Eine Warenkreditversicherung ersetzt Dir offene Rechnungen, wenn ein gewerblicher Kunde insolvent wird oder trotz Fälligkeit dauerhaft nicht zahlt. Sie prüft außerdem vorab die Bonität Deiner Kunden und legt für jeden ein Kreditlimit fest, bis zu dem Deine Forderungen geschützt sind.
Du erfährst hier, wann der Versicherungsfall eintritt, wie viel der Versicherer ersetzt, welche Forderungen ausgeschlossen sind und was die Absicherung kostet. Die Bedingungen und Beitragstabellen der Versicherer haben wir am 31. Oktober 2026 ausgewertet.
Was ist eine Warenkreditversicherung?
Die Warenkreditversicherung schützt Dein Unternehmen vor dem Ausfall von Forderungen aus Lieferungen, Werk- und Dienstleistungen, die Du auf Rechnung erbringst. Andere Namen dafür sind Forderungsausfallversicherung, Kreditversicherung oder Delkredereversicherung.
Den Warenkredit gibst Du Deinem Kunden selbst, sobald Du liefern und erst später kassieren willst. Mit jedem Zahlungsziel von 30 oder 60 Tagen finanzierst Du seinen Einkauf vor. Wann der Kunde spätestens in Verzug gerät, regelt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB).
Der Schuldner einer Entgeltforderung kommt spätestens in Verzug, wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung oder gleichwertigen Zahlungsaufstellung leistet; dies gilt gegenüber einem Schuldner, der Verbraucher ist, nur, wenn auf diese Folgen in der Rechnung oder Zahlungsaufstellung besonders hingewiesen worden ist.
§ 286 Abs. 3 Satz 1 BGB
Ab dem Verzug stehen Dir im Geschäft zwischen Unternehmen Zinsen von neun Prozentpunkten über dem Basiszinssatz zu (§ 288 Abs. 2 BGB) und eine Pauschale von 40 € (§ 288 Abs. 5 BGB). Bei einem insolventen Kunden helfen Dir diese Ansprüche wenig, weil am Ende oft kaum Masse übrig bleibt.
Hier setzt die Versicherung an. Sie arbeitet in drei Schritten, die die Versicherer auf ihren Produktseiten beschreiben (Stand 31. Oktober 2026). Vor dem Geschäft prüft sie Deinen Kunden und setzt ein Limit, während der Lieferbeziehung überwacht sie ihn laufend, und fällt die Forderung aus, zahlt sie Dir den versicherten Betrag abzüglich Deiner Selbstbeteiligung.
Ist eine Warenkreditversicherung für Unternehmen Pflicht?
Nein, eine gesetzliche Pflicht zur Warenkreditversicherung gibt es in Deutschland nicht. Eine Pflichtversicherung entsteht nur dort, wo eine Rechtsvorschrift sie ausdrücklich anordnet (§ 113 Abs. 1 Versicherungsvertragsgesetz, VVG), und eine solche Vorschrift für Forderungsausfälle haben wir nicht gefunden.
Berührungspunkte gibt es beim Factoring. Die R+V beschreibt in ihrem Ratgeber, dass Factoringgesellschaften das Ausfallrisiko oft in Zusammenarbeit mit einem Warenkreditversicherer übernehmen.
Rechtlich gilt die gewerbliche Kreditversicherung als Großrisiko (§ 210 Abs. 2 Nr. 2 VVG). Für Großrisiken gelten viele Schutzvorschriften des VVG nicht zwingend (§ 210 Abs. 1 VVG). Was Dir im Schadenfall zusteht, regeln deshalb fast vollständig die Bedingungen Deines Versicherers, und die weichen bei Fristen und Quoten deutlich voneinander ab.
Für welche Unternehmen lohnt sich eine Warenkreditversicherung?
Eine Warenkreditversicherung lohnt sich für Unternehmen, die andere Firmen auf Rechnung beliefern und bei denen der Ausfall eines großen Kunden die eigene Liquidität gefährden würde. Das betrifft Großhandel, Industrie, Bau, Transport und Spedition sowie Dienstleister mit Firmenkunden, die die R+V als typische Zielgruppen nennt.
