Rheinland-Pfalz ist eines der wenigen Bundesländer, in dem Beamte eine Frist von nur drei Monaten haben, um eine Entscheidung zu treffen, die danach dauerhaft gilt.
Wer die Wahlleistungsoption für das Krankenhaus nicht rechtzeitig anmeldet, zahlt Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer für den Rest des Berufslebens vollständig selbst. Dazu kommt eine Kostendämpfungspauschale, die bis zu 750 Euro im Jahr beträgt und automatisch abgezogen wird, bevor die Beihilfe überhaupt greift.
Das sind zwei Punkte, die in der Beratung regelmäßig unterschätzt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Rheinland-Pfalz erstattet Wahlleistungen im Krankenhaus über die Beihilfe, aber nur gegen einen monatlichen Beitrag von 26 Euro. Die Anmeldefrist beträgt drei Monate.
- Die Kostendämpfungspauschale beträgt je nach Besoldungsgruppe bis zu 750 Euro pro Jahr und wird automatisch von der Beihilfe abgezogen.
- Seit dem 1. Januar 2026 gilt eine einheitliche Einkommensgrenze von 22.000 Euro für berücksichtigungsfähige Ehepartner.
- Pensionäre können unter bestimmten Voraussetzungen 80 Prozent Beihilfe beantragen.
Wie funktioniert die Beihilfe für Beamte in Rheinland-Pfalz?
Die Beihilfenverordnung Rheinland-Pfalz (BVO RLP) gilt für alle Landesbeamten. Zuständig für die Festsetzung ist das Landesamt für Finanzen (LfF RLP). Du zahlst Rechnungen zunächst selbst, reichst sie ein und bekommst den Beihilfeanteil erstattet. Die Restkostenversicherung der PKV für Beamte deckt dann das ab, was übrig bleibt. Die Antragsfrist beträgt ein Jahr.
Wie hoch ist der Beihilfesatz in Rheinland-Pfalz?
50 Prozent für aktive Beamte ohne oder mit einem Kind, 70 Prozent ab zwei berücksichtigungsfähigen Kindern. Für Pensionäre gilt grundsätzlich 70 Prozent. Rheinland-Pfalz hat eine Schutzklausel für gering besoldete Pensionäre, die bundesweit einmalig ist: Wer als Pensionär mehr als 15 Prozent des monatlichen Einkommens für den PKV-Beitrag aufwenden muss und das Gesamteinkommen unter 1.940 Euro monatlich liegt (verheiratet) beziehungsweise 1.680 Euro (ledig), kann auf Antrag 80 Prozent Beihilfe erhalten.
Die Einkommensgrenze für berücksichtigungsfähige Ehepartner liegt seit dem 1. Januar 2026 einheitlich bei 22.000 Euro. Damit fällt die frühere Zweiteilung weg, bei der für Eheschließungen nach dem 31. Dezember 2011 niedrigere Grenzen galten.
| Personengruppe | Beihilfesatz | PKV-Anteil |
| Aktiver Beamter, kein oder ein Kind | 50 % | 50 % |
| Aktiver Beamter, zwei oder mehr Kinder | 70 % | 30 % |
| Berücksichtigungsfähiger Ehepartner | 70 % | 30 % |
| Versorgungsempfänger / Pensionäre | 70 % (80 % möglich) | 30 % (20 % möglich) |
| Berücksichtigungsfähige Kinder | 80 % | 20 % |
Was zahlt die Beihilfe in Rheinland-Pfalz?
Die Kostendämpfungspauschale ist das erste, was Du kennen musst. Sie wird automatisch von Deiner Beihilfe abgezogen, bevor auch nur ein Cent erstattet wird:
| Besoldungsgruppen | Aktive Beamte pro Jahr | Reduktion je Kind |
| A 7 bis A 8 | 100 Euro | 40 Euro |
| A 9 bis A 11 | 150 Euro | 40 Euro |
| A 12 bis A 15, B 1, R 1, W 1 | 300 Euro | 40 Euro |
| A 16, B 2 bis B 3, W 2 | 450 Euro | 40 Euro |
| B 4 bis B 7, R 4 bis R 7, W 3 | 600 Euro | 40 Euro |
| Höhere Besoldungsgruppen | 750 Euro | 40 Euro |
Ein A13-Beamter mit zwei Kindern zahlt demnach 300 minus 80 Euro, also 220 Euro im Jahr, bevor die Beihilfe überhaupt anfängt zu arbeiten. Das ist ein erheblicher Unterschied zu Bayern, Berlin oder Niedersachsen, die keine Kostendämpfungspauschale erheben.
Stationäre Wahlleistungen sind in Rheinland-Pfalz über die Beihilfe erstattungsfähig, aber nur gegen einen monatlichen Beitrag von 26 Euro. Dieser Betrag wird automatisch vom Gehalt einbehalten. Chefarztbehandlung wird bis zum 3,5-fachen GOÄ-Satz erstattet. Für das Zweibettzimmer gilt ein Eigenbehalt von 12 Euro pro Tag.
Hier liegt die kritische Frist: Die Anmeldung muss innerhalb von drei Monaten nach Begründung des Beamtenverhältnisses erfolgen. Wer diese Frist versäumt, verliert den Anspruch dauerhaft. Mir ist das in der Beratungspraxis schon mehrfach begegnet: Beamte, die niemand darauf hingewiesen hat und die dann jahrelang Chefarztkosten vollständig aus eigener Tasche zahlen mussten.
Beim Zahnarzt erstattet die Beihilfe das Honorar bis zum 2,3-fachen GOZ-Satz, mit schriftlicher Begründung bis zum 3,5-fachen Satz. Material- und Laborkosten werden zu 60 Prozent erstattet, 40 Prozent trägst Du selbst. Bei Implantaten ohne Sonderindikation sind maximal zwei Stück pro Kiefer beihilfefähig.
Arzneimittel haben in Rheinland-Pfalz keinen separaten Eigenbehalt. Nicht verschreibungspflichtige Medikamente sind grundsätzlich nicht beihilfefähig.
Welche PKV-Bausteine braucht ein Beamter in Rheinland-Pfalz?
- Wahlleistungsoption anmelden: Drei-Monats-Frist unbedingt einhalten.
- Zahnzusatztarif: Wegen 40 Prozent Selbstbehalt bei Material und Labor, enger Implantatgrenze.
- PKV-Wahlleistungsbaustein: Nur falls die Drei-Monats-Frist versäumt wurde. Dann muss die PKV alles tragen.
- 50-Prozent-Restkostentarif: Grundlage der Absicherung.
- Kostendämpfungspauschale einkalkulieren: Bis zu 750 Euro im Jahr sind fester Bestandteil der Gesundheitskosten.
Wer ist für die Beihilfe in Rheinland-Pfalz zuständig?
Das Landesamt für Finanzen Rheinland-Pfalz (LfF RLP) für Landesbeamte. Kommunale Beamte wenden sich an die Rheinischen Versorgungskassen (RVK). Anträge können digital über das LfF-Portal eingereicht werden.
Wenn Du die Kostendämpfungspauschale und die Wahlleistungsfrist in Rheinland-Pfalz in Deiner PKV-Kalkulation berücksichtigen möchtest, stehe ich Dir für ein unverbindliches Gespräch zur Verfügung.
Hast Du die Drei-Monats-Frist für die Wahlleistungsoption bereits in Deinem Kalender?