Ein Beitragsentlastungstarif lohnt sich vor allem für Angestellte, deren Arbeitgeber die Hälfte des Beitrags übernimmt, und für alle, die sicher bis ins hohe Alter bei ihrem Versicherer bleiben. Selbstständige fahren mit einem ETF-Sparplan in den meisten Rechnungen besser, für Beamte bringt der Baustein meist wenig.
Wie groß die Unterschiede sind, zeigt ein durchgerechnetes Beispiel mit 300 € Entlastung ab 67. Je nach Berufsgruppe holst Du Deine Einzahlungen dort nach Steuern mit 74,5 oder erst mit gut 80 Jahren wieder herein.
- Der Baustein senkt Deinen PKV-Beitrag ab einem festen Alter um einen garantierten Eurobetrag, lebenslang.
- Der Beitrag für den Baustein läuft meist lebenslang weiter und schmälert die echte Entlastung.
- Für Angestellte mit freiem Arbeitgeberzuschuss rechnet sich der Baustein am stärksten.
- Selbstständige fahren mit einem ETF-Sparplan in den meisten Szenarien besser.
- Bei frühem Tod verfällt das Kapital, Deine Erben bekommen nichts.
Was ist ein Beitragsentlastungstarif in der PKV?
Ein Beitragsentlastungstarif (BET) ist ein Zusatzbaustein zu Deiner privaten Krankenversicherung, für den Du heute einen festen Monatsbeitrag zahlst und der ab einem vereinbarten Alter Deinen PKV-Beitrag um einen garantierten Eurobetrag senkt. Das Geld bekommst Du nie ausgezahlt. Der Versicherer verrechnet die Entlastung direkt mit Deinem Beitrag.
Die Versicherer nennen den Baustein unterschiedlich. Bei der Allianz heißt er MeineBeitragsentlastung, bei der Generali EBE63, bei der HanseMerkur BEN und bei der HUK Beitragsermäßigung im Alter. Das Prinzip ist überall gleich, die Details unterscheiden sich aber deutlich.
Ein Punkt überrascht viele Versicherte. Den Beitrag für den Entlastungstarif zahlst Du in der Regel auch nach dem Start der Entlastung weiter, und zwar lebenslang. Die Allianz, die Generali und die HanseMerkur schreiben das in ihren Unterlagen ausdrücklich. Deine echte Entlastung ist also immer der vereinbarte Betrag minus dem Beitrag, der weiterläuft.
Drei Anbieterbeispiele kosten rund 30 € bis 35 € je 100 € Beitragsentlastung
Für eine 35-jährige Person haben drei Versicherer Beispielbeiträge veröffentlicht. Damit lässt sich gut zeigen, was ein BET kostet und wann er sich nominal rechnet, also ohne Zinsen und ohne Steuern.
Vergleichbar sind die drei Angebote trotzdem nur eingeschränkt, weil die Entlastung in unterschiedlichen Altersjahren beginnt und die Bedingungen abweichen. Die Spalte „Break-even“ zeigt das Alter, ab dem Du über die Entlastung mehr zurückbekommen hast, als Du eingezahlt hast.
Schau Dir die drei Beispiele nebeneinander an:
| Beitragsentlastungstarif (Stand der Unterlage) | Monatsbeitrag mit 35 | Entlastung pro Monat | Beginn | Entlastung nach Abzug des Beitrags | Einzahlungen bis Beginn | Nominaler Break-even |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Allianz MeineBeitragsentlastung (11/2025) | 99,60 € | 300 € | 67 | 200,40 € | 38.246,40 € | Alter 82,9 |
| Generali EBE63 (Website 2026) | 70,00 € | 200 € | 63 | 130,00 € | 23.520,00 € | Alter 78,1 |
| HanseMerkur BEN (09/2024) | 29,90 € | 100 € | 65 | 70,10 € | 10.764,00 € | Alter 77,8 |
Je später die Entlastung beginnt, desto länger zahlst Du ein und desto später kommt der Break-even. Bei der Allianz zahlst Du 384 Monate lang 99,60 €, bei der HanseMerkur nur rund 360 Monate. Ein Ranking der Versicherer ist das nicht, es zeigt nur, wie stark der Startzeitpunkt das Ergebnis prägt.