Allianz Trade rechnet vor, wie schwer ein Ausfall wiegt. Um 10.000 € Forderungsverlust auszugleichen, brauchst Du bei mittlerer Umsatzrendite rund 250.000 € zusätzlichen Umsatz (Stand 31. Oktober 2026).
Das Risiko ist zuletzt gestiegen. Das Statistische Bundesamt zählte 24.064 Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025, 10,3 % mehr als im Vorjahr, mit voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger von rund 47,9 Mrd. € (Pressemitteilung vom 13. März 2026). Im ersten Halbjahr 2026 registrierten die Amtsgerichte 12.812 Unternehmensinsolvenzen, 6,7 % mehr als im Vorjahreszeitraum (Pressemitteilung vom 11. September 2026). Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erwartet für 2026 einen weiteren Anstieg auf 24.500 Fälle (Stand 16. Dezember 2025).
Je nach Branche liegt die Insolvenzhäufigkeit weit auseinander. Liefert Dein Betrieb vor allem an Kunden aus diesen Wirtschaftszweigen, ist das Ausfallrisiko höher als im Durchschnitt.
Diese Branchen hatten 2025 laut Statistischem Bundesamt die meisten Insolvenzen:
| Wirtschaftszweig Deiner Kunden | Unternehmensinsolvenzen je 10.000 Unternehmen im Jahr 2025 |
|---|---|
| Verkehr und Lagerei | 133 |
| Gastgewerbe | 108 |
| Baugewerbe | 104 |
| Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, etwa Zeitarbeit | 100 |
Bisher nutzen vor allem große Firmen diese Absicherung. Laut einer GDV-Studie haben über 40 % der großen, aber nur 10 % der mittelgroßen Unternehmen eine Warenkreditversicherung (Stand 16. Dezember 2025).
Weniger sinnvoll ist sie, wenn Du überwiegend gegen Vorkasse, an Privatkunden oder an Behörden lieferst. Forderungen gegen Bund, Länder, Landkreise und Gemeinden sowie gegen andere öffentliche Stellen, gegen die kein Insolvenzverfahren zulässig ist, schließt etwa die R+V aus (Ziffer 4.7 AVB WKV, Fassung 11/2025). Welche weiteren Policen ein Betrieb braucht, haben wir im Beitrag über notwendige Versicherungen für Gewerbetreibende zusammengestellt.
Wann zahlt die Warenkreditversicherung?
Die Warenkreditversicherung zahlt, wenn Dein Kunde zahlungsunfähig ist oder eine fällige Forderung über eine vertraglich festgelegte Frist hinaus nicht begleicht. Viele Verträge kennen dafür zwei Wege, die Insolvenz und den Nichtzahlungstatbestand. Welcher Weg für Kunden in welchem Land gilt, steht bei der R+V im Versicherungsschein (Ziffer 3).
Als Insolvenz zählt nach den Allgemeinen Versicherungsbedingungen der R+V (AVB WKV, Fassung 11/2025, Ziffer 3.1) die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, die Abweisung mangels Masse, ein bestätigter Insolvenzplan oder ein Vergleich mit allen Gläubigern. Auch eine nachweislich aussichtslose Zwangsvollstreckung löst den Versicherungsfall aus. Die bloße Auskunft, der Kunde sei unbekannt verzogen, reicht dafür nicht.
Für den Nichtzahlungstatbestand nennt die R+V in ihren Bedingungen eine feste Frist.
Die Zahlungsunfähigkeit bei Ihrem Kunden tritt auch dann ein, wenn dieser Ihre Forderung nicht innerhalb von zwei Monaten nach der ursprünglichen Fälligkeit bezahlt hat.
Ziffer 3.2 AVB WKV der R+V, Fassung 11/2025
Du musst also kein Insolvenzverfahren abwarten. Bei einem Zahlungsziel von 14 Tagen trat der Versicherungsfall im Praxisbeispiel der R+V zwei Monate nach der ursprünglichen Fälligkeit ein.
