Mehr wissen.
Mehr COVAGO.

Inhaltsverzeichnis

Kostenfreie, individuelle Beratung mit unserem Experten.
Wir helfen dir gern persönlich weiter.
100% kostenlos & unverbindlich

Welche Nachteile hat die Öffnungsaktion für Beamte?

Die Öffnungsaktion klingt nach dem perfekten Instrument für jeden Beamten mit Vorerkrankungen: garantierte Aufnahme, kein Leistungsausschluss, Risikozuschlag gedeckelt. Was dabei selten erklärt wird: Die Öffnungsaktion hat echte Nachteile, die sich über Jahrzehnte summieren können.

Wer sie blind nutzt, ohne die Alternativen geprüft zu haben, zahlt unter Umständen mehr als nötig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Öffnungsaktion garantiert die Aufnahme, bedeutet aber fast immer einen Risikozuschlag von 20 bis 30 Prozent, der lebenslang auf den Beitrag aufgeschlagen bleibt.
  • Der Zuschlag gilt nicht nur für den aktuellen Tarif, sondern auch für jeden internen Tarifwechsel nach § 204 VVG, solange die Erkrankung besteht, die zum Zuschlag geführt hat.
  • Wer gesund ist, aber dennoch über die Öffnungsaktion einsteigt, verschenkt Geld. Die reguläre Gesundheitsprüfung wäre in vielen Fällen günstiger.
  • Nicht alle PKV-Versicherer nehmen an der Öffnungsaktion teil. Der beste Anbieter für die individuelle Situation ist oft nicht identisch mit dem günstigsten Öffnungsaktionsanbieter.
  • Die Öffnungsaktion kann in der Regel nur einmal genutzt werden.

Was ist der Risikozuschlag und wie hoch ist er?

Wer über die Öffnungsaktion aufgenommen wird, zahlt fast immer einen Risikozuschlag. Der Versicherer darf diesen Aufschlag bis zu 30 Prozent des regulären tariflichen Beitrags festlegen. In der Praxis bedeutet das: Wer ohne Vorerkrankung 300 Euro im Monat zahlen würde, zahlt mit maximalem Öffnungsaktionszuschlag 390 Euro.

Klingt nach wenig. Über 30 Jahre Vertragslaufzeit sind das aber rund 32.400 Euro zusätzlich, die allein durch den Zuschlag entstehen. Und der Zuschlag bleibt, solange die Erkrankung besteht. Wer mit 27 wegen Asthma einen 25-Prozent-Zuschlag bekommt und das Asthma nie vollständig remittiert, zahlt diesen Aufschlag bis zur Pension.

Der Risikozuschlag in der PKV folgt keiner fixen Tabelle. Jeder Versicherer bewertet eigenständig, und bei der Öffnungsaktion ist der Spielraum zwischen 0 und 30 Prozent. Wer glaubt, der Versicherer würde immer das Maximum ausschöpfen, irrt. Manche Anbieter vergeben bei leichten Erkrankungen auch innerhalb der Öffnungsaktion keinen Zuschlag oder nur einen kleinen.

Als Beamter in die PKV?
Dann lass uns sprechen.
Als Beamter in die PKV? Dann aber mit System.
4,9
705 Google-Bewertungen

Welche Erkrankungen führen zur günstigsten Aufnahme?

Das ist der entscheidende Punkt, der in der Praxis zu teuren Fehlern führt. Wer eine leichte Diagnose hat, die außerhalb der Öffnungsaktion bei vielen Versicherern regulär aufgenommen oder mit geringem Zuschlag versichert werden würde, tut sich keinen Gefallen, wenn er automatisch auf die Öffnungsaktion setzt.

Lass uns das an einem konkreten Beispiel festmachen. Ein 26-jähriger Referendar hat Heuschnupfen und gelegentliche Rückenprobleme ohne Behandlung in den letzten drei Jahren. Er aktiviert automatisch die Öffnungsaktion, weil ihm jemand gesagt hat, das sei für Beamte mit Vorerkrankungen der beste Weg. Der beste Öffnungsaktionsanbieter legt 20 Prozent Zuschlag fest, also 60 Euro mehr im Monat.

Eine anonyme Risikovoranfrage hätte gezeigt, dass vier Versicherer ihn regulär ohne Zuschlag aufnehmen, weil Heuschnupfen und nicht behandelte Rückenprobleme bei ihnen als nicht zuschlagspflichtig gelten. Der Zuschlag von 60 Euro monatlich kostet ihn über 35 Jahre Laufzeit rund 25.200 Euro extra, die er nicht hätte zahlen müssen.

Wann lohnt die Öffnungsaktion für Beamte?