Auch die Flexibilität unterscheidet sich. Bei der Allianz wählst Du den Beginn zwischen 60 und 70, die Entlastung darf bis zu 200 % Deines aktuellen PKV-Beitrags betragen, und eine optionale Dynamik erhöht sie alle drei Jahre um 10 %. Die Generali begrenzt die Entlastung auf 120 % des Vollversicherungsbeitrags ohne gesetzlichen Zuschlag, die HanseMerkur nimmt Dich bis zum Alter von 60 ohne Gesundheitsprüfung auf.
Der BET kommt zusätzlich zu der Vorsorge, die jede Vollversicherung ohnehin bildet. Jeder PKV-Tarif baut Alterungsrückstellungen auf, und vom 21. bis zum 60. Lebensjahr zahlst Du einen gesetzlichen Zuschlag von 10 % (§ 149 VAG). Diese Mittel setzt der Versicherer ab 65 gegen Beitragserhöhungen ein und ab 80 zur Beitragssenkung (§ 150 Abs. 3 VAG). Der BET ist ein freiwilliges Extra obendrauf.
Wie wirkt der Beitragsentlastungstarif der PKV im Alter?
Im Alter senkt der Beitragsentlastungstarif Deinen PKV-Beitrag jeden Monat um den vereinbarten Betrag, und zwar lebenslang, solange Dein Vertrag besteht. Der Beitrag für den Baustein läuft dabei weiter, sodass Dir nur die Differenz bleibt.
Mit den Zahlen der Allianz bedeutet das, dass Dein Beitrag ab 67 um 300 € sinkt, Du aber weiter 99,60 € für den Baustein zahlst. Netto bleiben 200,40 € im Monat. Steigt Dein Haupttarif bis dahin, senkt der BET den höheren Beitrag trotzdem nur um diesen festen Betrag. Er garantiert Dir also keinen stabilen Gesamtbeitrag.
Zwei Effekte solltest Du für das Alter im Kopf haben. Bei 2 % Inflation hat eine feste Entlastung von 300 € nach 32 Jahren nur noch eine Kaufkraft von rund 159 € in heutigem Geld. Und Dein Arbeitgeberzuschuss endet mit dem Renteneintritt. An seine Stelle tritt der PKV-Rentenzuschuss der Rentenversicherung, der im Jahr 2026 bei 8,75 % Deiner gesetzlichen Bruttorente liegt und höchstens die Hälfte Deines PKV-Beitrags beträgt (§ 106 SGB VI).
Wie hoch Dein Beitrag im Ruhestand ohne Entlastung ausfallen könnte, lässt sich vorab abschätzen. Wenn Du Deine PKV-Beiträge im Alter berechnen willst, siehst Du schnell, ob eine Entlastung von 100 €, 200 € oder 300 € überhaupt ins Gewicht fällt.
Beteiligt sich der Arbeitgeber am Beitragsentlastungstarif in der PKV?
Ja, als Angestellter bekommst Du für den Beitragsentlastungstarif die Hälfte des Beitrags von Deinem Arbeitgeber, solange Du den maximalen Zuschuss noch nicht ausschöpfst. Der Zuschuss zur Krankenversicherung liegt im Jahr 2026 bei höchstens 508,59 € im Monat (§ 257 SGB V), für die Pflegepflichtversicherung gibt es einen eigenen Höchstbetrag von 104,63 €.
Allianz, Generali und HUK weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Beitrag zum Entlastungstarif in die Berechnung des Zuschusses einfließt. Der Arbeitgeber zahlt aber nie mehr als die Hälfte Deines tatsächlichen Gesamtbeitrags und nie mehr als den Höchstbetrag. Wer schon einen teuren Haupttarif hat, bekommt für den BET deshalb wenig oder gar nichts dazu. Selbstständige und Beamte erhalten keinen Arbeitgeberzuschuss.