Andere Versicherer setzen zuerst auf Inkasso. Bei Allianz Trade, Atradius und Coface übernimmt der Versicherer die Beitreibung und entschädigt Dich, wenn sie in der vereinbarten Frist scheitert. Die R+V kennt diesen Weg zusätzlich. Hast Du innerhalb von zwei Monaten nach Fälligkeit ein Inkassobüro oder einen Anwalt beauftragt und ist drei Monate danach nicht vollständig gezahlt, liegt ebenfalls ein Versicherungsfall vor (Ziffer 3.3). Wie Du ein Inkassobüro einschaltest, erklären wir im Beitrag zur Frage, ob Du ein Inkassobüro online beauftragen kannst.
Diese Fristen nennen zwei Versicherer in ihren Unterlagen (Stand 31. Oktober 2026):
| Frist in der Warenkreditversicherung | R+V, AVB WKV 11/2025 | VHV, Forderungsausfall BASIS |
|---|---|---|
| Nichtzahlung gilt als Versicherungsfall | 2 Monate nach ursprünglicher Fälligkeit | Schutz nach 3 Monaten |
| Eigene Mahnphase nach Fälligkeit | bis 2 Monate | 2 Monate, danach Überfälligkeit melden |
| Inkassoweg | 3 Monate nach Beauftragung binnen 2 Monaten | in BASIS nicht beschrieben |
| Meldung des Versicherungsfalls | binnen 3 Monaten nach Eintritt | Überfälligkeit nach 2 Monaten |
| Auszahlung | spätestens 1 Monat nach Nachweis | auf der Produktseite nicht genannt |
Die Meldefrist ist streng. Meldest Du einen Versicherungsfall bei der R+V nicht innerhalb von drei Monaten, erlischt Dein Anspruch (Ziffer 3.4).
Wie funktioniert das Kreditlimit in der Warenkreditversicherung?
Das Kreditlimit ist der Höchstbetrag, bis zu dem Deine Forderungen gegen einen bestimmten Kunden versichert sind. Der Versicherer legt es nach einer Bonitätsprüfung fest und überwacht den Kunden danach laufend, so beschreiben es Atradius und Allianz Trade auf ihren Produktseiten (Stand 31. Oktober 2026).
Liefert ein Kunde mehr, als sein Limit hergibt, bleibt der übersteigende Teil Dein Risiko. Bei der R+V heißt das Limit Versicherungssumme und gilt als Obergrenze für alle ausgefallenen Forderungen gegen diesen Kunden (Ziffer 2.2.4).
Verschlechtert sich die Lage eines Kunden, kann der Versicherer das Limit jederzeit senken oder streichen (Ziffer 2.2.2). Das wirkt für künftige Lieferungen. Für Leistungen, die Du vorher fest zugesagt hast und nicht mehr verweigern kannst, gilt bei der R+V ein Vertrauensschutz (Ziffer 2.2.3).
Für kleine Forderungen brauchst Du nicht immer eine Prüfung. Die R+V versichert Forderungen bis insgesamt 10.000 € je Kunde ohne festgesetzte Summe, wenn unter anderem keine negativen Zahlungsinformationen über ihn vorlagen und er Dir in den sechs Monaten vor der Lieferung keine Rechnung länger als zwei Monate schuldig geblieben ist (Ziffer 2.1). Die VHV deckt im Tarif BASIS Inlandsforderungen bis 5.000 € netto ohne Bonitätsprüfung, für den Onlinehandel gilt diese Blinddeckung nicht.
Die Bonitätsprüfungen kosten teils extra. Bei der VHV sind im Tarif BASIS bis zu 25 Prüfungen für Kunden in Deutschland und Österreich frei, jedes weitere Paket mit 25 Prüfungen kostet 250 €, eine Prüfung eines Kunden im übrigen Ausland 60 €, jeweils zuzüglich Umsatzsteuer (Stand 31. Oktober 2026).
Wie viel ersetzt die Warenkreditversicherung im Schadenfall?
Die Warenkreditversicherung ersetzt den versicherten Forderungsausfall abzüglich einer Selbstbeteiligung, in den von uns ausgewerteten Verträgen 80 bis 90 % der Forderung (Stand 31. Oktober 2026). Zahlungen des Kunden und Erlöse aus einem Eigentumsvorbehalt rechnet der Versicherer vorher ab (Ziffer 5.2 AVB WKV der R+V).