Die Öffnungsaktion ist das richtige Instrument in klar definierten Situationen:

  • Schwere chronische Erkrankungen wie Diabetes Typ 1, aktive Krebserkrankung in Remission, Multiple Sklerose oder schwere Autoimmunerkrankungen, bei denen eine reguläre Aufnahme außerhalb der Öffnungsaktion faktisch ausgeschlossen ist.
  • Psychische Erkrankungen mit stationären Aufenthalten in der Vorgeschichte, bei denen der reguläre Markt nahezu alle Anträge ablehnt.
  • Aktive medikamentöse Behandlungen für Erkrankungen, die strukturell zu Ablehnungen führen, etwa Diabetes Typ 2 mit Insulintherapie.
  • Wer die Sechsmonatsfrist fast abgelaufen hat und sich keine Zeit mehr für eine sorgfältige Voranfrage nehmen kann.

Für alle anderen gilt: Erst die anonyme Risikovoranfrage, dann die Entscheidung.

Warum ist die Tarifauswahl bei der Öffnungsaktion für Beamte eingeschränkt?

Das ist ein Nachteil, der oft übersehen wird. An der Öffnungsaktion nehmen nicht alle PKV-Versicherer teil. Wer zwingend auf die Öffnungsgarantie angewiesen ist, kann nur unter den Anbietern wählen, die mitmachen. 2026 sind das unter anderem Allianz, AXA, Barmenia, Debeka, DKV, Hallesche, Signal Iduna und einige weitere. Versicherer wie ARAG, Concordia, Continentale und Alte Oldenburger nehmen nicht teil.

Was das konkret bedeutet: Wenn der Versicherer mit der besten Beitragshistorie, dem attraktivsten Tarif oder der günstigsten Leistungsstruktur nicht an der Öffnungsaktion teilnimmt, ist er für den betroffenen Beamten außer Reichweite. Der PKV-Markt für Öffnungsaktions-Kandidaten ist strukturell kleiner als der für regulär aufgenommene Versicherte.

Dazu kommt, dass nicht alle teilnehmenden Versicherer für alle Profile gleich gut sind. Wer die beste PKV für Beamtenanwärter sucht, muss Beitragshistorie, Tarifflexibilität, Leistungsumfang und Öffnungsaktionskondition gleichzeitig bewerten. Das ist ohne Vergleich nicht möglich.

Gilt der Risikozuschlag auch beim Tarifwechsel nach § 204 VVG?

Ja, und das ist einer der weniger bekannten Nachteile. Wer über die Öffnungsaktion mit einem Zuschlag aufgenommen wurde und später intern in einen anderen Tarif wechselt, nimmt den Zuschlag unter bestimmten Bedingungen mit.

Das Grundprinzip des internen Tarifwechsels nach § 204 VVG lautet: Wechsel ohne neue Gesundheitsprüfung, Altersrückstellungen bleiben erhalten. Der Haken liegt darin, dass der Versicherer beim Wechsel in einen Tarif mit höheren Leistungen prüfen darf, ob der neue Mehrbetrag mit einem Zuschlag belegt werden soll. Und wer bereits einen Öffnungsaktionszuschlag hat, steht bei dieser Prüfung nicht besser da als jemand ohne Öffnungsaktionsschutz.

Zudem: Wenn der Beihilfesatz sich ändert und der Tarif angepasst werden muss, etwa beim Übergang von 50-Prozent- auf 30-Prozent-Restkostentarif nach Geburt des zweiten Kindes, läuft das über einen internen Wechsel. Auch dabei gelten die vorhandenen Zuschlagregelungen.

Was passiert, wenn die Öffnungsaktion nur einmal genutzt werden kann?

Die Öffnungsaktion steht für jeden Beamten einmalig zur Verfügung. Als Beamter auf Widerruf, also im Referendariat oder Vorbereitungsdienst, und erneut bei der Verbeamtung auf Probe, falls man davor in der GKV geblieben war. Wer als Beamter auf Widerruf die Frist nutzt, hat sie bei der späteren Verbeamtung auf Probe verbraucht.

Das kann in einem Szenario zum Problem werden: Wer im Referendariat mit einer leichten Diagnose die Öffnungsaktion nutzt, und sich nach der Verbeamtung auf Probe die Gesundheitssituation verschlechtert hat, etwa durch einen neuen stationären Aufenthalt oder eine neue Diagnose, kann die Öffnungsaktion nicht noch einmal nutzen. Er ist dann auf die reguläre Gesundheitsprüfung angewiesen, bei der die neue Situation vollständig bewertet wird.

Umgekehrt gilt: Wer im Referendariat gesund war und regulär aufgenommen wurde, hat bei der späteren Verbeamtung auf Probe noch das vollständige Öffnungsaktionsrecht, wenn sich seine Gesundheitssituation verändert hat.

Welche Alternativen gibt es zur Öffnungsaktion?