Wie viel Zuschuss für den BET übrig bleibt, hängt also von Deinem bisherigen Beitrag ab. Rechnen wir das mit dem BET-Beitrag der Allianz von 99,60 € für vier verschiedene Haupttarife durch:
| KV-Beitrag des Haupttarifs pro Monat | Zuschuss ohne BET | Zuschuss mit BET | Zusätzlicher Zuschuss für den BET | Dein Eigenanteil am BET |
|---|---|---|---|---|
| 600 € | 300,00 € | 349,80 € | 49,80 € | 49,80 € |
| 800 € | 400,00 € | 449,80 € | 49,80 € | 49,80 € |
| 950 € | 475,00 € | 508,59 € | 33,59 € | 66,01 € |
| 1.100 € | 508,59 € | 508,59 € | 0,00 € | 99,60 € |
Bis zu einem Krankenversicherungsbeitrag von 917,58 € im Monat übernimmt Dein Arbeitgeber also die volle Hälfte des BET. Liegst Du schon über 1.017,18 €, ist der Höchstzuschuss ausgeschöpft und Du trägst den Baustein allein. Prüf deshalb vor dem Abschluss mit dem Arbeitgeberzuschuss-Rechner für die PKV, wie viel Spielraum Du noch hast.
Ist der Beitragsentlastungstarif der PKV steuerlich absetzbar?
Ja, die Beiträge zum Beitragsentlastungstarif zählen zu Deinen Vorsorgeaufwendungen und sind in Höhe des Anteils absetzbar, der auf die Basisabsicherung entfällt. Die Basisabsicherung ist der Teil Deiner PKV, der etwa dem Niveau der gesetzlichen Krankenkasse entspricht (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG).
Diesen Anteil bescheinigt Dir Dein Versicherer jedes Jahr. Die Allianz nennt als Beispiel 79,59 % für einen Tarif mit allen Leistungen, Chefarzt und Einbettzimmer zählen nicht dazu. Beiträge zur Basisabsicherung setzt Du immer in voller Höhe ab, auch wenn sie die Höchstbeträge von 1.900 € für Angestellte und 2.800 € für Selbstständige übersteigen (§ 10 Abs. 4 EStG).
Zwei Regeln verändern die Rechnung, und viele übersehen sie. Der steuerfreie Arbeitgeberzuschuss mindert Deine absetzbaren Beiträge, und zwar vollständig beim Anteil der Basisabsicherung (§ 10 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EStG). Außerdem ist die spätere Entlastung zwar steuerfrei, weil sie kein Einkommen ist. Sie senkt aber Deinen gezahlten Beitrag und damit auch das, was Du im Alter absetzen kannst.
Für die Beispielrechnung gehen wir von diesen Steuerannahmen aus:
- Basisanteil des BET von 79,59 %, wie im Allianz-Beispiel für einen Volltarif
- Grenzsteuersatz von 42 % während der Berufsjahre
- Grenzsteuersatz von 25 % im Ruhestand
- ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer
Dein persönlicher Basisanteil und Dein Steuersatz können abweichen. Die Zahlen zeigen deshalb die Größenordnung und ersetzen keine Steuerberechnung für Deinen Fall. Mit unserem Steuerrechner für die PKV kannst Du Deine eigenen Werte einsetzen.
Wie viel bringt ein Beitragsentlastungstarif im Beispiel mit 300 € Entlastung ab 67?
Im Beispiel der Allianz bringt der Baustein 200,40 € im Monat ab 67, nach Steuern bleiben davon 160,52 €. Wann sich das für Dich rechnet, entscheidet vor allem, ob Du angestellt oder selbstständig bist.
Die Ausgangslage stammt aus der Produktinformation der Allianz. Eine 35-jährige Person vereinbart 300 € Entlastung ab 67 und zahlt dafür 99,60 € im Monat, 384 Monate lang bis zum Beginn. Dynamik und spätere Beitragsanpassungen lassen wir außen vor, so wie die Allianz in ihrem eigenen Beispiel.
Ohne Steuern und ohne Zuschuss zahlst Du bis 67 insgesamt 38.246,40 € ein. Bei 200,40 € Entlastung im Monat dauert es 190,85 Monate, bis dieser Betrag wieder hereingekommen ist. Das entspricht einem Alter von 82,9 Jahren.
Angestellte erreichen den Break-even fast sechs Jahre früher als Selbstständige
Mit Steuer und Arbeitgeberzuschuss sieht die Rechnung deutlich anders aus. Lena ist selbstständig und zahlt den Baustein allein, Jonas ist angestellt und sein Arbeitgeber hat beim Zuschuss noch Luft.
Im Ruhestand zahlen beide 200,40 € weniger Beitrag. Weil sie dadurch auch 159,50 € weniger absetzen können (200,40 € × 79,59 %), kostet sie das bei 25 % Steuersatz 39,88 € Steuern. Netto bleiben beiden 160,52 € im Monat.