Die R+V zieht 20 % ab, wenn auf die Forderung Umsatzsteuer anfällt, sonst 10 %, mindestens 250 € (Ziffer 5.3). Bei 80.000 € Ausfall und 100.000 € Versicherungssumme erhältst Du laut Bedingungen 64.000 €. Fallen 200.000 € aus, zahlt die R+V höchstens auf Basis der 100.000 € Versicherungssumme, also 80.000 €.
Die Selbstbeteiligung darfst Du bei der R+V nicht anderweitig versichern. Damit bleibst Du an jedem Ausfall beteiligt und hast ein eigenes Interesse an sorgfältigen Kreditentscheidungen.
Neben der Grenze je Kunde gibt es eine Grenze je Jahr. Die R+V zahlt pro Versicherungsjahr höchstens das 40-Fache des Jahresnettobeitrags für die Grunddeckung (Ziffer 6.2), bei der VHV steht die Jahreshöchstentschädigung fest in der gewählten Tarifvariante.
So unterscheiden sich Selbstbeteiligung und Höchstgrenzen bei zwei Versicherern (Stand 31. Oktober 2026):
| Versicherer und Tarif | Selbstbeteiligung je Ausfall | Mindestselbstbeteiligung | Höchstgrenze je Versicherungsjahr |
|---|---|---|---|
| R+V, Warenkreditversicherung | 20 % mit Umsatzsteuer, 10 % ohne | 250 € | 40-facher Jahresnettobeitrag |
| VHV, Forderungsausfall BASIS | 10 % | 500 € | 25.000 € bis 250.000 € je Variante |
Sind alle Nachweise da, zahlt die R+V spätestens nach einem Monat (Ziffer 5.4). Steht die Höhe des Ausfalls sechs Monate nach Eingang der Schadenmeldung noch nicht fest, rechnet sie vorläufig ab und leistet notfalls 80 % des mutmaßlichen Ausfalls abzüglich Selbstbeteiligung (Ziffer 5.5).
Welche Zusatzbausteine bietet die Warenkreditversicherung?
Die wichtigsten Zusatzbausteine decken die Insolvenzanfechtung, bestrittene Forderungen und Kosten für Sonderanfertigungen. Welche Du brauchst, hängt von Deinen Lieferbedingungen und Deinen Kunden ab.
Die Insolvenzanfechtung trifft Dich, wenn Dein Kunde längst gezahlt hat. Der Insolvenzverwalter kann Zahlungen zurückfordern, die der Schuldner mit dem Vorsatz geleistet hat, andere Gläubiger zu benachteiligen, und Du davon wusstest. Bei einer Befriedigung gilt dafür ein Zeitraum von vier Jahren vor dem Insolvenzantrag (§ 133 Abs. 2 Insolvenzordnung, InsO).
Die R+V erhöht in diesem Fall Versicherungssumme und Jahreshöchstentschädigung um das Fünffache des Jahresnettobeitrags und deckt Leistungen bis vier Jahre vor Vertragsbeginn mit (Ziffer 22). Allianz Trade bietet eine eigene Insolvenzanfechtungsversicherung mit Summen von 75.000 € bis 10 Mio. € an (Stand 31. Oktober 2026).
Diese weiteren Bausteine finden sich in den Unterlagen der Versicherer:
- Rechtsschutz für bestrittene Forderungen (R+V)
- Mediation bei Streit mit dem Kunden bis 2.000 € je Verfahren (R+V)
- Selbstkosten bei Sonderanfertigungen (R+V)
- Einzelabsicherung für einen einzelnen Kunden (R+V, VHV)
- Zusatzdeckung über abgelehnte Limits hinaus (Allianz Trade)
- Investitionsgüter ab 100.000 € Auftragswert (Atradius)
- Vorabentschädigung für Baubetriebe bis 70 % (VHV)
Der Rechtsschutz der R+V greift, wenn Dein Kunde die Forderung bestreitet und die Warenkreditversicherung deshalb nicht zahlt. Er zahlt höchstens 50.000 € pro Versicherungsjahr und für denselben Kunden höchstens 50.000 € über die gesamte Vertragslaufzeit, die Zusage musst Du binnen sechs Monaten nach der Ablehnung beantragen (Ziffer 40 und 42.2). Wann bei einem Streit eher ein Anwalt hilft, erklären wir im Beitrag Inkasso oder Anwalt.
