerträge werden mit dem ermäßigten KV-Satz belastet, Versorgungsbezüge aus Direktversicherungen mit dem allgemeinen. In 2026 gelten diese Sätze:
| Kasse | Ermäßigter KV-Satz (privat) | Allgemeiner KV-Satz (Direktversicherung) | Pflegebeitrag kinderlos |
|---|---|---|---|
| hkk | 16,59 % | 17,19 % | 4,20 % |
| TK | 16,69 % | 17,29 % | 4,20 % |
| AOK Hessen | 16,98 % | 17,58 % | 4,20 % |
| BARMER | 17,29 % | 17,89 % | 4,20 % |
Fallbeispiel A: Krankenversicherungsbeiträge bei einer privaten Kapitallebensversicherung
Sachverhalt: Eine 60-jährige Selbstständige, kinderlos, freiwillig bei der BARMER versichert, erhält die Auszahlung ihrer privat abgeschlossenen Kapitallebensversicherung: 120.000 Euro. Die nachgewiesenen eigenen Beiträge über die Laufzeit betrugen 80.000 Euro. Der Kapitalertrag beträgt 40.000 Euro. Keine anderen Einnahmen schöpfen die BBG aus. Die BARMER setzt 40.000 / 12 = 3.333,33 Euro monatlich für zwölf Monate an.
| Kasse | KV/Monat | PV/Monat | Gesamt/Monat | Gesamt für 12 Monate |
|---|---|---|---|---|
| hkk | 553,00 € | 140,00 € | 693,00 € | 8.316,00 € |
| TK | 556,33 € | 140,00 € | 696,33 € | 8.355,96 € |
| AOK Hessen | 566,00 € | 140,00 € | 706,00 € | 8.472,00 € |
| BARMER | 576,33 € | 140,00 € | 716,33 € | 8.595,96 € |
| Allianz PKV (Modell) | 0 € Mehrbeitrag | 0 € Mehrbeitrag | 0 € Mehrbeitrag | 0 € Mehrbeitrag |
Von den 40.000 Euro Kapitalertrag fließen im BARMER-Modell 8.596 Euro als GKV-Beiträge ab. Das sind knapp 21,5 Prozent des Ertragsgewinns, zusätzlich zu etwaiger Abgeltungssteuer auf den steuerpflichtigen Ertragsteil.
Fallbeispiel B: Krankenversicherungsbeiträge bei einer betrieblichen Direktversicherung
Sachverhalt: Ein 65-jähriger KVdR-Pflichtversicherter bei der TK, kinderlos, erhält eine Kapitalleistung von 120.000 Euro aus einer betrieblichen Direktversicherung seines ehemaligen Arbeitgebers. Monatlicher Versorgungsbezug: 120.000 / 120 = 1.000 Euro für 120 Monate. KV-Bemessungsgrundlage nach Freibetrag: 1.000 − 197,75 = 802,25 Euro. PV-Bemessungsgrundlage: volle 1.000 Euro, weil die Freigrenze überschritten ist.
| Kasse | KV aus 802,25 € | PV aus 1.000 € | Gesamt/Monat | Gesamt/Jahr | Gesamt über 120 Monate |
|---|---|---|---|---|---|
| hkk | 137,90 € | 42,00 € | 179,90 € | 2.158,80 € | 21.588,00 € |
| TK | 138,71 € | 42,00 € | 180,71 € | 2.168,52 € | 21.685,20 € |
| AOK Hessen | 141,04 € | 42,00 € | 183,04 € | 2.196,48 € | 21.964,80 € |
| BARMER | 143,52 € | 42,00 € | 185,52 € | 2.226,24 € | 22.262,40 € |
| Allianz PKV (Modell) | 0 € Mehrbeitrag | 0 € Mehrbeitrag | 0 € Mehrbeitrag | 0 € Mehrbeitrag | 0 € Mehrbeitrag |
Die Zehnjahressummen basieren auf den Beitragssätzen und dem Freibetrag von 2026. In späteren Jahren können sich Zusatzbeiträge, Pflegebeitrag, Freibetrag und BBG ändern. Die Tabelle zeigt die Größenordnung, nicht eine exakte Hochrechnung bis 2036.
Bei freiwilliger GKV wären auf dieselbe Direktversicherung in diesem Szenario monatlich 216,58 Euro fällig, also rund 36 Euro mehr als im KVdR-Fall, weil kein Freibetrag abgezogen werden darf.