So sieht die Rechnung für die beiden Schritt für Schritt aus:
| Rechenschritt im Allianz-Beispiel | Lena, selbstständig | Jonas, angestellt |
|---|---|---|
| Monatsbeitrag BET | 99,60 € | 99,60 € |
| Arbeitgeberzuschuss | 0,00 € | 49,80 € |
| Basisanteil 79,59 % | 79,27 € | 79,27 € |
| Absetzbar nach Abzug des Zuschusses | 79,27 € | 29,47 € |
| Steuerersparnis bei 42 % | 33,29 € | 12,38 € |
| Nettoaufwand pro Monat | 66,31 € | 37,42 € |
| Nettoaufwand von 35 bis 67 (384 Monate) | 25.463,04 € | 14.369,28 € |
| Entlastung ab 67 nach Steuern | 160,52 € | 160,52 € |
| Break-even nach Steuern | Alter 80,2 | Alter 74,5 |
Jonas hat seinen Nettoaufwand nach 89,5 Monaten Entlastung wieder drin, Lena erst nach 158,6 Monaten. Der Unterschied entsteht allein durch den Arbeitgeberzuschuss, auch wenn Jonas dafür weniger Steuern spart als Lena.
Der Break-even allein sagt noch nichts über die Verzinsung, weil er ignoriert, dass Du das Geld Jahrzehnte früher zahlst. Aussagekräftiger ist die Rendite pro Jahr, die sich aus allen Einzahlungen und Entlastungen ergibt. Sie hängt stark davon ab, wie alt Du wirst.
Hier siehst Du, welche jährliche Rendite der Baustein je nach Lebensdauer bringt:
| Lebensdauer im Allianz-Beispiel | Ohne Steuer und Zuschuss | Lena nach Steuern | Jonas nach Steuern |
|---|---|---|---|
| bis 80 | −0,91 % | −0,07 % | 2,41 % |
| bis 85 | 0,49 % | 1,23 % | 3,45 % |
| bis 90 | 1,34 % | 2,00 % | 4,06 % |
| bis 95 | 1,89 % | 2,51 % | 4,44 % |
Für Jonas ist der Baustein eine Anlage mit garantierter Entlastung und rund 3,5 % bis 4,4 % Rendite, wenn er 85 bis 95 Jahre alt wird. Lena kommt selbst mit 90 Jahren nur auf 2 % pro Jahr. Stirbt sie vor 80, hat sie sogar weniger zurückbekommen, als sie netto eingezahlt hat. Die Zahlen gelten nur, solange der Beitrag des Bausteins unverändert bleibt, denn auch ihn darf der Versicherer anpassen.
Der größte Vorteil ist die garantierte, lebenslange Entlastung, der größte Nachteil die feste Bindung an Deinen Versicherer.
Welche Vor- und Nachteile hat der Beitragsentlastungstarif in der PKV?
Der größte Vorteil des Beitragsentlastungstarifs ist die garantierte, lebenslange Entlastung, der größte Nachteil die feste Bindung an Deinen Versicherer. Was davon schwerer wiegt, hängt von Deiner Berufsgruppe und Deinen Plänen ab.
Stiftung Warentest nennt die Bequemlichkeit als größten Vorteil, weil Du Dich um nichts kümmern musst. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät dagegen vom Abschluss eines gesonderten Bausteins ab und hält einen Tarifwechsel beim eigenen Versicherer meist für die bessere Sparmöglichkeit. Ausnahmen sieht auch sie bei Angestellten mit Arbeitgeberzuschuss.
Garantie und Arbeitgeberzuschuss sprechen für den Beitragsentlastungstarif
Für den Baustein spricht vor allem, dass er Dir eine feste Zusage für das Alter gibt, die unabhängig von der Börse gilt. Je länger Du lebst, desto mehr holst Du heraus.
Dazu kommen Vorteile, die mit Geld wenig zu tun haben. Viele Versicherte sparen nur dann zuverlässig, wenn der Betrag automatisch abgeht und nicht jederzeit verfügbar ist.
Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick:
- Du bekommst eine garantierte Entlastung in Euro, lebenslang ab dem vereinbarten Alter.