Bei Sonderanfertigungen ersetzt die R+V die Selbstkosten aus den zwölf Monaten vor dem Versicherungsfall (Ziffer 20.3.1). Das hilft, wenn ein Kunde vor der Lieferung insolvent wird und Du auf einer Maschine sitzt, die kein anderer braucht.
Welche Forderungen schließt die Warenkreditversicherung aus?
Die Warenkreditversicherung zahlt nicht für bestrittene Forderungen, Forderungen gegen verbundene oder nahestehende Unternehmen und Nebenforderungen wie Zinsen oder Mahngebühren. Versichert ist nach den R+V-Bedingungen nur eine Forderung, die berechtigt, fällig, in Rechnung gestellt und unbestritten ist (Ziffer 1.1).
Bestreitet Dein Kunde die Rechnung wegen angeblicher Mängel, ist der Streit zuerst zu klären. Für unbestrittene Teile einer Rechnung kann der Schutz trotzdem bestehen. SIGNAL IDUNA nennt auf ihrer Produktseite Forderungen, die wegen mangelhafter Leistung bestritten werden, ausdrücklich als nicht versichert.
Auch politische Risiken schließen viele Verträge aus. Die R+V zahlt nicht, wenn Krieg, Beschlagnahme oder behördliche Sperren des Zahlungsverkehrs den Ausfall mit verursacht haben (Ziffer 4.11). Für Exporte in unsichere Länder musst Du diesen Punkt deshalb gesondert prüfen.
Diese Forderungen deckt die R+V nicht
- Zinsen, Mahngebühren und Vertragsstrafen
- Forderungen gegen Gesellschafter oder Angehörige
- Umsätze mit verbundenen Unternehmen
- Forderungen gegen Bund, Länder und Gemeinden
- Miete und Pacht für Immobilien
- Provisionen und Courtagen
- Kosten der Rechtsverfolgung
- Ausfälle durch Krieg oder Naturkatastrophen
Wer bereits weiß, dass ein Kunde Zahlungsprobleme hat, bekommt für neue Lieferungen ebenfalls keinen Schutz. Die R+V verlangt, dass zum Zeitpunkt der Lieferung keine negative Zahlungsinformation vorlag, etwa eine Eintragung im Schuldnerverzeichnis oder ein Insolvenzantrag (Ziffer 2.1).
Was kostet eine Warenkreditversicherung?
Eine Warenkreditversicherung für kleine Betriebe beginnt in unserer Auswertung bei rund 600 € im Jahr (Stand 31. Oktober 2026), größere Verträge kosten nach Angaben von Atradius und Coface häufig unter 1 % des Umsatzes. Den Preis bestimmen viele Faktoren, vor allem Umsatz, Branche, Kundenstruktur, Exportanteil, Zahlungsziele, frühere Forderungsverluste und die gewählte Selbstbeteiligung.
Die meisten Versicherer kalkulieren jeden Vertrag einzeln. Allianz Trade bewertet die Forderungsverluste der letzten drei bis fünf Jahre und verlangt in Rezessionen in der Regel höhere Prämien (Stand 31. Oktober 2026).
Eine Ausnahme ist die VHV. Im Tarif Forderungsausfall BASIS für Betriebe bis 15 Mio. € Umsatz wählst Du eine von acht Varianten mit festem Jahresbeitrag, unabhängig vom Umsatz.