Wer Vorerkrankungen hat, aber die Öffnungsaktion vermeiden oder ergänzen möchte, hat mehrere Optionen:

Anonyme Risikovoranfrage zuerst: Vor jeder Entscheidung sollte die anonyme Voranfrage stehen. Sie zeigt, welche Versicherer außerhalb der Öffnungsaktion aufnehmen würden, zu welchem Zuschlag und mit welchen Ausschlüssen. Manchmal ist das Ergebnis überraschend: Ein Anbieter mit guter Reputation nimmt mit kleinerem Zuschlag auf als der maximale Öffnungsaktionszuschlag. Das spart langfristig erhebliche Summen.

Leistungsausschluss statt Zuschlag prüfen: Manche Versicherer bieten außerhalb der Öffnungsaktion an, die betroffene Erkrankung vom Versicherungsschutz auszuschließen, ohne Zuschlag. Das kann bei Erkrankungen sinnvoll sein, die gut kontrolliert sind und nur geringe Folgekosten erwarten lassen. Wer Heuschnupfen hat und sich keine KFO-Leistungen wünscht, kommt damit oft günstiger durch.

Tarifwahl mit Fokus auf Beitragshistorie: Wer über die Öffnungsaktion aufgenommen wird, zahlt lebenslang einen Zuschlag. Deshalb ist die Beitragshistorie des Versicherers bei dieser Gruppe noch wichtiger als beim gesunden Normalversicherten. Ein Versicherer, der seine Beiträge nur wenig erhöht, aber über die Öffnungsaktion einen kleinen Zuschlag verlangt, kann langfristig günstiger sein als ein Versicherer mit keinem Zuschlag, aber starken jährlichen Beitragserhöhungen. Versicherer mit stabilen Beiträgen zu identifizieren ist für diese Gruppe besonders wichtig.

GKV als Brücke: Wer gesundheitlich stark belastet ist und sich die Frage stellt, ob die PKV überhaupt sinnvoll ist, sollte ehrlich durchrechnen, ob die freiwillige GKV in seiner Situation nicht die bessere Wahl ist. Das ist keine pauschale Empfehlung, aber für bestimmte Konstellationen eine reale Option.

Worauf sollte man achten, wenn man die Öffnungsaktion nutzt?

Wer nach Abwägung aller Alternativen zur Öffnungsaktion greift, sollte folgende Punkte sorgfältig klären:

  • Welcher Versicherer bietet innerhalb der Öffnungsaktion den niedrigsten Zuschlag? Das lässt sich nur durch Voranfragen bei allen Teilnehmern herausfinden. Die anonyme Voranfrage gilt auch innerhalb der Öffnungsaktion.
  • Wie ist die Beitragshistorie des Anbieters der letzten zehn bis fünfzehn Jahre? Ein niedriger Zuschlag nützt wenig, wenn der Beitrag jährlich stark steigt.
  • Welche Leistungen bietet der Tarif bei der relevanten Erkrankung? Da die Öffnungsaktion Leistungsausschlüsse verbietet, muss der Tarif die Erkrankung vollständig mitversichern. Trotzdem können Obergrenzen bei Psychotherapiesitzungen oder Heilmittelerstattungen zu faktisch niedrigerem Schutz führen.
  • Welche Tarifarchitektur bietet der Versicherer? Wer später den Beihilfesatz anpassen muss, braucht einen Anbieter mit modularen Tarifen. Wer einen Tarif wechseln möchte, profitiert von einem breiten internen Tarifangebot.
  • Ist der Risikozuschlag befristet oder unbefristet? Einige Versicherer überprüfen den Zuschlag nach einer Karenzzeit erneut. Wenn eine Erkrankung vollständig remittiert ist, kann der Zuschlag entfallen. Das ist nicht bei allen Anbietern gleich geregelt.

Ob die Öffnungsaktion für Deine Situation der richtige Weg ist oder ob eine anonyme Voranfrage außerhalb der Öffnungsaktion zu besseren Konditionen führt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Wenn Du das gemeinsam durchrechnen möchtest, komm gerne auf mich zu. Wir schauen uns Deine Vorerkrankungen, den Zeithorizont und alle Anbieter an, bevor irgendein formaler Antrag gestellt wird.

Hast Du die anonyme Risikovoranfrage schon gemacht, bevor Du über die Öffnungsaktion nachdenkst?

Lutz Gottschlich
Experte für Versicherungen
Über den Autor
Lutz Gottschlich ist Sales Expert und Teamleiter Arbeitskraftsicherung bei der COVAGO Versicherungsmakler GmbH. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der Beratung zu Berufsunfähigkeit, Lebens- und Krankenversicherung ist er interner Ansprechpartner für Kollegen und Kunden gleichermaßen. Bekannt ist er für seine ruhige, unaufgeregte Art und die Fähigkeit, auch komplexe Versicherungsthemen verständlich auf den Punkt zu bringen.
Fragen​
zum Thema?
Wir helfen dir gern persönlich weiter.
Als Beamter in die PKV? Dann aber richtig.

Mit der kostenlosen Checkliste für Beamte wird Dein Weg in die PKV zum Kinderspiel.

Bereits von über
300 Beamten gelesen
checkliste-beamte