- Ein Börsencrash kurz vor dem Ruhestand ändert an dieser Entlastung nichts.
- Als Angestellter zahlt Dein Arbeitgeber bis zum Höchstbetrag die Hälfte des Beitrags.
- Du setzt den Beitrag im Rahmen der Basisabsicherung von der Steuer ab.
- Du musst nichts verwalten und keine Entnahmen planen.
Gerade die letzten beiden Punkte unterschätzen viele. Ein Depot musst Du im Alter selbst so einteilen, dass es reicht, der BET nimmt Dir diese Entscheidung ab.
Bindung an den Versicherer und Inflation sprechen gegen den Beitragsentlastungstarif
Gegen den Baustein spricht, dass Dein Geld dauerhaft beim Versicherer liegt. Wechselst Du den Anbieter oder zurück in die gesetzliche Krankenkasse, bekommst Du die Ersparnisse nicht ausgezahlt.
Auch die Rendite überzeugt ohne Arbeitgeberzuschuss kaum. Lena kommt im Beispiel selbst mit 90 Jahren nur auf 2 % pro Jahr, und das unter der Annahme, dass der Beitrag des Bausteins nie steigt.
Diese Nachteile solltest Du vor dem Abschluss kennen:
- Der Beitrag läuft meist lebenslang weiter und schmälert die Entlastung.
- Bei frühem Tod verfällt das Geld, Deine Erben bekommen nichts.
- Die feste Entlastung verliert durch Inflation an Kaufkraft, wenn Du keine Dynamik vereinbarst.
- Der Versicherer darf den Beitrag des Bausteins anpassen.
- Bei einem Wechsel zu einem anderen Versicherer fließt das Kapital in der Regel höchstens in den gesetzlichen Übertragungswert, bei einer Kündigung kann es verfallen.
Was mit Deinem Geld bei einer Kündigung passiert, regelt jeder Versicherer anders. Bei der HanseMerkur rechnet der Versicherer die Rückstellung auf eine weiterlaufende Krankheitskostenversicherung an, ohne eine solche verwendet er sie für die Versichertengemeinschaft.
Lohnt sich ein ETF-Sparplan oder eine Immobilie mehr als der Beitragsentlastungstarif?
Für Selbstständige lohnt sich ein ETF-Sparplan mit dem gleichen Nettoaufwand in den meisten Szenarien mehr, für Angestellte mit Arbeitgeberzuschuss ist der BET oft die bessere Wahl. Eine vermietete Immobilie ist kein Ersatz für einen Baustein von unter 100 € im Monat, weil sie ganz andere Summen voraussetzt.
ETF-Sparplan mit gleichem Nettoaufwand reicht für Selbstständige meist länger
Fair ist der Vergleich nur, wenn Du in den ETF den Betrag steckst, den Dich der BET netto kostet. Bei Lena sind das 66,31 € im Monat, bei Jonas 37,42 €, denn den Arbeitgeberzuschuss gibt es für einen ETF nicht. Beide sparen 32 Jahre lang in einen breit gestreuten Aktien-ETF, also einen börsengehandelten Indexfonds, mit 0,20 % laufenden Kosten pro Jahr.
Mit 67 verkaufen beide das Depot und zahlen Abgeltungsteuer mit Solidaritätszuschlag, 30 % der Gewinne bleiben als Teilfreistellung für Aktienfonds steuerfrei. Sparer-Pauschbetrag und Vorabpauschale lassen wir außen vor. Danach entnehmen sie jeden Monat 160,52 €, also so viel, wie der BET nach Steuern bringen würde, und das Restkapital wirft 2 % pro Jahr ab.
So weit kommen Lena und Jonas mit ihrem Depot:
| Marktrendite des ETF pro Jahr | Lena, Depot mit 67 nach Steuern | Reicht für 160,52 € bis Alter | Jonas, Depot mit 67 nach Steuern | Reicht für 160,52 € bis Alter |
|---|---|---|---|---|
| 3 % | 38.097 € | 92,2 | 21.499 € | 79,7 |
| 5 % | 52.995 € | über 100 | 29.906 € | 85,6 |
| 7 % | 75.991 € | über 100 | 42.883 € | 96,4 |
Für Lena ist das Ergebnis eindeutig. Schon bei 3 % Marktrendite trägt ihr Depot die gleiche Entlastung bis über 92, und das restliche Geld kann sie jederzeit nutzen oder vererben. Ähnlich wie bei der Frage, wie lange man mit 100.000 Euro im Ruhestand leben kann, entscheiden Entnahme und Rendite über die Reichweite.