Diese Jahresbeiträge nennt die VHV in ihrer Beitragsübersicht (abgerufen am 31. Oktober 2026, inklusive 19 % Versicherungsteuer):
| Variante VHV Forderungsausfall | Jahreshöchstentschädigung | Schutz je Abnehmer | Jahresbeitrag BASIS | Jahresbeitrag BASIS BAU |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 25.000 € | 10.000 € | 606,90 € | 728,28 € |
| 2 | 50.000 € | 25.000 € | 1.249,50 € | 1.499,40 € |
| 3 | 75.000 € | 37.500 € | 2.082,50 € | 2.499,00 € |
| 4 | 100.000 € | 50.000 € | 2.713,20 € | 3.255,84 € |
| 5 | 125.000 € | 62.500 € | 3.570,00 € | 4.284,00 € |
| 6 | 150.000 € | 75.000 € | 4.569,60 € | 5.483,52 € |
| 7 | 200.000 € | 100.000 € | 5.997,60 € | 7.197,12 € |
| 8 | 250.000 € | 125.000 € | 7.425,60 € | 8.910,72 € |
Der Jahresbeitrag entspricht damit 2,4 bis 3,0 % der maximalen Jahresentschädigung, die Bauvariante kostet 20 % mehr. Ab Variante 4 kannst Du vierteljährlich ohne Zuschlag zahlen.
Der Tabellentarif passt vor allem zu Betrieben mit überschaubaren Forderungen je Kunde. Liegen einzelne Rechnungen deutlich über 125.000 €, reicht selbst Variante 8 nicht aus.
Für größere Unternehmen kalkulieren die Versicherer individuell und nennen nur Mindestbeiträge oder Richtwerte. Wie viel Du am Ende zahlst, hängt hier stark von Umsatz, Branche und Schadenhistorie ab.
Diese Angaben stehen auf den Produktseiten der Versicherer (Stand 31. Oktober 2026):
| Versicherer | Angabe zum Beitrag der Warenkreditversicherung |
|---|---|
| Allianz Trade | Mindestprämie 2.000 € im Jahr |
| Coface, EasyLiner bis 10 Mio. € Umsatz | ab 3.000 € im Jahr |
| Coface, über 10 Mio. € Umsatz | im Schnitt 0,1 bis 1 % des Umsatzes |
| Atradius | häufig unter 1 % des versicherten Umsatzes |
| R+V und SIGNAL IDUNA | keine Preise, Angebot über Berater |
Bleibst Du schadenfrei, bekommst Du bei der R+V bis zu 40 % des Beitrags zurück, SIGNAL IDUNA nennt denselben Satz. Prüfe bei der Wahl auch die Kosten für Bonitätsprüfungen, denn sie stehen oft in einer eigenen Gebührentabelle.
Beiträge zählen als Betriebsausgaben
Die Beiträge zur Warenkreditversicherung kannst Du als Betriebsausgaben absetzen, weil sie ein betriebliches Risiko absichern (§ 4 Abs. 4 Einkommensteuergesetz). Auf den Beitrag fällt Versicherungsteuer von 19 % an (§ 6 Abs. 1 Versicherungsteuergesetz), einen Sondersatz für Kreditversicherungen gibt es nicht.
Umsatzsteuer enthält der Beitrag nicht (§ 4 Nr. 10 a Umsatzsteuergesetz), Du kannst daraus also keine Vorsteuer ziehen. Bei 1.000 € Nettobeitrag stehen 1.190 € auf Deiner Rechnung.
Fällt eine Forderung endgültig aus, darfst Du die abgeführte Umsatzsteuer berichtigen (§ 17 Abs. 2 Nr. 1 UStG). Zahlt der Kunde später doch, berichtigst Du erneut. Die Buchung der Entschädigung besprichst Du am besten mit Deiner Steuerberatung.
Welche Alternativen gibt es zur Warenkreditversicherung?
Zur Warenkreditversicherung gibt es mehrere Alternativen, vor allem Factoring, Vorkasse, Sicherheiten und ein konsequentes Mahnwesen. Jede davon löst einen Teil des Problems, keine ersetzt den vollständigen Schutz vor der Insolvenz eines großen Kunden.
Beim echten Factoring verkaufst Du Deine Rechnungen und der Factor übernimmt das Ausfallrisiko. Du bekommst dafür sofort Geld, der Factor kauft die Forderung aber mit einem Abschlag, so beschreibt es die R+V in ihrem Ratgeber. Den Unterschied beider Modelle erklären wir im Beitrag Inkasso oder Factoring.