Für Jonas kippt das Bild. Bei 5 % Marktrendite ist sein Depot mit gut 85 aufgebraucht, der BET zahlt dagegen weiter, egal wie alt er wird. Den ETF-Ergebnissen fehlt jede Garantie, die Werte können zwischendurch stark fallen.
Immobilie als Alternative zum Beitragsentlastungstarif braucht fünfstelliges Eigenkapital
Eine vermietete Wohnung lässt sich nicht mit 66 € oder 99 € im Monat aufbauen. Allein für die Kaufnebenkosten und das Eigenkapital brauchst Du Summen, die mit einem PKV-Baustein nichts gemein haben.
Nehmen wir eine Wohnung für 250.000 € in Baden-Württemberg. Die Grunderwerbsteuer liegt dort bei 5 %, für Notar und Grundbuch fallen üblicherweise 1,5 % bis 2 % an, und für die Finanzierung rechnen wir mit 20 % Eigenkapital.
Vor dem ersten Mieteingang kommt so diese Summe zusammen:
- Grunderwerbsteuer 5 % ergibt 12.500 €
- Notar und Grundbuch 1,5 % bis 2 % ergeben 3.750 € bis 5.000 €
- Eigenkapital 20 % ergibt 50.000 €
- zusammen brauchst Du 66.250 € bis 67.500 € aus eigener Tasche
Dazu kommen Zinsen, Instandhaltung, Leerstand und Verwaltung. Mieteinnahmen versteuerst Du als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (§ 21 EStG), einen Verkauf nach mehr als zehn Jahren dagegen nicht (§ 23 EStG). Als Privatversicherter zahlst Du auf Mieteinnahmen keine Krankenversicherungsbeiträge, freiwillig gesetzlich Versicherte dagegen schon, weil bei ihnen Mieteinnahmen in die Krankenversicherung einfließen.
Eine Immobilie kann ein sinnvoller Teil Deiner Altersvorsorge sein, wenn Preis, Miete und Finanzierung passen. Als Ersatz für einen BET taugt sie nicht, weil Größe, Risiko und Aufwand in einer anderen Liga spielen.
Ist ein Beitragsentlastungstarif in der PKV sinnvoll?
Ein Beitragsentlastungstarif ist sinnvoll, wenn Du angestellt bist, Dein Arbeitgeberzuschuss noch nicht ausgeschöpft ist und Du sicher bis ins hohe Alter bei Deinem Versicherer bleibst. In allen anderen Fällen ist er höchstens ein kleiner Sicherheitsbaustein neben einer freien Geldanlage.
Die Rechnung oben zeigt, warum die Antwort so stark von Deiner Situation abhängt. Der Arbeitgeberzuschuss übernimmt die Hälfte des Beitrags und hebt die Rendite im Beispiel um rund zwei Prozentpunkte. Ohne diesen Hebel bleibt eine niedrige Verzinsung auf eine garantierte Entlastung, für die Du Flexibilität und Vererbbarkeit aufgibst.
Für die einzelnen Gruppen ergibt sich daraus dieses Bild:
- Angestellte mit freiem Zuschuss profitieren am stärksten, weil der Arbeitgeber die Hälfte zahlt und die Rendite nach Steuern im Beispiel ab 85 Jahren über 3 % liegt.
- Angestellte mit ausgeschöpftem Zuschuss stehen wie Selbstständige da und sollten eher frei anlegen.
- Selbstständige nutzen den BET am besten als kleinen, garantierten Teil neben einem ETF-Sparplan, wenn ihnen die Sicherheit für ein sehr langes Leben wichtig ist.
- Beamte profitieren meist wenig, weil die Beihilfe im Ruhestand steigt und es keinen Arbeitgeberzuschuss gibt.
- Wer einen Wechsel des Versicherers oder zurück in die gesetzliche Kasse für möglich hält, sollte die Finger davon lassen.