Ein Eigentumsvorbehalt sichert Dir die gelieferte Ware bis zur vollständigen Zahlung (§ 449 Abs. 1 BGB). Herausverlangen kannst Du sie aber erst nach einem Rücktritt vom Vertrag (§ 449 Abs. 2 BGB), und ist sie verarbeitet oder weiterverkauft, hilft er oft wenig.
Diese Wege nutzen Unternehmen statt oder neben einer Warenkreditversicherung:
- Factoring mit Übernahme des Ausfallrisikos
- Vorkasse, Anzahlung oder Lastschrift
- Eigentumsvorbehalt an der gelieferten Ware
- Bankbürgschaft oder Akkreditiv des Kunden
- eigene Bonitätsauskünfte vor dem Auftrag
- schnelles Mahnwesen mit Inkasso oder Mahnbescheid
Beim Mahnwesen zählt Tempo. Ob Du nach der Mahnung besser ein Inkassobüro einschaltest oder einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragst, liest Du im Beitrag Inkasso oder Mahnbescheid.
Verwechsle die Warenkreditversicherung nicht mit dem Baustein Forderungsausfall in der Betriebshaftpflicht. Dieser zahlt, wenn Dir jemand einen Schaden zufügt und den Schadenersatz nicht leisten kann, offene Rechnungen Deiner Kunden deckt er nicht. Welche Haftpflichtbausteine Dein Betrieb braucht, zeigt unsere Seite zu Betriebshaftpflicht und Firmenschutz.
Ebenso eigenständig ist die Transportversicherung. Sie ersetzt Waren, die auf dem Weg zum Kunden beschädigt werden oder verloren gehen, und keine unbezahlten Rechnungen. Lösungen dafür findest Du auf unserer Seite zur Absicherung von Transporten.
Was musst Du im Schadenfall der Warenkreditversicherung tun?
Im Schadenfall mahnst Du Deinen Kunden zügig, meldest die überfällige Forderung fristgerecht und reichst Rechnungen, Lieferscheine und Mahnungen beim Versicherer ein. Wer die Fristen verpasst, verliert den Anspruch.
SIGNAL IDUNA beschreibt für ihre Forderungsausfallversicherung bei der R+V drei Mahnstufen. Zuerst klärst Du telefonisch, dann folgt eine Erinnerung mit ein bis zwei Wochen Frist und danach eine Mahnung per Einwurf-Einschreiben, alles innerhalb von höchstens zwei Monaten nach Ablauf des Zahlungsziels.
Diese Schritte sichern Deine Entschädigung
- Kunden nach Fälligkeit sofort erinnern und mahnen
- Mahnungen nachweisbar verschicken
- überfällige Forderung fristgerecht melden
- bei Zweifeln keine neuen Lieferungen auf Rechnung
- Rechnungen, Lieferscheine und Mahnungen sammeln
- Fragen des Versicherers vollständig beantworten
Mit der Schadenmeldung trittst Du Deine Forderung an den Versicherer ab, mit der Entschädigung nimmt er die Abtretung an (Ziffer 7.1 AVB WKV der R+V). Den Schaden musst Du nach Möglichkeit abwenden und mindern (§ 82 VVG), etwa durch das Geltendmachen Deines Eigentumsvorbehalts.
Ist der Kunde bereits insolvent, lohnt eine Zwangsvollstreckung meist nicht mehr. Wann ein Gerichtsvollzieher noch etwas bewirken kann, erklären wir im Beitrag Inkasso oder Gerichtsvollzieher.
Verletzt Du eine Pflicht vor dem Versicherungsfall schuldhaft, kann die R+V für den betroffenen Kunden leistungsfrei werden und den Vertrag binnen eines Monats ab Kenntnis kündigen (Ziffer 32). Halte Dich deshalb an die Fristen in Deinem Versicherungsschein.
Welche Fragen stellen Unternehmer zur Warenkreditversicherung am häufigsten?
Diese Fragen tauchen in der Google-Suche zur Warenkreditversicherung am häufigsten auf. Die Antworten fassen die wichtigsten Punkte aus den Abschnitten oben kurz zusammen.
Was macht eine Warenkreditversicherung?