Bevor Du einen BET abschließt, lohnt sich ein Blick auf die anderen Hebel. Ein Tarifwechsel beim eigenen Versicherer nach § 204 VVG, ein höherer Selbstbehalt oder der Verzicht auf einzelne Zusatzleistungen senken den Beitrag oft stärker. Mit diesen Hebeln kannst Du Deine PKV-Beiträge im Alter reduzieren, ohne Kapital für Jahrzehnte zu binden. Wie hoch die Entlastung für Dein Alter und Deinen Status ausfällt, rechnest Du mit unserem Beitragsentlastungstarif-Rechner durch.
Ob sich der Baustein für Dich lohnt, hängt an drei Fragen, die nur Du beantworten kannst. Bleibst Du sicher bei Deinem Versicherer, wie viel Zuschuss hast Du noch frei, und wie wichtig ist Dir eine Garantie gegenüber freiem, vererbbarem Kapital? Wenn Du dazu unsicher bist, rechnen wir Deine Zahlen gern gemeinsam durch.
Häufige Fragen
Ist eine Beitragsentlastung im Alter sinnvoll?
Eine Beitragsentlastung im Alter ist sinnvoll, wenn Du die Vorsorge für Deine PKV-Beiträge nicht selbst organisieren willst und lange beim Versicherer bleibst. Als Angestellter mit freiem Arbeitgeberzuschuss lohnt sie sich rechnerisch am meisten. Als Selbstständiger erreichst Du mit einem eigenen ETF-Sparplan in den meisten Szenarien mehr, allerdings ohne Garantie.
Was ist der Beitragsentlastungstarif der HUK?
Die HUK-COBURG nennt ihren Baustein „Beitragsermäßigung im Alter“, als Tarifkürzel taucht BEIT-ERM auf. Der Beitrag fließt laut HUK ausschließlich in die spätere Senkung des Beitrags und zählt bei Angestellten für den Arbeitgeberzuschuss mit. Nach dem Test von Stiftung Warentest aus dem Jahr 2017 begann die Entlastung mit 67, ließ sich ab 55 vorziehen und war bis zu einem Eintrittsalter von 62 abschließbar. Kündigst Du nur den Baustein, verfiel das Kapital laut diesem Test, eine Beitragsfreistellung war möglich. Prüf die aktuellen Bedingungen, bevor Du Dich darauf verlässt, und vergleich bei Bedarf, ob für Beamte die HUK oder die Debeka besser passt.
Wie funktioniert der Beitragsentlastungstarif der Debeka?
Die Debeka regelt die Entlastung über die „Besonderen Bedingungen M“. Auf dem Versicherungsschein steht dann zum Beispiel „NM67/50″, ab dem Monat nach dem 67. Geburtstag sinkt der Beitrag. Laut Stiftung Warentest (Stand 2017) lag das Höchstaufnahmealter bei 59, ein früherer Beginn war ab 60 möglich, und bei einer Kündigung nur des Bausteins schrieb die Debeka das Kapital der Rückstellung der Hauptversicherung gut. Damals gab es den Baustein auch zum Beihilfetarif B (BM67).
Ist ein Beitragsentlastungstarif für Beamte sinnvoll?
Für Beamte ist ein Beitragsentlastungstarif meist nicht sinnvoll. Beim Bund steigt die Beihilfe für Versorgungsempfänger auf 70 %, viele Länder haben ähnliche Regeln, sodass Deine PKV im Ruhestand nur noch einen kleineren Teil der Kosten abdeckt. Einen Arbeitgeberzuschuss bekommst Du als Beamter nicht, nur den Steuervorteil. Angeboten wird der Baustein trotzdem, die Allianz etwa nennt Beamte ausdrücklich als Zielgruppe. Die PKV-Beiträge für Beamte im Alter sinken mit dem höheren Beihilfesatz oft ohnehin, weil die PKV dann einen kleineren Kostenanteil trägt.
Zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss zum Beitragsentlastungstarif?
Ja, der Arbeitgeber zahlt die Hälfte des BET-Beitrags, solange die Hälfte Deines gesamten Krankenversicherungsbeitrags unter dem Höchstzuschuss bleibt. Im Jahr 2026 liegt dieser bei 508,59 € im Monat für die Krankenversicherung. Ist er durch Deinen Haupttarif schon ausgeschöpft, trägst Du den Baustein allein. Im Ruhestand fällt der Arbeitgeberzuschuss weg, den Beitrag für den BET zahlst Du dann vollständig selbst.