Sie ersetzt Dir offene Rechnungen, wenn ein gewerblicher Kunde insolvent wird oder dauerhaft nicht zahlt. Vorher prüft der Versicherer die Bonität Deiner Kunden und legt für jeden ein Kreditlimit fest. Im Schadenfall zahlt er den Ausfall abzüglich Deiner Selbstbeteiligung.
Wann greift eine Warenkreditversicherung?
Sie greift bei Insolvenz des Kunden und meist auch bei längerer Nichtzahlung. Bei der R+V gilt eine Forderung als ausgefallen, wenn der Kunde sie nicht innerhalb von zwei Monaten nach der ursprünglichen Fälligkeit bezahlt (Fassung 11/2025). Die VHV gewährt im Tarif BASIS Schutz nach drei Monaten.
Was kostet eine Warenkreditversicherung?
Bei der VHV kostet der kleinste Tarif 606,90 € im Jahr inklusive Versicherungsteuer für bis zu 25.000 € Jahresentschädigung. Allianz Trade nennt eine Mindestprämie von 2.000 €, Coface ab 3.000 € im Jahr (Stand 31. Oktober 2026). Den Preis bestimmen Umsatz, Branche, Kundenstruktur, Export und frühere Ausfälle.
Welche Nachteile hat eine Warenkreditversicherung?
Einen Teil jedes Ausfalls zahlst Du selbst, bei der R+V 20 % je Ausfall bei umsatzsteuerpflichtigen Forderungen. Der Versicherer kann Kreditlimite senken oder streichen, bestrittene Forderungen sind nicht versichert, und Fristen für Mahnung und Meldung musst Du strikt einhalten.
Ist eine Kreditversicherung notwendig?
Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht. Sinnvoll ist sie, wenn Du größere Beträge auf Rechnung an Firmenkunden lieferst und ein einzelner Ausfall Deine Liquidität gefährden würde. Factoringgesellschaften arbeiten laut R+V oft mit einem Warenkreditversicherer zusammen.
Was ist ein Warenkredit?
Ein Warenkredit entsteht, wenn Du lieferst oder leistest und Deinem Kunden ein Zahlungsziel einräumst. Bis zur Zahlung finanzierst Du seinen Einkauf vor. Spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Rechnungszugang gerät ein Firmenkunde in Verzug (§ 286 Abs. 3 BGB).
Was ist eine Forderungsausfallversicherung?
Forderungsausfallversicherung ist ein anderer Name für die Warenkreditversicherung, die VHV und SIGNAL IDUNA nutzen ihn für ihre Produkte. Davon zu unterscheiden ist der gleichnamige Baustein in der Haftpflicht, der nur nicht bezahlten Schadenersatz ersetzt.
Wie kann ich mich vor Forderungsausfall absichern?
Neben der Warenkreditversicherung helfen Vorkasse, Eigentumsvorbehalt, Bürgschaften, Bonitätsauskünfte und ein schnelles Mahnwesen. Beim echten Factoring verkaufst Du die Rechnung und gibst das Ausfallrisiko an den Factor ab. Vollen Schutz bei der Insolvenz eines großen Kunden bietet am ehesten die Versicherung.
Kann ich die Warenkreditversicherung von der Steuer absetzen?
Ja, die Beiträge sind Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 4 EStG). Auf den Beitrag fallen 19 % Versicherungsteuer an. Fällt eine Forderung endgültig aus, berichtigst Du die bereits abgeführte Umsatzsteuer (§ 17 Abs. 2 Nr. 1 UStG).
Wie hilft Dir COVAGO bei der Wahl Deiner Warenkreditversicherung?
In der Beratung klären wir, ob sich eine Warenkreditversicherung für Deine Kundenstruktur lohnt, welche Kreditlimite Du brauchst und welche Fristen zu Deinem Mahnwesen passen. Deine Ansprechpartner sind Melanie Schaser und Johannes Haumann.
Wir vergleichen Tabellentarife und individuelle Verträge, prüfen Selbstbeteiligung, Jahreshöchstentschädigung, Insolvenzanfechtung und Exportländer und holen passende Angebote für Dich ein. Einen Termin vereinbarst Du direkt über Termin buchen. Wie wir Dich darüber hinaus vor Zahlungsausfällen schützen, zeigt unsere Seite zum Forderungsmanagement für Unternehmen.

